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Ausgabe:

1927 Nr. 22

Spalte:

528

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Niebergall, Friedrich

Titel/Untertitel:

Praktische Auslegung des Alten Testaments. II. Bd.: Die Propheten. 2., teilweise umgearb. Aufl 1927

Rezensent:

Bussmann, E. W.

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Seite 1

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527 Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 22. 528

Nur übertreibt H. in der Kritik der Volkskirche trotz aller Berechtigung
zum Pessimismus, wenn er die Volkskirche der Gegenwart
nur als Einrichtung wertet, im modernen Heidentum missionierend

Niebergall, Prof. D. Friedrich: Praktische Auslegung des
Alten Testaments. Methodische Anleitg. zu seinem Gebrauch in
Kirche u. Schule. Im Anschluß an „Die Schriften d. A. T. in

zu wirken. Das wäre ja auch garnicht möglich, wenn nicht ein Auswahl". II. Bd.: Die Propheten. Mit Namen-, Sach- u. Stellenmissionierendes
Subjekt da wäre. Soll dies nur im geistlichen Amt 1 register. 2., teilweise umgearb. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck
und in der „Kerngemeinde" gefunden werden? Die Meinung, die I & Ruprecht 1926. (VIII, 300 S,, gr. 8°. Rm. 10—; geb. 12—.
Sakramentsgemeinde und etwa die im Anschluß an Bibelstunden ge- i Das Bucn ist in der zweiten Auflage nur soweit geändert, als
wonnene Kerngemeinde decke sich ungefähr, ist auch praktisch ein jjal]es getilgt ist, was in der ersten Ausgabe von Hoffnungen und
großer Irrtum. Auch in der Sakramentsgemeinde steckt praktisch viel . Aussichten stand, die dem ersten Kriegsjahr ihren Inhalt gaben. Dafür
„Heidentum". Mir erscheint daher der richtige Grundgedanke H.'s j sind Qedan|<en unterstrichen, die den späteren Propheten den Mut
nur in andrer Form durchführbar. Man werte die „Volkskirche' i zum Versuche gaben, aus dem nationalen Elend ihr Volk herauf-

als festgefügten rechtlich geordneten Organismus nur als örtlich und
geschichtlich orientierte Organisationseinheit, die berufen ist, den all
gemeinen Rahmen für die Fortpflanzung, Belebung und Vertiefung des

zuführen zu neuer Kraft und Größe". So sind die veränderten Zustände
in unserm Vaterlande und in der ganzen Welt in das Licht
des Schriftwortes gestellt, und es ist immer darauf hingewiesen,

praktischen Lebens abzugeben. Daneben brauchen wir eine freiere , wje die wy0rte oder Gedanken der Propheten für die heutige Zeit
und bewegliche Organisationsweise, die darum nicht weniger „Kirche" ; nutzbar gemacht werden können. Die Vorzüge der Niebergall'sehen
ist, sowohl zur persönlichen Pflege und Vertiefung wie zur Ausbrei- 1 Auslegungskunst sind zu bekannt, als daß sie noch besonders er-
tung. Sie stellt sich heute schon tausendfach dar in „Gemeinschaften", wahnt werden müßten. Es ist oft erstaunlich, welche religiösen
Vereinen, Verbänden, Bibel- und Missionskreisen. Diesem Leben ist Motive und Quietive er aus den Worten der Propheten zu schöpfen
freiester Spielraum zu geben — es ist aber auch im festen Rahmen versteht, wie er in die Tiefe führt und selbst zunächst spröde Worte
der Volkskirche zusammenzuhalten, damit keine Koterie daraus werde. praktisch zu wenden weiß. Von wenigem abgesehen geht es ganz
Auf eine feste Formel ist dies Zusammenwirken territorialer und onne Schwierigkeit, und es ist ein Beweis für die von den Dogmageschichtlicher
Gemeinsamkeit einerseits und völlig frei sich bewe- tlkern hervorgehobene Vollkommenheit der heiligen Schrift für alle
gender Gruppierung nicht zu bringen. ' Zeiten und Lebensumstände, wie N. sie anzuwenden lehrt. Jeder, der
Nur ist eben Beider „Kirche" als geschichtliche und soziale , über prophetenworte zu predigen hat oder in Bibelstunden fort-
Werdeform des Reiches Gottes. Mit Wasser wird auch in den ' iaufend ein Prophetenbuch behandeln will, wird dem Verfasser
„Kerngemeinden" und Sonderkreisen gekocht, der Geist des Herrn dankbar sein, wenn er auch nicht allen seinen Gedankengängen, die
weht auch in den weiten Kirchenhallen. wohl einmal einseitig werden, zustimmen wird. — Auf S. 239, Z. 8
Es ist aber ein großes Verdienst Hilberts auf den hohen Wert , v 0 muß es statt Es< wonl (Er' heißen.

freien christlichen Gemeinschaftslebens hingewiesen zu haben. Hier j .... ,. „

. , ,. „, .... , . . „ , . Ahlden/Aller. E. W. Bussmann,
werden immer wieder die Blutkorper und Lebenszellen gebildet, ohne

welche der Organismus nicht leben kann. -===========================^===

Greifswald. Ed. von derGoIz. In Kürze erscheint

DIE RELIGIÖSEN

ERLEBNISSE

Frank, Nervenarzt Dr. med. Ludwig: Vom Liebes-und Sexualleben. MIIMRIF T,r nmumu r, t

Erfahrungen aus d. Praxis f. Ärzte, Juristen und Erzieher. 2 Bde. 1 I VI UI VI L/ l_L- LIL. WILHELM, a. o. Prof. an der

Leipzig: G. Thieme (1926). XX, IV und 807 S.) 8°. Universität Marburg / Pfarrer in Hamborn (Rhld.)

