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Ausgabe:

1927 Nr. 2

Spalte:

597-598

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinzelmann, Gerhard

Titel/Untertitel:

Glaube und Mystik 1927

Rezensent:

Tillich, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 25/26.

598,

raten zu sein, sondern nur völliger . . . versucht zu i möglich und in. E. für die Religionsphilosophie not-
haben, den Gedanken von Gott als Liebe auszukaufen", j wendig, den religiösen Akt überhaupt als „Glaube" zu
In der ganzen Untersuchung scheint mir der kri- i bezeichnen. Geschieht das, so ist auch in der Mystik
tische Teil ernster Zustimmung wert. Das was gegen die | Glaube, d.h. Richtung auf das Unbedingt-Transzendente.
Philosophie in der systematischen Theologie gesagt wird, ! Man könnte das anerkennen und sagen: Aber der spe-
trifft vielleicht nicht die Philosophie, die wirklich ge- zifisch-christliche Glaube ist so beschaffen, daß er die
lernt hat, mit ihrem hellenistischen Erbe sich unter die in Mystik ausschließt. Dann muß man zugeben, daß große
der Geschichte gefallene Entscheidung zu stellen, und i Elemente des Katholizismus, der protestantischen Fröm-
die damit kritisch gegen sich selbst geworden ist. Aber - migkeit, ja selbst ein orthodoxer Begriff wie unio mysti-
es trifft durchaus jene selber noch hellenistische Philo- ca dem christlichen Glauben widerstreiten und man muß
sophie, wie sie in der Breite das heutige Denken versuchen, die mystischen Elemente in Paulus und Jo-
beherrscht. Und insoweit dieses Denken in der systemati- j hannes zu bestreiten. Das tut Hefnzelmann; wie ich
sehen Theologie noch formgebend wirkt, trifft es auch i glaube, zu Unrecht. Aber von der historischen' Frage
die Theologie. Aber wie weit das positiv von Karten- abgesehen gilt folgende Alternative: Entweder steht die
busch Gesagte sich von spekulativer Willkür freihält, Mystik in exklusivem Gegensatz zur vollkommenen Of-
ist sehr viel schwieriger zu beantworten. Jener Verweis fenbarung; dann muß sie genau wie Magie und Poly-
auf die Religionshistorie stimmt da bedenklich. Diese ! theismus als dämonisch bekämpft und radikal über-
Bedenklichkeit wird aber noch größer, wenn er am j wunden werden. Dann ist verständnisvolle Einfühlung
Schluß von einer doppelten Grenze möglicher Erfassung und umsichtige Kritik durchaus nicht am Platze. Oder
des Gottesglaubens spricht. Sie betrifft den Schöpfergott j das in der Mystik Gemeinte, das Prinzip der Identität
und den in dem „Menschen Jesus Christus" offenbaren ' hat auch in der vollkommenen Offenbarung seinen not

Gott, d. h. den als Freiheit, Person, Liebe sich bezeu
genden. Wo bleibt die dritte Grenze? Wo bleibt die
Kirche? Jede Dogmatik, die mit Jesus Christus abschließt
, gerät in den Verdacht, sich letztlich auf die

wendigen Ort. Dann müssen Theologie und Frömmigkeit
ihn suchen, — wie sie es denn auch in der Geschichte
des Christentums mit verhältnismäßig seltenen
Ausnahmen jederzeit getan haben. Und dann gäbe es

Historie zu stützen. Nur in der Kirche ist Jesus Christus ; auch eine Kritik an dem vom Identitäts-Prinzip sich los
gegenwärtig. Nur hier wird jener in Christus als lösenden einseitigen Glaubensstandpunkt, den Heinzel-
Agape sich offenbarende Schöpfergott der den Menschen mann (und viele aridere mit ihm) unmittelbar mit dem
gegenwärtig zur Entscheidung aufrufende Gott, der Inhalt der vollkommenen Offenbarung gleich setzt,
durch das Wort, und d. h. durch Jesus Christus die j Dresden. l>. Tillich.
Gemeinde im Glauben stiftet und darin dem Menschen ; _

Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft, Band

27, Heft 1.

