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1927 Nr. 5

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114

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Lectures on Holland for American Students 1927

Rezensent:

Köhler, Walther

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113

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 5.

114

Zeugnis für die Berechtigung der Ehrenpromotion gewesen
. — Es zerfällt in zwei Abschnitte: „Das Mediascher
Predigtbuch" (S. 5—160) und „Die Augustana in
Siebenbürgen" (S. 161—296).

Der erste Abschnitt gilt einer durch G. D.
Teutsch ans Licht gezogenen, im Jahre 1536 (bis
auf einzelne Nachträge) vollendeten Papierhandschrift
des Mediascher Gymnasiums. Sie bietet teils lateinisch,
teils deutsch, teils in Mischtexten (d. h. in einem mit
Verdeutschungen und deutschen Erklärungen durchsetzten
Latein) die evangelischen (und einige epistolische)
Perikopen, Predigtentwürfe und mehrfach auch ausgeführte
Predigten für die Sonn- und Festtage des Kirchenjahrs
(einschließlich der Marienfeste und vieler
Heiligentage). Veröffentlicht sind die deutschen Teile
der Handschrift bis auf einige in die lateinischen Predigten
eingestreute Sätze und Wörter schon 1864 von
Friedrich Müller in seinen „Deutschen Sprachdenkmälern
aus Siebenbürgen". Hier wird der Gesamtinhalt
der Handschrift mit vielseitiger Gelehrsamkeit und
mit entsagungsvollem Fleiße untersucht. Die gut katholische
, ja antilutherische, aber von reformatorischen
Gedanken doch nicht unberührte Denkweise des Mannes,
der den Inhalt der Handschrift zusammenstellte, seine
z. T. in langen Entlehnungen sich bemerkbar machenden
Quellen von Ambrosius und Augustin an bis auf Eck's
Homilien (II; 1534), seine homiletische Eigenart, sein
ßibeltext in seinem Verhältnis zu dem (zugrundeliegenden
) der Lutherschen Septemberbibel, zu den Bibeln vor
Lutner sowie zu Emser und die Heimat des verwendeten
deutschen Dialekts — dies alles kommt zu sorgfältiger
Behandlung, und allgemeinere lehrreiche Ausführungen
über die Klerikerbildung der siebenbürgischen Geistlichen
und die Predigtweise der Zeit setzen das
Festgestellte in ein helleres Licht. — Das Predigtbuch
ist (vgl. S. 153 ff.) ein Sammelband eines angehenden
Geistlichen, der sich nach bewährten Mustern den Predigtstoff
für seine eigne Berufstätigkeit zusammengetragen
hat. Er scheint ein Schüler der Kathedralschule
in der siehenbürgischen Bischofsstadt Weissenburg
(Karlsburg) gewesen zu sein. Der Name auf der Innenseite
des Deckels (Kunz Andreas) ist wahrscheinlich
der seine, aber er sagt uns nichts.

Die zweite Abhandlung ist eine sorgfältige, viel
mehr, als Fr. Teutsch's siebenbürgische Kirchen-
geschiehte, ins Einzelne gehende Darstellung der Kämpfe,
in denen die siebenbürgisch-sächsische Kirche gegen
Calvinisten und Antitrinitarier ihre lutherische Eigenart
wahrte. Vieles ist hier neu, aber die Einzelheiten haben
für uns nicht die gleiche Bedeutung, wie für die Siebenbürgener
. Von allgemeinerem kirchengeschichtlichem
Interesse ist neben dem, was man über die Tätigkeit des
Stancarus und die Blandrata's in Siebenbürgen erfährt,
eine mehrfach hervortretende bemerkenswerte Tatsache.
Diese ist die, daß hier, in Siebenbürgen, ernsthafter und
nachdrücklicher, als selbst im Deutschland des dreißigjährigen
Krieges, die Lutheraner im Vergleich mit Reformierten
und Antitrinitariern als die den Katholiken
Näherstehenden behandelt werden, ja für sich allein gelegentlich
, bei der Disputation in Weissenburg (März
1568), als die „katholische" Partei gegenüber der
„evangelischen" (den Calvinisten und den Unitariern)
erscheinen und gar selbst dieser Gegenpartei letztere Bezeichnung
gönnen, wie Schul lerus (S. 277, Anm. 1)
meint, „weil diese sich nur auf die Scnrift stützte und
die Berufung auf die Kirchenväter, also den Zusammenhang
mit der alten Kirche, ablehnte". — Der Titel der
Abhandlung erklärt sich daraus, daß die Augustana erst
nach der endgiltigen Zurückweisung der Calvinisten und
^nitarier, seit der Mediascher Synode von 1572 (S.
zö3ff.; vgl. F. Teutsch, Geschichte der ev. Kirche in
Siebenbürgen I, 289 ff.), zu einer von jedem Geistlichen
zu beschwörenden Glaubensformel wurde. Sie war freilich
seit den Anfängen der Reformation in Siebenbürgen
bei den von Wittenberg angeregten führenden Theologen
hochgeschätzt und in der Folgezeit oft ins Feld
geführt worden. Aber noch bei der erwähnten Synode
selbst „stellte sich heraus, daß es in ihr noch Mitglieder
gab, die das Augsburger Bekenntnis noch nicht in der
Hand gehabt hatten" (S. 285).

