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Ausgabe:

1927

Spalte:

121-128

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Calvin, Joannis

Titel/Untertitel:

Opera Selecta. Edidit Petrus Barth. Vol. I 1927

Rezensent:

Bornkamm, Heinrich

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Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: vierteljährlich Rm. 9—. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

17 loh j_ f. Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Oöttingen, iq ur 1077

Oi. janrg. irr, 0. Bauratgerberstr. la, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. f'lUrZ Izil.

Spalte

Calvin, Opera Selecta (Bornkamm) ... 121

Jeremias, Golgotha (Staerk)....... 128

Lins, Geschichte der bayerischen Franziskanerprovinz
zum hl. Antonius von Padua

(Lempp).................. 131

Ehrlich, Kant und Husser) (Knittermeyer). 132
Lütgert, Die Religion des deutschen

Idealismus und ihr Ende (Adolph) .... 133

Spalte

Gogarten, Illusionen (Knittermeyer). . . 136

Fendt, Symbolik des römischen Katholizismus
(Koch).................140

Stolzenburg, Anthroposophie u. Christentum
(Adolph;...............141

Sombart, Soziologie (Thimme)......141

Söderblom, Der evangelische Begriff
eines Heiligen (Niebergall)........142

Spalte

Ranke, Aus zwei Jahrtausenden deutscher
Geschichte (Schuster)...........142

Aehren aus der Garbe (Günther)......142

Benz, Vom Anfang aller Dinge (Schian) 143

Mitteilung (Hirsch) .............143

Calvin, Joannis: Opera Selecta. Edidit Petrus Barth. Vol. 1:
Scripta Calvini ab anno 1533 usque ad annum 1541 continens.
München: Chr. Kaiser 1Q26. (XII, 530 S. m. e. Bildnis.) 8».
Rm. 13.50; geb. 15.50; Subskr.-Preis Rm. 11—; geb. 13—.
Der vorliegende Band hat bereits seine Geschichte.
Nicht lange nach seinem Erscheinen ist er von H.
Rückert in der Deutsch. Lit. Ztg. 1926, Sp. 1390ff. einer
scharfen Kritik unterzogen worden, auf die Barth im
neuesten Heft der Zeitschrift für Kirchengeschichte (45.
1926. S. 412 ff.) geantwortet hat. Ebenda (S. 417 f.)
findet sich eine Erwiderung Rückerts. Durch diese
Auseinandersetzung ist auch meine Anzeige unliebsam
verzögert worden. Herr Pfarrer Barth hatte
gebeten, zunächst seine Entgegnung abzuwarten.
Da seine Antwort aber so gut wie gar keine sachliche
Erwiderung auf Rückerts Einzelausstellungen
bringt, habe ich keinen Anlaß gehabt, an meiner seit Anfang
Oktober 1926 fertig liegenden Besprechung etwas
Nennenswertes zu ändern. Ich bitte nur, mir das verspätete
Erscheinen nicht zur Last zu legen.

Man kann es nur begrüßen, daß B. den Gesichtspunkt
einer praktischen, nicht an strengen wissenschaftlichen
Anforderungen zu messenden Ausgabe, den er in
seiner Selbstverteidigung so stark zu Hilfe nimmt, nicht
schon von Anfang an zum leitenden Gedanken seiner
Herausgebertätigkeit gemacht hat. Sondern in der richtigen
Erkenntnis, daß Calvins Werke nach der ungenügenden
Behandlung, die ihnen bisher, auch noch im
Corpus Reformatorum, zuteil geworden ist, ein neues
Gewand brauchen, und zwar umsomehr, je mehr das
Bedürfnis in der gegenwärtigen theologischen Lage
nach ihnen verlangt, hat er sich das Ziel selbständiger
Arbeit in Vorreden, Textherstellung und Nachweis der
Zitate gesteckt. Ein Blick in den Band lehrt, daß nicht
nur eine glückliche Auswahl getroffen, sondern auch
eine nicht geringe Mühe im einzelnen auf ihn verwendet
worden ist. Je dankbarer man das anerkennt, um so
schmerzlicher ist es, zu sehen, daß diese Arbeit Barths
und seiner Mitarbeiter — er hat sich vor allem der
ndfe A. v. Harnacks, W. Köhlers und A. Gilgs beim
Nachweis der Belegstellen zu erfreuen gehabt — aufs
schwerste beeinträchtigt, ja in ihrer wissenschaftlichen
Wirkung geradezu zu nichte gemacht worden ist, weil
V^r beherrschende Wille eines geschulten, umsichtigen
•»erausgebers fehlte. Alle Mühe im einzelnen hebt nicht
*UT> daß man mit Bedauern feststellen muß, daß der
' and der Ausgabe ein Musterbeispiel von Halbheit
una bystemlosigkeit geworden ist. Ich kann den Beweis
uatur natürlich nur mit zersplittertem Einzelmaterial
antreten. Die Rücksicht auf die Benutzer der Ausgabe
hat mich bewogen, das, was ich bei Stichproben

