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Ausgabe:

1927 Nr. 2

Spalte:

30-31

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Francke, August Hermann

Titel/Untertitel:

Geistesleben in Tibet 1927

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 2.

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vollkommene und in ihrer Arbeit unermüdliche Kirche
sich vor Gott nicht anders fühlen darf denn als unnützen
Knecht.

Göttingen. E. Hirsch.

Kreglinger, Prof. Richard: L'evolution religieuse de l'hum-
aniteT Paris: F. Rieder & Cie. 192h. (192 S.) 8°. = Christia-
nisme, lh. fr. 9—.

Kreglinger, Professor an der Universität Brüssel,
der in drei Bänden die Religion der Primitiven, der
Ägypter, Inder und Perser (1919), ferner der Griechen
und Römer (1920) und die Religion Israels (2. Aufl.
192fi) dargestellt hat, gibt hier ännlich wie Bousset in
seinem „Wesen der Religion, dargestellt an ihrer Geschichte
", aber in vielfach anderer Betrachtungsweise,
einen gedrängten Oberblick über die religiöse Entwicklung
der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart
. Er zeigt im 1. Kapitel, wie das kollektivistische,
materialistische und realistische Denken der Primitiven
zum Mana-Glauben, zur Zauberei und zum Totemisnius
führte und welche Gebräuche sich daraus für das Einzelleben
(Geburt, Mannbarkeit, Ehe, Tod), wie für das
Gesellschaftsleben (Zusammenhalt der Gruppen, Krieg,
Jagd) und die Stellung zur Natur (Regen, Sonnenlauf,
Neujahr) ergaben. Das 2. Kapitel stellt dar, wie die
vorher unpersönlich gedachte göttliche Kraft (mana,

brahman, numen, el) im König ihre Verkörperung und I J not sav to vou • •Enouffh- ,et Ask mc not thii quetraon'

stücke aus dem buddhist. Kanon. Ein höheres, philosophisches
Verständnis und dem Sinne sich anschmiegendes
Sprachempfinden läßt der Übersetzer gelegentlich
noch vermissen. Die übersetzten Stücke sind nach dem
Inhalt in Kapitel geordnet, von denen er p. VII—X die
„Contents" angibt. Es wäre aber auch eine Stellen-
Tabelle sehr erwünscht. Mindestens möchte man unter
jedem Stück die Quellenangabe finden, was nicht immer
der Fall ist (z. B. p. 5). Von sachlichen Irrtümern seien
folgende aus Anfang, Mitte und Ende herausgegriffen:
Schon von den beiden vorausgeschickten l)h.-Strophen 153 f. ist
das letzte Drittel der zweiten ganz falsch übersetzt. — ariya
„arisch" bedeutet oft einfach „edel", „hoch" u. a. und sollte nicht
durchgängig mit „arisch" übersetzt werden (z. B. p. I, 9, 11, 91, 96).
Von einem Lehrer Räma, den Gotama aufgesucht habe, steht rein
nichts in dem betreffenden Texte M. I, 164ff., über den W. p. 2 berichtet
. Und Uddaka Rämaputta heißt ferner nicht (wie ebd. gesagt)
,,U„ disciple of Räma", sondern ,,U., Sohn des R.". sankhära
bedeutet nicht „activities" (p. 4), sondern „Erscheinungsdinge";
sugata nicht ,,the Happy One" (p. 5), sondern „der gut Gegangene
"; päsäda nicht „steps" (p. 5), sondern „Palast" oder
„Paiastdach"; pa fi c u p ä d ä n a - k k h a n d h ä nicht „this Body, this
fivefoid Mass which is based on Grasping" (p. 8), sondern „die fünf
Kategorien des Erfassens (und Festhaitens) der Erscheinungswelt";
kaye käyänupassi nicht „regarding body as a Compound"
(p. 12), sondern „was den Körper anbetrifft, dem (Wesen des)
Körpers nachsinnend". (Vinaya) „11,6" (p. 159) ist Druckfehler statt
VI, 6. „Jeta Grave" (p. 163) ist falsch für „Bambus-Hain"; „Did

verlangte, indem ich sagte): .Genug . ., lassen wir das, frage mich
nicht danach!'"; „310—11" (ebd. 1. Z.) falsch statt „306f". „227"
(p. 174) falsch für 228; „sclf-born, and eats itself away" (p. 190)

Verehrung erhielt und selbst zur persönlichen und mc- (p , lf,7> fa.1** «f »Ich kemnte ja von dir nicht erreichen (was ich

! . • 0 , , , - t • t i ■ vprtanfjrtp inrlfin ich carrfpl ■ I iPtHIO laccpn u/ir rlac rrrtm- mich

narchischen Gottheit wurde, bei den Juden zum
Jahveh, wie ferner bei diesen der messianisene Gedanke

aufkam, sich entfaltete und in die Person Jesu ein- ! fälsch "'für" .„aus" dem B^'^bi^ kim^ ■ mSmt .

mündete, von der wir zwar sehr wenig wissen, deren I i (itf) deutet bekanntlich auch auf die Gedanken hin, nicht nur auf

Geschichtlichkeit aber nicht ZU bestreiten ist. Das 3. Ka- die gesprochenen Worte, und „so will they speak of . ." (p. 348) ist

pitel kennzeichnet die Heils- oder Erlösungsreligionen falscn fur: »mi* dem Gedanken:", „weil", a tf t a s a 11 hu kam

