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Ausgabe:

1927 Nr. 5

Spalte:

101

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tucci, Giuseppe

Titel/Untertitel:

Il Buddhismo 1927

Rezensent:

Haas, Hans

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 5.

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Eingeborenen Amerikas. Die auf die letztere
Religion bezügliche Dokumentenzusammenstellung zu
besorgen, hat der Direktor am Staatlichen Museum für
Völkerkunde in Berlin Prof. K. Th. Preuß auf sich genommen
. Er konnte bei seiner Auswahl, die unter 6
Überschriften gebracht ist, (1. Die Toten, 2. Der Schamanismus
, 3. Zauberformeln, 4. Die übernatürliche
Macht, 5. Heilbringer und höchste Gottheit, 6. Die
Götter) zumeist auf eigene Arbeiten zurückgreifen, hat
aber auch solche anderer Amerikanisten herangezogen.
Tributär hat er seinem Hefte auch das aztekische Saha-
gun-Manuskript (nach der Übersetzung von Ed. Seier)
gemacht.

Leipzig. H. Haas.

Tucci, Giuseppe: II Buddhismo. Folieno: F. Campitelli (1926).
(III, 301 S. m. 2 Tab.) 8°. = Bibüoteca di critica religiosa.

L. 25—.

Nach dem Anlageplan der von Prof. Buonaiuti herausgegebenen
Schriftenreihe „Außerbiblische Religionen"
sind vorgesehen: Einleitung in die Religionswissenschaft;
Shinto; Taoismus; die ägypt. Religion; die assyr.-
babyl. R.; die vedische R.; Buddhismus und Hinduismus;
Mazdaismus; die griechische R.; der griechisch-orientalische
Synkretismus; die römische R.; der Islam; die
vorchristlichen Religionen des nördlichen Europa. War
hiernach offenbar daran gedacht, Buddhismus und Hinduismus
in einen Band zusammenzunehmen, so wollte es,
als es an die Ausführung ging, Herrn Giuseppe Tucci
zunächst eine unmögliche Aufgabe erscheinen, mit einem
Bande für den ihm als Bearbeiter zufallenden Buddhismus
allein auszukommen. Aber: es geht alles! Daß man auf
sehr bemessenem Raum vieles über Buddha, seine
Lehre, dazu auch noch über die lange und breite Geschichte
seiner Religion sagen kann, hat bei uns neuerdings
erst A. Hillebrandt erwiesen mit seinem ganz vorzüglichen
, bei größter Knappheit inhaltreichen Ullstein-
bändchen. Als ein solcher Meister Hillebrandt zeigt sich
hier auch der italienische Autor. Ja, er hat sich mit der
ibm gestellten Aufgabe so gut abgefunden, daß er kein
Bedenken zu tragen brauchte, die fertige Arbeit zwei
Orientalisten von dem Ansehen eines de la Vallee
Poussin und eines Sylvain Levi zuzueignen. Also: das
kleine, durchhin wohl dokumentierte Buch hat wissenschaftliche
Qualitäten, wenn es auch für den weiteren
Gebildetenkreis bestimmt ist. Angezogen ist außer der
italienischen Fachliteratur auch die deutsche, franzöi-
sische, englische und russische, davon nicht erst zu
reden, daß Tucci auch zu seinen Pali- und Sanskrittexten
unmittelbaren Zugang hat.

Leipzig. H. Haas.

Kittel, Prof. Dr. Rudolf: Gestalten und Gedanken in Israel.

Geschichte eines Volkes in Charakterbildern. Leipzig: Quelle &
Meyer 1925. (XI, 524 S.) 8°. geb. Rm. 16—.

Kittels Buch kann als eine Parallele und Ergänzung
zu Duhms Buch „Israels Propheten" begrüßt
werden. Von beiden Meistern wird der Inhalt des A.T.s
in Charakterbildern dargestellt und einem größeren
Leserkreis wertvoll gemacht. Kittels Leitgedanke, daß
die Weltgeschichte eine „schlechthin aristokratische"
Erscheinung sei, gilt gerade vom A.T. in hervorragendem
Maß, denn die Religion Israels ist eine Führerreligion
gewesen. Daneben wird man freilich nicht verkennen
dürfen, daß in diesem Volk der Erwählung eine
seltene Geschlossenheit der Gesamtheit sich bekundet,
sowohl im Volk Moses wie Josias, das als Ganzes auf
Jahwes Berit eingeht, wie noch in der nachexilischen
errieinde, die eben als Gemeinde ihre einzigartige
Kraft gehabt hat.

