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Ausgabe:

1927 Nr. 22

Spalte:

515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Singermann, Felix

Titel/Untertitel:

Midrasch Tanchuma 1927

Rezensent:

Kittel, Gerhard

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515

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 22.

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sei es auch nicht nötig, die Erfindung der semitischen |
Buchstaben nach der Sinai-Halbinsel zu verlegen; diese j
könne ebensogut in Phönizien, das seit der vordynasti-
schen Zeit in engen Berührungen mit Ägypten gestanden j
habe, vor sich gegangen sein.

Den Namen sieht er als eine Abkürzung

von an, vjy will er als „Bürger von Akkö" j

verstehen. Gegen diese Erklärungen läßt sich freilich
mancherlei sagen. Unmöglich ist es nicht, daß doch in
dem ersteren Namen das A-da-a der Hammurapi-Zeit
steckt. Und ob es möglich war, den langen Endvokal
von 'Akkö (assyrisch Ak-ku-u) bei der Bildung des
Toponymicums einfach zu eliminieren, ist wohl zweifelhaft
, jedenfalls verdient die in mancher Hinsicht eigenartige
Inschrift trotz ihrer Kürze eingehende Beachtung.
Hiddensee. Arnold Gustavs.

Singermann, Rabbiner Dr. Felix: HDVUri , ';

min "'tyiSin n^Qn mit verbessertem hebräischen Text übers, tt.
eriäutert. Lfg. 1—3. Berlin: Selbstverlag (Buchhandlung: L.Lamm,
Berlin) 1925, 1926 u. 1927 (IV, 304 S.) gr. 8».

Der Midrasch Tanchuma trägt seinen Namen nach
dem im 4. Jahrhundert lebenden Amoräer R. Tanchuma.
Von ihm ist in diesem Midrasch besonders viel Haggada
mitgeteilt; es ist nicht unmöglich, daß er selbst die
Grundlage zu dem Midraschwerk gelegt hat. Jedenfalls
enthält dieser den ganzen Pentateuch durchlaufende Midrasch
eine Fülle alten und interessanten Stoffes hagga-
discher, aber auch halachischer Art, dazu eingestreute
Sprüche, Fabeln, Gleichnisse und Sagen. Da eine Übersetzung
bisher nicht existierte, ist dieses Material von
christlich-theologischer Seite wenig verarbeitet. Die von
dem Rabbiner Singermann begonnene Übersetzung will
zunächst nicht unmittelbar wissenschaftlichen Zwecken
dienen, sondern den Midraschtext der modernen abendländischen
Synagogengemeinde erschließen. Aber so
lange es eine andere nicht gibt, kann man dem christlichen
Theologen nur raten, sich von der vorliegenden in
diesen Text einführen zu lassen. Die bisher erschienenen
drei Lieferungen führen bis zum Ende von
Genesis. Daß der hebräische und der deutsche Text
nebeneinander gedruckt sind, erleichtert die Lektüre
beider. Die in Klammern beigefügten Erläuterungen
sind, dem genannten Zweck des Unternehmens entsprechend
, auf Laien berechnet. Der vom Verf. gegebene
Text ist der Vulgärtext des Midrasch, mit stillschweigend
eingefügten Veränderungen, vielfach nach
dem Buberschen Text. Es versteht sich von selbst, daß
das Verfahren wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügt
, sondern sich nur aus dem praktischen Primärzweck
des Werkes rechtfertigt. Aber es ist besser, das wichtige
Quellenstück wird in dieser Form gelesen als überhaupt
nicht.

Tübingen. Gerhard Kittel.

Hempel, Johannes: Gott und Mensch im Alten Testament.

Studie zur Geschichte der Frömmigkeit. Stuttgart: W. Kohlhammer
1926. (VIII, 224 S.) gr. 8». = Beiträge z. Wissensch, v. A. u.
N.T., 3. Folge, H. 2. Rm. 9.60.

Das interessante Thema, dessen Behandlung sich der
Verfasser zur Aufgabe gestellt hat, wird in folgender
Weise behandelt: F. Buch: Die Furcht vor Jahve. 1. Die
Furcht vor Jahve als Furcht vor dem Heiligen. 2. Die
Furcht vor dem nahen Gott. 3. Die Furcht vor dem vergeltenden
Gott. 4. Furcht und Vertrauen. 2.. Buch:
Der Glaube an die Macht Jahves in Geschichte und Natur
. 1. Jahve der Kriegsgott. 2.. Jahve der Wundertäter.
3. Der Einfluß des Kulturlandes. 4. Die geschichtliche
Wurzel des Verbundenheitsgefühls. 5. Das Weiterklingen
der alten Motive. 3. Buch: Die profetische Botschaft
, ihr Werden und Wirken. 1. Die Zwangsläufigkeit
des profetischen Erlebens. 2. Die persönliche Bedingtheit
der profetischen Botschaft. 4. Buch: Spiegelungen.
1. Der Bundesgedanke. 2. Die Bildreden. 3. Gebetsanreden
. 5. Buch: Das Leben des Einzelnen als Wirkungsgebiet
Jahves. 1. Das Alter des Glaubens. 2. Geburt
, Krankheit und Tod als Wirkungen Jahves allein.
3. Abstandsgefühl und Vertrauen. 4. Die Verinner-
lichung des Waltens Jahves. 5. Die Forderung Jahves.