gesammelt habe, unten geschlossen zum Abdruck zu
bringen. Ich muß daher für die Unbequemlichkeit,
die sich durch das häufige Verweisen durch die bloßen
Seitenzahlen auf diese Belege ergibt, um Entschuldigung
bitten.

Für seine Aufgabe hatte Barth das treffliche Vorbild
der Clemenschen Lutherausgabe. Offensichtlich ist
er ihm in der Art der Anlage und der Druckeinrichtung
gefolgt, z. B. hat er nach Cl.s Beispiel die
Seitenzahlen des C. R. am Rande vermerkt. (Warum
dann übrigens nicht genau? Seitenabschnitte im Wort
oder vor einer Überschrift [z. B. 118, 162] werden
grundsätzlich nicht respektiert; S. 294 Z. 40 kommt er
um 2 Worte zu spät, S. 49p ist sogar eine Differenz von
4 Seiten). Man kann es nur bedauern, daß Barth sich
diesem glänzend bewährten Vorbild nicht noch enger angeschlossen
hat. Er hätte daraus namentlich für seine
Vorreden lernen können. Während deinen mit
knappen Quellenbelegen Veranlassung und Entstehungs-
umstände der betr. Schrift mit großer Präzision verdeutlichte
und im übrigen an die einschlägige Literatur
heranführte, bilden B.s breite Darlegungen beinahe ein
kleines Leben Calvins, das andererseits in dieser Kürze
dem, der Einzelheiten erfahren will, nicht genügen kann.

Quellenstellen werden selten gebracht, noch seltener nachgewiesen
(z. B. wird S. 492 Z. 40 ordentlich zitiert, Z. 12 auf derselben
Seite nicht; vgl. auch S. 500, llff.). Nahezu vollständig fehlen
Literaturangaben. Weder Kampschiilte noch Doumergue noch, Hermin-
jard noch Wernles Erklärung der Institutio werden jemals zur Ergänzung
herangezogen. Wo einmal schwierigere literarische Fragen
liegen, bei dem Verhältnis des lat. und franz. Textes des Katechismus
v. 1537 und den Text- und Verfasserschaftsproblemen der Confession
de la foy, wo also eine Vorrede ihre besondere Aufgabe gehabt hätte,
fehlt den flüchtigen Bemerkungen der greifbare Inhalt (S. 367f.). Die
Angaben über Handschriften, Drucke und erste Übersetzungen sind
völlig inkonsequent: einmal versucht B. eine Übersicht zu geben, aber
unvollständig (s. u. S. 286, 33ff.), für gewöhnlich fehlen sie ganz. (S.
494. 502). An Stelle der Tatsachen, die man aufs dringendste vermißt
, treten überflüssige Betrachtungen, ja Inhaltsangaben der nachfolgenden
Schrift (S. 365f. 501f.), wodurch die Vorreden ungebührlich
in die Breite wachsen. Für die 4 Seiten des Epinicion gibt es
eine Praefatio von 5S., die freilich erst nach 3S. zur Sache kommt.

Neben den erheblichen sachlichen Lücken sind die
Einleitungen auch nicht frei von groben Fehlern. Barth
weiß nichts davon, daß die Verfasserschaft Calvins für
die Concio academica 1533, die er als erstes Stück abdruckt
(S. 4ff.) von K. Müller in seinem bekannten
Aufsatz über Calvins Bekehrung (Nachr. d. Gött. Ges. d
W. Phil. Hist. Kl. 1905, 224ff.) aufs stärkste erschüttert,
ja wohl unmöglich gemacht worden ist. Das Stück
hätte also nur kursiv gedruckt aufgenommen werden
dürfen. Oder S. 366 Z. 26 ff. berichtet Barth, daß der

122