Rm. 14.40; geb. 16.50. |
F. will weitere Kreise über das Wesen der nervösen Leiden

aufklären. Er vertritt die Anschauung, daß die allgemein nervös

genannten Zustände ihre Wurzeln überwiegend in Störungen des

Liebes- und Sexuallebens haben. Er stellt Äußerungen dieser Art

an Beispielen dar und wählt dafür die Form von Briefen an Ärzte,

Erzieher, Väter, Mütter. Im Ganzen sind es 295 Briefe, die in die

Abschnitte: Allgemeines, Kinder, Jugendliche, Ehedisharmonieen, IHR SINN UND IHRE EIGENART.

Rückbildungsalter eingeteilt sind. 166 Briefe, also mehr als die

Hälfte, gelten den Ehedisharmonieen. Man wird wohl so ziemlich Ein Beitrag ZUr Frage nach dem Wesen der Religion,
über jede Möglichkeit, die die Praxis bietet, eine freilich kurze

Beratung finden. Diese Beratung ist vom Standpunkt der Psych- j Zweite, völlig umgearbeitete Auflage. 74 Seiten,

analyse gegeben. F. betrachtet es lediglich als seine Aufgabe, die von go 1927.

ihm gemachten Beobachtungen und Erfahrungen wiederzugeben, um
so weit als möglich aufklärend und prophylaktisch wirken zu können.
Die Nutzanwendung zu ziehen überläßt er dem Leser; auf die Gebiete
der Ethik und der Erziehung geht er nicht ein. Gelegentlich
erwähnt er, daß er durchaus nicht pastoral angehaucht sei (II 705),
aber als Naturforscher beuge er das Haupt ehrfurchtsvoll vor dem
Walten der Natur; daher er gegen künstliche Frühgeburt ist. Diese
Behandlungsweise ergibt, daß die behandelten Fälle irgendwie aus
sexuellen Erlebnissen, Zuständen, Gefühlen erklärt werden; dabei
spielen Verdrängungen, Unterbewußtsein usw. keine kleine Rolle.
Ratschläge zur Behandlung fehlen nicht; sie treten aber in vielen
Briefen gegenüber der Analyse ganz zurück, öfter wird lediglich
auf die Notwendigkeit einer ärztlichen Behandlung hingewiesen.
Positive Ratschläge beziehen sich meist auf eine Gestaltung der
äußeren Lebensverhältnisse, die die Psyche heilsam beeinflussen können
. Unter den Lesern des Buchs möchte F. auch Theologen sehen
— wie alle, die mit dem Menschen zu tun haben. Zweifellos
können Theologen aus dem reichen Material viel lernen. Wenn sie
es richtig werten wollen, werden sie freilich sich gegenwärtig halten
müssen, daß die Gefahr einseitiger Zurückführung nervöser
Störungen auf sexuelle Vorgänge nicht gering ist. Sie werden auch
nie vergessen dürfen, daß der Pfarrer unbedingt vorsichtigste Diskretion
gerade in diesen heiklen Fragen üben muß, wenn anders
er nicht schlimmsten Mißverständnissen ausgesetzt sein will. Kurz,
es gelten die Vorbehalte, die gegenüber der psychanalytischen Methode
überhaupt gelten. Und ob für die Seelsorge das Studium einer so ausgebreiteten
Zahl von Einzelfällen erforderlich ist? Eine knappere,
das Wesentliche darlegende Einführung wird in der Regel genügen;
die Praxis bringt nachher Mancherlei hinzu.

Breslau. M. S c h i a n.

Im Anschluß an die phänomenale Fragestellung (im
Sinn Husserls) sucht die Schrift den Weg zu einem
sachgemäßen Verständnis des religiösen Glaubens zu
zeigen. Verfasser nimmt den Ausgangspunkt nicht
vom Subjekt, sondern von der Beschreibung der Wirklichkeitssphäre
des religiösen Glaubens; so gelingt
es ihm, ein zutreffendes Bild von dem wirklichen
Leben der Religion zu zeichnen und sie in ihren
Lebensäußerungen verständlich zu machen. Die Bedeutung
des Objektiven in der Religion, das entscheidende
Gewicht der Wahrheitsfrage sowie die Notwendigkeit
der religiösen Entscheidung treten durch
diese sich streng in den Grenzen wissenschaftlicher
Betrachtung haltende Untersuchung klar zutage, die
jedem, dem es um Wahrheit in den Grundfragen
religiösen Lebens zu tun ist, Führerdienste leisten
kann. In der Neubearbeitung ist der Umfang der
ersten Auflage um die Hälfte erweitert, der Inhalt
wesentlich bereichert und die Gesamtauffassung klarer
herausgearbeitet. Preis brosch. etwa M. 3.50

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VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN
BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C. 1.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 15. Oktober 1927.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C. 1, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.