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Ausgabe:

1927 Nr. 2

Spalte:

33-34

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Greßmann, Hugo

Titel/Untertitel:

Israels Spruchweisheit im Zusammenhang der Weltliteratur 1927

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 2.

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selbst wenn die Vermutungen, die Bauer über die Herkunft
der Träger dieser Namen äußert, sich als nicht
ganz zutreffend herausstellen. Bauer hat uns ein hervorragendes
Arbeitsbuch geliefert, das für alle weiteren
Forschungen auf diesem Gebiete grundlegend bleiben
wird. Er hat auch zum ersten Mal versucht, in dem
Namenmaterial Schichten zu sehen und Gruppen zu
bilden und kommt dazu, drei Dialekte anzunehmen.
Außerdem hat er die größere oder geringere Sicherheit,
mit der die Namen dem „Ostkanaanäischen" zuzuweisen
sind, noch durch den Druck gekennzeichnet.

Dies Material ist nun von Bauer auch eindringend
durchgearbeitet worden; die Früchte seines Studiums bietet
er uns in einem philologischen und einem historischen
Teil dar. Die grammatische Skizze besitzt für
den Alttestamentler noch besonderen Wert, da das „Ost-
kanaanäische" nahe Berührungen mit dem Hebräischen
aufweist. Bauer sagt darüber S. 69: „Faßt man zusammen
, so ist die Sprache der sogenannten amo-
ritischen Eigennamen aufs engste verwandt mit einer
alten Sprachstufe des Hebräischen, die Namen wie

?J>1D# bildet, das 1 und 1 compaginis sowie infi-
giertes ma kennt. Man kommt damit aus, diese Sprache
als Dialekt des Kanaanäischen aufzufassen." Für die
historische Behandlung geht Bauer von folgendem
Grundsatz aus: „Voraussetzung für jede Behandlung der
.amoritischen' Frage ist eine strenge Scheidung dreier
historischer Gegebenheiten, die bisher in engste Verbindung
miteinander gebracht wurden. Das im dritten
Jahrtausend erwähnte MAR-TU und seine Bewohner, die
Träger der kanaanäisch-westsemitischen Namen während
der Hammurabi-Dynastie, und das spätere Fürstentum

Amurru im Libanongebiet haben miteinander nichts zu
tun" (S. 83). Hier wird man Bauer nicht immer in
allen Einzelheiten folgen können; man wird das
Empfinden nicht los, daß für eine sichere Entscheidung
mancher dieser Fragen das Material noch zu
lückenhaft ist. Dies Bedenken mindert jedoch nicht den
Dank, den wir Bauer für seine mustergiltige Untersuchung
schulden, die die Behandlung der Amoriter-
frage auf eine solide Basis gestellt hat.

Hiddensee. Arnold Gustavs.

Greßmann, Hugo: Israels Spruchweisheit im Zusammenhang
der Weltliteratur. Berlin: K. Curtius 1925. (57 S.) gr. 8°.=
Kunst u. Altertum, Bd. 6. Rm. 2—; geb. 3—.

Der Verfasser redet zuerst von Israels Spruchdichtung
in der älteren Königszeit (Salomo) S. 7—27; darnach
von Israels Spruchdichtung in der jüngeren Königszeit
(Hizkia) S. 27—47; von den Trägern der Spruchweisheit
S. 47—54, endlich von der Eigenart der Spruchweisheit
Israels S. 54—57. — Der Nachweis von Erman
in der orientalistischen Literaturzeitung 1924. Nr. 5 und
eine Reihe von Bemerkungen in Ermans Literatur der
Ägypter 1923 haben dem Verfasser vor anderem den
Anstoß gegeben, die Spruchliteratur Israels und ihr
Verhältnis zur orientalischen Spruchweisheit wieder genauer
ins Auge zu fassen. So hat Greßmann schon in der
Z. A. W. 1924 S. 272 ff. dazu das Wort genommen.
Hier blickt er ebenso scharf nach Beeinflussung von
anderswoher als von Ägypten aus, also nach Babel,
Edom, Sabäa und auch Indien. Auch auf den altara-
maischen Achikar-Roman und die Weisheit des Achikar
wird mehrfach Bezug genommen. Es liegt in der Natur
■u e ~~ das geringfügige Material bringt es mit
sich — daß hier nicht so viel herauskommt wie bei der
Prüfung der ägyptischen Beeinflussungen. So darf vieles
als mehr oder weniger gegründete Vermutung gelten.
Vor allem scheint aber die Schlußfolgerung, die Greßmann
zieht, nicht gerade einleuchtend. Die vorprophe-
-l Abfassung der Proverbien sei sicher gestellt (S.
•>?), was zu viel gesagt ist. Damit ergebe sich, daß die
diesseitige Vergeltung im Lebein des Einzelnen der vor-
exilischen Zeit nicht unbekannt war. Sie war in der
Regel profan, in dem Sinne, daß sich alle Torheit und

jede Bosheit des Menschen räche. Die Propheten haben
diesen Gedanken „mit grandioser Selbstverständlichkeit"
auf das Leben der Völker übertragen" (S. 56). Aber
diese „grandiose Selbstverständlichkeit" ist ganz und gar
nicht selbstverständlich. Ebenso ist es kaum angängig,
Hiob so zum Gegner der Propheten zu machen, wie
es 55—57 von Greßmann geschieht. Daß in dem Leben
der Völker ein Gericht Gottes nicht zu erkennen sei —
gewiß auch das wird in Hiob berührt (vgl. 12, Uff.),
aber darauf liegt doch nicht der Ton, sondern einfach
nur auf dem Widersinn zwischen Leid und Not des
Einzelnen in diesem Leben. Und daß der Dichter
hierbei gegen ein Hauptdogma der jüdischen (=n.
exil.) Gemeinde und nicht eigentlich der großen Propheten
ankämpft, ist kaum zu bestreiten. Daß im Übrigen
Greßmanns Ausführungen viel Anregung zum
Nachdenken und zur Weiterforschung bieten, bedarf keines
Wortes.

