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Ausgabe:

1927 Nr. 19

Spalte:

443-444

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hebel, Johann Peter

Titel/Untertitel:

Biblische Geschichten in Auswahl. Kern des Christentums: Bergpredigt, Gleichnisse. Zum hundertsten Todestag Hebels hrsg. v. Theodor Längin 1927

Rezensent:

Katz, Peter

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 19.

444

graphie 2. eine Übersicht über den Inhalt, die An- j 3. Hebel, Johann Peter: Biblische Geschichten in Auswahl.

Ordnung des Stoffes und die Veränderungen, welche Kern des Christentums: Bergpredigt, Gleichnisse Zum hundertsten

Inhalt und Anordnung im Laufe der Zeit erfahren haben, ™es%H<*%hrs£ v- Theodor Lansin- Lahr B:R*' «««

3. Textproben (48 Perikopen, einige Messen, 5 Glossen). [ 4 A)te ^eisen ?u dm alernannischen 0edichten J. P. Hebeis, zum

Ebenso wie W. Kurrelmeyer in seiner „Neuausgabe der 100 Todestag gesammelt von K. F. Rieber. Kandem (Baden):

ersten deutschen zehnbändigen Bibel (!)" den Text der j. umbach 1926. (64 s.) quer 8».

1. Bibel originalgetreu abgedruckt und ihm die Lesarten j Eine der geschlossensten Gestalten des oberdeut-
der übrigen 13 Drucke beigefügt hat, so hat P. hier i sehen Schrifttums ist H. ,Hanspeterli' ist der gefeierte
den jeweilig ältesten Text, meist des am 3. März 1473 einzigbleibende Verfasser der alemannischen Gedichte
bei Günther Zainer in Augsburg erschienenen Urplena- J geworden, die Goethe und Jean Paul ans Licht zogen,
riums, buchstabengetreu abgedruckt und die Abweichun- , an seinen Kalendergeschichten des Rheinischen Hausgen
der anderen Drucke darunter verzeichnet. freunds erfreuen wir uns heute wie am ersten Tag,
Den bei weitem größten Teil seines Buches hat seine Biblischen Geschichten waren an die dreißig Jahre
P. 1886—1889 ausgearbeitet und niedergeschrieben; badisches Schulbuch und haben als solches eine noch
1890—92 ist er in 15 Bogen gedruckt worden. Als er nicht gezeichnete Geschichte erfahren; ihr Verfasser
im April 1890 dem Rute als Leiter der Weimarer starb als erster Geistlicher der linierten badischen Kirche
Lutherausgabe Folge leistete und von Greifswald nach mit dem neuen und durch ihn volkstümlichen Titel
Berlin übersiedelte, mußte er seine Arbeit abbrechen. ,Prälat'. Und doch haftet nach dem Willen des Mannes,
Erst Anfang 1924 konnte er sie wieder aufnehmen und der da sehr bestimmte Abneigungen hegte, kein Stäub-
nun in hohem Alter zu einem gewissen Abschluß bringen. chen ,Literatur' und literarischen Wesens an seinem
Wir beglückwünschen den ehrwürdigen Gelehrten dazu Werk. Er bleibt Kind, Naturkind, Kind der Zeit wie der
aufs herzlichste. Freilich hat er sich selbst nicht ver- 1 Ewigkeit vom ersten zum letzten Tag. Wer darum über
hehlen können, daß die lange Pause in der Entstehungs- ihn arbeitet, treibt nicht Literaturgeschichte, auch nicht
geschiente seines Buches nachteilig gewirkt haben wird, eigentlich Theologiegeschichte, auch wenn er den stamm-
Seine S. XV geäußerte Vermutung, daß in (jetzt ihm geschichtlichen und geistesgeschichtlichen Ursprüngen
unzugänglichen) „neueren bibliographischen Verzeich- j und Verflechtungen nachgeht.

nissen älterer, besonders der Wiegendrucke", „ebenso | Z. druckt nicht alles, was die Gesamtausgaben
in Büchern, die sich mit der Ausstattung der Wiegen- einst brachten. Ohne Klassikerformat und -ausstattung
drucke befassen" weitere Plenariendrucke erwähnt und ( bringt er, in schönen Bänden, in I Lebensbild und Gebeschrieben
sein möchten, trifft zu. Besonders bedauer- ! dichte samt zeitgenössischen Vertonungen, in II das
lieh ist, daß P. nicht Copingers Supplement zu Hains Schatzkästlein mit Nachträgen und Entwürfen, in III
Repertorium und A. Schramm's „Bilderschmuck der Früh- die Biblischen Erzählungen und den, auch für die badrucke
" hat benutzen können.1 dische Kirche einst gedachten, Christlichen Katechismus,

Gemeinsam ist V. und P„ daß sie von Äußerungen ^ne, mit [eichen Anmerkungen, in denen auch kleinere

Luthers über mangelnde Bibelkenntnis im Mittelalter theologische Aufsatze und Predigtteile Hebels Platz

ausgehen finden. Die Hauptvoraussetzung, die Z. mitbringt, ist

V. stützt sich besonders auf die Tischrede Luthers w. a. 3. j ?fm Alemannentum und sein Sinn für treue Auslegung.

Nr. 3767: Ante 30 annos nulius iegit bibiiam eratque omnibus in- ! Nur ein Theolog konnte mehr geben, aber schon hier

cognita. Prophetae erant innominati neque possibiles inteliectu. „Die sind viele Linien von Hebels Persönlichkeit zu seiner