Man sieht: es ist eine reichbesetzte Tafel, die uns
geboten wird. Das ist bei dem ins Herz der israelitischen
Religion greifenden Thema kein Wunder. Es fragt sich
nun, ob die uns vorgesetzten Speisen auch allseits genießbar
sind, oder ob es heißen muß: „Wer vieles bringt,
wird manchem etwas bringen." Da ist zunächst zu bemerken
, daß ein gewisser Wortreichtum und unnötige
Breite auffällt. Das hängt wohl damit zusammen, daß
der Verfasser sich als Leser den weiten Kreis aller
ernsten Christen denkt, denen der Kampf ums Alte
Testament und dem was damit zusammenhängt, auf der
Seele lastet (S. VII), also nicht bloß die Fachgenossen;
aber doch auch diese. So kommt es, daß einmal der
„gebildete Laie" hier und da kaum wird folgen können,
anderseits der Fachmann über „Selbstverständlichkeiten"
stolpert. Es ist doch wohl etwas zuviel gegeben an
Übersetzungen bekannter biblischer Texte. Wenn z. B.
die bekannten Worte des Psahnisten (51, 11 ff.): „Schaff
in mir Gott ein reines Herz usw." S. 196 und ebenso
7 Seiten später noch einmal in extenso vorgeführt werden
, so ist das gewiß auffallend. Man hat den Eindruck,
als ob das Ganze ruhig um etwa ein Drittel kürzer und
damit dann gerade eindrucksvoller hätte gestaltet werden
können. Auch über stilistische Ungeschicklichkeiten stolpert
man hier und da. Wenn es z. B. von der Sünde
heißt: (S. 170 Z. 12 v. u.) Jahve muß ihrer übersehen
(statt etwa: vergessen), wenn man liest: (S. 180
Z. 9 v. u.): der Einzelne kann von dem zu zehren;
oder Z. 185 Anm. 3: „daß in den Geschichtswundern
auch dem Werden der Enderwartung nach das Ursprünglichere
, in den naturmythologischen Zügen aber hinzugetretene
Ornamentik zu sehen ist"; S. 219 Z. 13 v. u.:
und nur das war die Frage, wie weit des einen Gesetzeserfüllung
sie alle aus dem Verderben zu retten vermöchte,
Lot und die Sodomiter (Gen 18, 22 ff.), Noah, Daniel
und Hiob, die sündige Stadt, in der sie wohnen wür-
d e n" oder den merkwürdigen Schachtelhahn von Satz
in der Anmerkung S. 202. 1. ansieht, (es ließe sich noch
manches beifügen), so hat man doch den Eindruck
eines etwas schnell Hingeworfenen, dem ja nun allerdings
auch die frische und flotte Art des Vortrages' ergänzend
zur Seite steht. Daraus erklären sich auch wohl
eine Reihe von Druckfehlern und Versehen, die über die
Nachträge und Berichtigungen (S. 224) hinaus anzumerken
wären.

Das alles soll das sehr Verdienstliche der Arbeit
nicht irgendwie herabsetzen. Der Verfasser sucht, und
gewiß oft mit Glück, „die Schwingungen aufzuweisen,
die bei den einzelnen Kultakten, Glaubensvorstellungen
i und Hoffnungsbildern die Seele des alten Israeliten
durchzitterten" (S. V). Gut ist z. B. S. 68 ff. ausgeführt,
daß auch im Bewußtsein der Profeten Jahve der Handelnde
ist und bleibt, und so bei dem stets gefühlten
Abstand zwischen Gott und Mensch von einer „Mystik"
auf a.t. Boden kaum zu reden ist; gut S. 134 ff. betont,
daß auch der Abstand zwischen Jahve und dem Könige
Israels deutlich und klar gewahrt wird. Ebenso ist anerkennenswert
, daß der Verfasser neben dem, was die
israelitische Religion mit der allgemein altorientalischen
Welt- und Gottesanschauung gemein hat, das Besondere
scharf hervorzuheben sucht. Vielleicht führt aber diese
Absicht hier und da doch etwas zu weit. Wenn z. B. behauptet
wird, daß Elisa nicht wie die Medizinmänner
durch Handauflegen heilte, sondern aus der Ferne ohne
persönlich-leiblicher Kontakt, so ist 2. Kön. 4,34 doch
etwas ganz anderes zu lesen! Auch die Meinung: ,Das
Bekenntnis der Schuld bewirkt die Vergebung. Es ist
profetischer Geist, der „aus solchen Worten
spricht"' (S. 194), bedarf einer Einschränkung. Stärck
wird gewiß Recht haben („Sünde und Gnade im älteren