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Ausgabe:

1927 Nr. 5

Spalte:

107-108

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bett, Henry

Titel/Untertitel:

Johann Scotus Erigena. A study in mediaeval philosophy 1927

Rezensent:

Dörries, Hermann

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107

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 5.

108

Werk: Ilsgl tov vaov y.a'i rcegl nov didctoxaleitüv
y.al rwv b-eärgov Iv Jid-))vaig ist. Bei Premerstein
wird dieser Tatbestand nicht deutlich. Vielleicht ist von
hier aus auch die Notiz von Coxe I 461, cod. 5 nr. 3
„cum expositione et Figuris" zu verstehen, die Pr.
a. a. O. S. 657 freilich anders deutet. Delatte hat ferner
erkannt, daß der Prolog zur Ps. Athanasian. Schrift sich
in geringer Abweichung auch in den Quaestiones ad
Antioehum c. 136 (Patrol. Gr. 28 S. 682) findet. Er hat
endlich darauf hingewiesen, daß die Hermetischen
Stücke in dieser Schrift authentisch sind und bei Didy-
mus und Cyrill erwähnt werden (S. 104 f.).

Bonn a. Rh. Erik Peters on.

Bett, Henry, M. A.: Johannes Scotus Erigena. A study in
mediaeval philosophy. Cambridge: Undversity Press 1Q25. (VII,
204 S.) 8°. sh. 10—.

Das Buch von B. enthält neben einer sorgsamen
Darlegung der Grundzüge von E.s philosophischem
System an Hand von de div. nat. (S. 19—88) eine
Art Kommentar dazu (S. 88—150), einen Abschnitt
über die Quellen und Autoritäten des Iren (S. 150 bis
171) und eine kurze Schilderung über den Einfluß E.s
auf spätere Zeiten. Dieses letzte Kapitel ebenso wie
die Einleitung über Leben und Schriften E.s ruht
weniger auf selbständiger Forschung (so erscheint z.B.
der von Rand E. zugeschriebene Boethius-Kommentar
als „Leben des Boethius", S.ll). B.s Zutrauen zu
W. v. Malmesbury (S. 13) wird ,man nicht überall
teilen; der dramatische Lebensabschluß des Philosophen
hat darum wohl auch weiterhin als Legende zu gelten.

Der Kommentar setzt die philosophische Bedeutung
oder Berechtigung der Anschauungen E.s auseinander.
Dabei werden bei E. mehrfach Gedanken Späterer gefunden
(Kant S. 26, Ritsehl S. 100, Descartes S. 138).
Es fehlt nicht an Ausstellungen, — so wird die Lehre von
den primae causae als bloße Traditionslast gedeutet.
Im Ganzen ist hier der Versuch gemacht, die Grundideen
von E.s System (insbesondere den Monismus
— Dualismus ist ein Denkfehler — und die Lehre vom
Übel) als notwendigen Bestandteil einer jeden christlichen
Philosophie zu rechtfertigen.

Am interessantesten ist der Abschnitt über die
Quellen E.s. Über die Art seiner Bibelbenutzung (verschiedene
griechische Handschriften, LXX) wird interessantes
Detail beigebracht. S. 161 ist gegen Dräseke
nachgewiesen, daß E. die beiden kappadozischen Gregore
für eine Person hielt, mit hübscher handschriftlicher Bestätigung
. Richtig ist auch das Hervorheben der Bedeutung
Augustins für E. Aber wenn man vielleicht bisher
seinen Einfluß zugunsten des griechischen unterschätzt
hat, so ist B. in den entgegengesetzten verfallen. Es
geht nicht an, die Einwirkung des Dionysius auf die
Methode der negativen Theologie zu beschränken (S.
164); denn die Voraussetzung, daß schon vor E.s Bekanntschaft
mit den Griechen sein System fertig vorläge
, läßt sich mit de praedestinatione allein nicht
stützen, — dazu ist diese Schrift nicht vielseitig genug.
Übrigens scheint es dem Vf. mit seiner These doch
nicht so ganz ernst; an anderer Stelle (z. B. S. 168/9)
werden auch weitere wesentliche Gedanken auf Dionysius
zurückgeführt. — Bei der Schilderung der Nachwirkungen
E.s darf man aber nicht die Lehre von den
3 Zeitaltern aufführen; die angezogene Stelle redet
vom Weltende. Den Neuplatonismus läßt B. etwa ein
Jahrtausend vor E. beginnen (S. 2, Posidonius?); die
Eigenart Plotins ist dementsprechend nicht klar erkannt
und so wiederum auch nicht E.s Sonderstellung in
der neuplatonischen Bewegung. Man wird überhaupt sagen
müssen, daß das Buch den Bick für das Spezifische
einer Erscheinung vermissen läßt; Ähnlichkeiten nach
vor- und rückwärts werden zu leicht als Abhängigkeiten
gedeutet. Die Gesamtbeurteilung E.s zeigt sich stark
durch Poole und durch Huber beeinflußt, dessen Schrift

doch nicht ohne Kritik als „beste Darstellung" von
E.s Gedankenwelt benutzt werden darf.