Propheten waren ungenannt" übersetzt V. s. xiu. P., der in einem Gestaltung der biblischen Berichte richtig gesehn und

Anhang „Zur Wertschätzung der Bibel im ausgehenden Mittelalter" nachgezogen. Der Fortschritt gegen den blassen Gym-

sämtliche hierhergehörige Tischreden Luthers behandelt, gibt den j nasiums-HumanismuS etwa der verdienstlichen Gesamt-

Sinn der Stelle richtiger so wieder: Die Propheten waren nicht ein- ausgäbe von Keller ist, weltanschaulich, gewaltig. Eine

mal dem Namen nach geschieden (S. 278), die Namen der Propheten , neue Zejt drückt skh dapjn aug z g Randbemerkung'

waren nicht bekannt (S 280) Das sbmmt zu der ungenauen Art . Septemberheft der Zeitwende ist im wesentlichen

aus den Propheten zu zitieren, die V. S. XX z. B. in den von Anton ' . . . m

E. Schönbach herausgeg. Altdeutschen Predigten gefunden hat. Sehr Seine Einleitung ZU III. ....

richtig betont P. 277, daß Luther Erfahrungen seiner Mönchszeit ver- Der Briefband, dem wohl andre folgen, gibt mehr

allgemeinen, wie sich das „im Gespräch, in zwangloser Unter- ; als seine Vorgänger und hat abschließenden Charakter;

Haltung jeder, auch der Gewissenhafteste, einmal leistet". ! es steht viel in Und zwischen seinen Zeilen.

Gemeinsam ist vor allem beiden Büchern, daß sie j Längin's Heftchen ist dem Andenken seines Vaters,
nur „Materialien" bieten. Überblickt man die im Laufe des für Hebel unermüdlich tatigen Karlsruher Pfarrers
der letzten Jahre erschienenen zahlreichen (z. T. stecken ! Georg Langin, gewidmet und pflanzt dessen Geist in
gebliebenen) Urkundensammlungen, Briefsammlungen, e<ne gänzlich gewandelte Zeit fort. Man könnte heute
Neudrucke und Ausgaben, Verzeichnisse und minutiöse Hebel nicht arger bloßstellen und seine Wirkung auf
Einzeluntersuchungen und denkt man an den in unserem die Heutigen nachdrucklicher unterbinden, als es hier
Nachwuchs (z. T. unter dem Drucke der politischen und geschieht, wo Hebels schwächstes Stück, seine Bergwirtschaftlichen
Depression) erlahmenden Wissenschaft- predigt mit dem berüchtigten Schlußsatz: ,Ein Körnlein
liehen Eifer, dann kann man sich der sorglichen Frage Goldes ist in allem, was Jesus gesprochen hat, für den,
nicht erwehren: Werden die Könige kommen, die be- der es zu suchen und erkennen mag', als ,Kern' eines
stimmt sind, das von den treuen Kärrnern massenhaft Christentums vorgeste lt wird, dessen Ärmlichkeit in
zusammengetragene Material zu verwerten? i Hebel doch durch vielfache kostbare Hüllen organisch
Zwickau. o c lernen. ' umkleidet war. Wer eine Probe geben wollte, mußte

nach den Stücken greifen, die der alternde H. im frohen

1) S. 7 sind folgende Daten zu korrigieren: 30. Sept. statt ] Penu,ß ,spner ^geschwächten Erzählerkunst, zugleich

7. Okt. 1476, 28. statt 29. Febr. 1483, 6. statt 7. Febr. 1489. i im glucklichen Zug der ersten Liebe, geformt hat, den

_______ j Geschichten aus den Samuelis- und Königsbüchern.

Rieber gibt zu 22 al. Gedichten 40 Melodien, eine erste, die

1. Hebel, Johann Peter: Briefe an Gustave Fecht (1791—1826). ältesten Stücke umfassende Auswahl aus seiner reichen Sammlung.
Eingeleitet u. hrsg. v. Wilhelm Zentner. Karlsruhe: C. F. j Dorfauf, dorfab hat er noch viel lebendig gefunden, und sein schönes
Müller. (185 S. m. e. Bild.) gr. 8(>. (1922.) Heft, u. a. in Lörrach zum Jubiläum an die Schüler verteilt, wird

2. Ders.t Werke. Mit e. einführ. Lebensbild. Hrsg. v. Wilhelm | diese schlichten und abwechslungsreichen Lieder in manches Haus
Zentner. 3 Bde. Ebd. (1923 u. 1924.) (376 S. m. 2 Taf., 1 neu einführen. Christian Haag, Lehrer der Gesangsanstalt in Basel,
482 S. m. 3 Taf. u. 276 S. m. 2 Taf.) gr. 8°. »at die meisten Melodien beigesteuert. 1813 hat er sein Heft ,dem

I.: Hlwd. Rm. 5.50; Hldr. 8.50: edlen Verfasser der Gedichte, meinem unvergeßlichen Lehrer' zu-

II.: Hlwd- Rm. 6.50;' Hldr. 9.50: i geeignet.

III.: Hlwd. Rm. 4.50; Hldr. 7—. j Fahrenbach (Baden)._ Peter Katz.