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Ausgabe:

1927 Nr. 4

Spalte:

94-95

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schrenk, Gottlob

Titel/Untertitel:

Christusglaube 1927

Rezensent:

Bussmann, E. W.

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 4.

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ersteht: das Opferlamm seit Erschaffung der Welt", S. 78, vgl. dazu
den Passus auf S. 64. Zu diesem schönen und tiefen Wort möchte
auch ich mich bekennen, meine nur fragen zu müssen, ob Christi
Leiden und Sterben, so lange die Welt besteht, je ein Ende haben
wizd. Mag der Krieg abgeschafft, vielleicht auch der Kapitalismus
überwunden werden, neue und vielleicht schwerere Probleme werden
auftauchen, die Sünde wird bleiben und die Sehnsucht nach der
Ewigkeit zu keiner Zeit ersterben. Die Kirche Christi aber wird
stets ecclesia militans sein und keinen ruhenden Besitz des Outen
kennen. Aber gTadc darum darf sie sich dem Appell zum praktischen
wart nicht verschließen.

Iburg. W. Th i in m e.

Johannsen, Priv.-Doz. Dr. Hermann: Kulturbegriff und

Erziehungswissenschaft. Ein Beitrag z. Philosophie d. Pädagogik.

Leipzig: B. O. Teubner 1025. (VII, 67 S.) 8°. = Wissenschaftl.

Grundfragen, 4. R"1- 3—■

Die Pädagogik will nicht nur positiv-empiristisch ihren Begriff
erfassen, sondern auch philosophisch ihren Sinngehalt und ihre Idee,
indem sie einem a priori, einem letzten synthetischen Prinzip nachgeht.
Sie findet dieses, indem sie ausgeht von der Kultur als einem System
von Werten und die Frage aufwirft: Wie ist Verwirklichung der
Kultur in der Natur, des Sollens im Sein möglich? Sie findet mit
der Erziehungsidee drei Momente, Freiheit, Gemeinschaft und Bildung
gesetzt. Nur von hier aus, nicht von der Psychologie lassen sich pädagogische
Prinzipien gewinnen. So ergibt sich eine Erziehungs-

Philosophie aufgrund von Kultur Philosophie als eineJ^z^W- ^haffenT De^weite
kritische Werttheorie, die ihr Material von der historischen Kultur . . , . V , ° . , , & . ,

erhält. Als ein Mittelreich zwischen Seins- und Wertwissenschaft, j das Latein überhaupt ZU einer verkappten Deutsch-

zwischen Lehre und Psyche gewinnt die Erziehungswissenschaft die j künde", und beide Vorschlage sind zu zentrifugal, halten
selbständige Art, mit eigener Methode der pädagogischen Belange sich ZU wenig an das, was des Römertlims Mitte ist.
sachwissenschaftlich Herr zu werden, indem sie das Erziehungsproblem ! Diese Mitte erreicht auch nicht, Wer das lateinische

immer mehr philosophisch durchdringt. | Schrifttum wie das griechische, d. h. unter literarisch-

Marburg. F. Niebcrgall. j künstlerischem Gesichtspunkt, behandelt. Denn das

Schrifttum ist bei den Römern nicht Selbstzweck, und

Schulung ist, die keine Vernachlässigung erleiden kann
oder darf. Am willkommensten war mir, daß auch das
frühmittelalterliche Latein mit seinen Schöpfungen in
den Kreis der Erwägungen hineingezogen worden ist.

Das Buch wird gewiß im Kampf für das humanistische
Gymnasium gute Dienste leisten können.

Kiel. G. Ficker.

Fraenkel, Eduard: Die Stelle des Römertums in der humanistischen
Bildung. Vortrag, geh. auf d. Tagung „Das Gymnasium
" Berlin, den 6. Apr. 1925. Berlin: Weidmann 1926. (45S.)
8°. Rm. 1.50.

Dieser Vortrag bringt eine sehr ernste und wertvolle
Behandlung der Frage, die sich angesichts der Tradition
unseres Lateinunterrichts erhebt. Der „Ciceronianismus",
der — wie einleuchtend gezeigt wird — in Deutschland
immer etwas anderes bedeutete als in Italien, ist tot, und
es fragt sich, mit welchem kulturellen Recht die gymnasiale
Vertiefung in das Wesen des Römertums noch besteht
. Allerlei Ersatzlösungen der Frage werden abgelehnt
; weder eine sprachvergleichende Gestaltung des
Unterrichts noch die Einbeziehung des mittelalterlichen
Latein aus kulturellen Gründen vermögen dem Römertum
ein neues Recht in der humanistischen Bildung zu verSchuster
. Dr. Mauriz: Altertum und deutsche Kultur. Wien: ! darum muß auch der Lateinunterricht schließlich von
Höidcr-Pichicr-Tempsky A.-G. 1926. (656 s.) 8". geb. Rm. 12.50. i den Schriften zu dem Menschen, zu römischer Ge-
Dieses inhaltreiche Buch zeigt, wie viel die deutsche Seilschaft und römischem Staat führen. Nur dann verKultur
dem Altertum verdankt und wie es in vieler Be- ! meldet man m Lateinunterricht einen Betneb der nach
Ziehung auch heute noch maßgebend ist, nicht nur. ! Gundolfs Wort „die Knaben ermattet und die Greise
um sie verstehen, sondern auch an ihrem Fortschritt ar- j jeden Alters vergnügt". Man sieht daß der Vortragende
beiten zu können, alles zu dem Zwecke, Mittel und Wege ! es sich und den Hörern nicht leicht machen wollte; er
anzugeben, den Unterricht in den alten Sprachen an- hat die Absicht zu desillusionieren. Aber gerade darum