Bonn. J. Mein ho Iii.

Schauf, Dr. theol. Willi.: Sarx. Der Begriff „Fleisch" beim
Apostel Paulus unter besonderer Berücksichtigung seiner Erlösungs-
lehre Münster i. W.: Aschendorff 1Q24. (XVI, 208 S.) gr. 8". =
Neutest. Abhandlungen, XI. Bd., 1—2. Heft. Rm. 7—.

An diesem Buche ist zunächst erfreulich, daß es auf solider
Arbeit beruht und seine Ergebnisse in gewissenhafter und nüchterner
Exegese gewinnt. Es unterscheidet sich dadurch vorteilhaft von modernen
religionspsychologischen, morphologischen u. dgl. Interpretationsversuchen
, indem es die Aussagen des Paulus nicht von einer
modernen Minsehenauffassung aus verstehen will, sondern einfach beschreiben
will, wie Paulus den Menschen gesehen hat. Dali dies
freilich nur geschehen kann, wenn man die eigene Menschenauffassung
kritisch in Frage stellt bzw. nicht Einfluß gewinnen läßt
auf die Interpretation, bedenkt der Verf. nicht, und deshalb ist auch
er oft geleitet von ungeprüften Voraussetzungen. Trotzdem sieht er
oft das Richtige, weil seine katholischen Voraussetzungen tatsächlich
der Meuschenauffassung des Paulus näherstehen als die modernen.

Das eigentliche Problem des Buches ist die Frage, wie aap!
womit zunächst der Fleischesstoff bezeichnet wird, als Sitz der Sünde,
ja als die sündige Natur des Menschen gelten kann Die Antwort des
Verf. ist die, daß a. bei Pls. der Ausdruck für den Menschen ist, soweit
er noch „dieser Welt" angehört und nicht in Lebensverbindung
mit Gott stellt (S. 115, vgl. S. 135. 144. 187 f.). Ist diese Bestimmung
auch richtig und trefflich, so ist doch das keine Lösung
des Problems. Denn wenn nun der Doppclcharakter der aap! daraus
verstanden werden soll, daß der xoOfiOS eine sowohl „physische"
wie „ethische" Größe sei, so ist das Problem nur zurückgeschoben;
denn der Verf. erkennt freilich die Bedeutung des xoafxo; -Begriffs
bei Paulus, gibt aber keine eindringende Analyse. So ist es unbefriedigend
, wenn er erklärt: „Indem somit durch Sarx die Diesseitigkeit
oder Weltlichkeit des Menschen ausgedrückt wird, ist es verständlich,
daß Sarx in syneedochischer Weise auch Ausdruck für das Diesseitige,
Weltliche, „Natürliche" überhaupt werden konnte. Daher bezeichnet
sarkisch bald das Irdisch-Fleischliche, bald das Irdisch-Menschliche,
bald das Irdische oder „Natürliche" überhaupt" (S. 167). Etwas klarer
wird das Verständnis durch die Antithesen, die bes. gegen Holsten
und Liidcmann gerichtet sind, während die modernen begriffsgeschicht-
lichcn Untersuchungen von Reitzenstein und Bousset zu kurz kommen.
Der Verf. bekämpft mit Recht die Auffassung, daß aap! als Fleischesstoff
die Quelle der Sünde sei, weil hierdurch der Tatcharakter der
Sünde aufgehoben werde. Adams Fall sei nicht aus seiner n. abzuleiten.
Dica. als Fleischesstoff sei nicht wesentlich sündhaft (S.182.185), wie
denn auch im Auferstehungslcibe die <r. nicht vernichtet, sondern
nur verwandelt werde. Dieser letzte Satz ist freilich so wenig haltbar
wie die Polemik gegen die These, daß a. und sündige Menschennatur
bei Pls. begrifflich identisch seien, mit dem Hinweis auf den
»/o0c, der auch im unerlösten Menschen ein pneumatischer Faktor sei.
Mit Recht weist der Verf. zwar darauf hin, daß auch der unerlöste
Mensch zu sittlich-guten Handlungen fähig sei. Aber der Ernst der
paulinischen Begriffe o»p! und xoa/xof ist verkannt, wenn jene
guten Handlungen nur als nicht ausreichend verstanden werden (S.
160), und wenn sie beweisen sollen, daß „auch der Unerlöste nicht
stets und ausschließlich von der Sarx bestimmt wird, es kann auch der
„pneumatische" Nous hier und da die Oberhand gewinnen" (S. 191).
Phil. 3, 3-10 dürfte das Gegenteil beweisen; vor allem ist der cscha-
tologische Charakter der paulinischen Rechtfertigungslehre verkannt,
wenn der Gegensatz zwischen dem Menschen als n. und dem göttlichen
nveTixa nicht radikal gedacht wird und im sarkischen Menschen
nun doch wieder ein pneumatischer Faktor anerkannt wird.
Die Kontinuität des neuen mit dem alten Menschen ist nicht eine
irgendwie substanzhafte, sondern eine rein geschichtliche; der neue
Mensch ist y.nivii xtiatt (2. Kor. 5, 17). Beim Verf. erscheint