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Ausgabe:

1927

Spalte:

434-439

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bultmann, Rud.

Titel/Untertitel:

Jesus 1927

Rezensent:

Lohmeyer, Ernst

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof.D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. K u rt D ietri ch Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. ..... Bezugspreis: halbjährlich Rm. 18—. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

5? laU.„ M. in Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, 17 C,m*oiiikaf 1077
Jafirg. IrT. I". Bauratgerberstr. Iii, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. " • -acpicIUDCr lytl.

Spalte

B u 11 m a n n : Jesus (Lohmeyer).......433

Bardy: Recherches sur l'histoire du texte
et des versions latines du De prineipiis
d'Origene (Koetschau)...........439

Stroppel: Liturgie und geistliche Dichtung
zwischen 1050 und 1300 (Clemen). ... 441

Vollmer: Materialien zur Bibelgeschichte
und religiösen Volkskunde des Mittelalters
(Ders.)................

Pietsch: Ewangely u. Epistel Teutsch (Ders.).

442

443
444

Spalte

Hebel: Briefe an Gustave Fecht( 1791 - 1826)

(Katz)....................

Werke (Ders.)...............

Biblische Geschichten in Auswahl (Ders.).

Alte Weisen (Ders.)..............

Meinhof: Die Religionen der Afrikaner
in ihrem Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben
(Schomerus)..........445

Wobbermin: Schleiermacher und Ritsehl
in ihrer Bedeutung für die heutige
theologische Lage u. Aufgabe (Kattenbusch). 445
Heiander: Kant och hans samtids
Kyrkliga problem (Bohlin)........450

Spalte

Chang: The Development, Significance
and some Limitations of Hegel's Ethical

Teaching (Hirsch).............451

Lehmann: Das religiöse Erkennen (Winkler). 452
S c h e s t o w : Potestas Clavium oder die

Schlüsselgewalt (Rendtorff)........453

Reu: Homiletics (Bussmann)........454

Dieckmann: De Ecclesia Tractatus

historico-dogmatici quos scripsit (Koch). . 455
Katholischer Literaturkalender (Mirbt) . . . 455
Mitteilung [Deißmann: Die Stockholmer Weltkirchenkonferenz
— Die Stockholmer Bewegung
] (Hirsch).............456

Bultmann, Prof. D. Rud.: Jesus. Berlin: Deutsche Bibliothek. eine frühere Theologengeneration als „Leben Jesu" breit

(204 s. m. 7 Abb.) kl. 8°. = Die Unsterblichen, Bd. 1. entfaltet hat. Deutlicher ist der Strich unter ein Kapitel

Rm. 3—; geb. 4—. der Geschichte theologischer Wissenschaft kaum zu zie-

Man hat das Problem der Geschichte und Gestalt hen. Aber es ist nicht die wissenschaftliche Lage allein,

Jesu seit langem auf doppelte Weise zu lösen unter- die zu dieser Kürze der Notizen drängt, sondern es

nommen: Man suchte entweder die „Person" oder das kennzeichnet zugleich die geistige Anschauung des Bu-

„Werk" zu erfassen und fand die Einheit, die Person ches. Alle Bemerkungen über Person und Auftreten

und Werk verband, in dem geschichtlichen Laufe des fallen unter den Oberbegriff des „zeitgeschichtlichen

„Lebens Jesu". So war das Ziel aller wissenschaftlichen Rahmens"; so wäre also das Werk, das die folgenden

Bemühung, mochte es auch im einzelnen noch so sehr Kapitel schildern, wenn man das Gleichnis fortsetzen

eingeschränkt sein, das einer aus gegebenen Quellen darf, das nicht mehr zeitgeschichtlich bestimmte „Bild"

gesicherten Biographie, das auch durch Albert Schweit- von bleibender Giltigkeit? Wie diese Giltigkeit des Bil-

zers bekanntes Werk nur erschüttert, nicht aber be- des bestimmt werde, ist hier noch nicht zu zeigen; wohl

seitigt worden ist. In den letzten Jahren war es nur aber entsteht die Frage, ob unter einer solchen Be-

der spielenden Phantasie oder der gläubigen Betrachtung trachtung seine Einmaligkeit und Geschichtlichkeit nicht

möglich, ein „Leben Jesu" neu zu gestalten; die ge- verkürzt zu werden droht.