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ziehender zu gestalten und für die gegenwärtigen Be
dürfnisse einzurichten. Es ist aus der Unterrichtspraxis
hervorgegangen und für sie bestimmt. Es verlangt vom
Unterricht, nicht nur die Kenntnis der Sprachen zu vermitteln
, sondern den Geist der Antike und ihrer Kultur
zu lebendigem Verständnis zu bringen. „Sollen die der
Altertumswissenschaft innewohnenden hohen Bildungswerte
im Unterricht wirklich lebendig werden, dann
darf der philologische Lehrer nicht bei seinem engen
Fragcngebiet stehen bleiben, sondern muß einen weitreichenden
Bildungshorizont zu gewinnen suchen und
die Antike vor allem von kulturhistorischen Gesichtspunkten
zu betrachten fähig sein. Er wird die Bedingungen
und die Einflüsse, unter denen die antike
Kultur erwuchs, kennen lernen, er wird vor allem aber
auch mit dem Nachleben der Altertumskultur im Leben,
Denken und geistigen Schaffen des Mittelalters, der Renaissance
und der Neuzeit vertraut sein müssen. Ein
Altertumsunterricht unserer Tage, der den Schülern
nichts von der Wirkungsweise der Antike auf Lessing,
Herder, Goethe, Schiller, Grillparzer, Mörike, auf Kant,
Schopenhauer, Nietzsche, auf Feuerbach, Böcklin, Klinger,
w agner mitzuteilen hatte, ein Altertumsunterricht, dem die
Namen Dantes, Rafaels, Molieres, Napoleons, Shakespeares
, Darwins, Thorwaldsens, Tolstois fern blieben,
"at seine Aufgabe nicht erfüllt." Dabei will der Verf.
^e'Dstv"L>rständlich nicht einer Zersplitterung das Wort
ti*ke "cJiPas Sistig Große und das ewig Schöne des an-
V' ^hrifttums wird immerdar den eigentlichen Mittelpunkt
des Unterrichts bilden müssen. Darum wurde auch
m den voranstehenden Ausführungen auf diesen alten
Mamm der Schriftstellerlektüre am weitgehendsten Bedacht
genommen". Und er weiß auch, daß die wichtigste
Voraussetzung für das angestrebte Ziel die sprachliche

und weil ich mit ihm eins bin in der Überzeugung, daß
die Lehrerpersönlichkeit weit mehr bedeutet als die
schönsten Lehrpläne, kann ich zum Schluß dieser Anzeige
einen Zweifel nicht unterdrücken; ich glaube,
daß seine Vorschläge, die auch dem Lateinunterricht in
dem Römertum und nicht in der Sprache das letzte
Ziel weisen, am Spezialismus der Fächer und am Ressort-
patriotismus der - Geschichtslehrer scheitern werden.
Hier an dieser wundesten Stelle unseres spezialistisch
zersetzten Gymnasialbetriebes hat einzusetzen,
wer Wandel schaffen will. Und weil die vorgeschlagenen
Reformen von den Schulen als technisch
undurchführbar abgelehnt werden, ist es mir nicht
zweifelhaft, daß mancher Leser gerade von denen, die
es angeht, aus der ernsten und fesselnden Schrift doch
wieder eine Apologetik des Bestehenden sich (zu Unrecht
!) herauslesen und sie „mit jenem freundlichen Gefühl
der Zuversicht und des guten Gewissens" aus der
Hand legen wird, „das eine nicht gerade mit allzu groben
Mitteln durchgeführte Apologie der eigenen Berufsarbeit
zu hinterlassen pflegt".

Heidelberg. Martin Dibelius.

Schmitz, Otto: Vom Wesen des Ärgernisses. Eine bibl. Er-
läut. 2. Aufl. Berl.: Furche-Verl. 1925. (22 S.) 8°. Rm. —50.
Ders.: Wie werde ich mit dem Leben fertig? Ebd. 1925.

(23 S.) 8°. Rm. —50.

Schrenk, Gottlob: Christusglaube. Ebd. 1925. (30 S.) 8".
= Stimmen aus d. deutschen ehristl. Studentenbewegung, Heft 34,
38 u. 35. Rm. —5o!

Die drei Hefte enthalten Vorträge, die in der Sammlung:
Stimmen aus der deutschen christlichen Studentenbewegung erschienen
sind. Der erste Vortrag über das Ärgernis, schon in zweiter Auflage
erschienen, erklärt zunächst den Begriff des Skandalon, nennt die alt-