Bei alledem aber ist B.s Buch im Ganzen doch, als
erste englische E.-Monographie, eine begrüßenswerte
Leistung.

Tübingen. H. Dörries.

Jansen, Stud.-Rat. Dr. Wilhelm: Der Kommentar des Claren-
baldus von Arras zu Boethius De Trinitate. Ein Werk aus
der Schule von Chartres im 12. Jahrh. Aus den Handschr. zum
ersten Male hrsg. u. unters. Breslau: Müller & Seiffert in Komm.
1026. (XX, 148 u. 122' S.) 4°. = Breslauer Studien z. histor. Theologie
. Bd. 8. Rm.15—.

Diesem mit großer Sorgfalt gearbeiteten und von
eindringlicher Gelehrsamkeit Zeugnis ablegenden Werke
egenüber habe ich mich lediglich als Lernender veralten
. Ich würde demzufolge die Besprechung nicht
übernommen haben, dürfte ich nicht annehmen, daß es
nur wenigen Fachgenossen anders gehen wird als mir,
und hätte mich nicht der reiche Inhalt des Werks zu
eingehender Kenntnisnahme gereizt. Dreierlei Absichten
verfolgt der Verfasser. Er möchte erstens einen
Beitrag liefern zur Ergänzung und Vertiefung unserer
Kenntnisse von der Schule von Chartres, insbesondere
von Thierry, der als Nachfolger Gilberts de la Porree
seit 1141 Kanzler dieser Schule war. Diesem Zwecke
dient die erstmalige Veröffentlichung und Nutzbarmachung
des Kommentars eines seiner Schüler, des
Arraser Propstes Clarenbaldus, zu Boethius De Trinitate,
die den Verfasser in den Stand setzte, unter Heranziehung
von Thierrys Traktat De sex dierum operibus einen anderen
, anonym überlieferten und gleichfalls noch unveröffentlichten
Kommentar zu Boethius mit dem Incipit
Librum hunc als Werk Thierrys zu erweisen. Diese
literarischen Feststellungen sind nur die Unterlagen für
den zweiten Zweck des Verfassers, nämlich durch die
neu zugänglich gemachten Schriften die theologischen
und philosophischen Kämpfe zu beleuchten, die sich
gegen die Mitte des 12. Jh. in den großen Schulen Frankreichs
besonders um das Dogma von der Trinität abspielen
und sich vornehmlich an die Namen Peter Abae-
Iard und Gilbert de la Porree anschließen. Drittens
möchte der Verfasser den mächtigen Einfluß nachweisen,
den Boethius durch seine Opuscula sacra, besonders
durch seine Schrift De Trinitate, im 12. Jh. ausgeübt
hat.

Um mit dem letzten Punkt zu beginnen, so wird
man des Verfassers Ausführungen über die Nachwirkung
von Boethius' De Trinitate mit großem Gewinne
lesen. Zum ersten Male werden die Kommentare von
Erigena bis zu Thomas sorgfältig untersucht und ihre
gegenseitigen Beziehungen festgestellt. Dabei ist es von
allgemeinem Interesse zu verfolgen, welchen Fortschritt
die Kommentare des 12. Jh. (also Gilbert, Librum hunc,
Clarenbaldus u. a.) vor dem Werke des Erigena erkennen
lassen. „Der Boethius-Text De Trinitate bildet
das sichere Fundament, auf dem die Scholastiker dieser
Zeit ihre philosophischen und theologischen Ansichten
zu besonderer Höhe hinanführen". Die Kämpfe,
die sie dabei unter einander ausführen, werden unter
der philosophischen Autorität des Boethius und der
Glaubensautorität der Kirche ausgefochten. Allmählich
ändert sich die Lage. Des Thomas Stellung zu Boethius
ist gegenüber den Kommentatoren des 12. Jh. eine andere
geworden. „Bei ihm hat Boethius seine Rolle als der
philosophus ausgespielt; er ist entthront; an seine Stelle
ist der Meister der Philosophie selbst getreten. Aristoteles
." Trotzdem bleibt der Kommentar des Thomas
das bedeutendste literarische Denkmal, das der Schrift
des Boethius errichtet wurde.

Der zweiten Absicht des Verfassers dient der Hauptteil
des Bandes, die eingehende Analyse des Werkes
von Clarenbaldus vom Standpunkt der Geschichte der
Philosophie und Theologie. Das Gerippe ist dieses: 1.
Philosophische Fragen: Wissenschaftslehre, Erkennt-
nislehre, Quästionentheorie, Universalienfrage, Materie-