Der Druck bietet wenig Anstöße. Die verhältnismäßig
seltenen Druckfehler verbessert der Leser leicht
(wie z.B. Awtonomisten S. 288, Anm. 1). Störender ist
der Druckfehler „Sinnesform" (wohl für „Seinsform")
S. 292.

Halle a. S. Friedrich Loofs.

Lectures on Holland for American Students, Leyden University 1924.
Leiden: Sijthoff 1925. (119 S.) 8°.

In Erinnerung an die Gründung der niederländischen Pilgerväter
in Amerika hat die Universität Leiden 1923 eine „Universitätswoche
für amerikanische Studenten" beschlossen, die vom 7. bis 12. Juli des
folgenden Jahres Tatsache wurde. Die dabei gehaltenen Vorlesungen
bietet unser Buch, vom Verleger vornehm ausgestattet. Die Themata
waren: wie Holland eine Nation wurde, behandelt in historischem
Oberblick von J. Huizinga; die Stellung Hollands unter den
Nationen, von W. J. M. van Eysinga (,,We have strong national
feelings, but nevertheless the best and the strengest quality of the
Dutch is their internationalism, their open eye for and their understan-
ding of what is not Dutch" — das ist in der Schweiz genau so und
offenbar das politische Charisma des. Neutralitätsstaates); das indische
Kolonialreich Hollands, von H. T. Co 1 e n b r a n de r ; religiöses
Denken und Leben in Holland, von A. Eekhof (historischer Oberblick
, Kennzeichnung der verschiedenen Gemeinschaften und Richtungen
unter guter Herausarbeitung ihrer historischen Verwurzelung;
die Radikalen, Loman, van Manen etc. gelten nicht mehr als erwähnenswert
); John Lothrop Motley, von P. J. Blok (feine Skizzierung
dieses amerikanisch-holländischen Historikers); das nationale Element
in holländischer Kunst, von W. Martin; die neuesten Forschungen
über die Pilgerväter, von A. Eekhof (der an ihnen selbst hervorragend
beteiligt ist); das Land von Grotius, von C. van Volle n-
hoven (allgemeine Charakteristik, spezielles Eingehen auf die Schrift
De jure belli et paois). — Alle Freunde der Geschichte und Kulturbedeutung
Hollands werden diese kurze, aber ausreichende und gediegene
Einführung mit Gewinn lesen.

Zürich. W. Köhler.

Schütz., Paul: Religion und Politik in der Kirche von England.

Auf Grund neuer Quellen untersucht an der Epoche ihres Ursprungs
. Stuttgart: F. A. Perthes 1925. (VIII, 24 S.) 8°. =
Bücherei d. Christi. Welt. Rm. 1—.

Auf nur wenigen Seiten bietet diese kleine Schrift einen überaus
reichen Inhalt, der um so stärker allgemeines Interesse beanspruchen
darf, als sich mehr und mehr herausstellt, daß es heute
die Angelsachsen sind, die auf dem Boden des Protestantismus eine
führende Stellung einnehmen. Die Verschmelzung von Religion und
Politik, die begründet ist in der in sich ruhenden Nationalindividualität
des englischen Volkes, führte unter Ausscheidung der protestantischen
Elemente des Presbyterianismus, Independentismus und Methodismus
im 16.—18. Jahrhundert zur festgeschlossenen Nationalkirche
im bereits bestehenden Nationalstaat. Hier aber liegt die Grundlage
des englischen Imperiums, indem die Bestimmung zur Universalkirche
der politisch-religiösen Weltherrschaft zustrebt, analog dem
römischen Imperialismus, nur ihm überlegen. Es war das Zeitalter
der Elisabeth, in dem diese grundlegenden Ideen herausgearbeitet wurden
, und neben Jewel, dem Bischof von Salisbury, war es vor allem
Richard Hooker, fast der einzige große Systematiker der englischen
Nation, der diese Gedanken zielbewußt verfolgte. Seine große Con-
ception, herausgeboren aus reformatoris-chem Geist im Gegensatz zu
Rom, ist die, daß diese Kirche iure humano ist, nicht iure divino;
das ist aber wohl auch der einzige Gegensatz der englischen Reformation
zum katholischen Wesen. Denn Reformation bedeutet für sie
nichts anderes als „Rückformung" der Kirche, und es ist die griechische
Kirche, der man um ihrer Formbestimmtheit willen, die vor allem
im Kultus sich ausprägt, sich wesensverwandt empfindet. Ist doch
die Betonung der Form eine englische Nationaleigenart.

Der Kampf gegen Rom, das Englands Unabhängigkeit bedrohte,
hat einst zu dieser Entwicklung geführt. Und seitdem ist es so geblieben
, daß in England die Dinge der Religion mit den politischen
Angelegenheiten der Nation verwachsen sind. Diese inneren Zusammenhänge
in helles Licht gesetzt zu haben, bleibt das Verdienst
dieser kleinen Schrift, die einer überaus kundigen Feder entflossen ist.
Dortmund. H. Goetz.