i.- ,Es, 'st Kittel vorzüglich gelungen, die Charakter-
,°PTe "^auszuarbeiten, und was die Führer für Israel
licht M haben' tritt in seiner Darstellung klar ans
t i uuSe kommt zu seinem vollen Recht, und besonders
lebhaft begrüße ich die Schilderung des Jahwisten
als eines „der größten Geister Israels" und
eines „der größten Meister aller Zeiten". Völlig stimme
ich dem Urteil bei, daß die alten Sagen vom Sündenfall,
vom Turmbau usw. vom Jahwisten benutzt wurden, um
„in der leichtgeschürzten Form der Erzählung" Probleme
zu verhandeln, und daß man nicht von einzelnen
Sagenperlen, sondern von einem „Aufriß des Ganzen
" zu sprechen hat. Vielleicht reizen die Ausführungen
Kittels einen jüngeren Mitarbeiter dazu, die längst erwartete
Monographie über den Jahwisten zu schreiben,
nachdem einst Luthers Darstellung einen hoffnungsvollen
Anfang gemacht hatte.

Neben die einzelnen Charakterköpfe stellt Kittel
Gruppen von Persönlichkeiten: „Große Erzähler", „Revolutionäre
", „Reformatoren", „Gesetzgeber", und neben
dem im Übrigen chronologischen Verlauf der Darstellung
ist hier die Form der systematischen Umschau
gewählt. Diese Artikel sind besonders lehrreich, und
manches erscheint bei solcher Zusammenfassung in
neuer Beleuchtung oder kommt zum erstenmal recht zur
Geltung. Bisweilen ist der Titel eines Abschnitts mir
um des Programms willen gewählt, und wir lesen
manche geschichtliche oder topographische Einzeluntersuchung
, die nur lose mit dem „Charakterkopf" zusammenhängt
.

Im Unterschied von Duhms vorhin genanntem Buch
Hegt der Nachdruck bei Kittel nicht so sehr auf der
Religion als auf der Geschichte des alttestament-
lichen Volkes. Nicht etwa Daniel oder der Apokalyptiker
Esra, sondern Judas Makkabäus ist die letzte Gestalt;
der große Ethiker Jesus Sirach, der Kämpfer Hiob, der
Grübler Kohelet finden sich nicht; von den hochbedeutsamen
Charakterköpfen, die sich hinter den Psalmen
verbergen, erfährt der Leser nichts. Gewiß hat sich
Kittel absichtlich beschränkt, er wollte die „Geschichte
eines Volkes in Charakterbildern" schreiben,
und was er gegeben hat, ist Reichtum genug. Aber bei
der Geschichte des Volkes der Religion vermißt man
doch jene Gestalten und Gruppen nicht gerne. Gerade
der weitere Leserkreis wird Kittel dankbar sein,
wenn er das Buch bei der 2. Auflage nach dieser Richtung
erweitern würde.

Wenn Kittel in der Vorrede die Hoffnung ausspricht
, daß das für den weiten Kreis der Gebildeten
bestimmte Buch auch dem Fachmann manches bieten
werde, so ist diese Erwartung reichlich erfüllt. Überall
setzt sich der Verfasser im Text wie in den reichhaltigen
Anmerkungen mit der fachmäßigen Literatur auseinander
, und seine eigene wissenschaftliche Überzeugung
ist deutlich gegeben. So wird der geschulte Leser ständig
aufgefordert, das eigene Urteil zu überprüfen. Einige
Punkte der Diskussion möchte ich herausheben.
Im mosaischen Dekalog halte ich das Weglassen des
Wortes „der ich dich aus Ägyptenland geführt habe"
nicht für angängig. Ex. 20, 2 ist kein Gebot, sondern
die Überschrift über die Gebote; es ist das Geschenk,
das der Forderung vorausgeht, die geschichtliche Heilstat
, auf die der Dekalog gegründet wird. So ist diese
Überschrift bezeichnend für die Stiftung und Auffassung
der Religion durch Mose. Die ersten Gebote (Jahwe als
einzige Kausalität, Verbot des Bildes und der Magie)
würden noch deutlicher, wenn der religionsgeschichtliche
Vergleich benutzt wäre, den ja auch der gebildete Laie
üben muß. Mose ist gewiß durch die Auseinandersetzung
mit den religiösen Erscheinungen in der Antike, besonders
in Ägypten zu der Klarheit seiner Forderung durchgedrungen
. — Die verschiedene Beurteilung des Königtums
rührt wohl nicht davon her, daß man zuerst im
Königtum ein Geschenk Jahwes sah, dann durch die
Erfahrung die Mängel erkannte. Vielmehr ist das zweifache
Urteil von Anfang der Königszeit an da, und der
Protest ist grundsätzlich, nicht empirisch; er erklärt sich
aus dem Beruf Israels als des auserwählten Volkes und
gehört zu dem ständigen Konflikt zwischen der realen
Lebensnotwendigkeit dieses Volkes und seinem idealen