schichtliche Forschung hatte sich von diesem Ziele mehr In drei Abschnitten entfaltet sich dann die Ver-
und mehr abgewandt. Es geschah mit sachlichem Recht; kündung Jesu wie in „drei Kreisen, die um den glei-
denn nicht nur verwehren unsere Quellen eine solche chen Mittelpunkt liegen. In jedem Kreise handelt es
Darstellung, sondern — was wichtiger ist — der Be- sich letztlich um das Gleiche und um das Ganze". Der
griff des „Bios" ist nicht fähig, das geschichtliche und erste Abschnitt trägt den Untertitel: „Das Kommen der
sachliche Problem dieser Gestalt aufzulösen. So scheint Gottesherrschaft." Er handelt also von dem Problem
es notwendig, die Alternative zu stellen: Entweder die der Eschatologie oder wie es später einmal nicht ganz
„Person" — aber was gäbe ihrer historischen Einmalig- konsequent heißt, von Jesus dem Propheten. Was er
keit sachliche Giltigkeit? — oder das „Werk". Es ist in seiner Predigt verkündet, ist nichts anderes als „der
eines der charakteristischen Merkmale des Bultmann- Ruf zur Entscheidung": „Der Mensch ist vor das große
sehen Buches von Jesus, daß es nicht nur auf alles Bio- 1 Entweder-Oder gestellt." Was aber ist „Gottesherr-
graphische, sondern auch auf alle Fragen nach der schaff"? „Nicht ein höchstes Gut im Sinne der Ethik,
„Person" verzichtet und mit entschlossener Einseitigkeit keine in der menschlichen Geschichte sich verwirklichen-
das Werk zum einzigen Gegenstande der Betrachtung de Größe, sondern übernatürlich und übergeschichtlich,
macht. Es ist in gewissem Sinne ein Buch von Jesus das Wunderbare schlechthin." Bultmann sieht selbst
ohne Jesus. deutlich, daß mit solchen negativen Bestimmungen im
Nur mit ganz flüchtigen Strichen zeichnet Bult- Grunde recht wenig gesagt ist; er grenzt sie also — und
mann in einem vorbereitenden Abschnitt den „zeitge- diese Wendung zu dem „Gewesenen" ist recht be-
schichtlichen Rahmen des Auftretens Jesu". In ihm : zeichnend — von den jüdischen Hoffnungen auf einen
wird die religiöse Haltung des Judentums auf wenige dem Volke beschiedenen Zustand endzeitlicher Herreindrucksvolle
Züge, auf Gesetz und Verheißung, Ge- lichkeit ab. Von solchen Hoffnungen ist bei Jesus kein
horsam und Hoffnung, zurückgeführt. Mit sichtlicher Hauch zu verspüren; ebensowenig von irgendwelchen
Wärme ist dieses Bild gezeichnet; von ihm heben sich universalistischen oder individualistischen Tendenzen,
um so deutlicher die zahlreichen messianischen Beweg- Solche „humanistischen" Begriffe würden einen An-
ungen ab, die um die Wende der Zeit im jüdischen spruch des Menschen Gott gegenüber begründen. Der
Volk sich regten. Sie sind in der Fülle und Vielgestaltig- Sinn der eschatologischen Botschaft Jesu erschließt sich
keit ihres Auftretens kurz aufgezählt; aus ihnen son- nur dem, der die in ihr verhüllte große Grundansch.au-
dern sich dann die Bewegungen des Täufers und Jesu ung erkennt, die Anschauung, daß der Mensch durch
ab, die in ihrem äußeren Verlaufe kurz skizziert werden. Gottes künftiges Handeln in die Entscheidung gestellt

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9 In diesen wenigen Bemerkungen ist alles enthalten, was sei.

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