Die Ägyptologie hat in Deutschland vorzugsweise
mit philologischen Methoden gearbeitet und auf dem
archäologischen Gebiete hat sie sich besonders mit
Plastik und Malerei beschäftigt. So wird eine eng-

erst den Nächsten als Nächsten aufschließt. Ohne die ml i-> i n er i j

Vollendung in der Kirche bleibt das Reden vom Nächsten Newberry, HrOT. Hercy t., London
und von der Liebe und die Berufung auf den Gott Jesu ■■

Christi ein leeres Wort, das trotz bester religionsger Anunfon FolHfllP ^nfl'lPfl

schichtlicher Beglaubigung nicht besser ist als das Re- , ^yjT|JlCII ClIOl CIU IUI Ol III II U

den vom Nächsten in der philosophischen Ethik auch; i • i i— i

ein ,,es"-Postulat und keine ,,er"-Bezeugung. pOlOgiSClie rOPSCllUng

Bremen. H. Knittermeyer.

----; Deutsch herausgegeben von Prof. Dr. Günther Roeder,

Heinzelmann, Prof. D. Gerhard: Glaube und Mystik. Hildesheim. 37 S. 8°.

Tübingen: R. Wunderlich 1Q27. (VIII, 132 S.) 8°.

Rm. 2.80; geb. 3.so. oer z|te Orient.
Man muß Heinzelmann dankbar sein für die klare, ; _

schlichte und warme Art, mit der er Glaubensstand- Gemeinverst. Darstellungen, _ herausgegeben von^ der
punkt und Mystik darstellt und gegen einander abgrenzt,
ohne in die jetzt in der Theologie übliche hochmütigverständnislose
Ablehnung der Mystik zu verfallen. Davor
schützt ihn einerseits die Einsicht, die er mit vollem
Recht der dialektischen Theologie gegenüber vertritt,
daß der Glaube, wenn er überhaupt Realität haben soll,

Erlebnis, d. h. innerseelische Wirklichkeit werden muß; lische Untersuchung starkes Interesse beanspruchen
und davor schützt ihn andererseits die Anerkennung, dürfen und vielleicht eine nachhaltige Wirkung aus-
daß es in der Mystik um Gott geht, und zwar um einen üben, die den natürlichen Grundlagen der ägyptischen
Gott, der schlechterdings jenseits des empirischen Men- Kultur und den Richtungen ihrer frühesten Ent-
schen liegt. Mir scheint, daß erst wenn dieses beides wicklung nachgeht Sie stammt von einem der an-
vnraiisuesetzt ist eine rLih-.iir I Infersmrhnna iiher Hos gesehensten englischen Aegyptologen, der ursprünglich
T, i 3 • V, ? ernsthatte Untersuchung über das gleichzeitig Botaniker war und daher Berechtigung
Verhältnis von Glaube und Mystik beginnen kann. *nd Befähigung nimmt, die viel behandelten Fragen
Ebenso richtig und klar scheint mir die Grund- von der naturwissenschaftlichen Seite anzugreifen,
bestimmung des Gegensatzes zu sein: Im Glaubens- Oft spielen die Beziehungen Aegyptens zu den Nachstandpunkt
das persönliche Gegenüber von Gort und 1 barländern in die Behandlung der wesentlichen Kultur-
Mensch mit Verantwortung und Sündenvergebung, in I erscheinungen des Niltals hinein. Die Verhältnisse der
der My stik die überpersönliche, überethische Einswer- Urzeit stehen im Vordergrunde, aber manche erhellende
dung von Gott und Mensch. Auf der einen Seite Recht- ,BduUChtr,nn fälu auf die weitere Geschichte des ägyp-
feimeunr/ auf der anderen Seite Identität Auch in Her t,schen Volkes- Das Wlchhgste an der wertvollen
Temgung, am uer anderen Seite Identität Auen in der Arbeit bleibt die starke Heranziehung der Naturwissen-
Charalrterisierang der verschiedenen Auffassungen von schatten und die mit ebenso viel vcusicht£wie Weit-
Mensch und Welt, die sich aus dem grundlegenden ; blick gehandhabte Methode jener Arbeitsgebiete.
Unterschied ergeben, wird man Heinzelmann zustimmen _ _ Preis broschiert RM. 1.50.
müssen. Und doch ist es fraglich, ob man deswegen
gezwungen ist, das Endergebnis anzunehmen, die Alternative
, sich für die Mystik, oder für den christlichen
Glauben zu entscheiden. Freilich: Der hier gezeichnete
Glaubensstandpunkt verhält sich exklusiv zur Mystik.
Aber ist es angemessen, den Glauben als einen religiösen VtnLAu UtK J. U. nlNnluno oUHtN
Standpunkt unter anderen zu betrachten? Es ist auch BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG Cl