(BrahmanisniUS, Buddhismus, Mysterien) Und die Um- I pävacanam bedeutet: „das Lehrwort hat seinen Lehrer verloren",

Wandlung der Lehre Jesu in eine Mysterienreligion durch | nicht „gone is the word of the Master" (p. 334). „Speak to me as

Paulus. Unter „katholischen Religionen", von denen das friends to friend" (p. 355) ist falsch statt „ein Freund möge es dem

4. Kapitel handelt, versteht Kr. alle Religionen und reli- anderen sagen".

giösen Bestrebungen, die die Grenzen einer Nation über- Königsberg. R. Otto Franke,
springen und zum Einzelmenschen oder zur Menschneit

sprechen: neben den schon genannten Erlösungsreli- Further Dialogues of the Buddha, translated from the Pali of the
gionen Kaiserkult, Astrologie, Piatonismus und Neu-
platonisnius, die Religionsphilosophie Philos, römis her
Katholizismus, Taoismus, Islam, mittelalterlicher Katholizismus
. Für letzteren findet er Worte hoher Anerkennung
und Bewunderung, während er im 5. Kapitel,
das von der „Trennung von Religion und Zivilisation"
handelt, die „protestantische Reaktion" einseitig und
ohne Verständnis für ihre tiefere Bedeutung beurteilt als
„un mouvement medieval, tourne tout entier vers le
passe" (S. 176). Auch der Gegensatz, den er zwischen
dem nachtridentinischen und dem mittelalterlichen Katholizismus
findet, besteht in Wirklichkeit nicht in dieser
Schärfe. Gewiß verlief die nachtridentinische Entwicklung
, wegen des Gegensatzes zum Protestantismus, in
vieler Hinsicht einseitig, aber es kam zu Trient und nachher
doch nur eine Seite zu dogmatischem Abschluß, die
schon während des Mittelalters überwiegend hervorgetreten
war. Und „verbrannt" und „verdammt" (S.
179) hat die Kirche nicht erst nach Trient. Auch sonst
wären manche Ansichten und Behauptungen zu beanstanden
— daß z. B. Hieronymus sich ebenso entrüstet
gegen die Ansprüche römischer Bischöfe geäußert hätte,
wie Cyprian (S. 163), ist den Kirchenhistorikern nicht
bekannt —, aber alles in allem genommen ist das Büchlein
, namentlich in seinen ersten Kapiteln, eine gute und
und klare Einführung in die „religiöse Entwicklung der
Menschheit".

München. Hugo Koch.

Wood ward, F.L., M.A.: Some Sayings of the Buddha aecor-
dins to the Pill Canon translated. London: Humphrey Milford,
Oxford University Press 1925. (356 S.) 8n. sh. 5/—.

Das hübsche handliche Bändchen enthält leidlich

korrekte Übersetzungen ausgewählter kleinerer Bruch-

Majjbima Nikäya by Lord C halmers in two Volumes, Vol.
London: Hinnphrev Milford, Oxford University Press 1926. (XXIV,
371 S.) 8°. (=Dialogties of the Buddha Part. IV = Sacred
Books of the Buddhists Vol. V).

Diese englische Übersetzung des Majjh., einer der
allerwichtigsten Sammlungen von Lehrreden Buddhas,
ist sorgfältig und verdient alle dankbare Anerkennung.
Korrekturen sind nur sehr vereinzelt nötig. Z. B. ä s a v a
(etwa erfahrungsweltliche „Überschwemmungen") übersetzt
Ch. p. 2 und sonst mit „Krebsschäden" (Cankers),
was natürlich zu nichtssagend ist. — vusitavä bedeutet
nicht „who has greatly lived" (ebd.), sondern'
„der den heiligen Wandel absolviert hat". — T a t h a -
gata ist nicht „the Truth-finder" (p. 3), sondern „der
diesen Weg (selbst) gegangen ist". — „one of the Noble
Brotherhood" (p. 13) steht nicht da, sondern „von
denen bin ich einer", „to remember" (p. 247) ist falsch
statt „to go", wie aus Ang. II p. 28 § 14 hervorgeht. —
U. s. w. Die Verse (z. B. p. 243 fg.) sind z. T. recht frei
wiedergegeben. Vorausgeschickt ist eine Introduction
von 10 Seiten und eine Liste der Sutta (Predigt)-Titel.
Sonstiges Beiwerk ist nicht gegeben und soll wohl dem
II. Bande vorbehalten bleiben, dem wir mit bestem
Vertrauen und Interesse entgegensehen.

Königsberg. R.Otto Franke.

Francke, Dr. A. Hermann: Geistesleben in Tibet. Gütersloh:
C. Bertelsmann 1925. (80 S. m. Abb.) gr. 8°. = Allgemeine
Missionsstudien, Heft 2. Rm. 4—; geb. 5.50.

Dr. Francke, der als Herrnhuter Missionar in Kaschmir
und somit dem alten westtibetischen Reich geweilt
hat, schildert in dieser Schrift zum Teil Seiten des
Geisteslebens in Tibet, die hier weniger interessieren
werden. Ich gehe also auf die Kapitel: Sprache und