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Ausgabe:

1927 Nr. 1

Spalte:

23

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Winkler, Robert

Titel/Untertitel:

Das Geistproblem in seiner Bedeutung für die Prinzipienfragen der systematischen Theologie der Gegenwart 1927

Rezensent:

Schaeder, Erich

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23

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 1.

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wendigkeit der kausalen Bedingtheit die Oberzeugung von der
Willensfreiheit nicht erschüttert werden könne, da die Notwendigkeit
der Kausalbeziehung zu Unrecht behauptet werde. Um diesen letzten
Oedanken zu beweisen tut der Verfasser dar, daß es sich bei der Notwendigkeit
der Kausalbeziehung um eine logische, nicht aber um eine
reale Notwendigkeit handele. Wir erschließen aus den Wirkungen die
Ursachen und schließen von diesen auf die Wirkungen zurück; von
den realen Beziehungen wissen wir nichts. So liegt hier letztlich eine
Schlußfolgenotwendigkeit vor: Nicht die Wirkung muß eintreten,
sondern wir müssen erwarten, daß sie eintritt. Mir will es allerdings
scheinen, daß der Verfasser die Korrespondenz von logischen und
realen Zusammenhängen übersieht. Wer den Kategorien des Dennens
objektive Giltigkeit zuschreibt, wird dem Verfasser nicht folgen
können.

Düsseldorf. Kurt Kesseler.

Winkler, Priv.-Doz. Lic. Dr. Robert: Das Geistproblem in seiner
Bedeutung f. d. Prinzipienfragen der systematischen Theologie der
Gegenwart. Oöttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1920. (32 S.)
gr. 8°. Rm. 2—.

Der Verf. vertritt die Überzeugung, daß eine sachgemäße Behandlung
der nvefu«-Frage die Mittel an die Hand gibt, die theologische
Lage der Gegenwart zu klären oder sachgemäß zu beeinflussen
. Mit dieser Auffassung steht er nicht allein. Er denkt dabei
an die Abwehr des Subjektivismus bezw. Psychologismus, des Irrationalismus
und Historismus. In Wobbermins Theologie nach religionspsychologischer
Methode sieht er die treffendste neuere Theologieform
unter dem maßgebenden Gesichtspunkt des itvsvjx«.

Geist, nvev/jn drückt die Synthese von Gott und Glaube aus.
Nur wo der Glaube das unmittelbare, lebendig - persönliche Verhältnis
zu Gott, die so verstandene seelische Einigung mit Gott,
welche Erkenntnis Gottes einsohließt, ist, kann angemessenerweise
vom Glauben die Rede sein. Daß aber der Glaube diese innere
Bestimmtheit hat, das hängt an seiner Verbindung mit dem nvevuet
Glaube ist „Haben" Gottes, wie der Verf. im Anschluß an Luther
betont. Er ist dies durch den Geist.

Der Verf. verfolgt im ersten Teil seiner Abhandlung historisch
die Behandlung des Geistproblems. Die korrekte Auffassung der
Synthese von Geist und Glaube findet er bei Paulus, Luther, grundsätzlich
auch (im Gegensatz besonders zu Brunner) bei Schleiermacher,
neuerdings zumal bei Wobbermin. Diese normale Linie wird durchkreuzt
von anfechtbaren, die alle irgendwie den Charakter des
Glaubens entstellen und damit die Theologie auf die Abwege des
Katholisierens, der falschen Mystik, des einseitigen Psychologisierens
und Historisierens führen. Hier scheidet sich der Verf. auch grundsätzlich
von K. Barth, der die Synthese von Geist und Glaube zerstört
, doch merkwürdigerweise so, daß sie sich der Natur der Sache
nach bei ihm immer wieder meldet.

Im zweiten Abschnitt wird die Bedeutung der Synthese für
eine methodisch und sachlich richtige Behandlung des entscheidenden
Fragekomplexes der Theologie aufzuweisen gesucht. Der verfügbare
Raum verbietet, die Einzelheiten dieser interessanten Ausführung zu
verfolgen.

Zweifellos ist der Verf. mit seinem Bemühen, das tiefste Ineinander
von Wort, Christus, Gott und Glaube unter dem leitenden Gesichtspunkt
des nusoßct aufzuweisen, auf dem richtigen Wege.
Jedes falsche Auseinanderbrechen des Objektiven und Subjektiven
im Glauben, jeder schlechte Realismus also ist hier vermieden. Die
Elemente einer recht verstandenen Bewußtseins- oder Eriebnistheo-
logie sind weithin treffend hervorgehoben. Aber m. E. tritt nun
doch die beherrschende Bedeutung des objektiven Wort- resp. Geistfaktors
im Glauben nicht deutlich genug hervor. Gibt es nicht Anlaß
zur Beanstandung, wenn es S. 18 heißt: „Durch Luther wird
der Glaube zum Mittelpunkt, zum Grundlegenden, aus dem heraus
die Gottesvorstellung sich erst gestaltet?" Oder S. 19: „Die religiöse
Erfahrung... gründet sich.. auf das ni-cvua, in dem...
Selbstbewußtsein und Gottesbewußtsein in einem gegeben sind"? Hier
öffnet sich die Gefahr eines übersteigerten Psychologisierens. Hier
liegt auch der Punkt, an dem bei bestimmt bemessener Zustimmung
zu Wobbermins Methode die Bedenken aufbrechen. Soll die pneumatische
Haltung der Theologie der Gottes- und Geistestatsache, der
Christus- und Wortgebundenheit des Glaubens entsprechen, dann
wird man doch bei allem Ineinander von Geist und Glauben das
Distanzverhältnis zwischen nveSfia und it'ryrj, den objektiven Charakter
des wortgebundenen nveSfia schärfer herauszuarbeiten haben.
Dabei bleibt aber das Verdienst des Verf.s, die grundsätzliche Be- |

deutung einer Theologie, die vom 3. Artikel ausgeht, hervorgehoben I I J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNO

zu haben, unbestritten LEIPZIG C. 1 / BLUMENGASSE 2

Breslau. E. Schaeder.

SOEBEN ERSCHIENEN

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Hebräische Grammatik 29. Aufl.

Mit Benutzung der von E. Kautzsch bearb.
28. Aufl. von Wilhelm Gesenius' hebräischer
Grammatik verfaßt von Prof. Dr. G. BERG-
STRÄSSER, München.

Bergsträßers Neubearbeitung des Gesenius-Kautzsch
will ein grammatisches Handbuch des Althebräischen
sein, das unter sorgfältiger Verzeichnung
und Auswertung der einschlägigen Literatur den Sprachstoff
auf solider philologisch-kritischer Basis in tunlichst
großem Ausmaße vorführt, grammatisch interpretiert
und sprachgeschichtlich erklärt. Die vorliegende erste
Lieferung des zweiten Teiles, die den 1918 erschienenen,
die Einleitung, Schrift- und Lautlehre enthaltenden
ersten fortsetzt, behandelt, großenteils auf Grund neuer,
systematischer Stoffsammlungen, die Formenbildung
des Verbs und weiter die Bedeutung und Verwendung
der Verbalformen, darunter die gesamte Tempuslehre.
Das beigegebene Register umfaßt den ersten Teil mit.
— Der dritte Teil, Pronomen und Nomen, und der
vierte, Satz, sollen möglichst bald folgen.
Preis der kürzlich erschienenen ersten Hälfte des zweiten
Teiles M. 5.—. Die zweite Hälfte des zweiten Teiles erscheint
voraussichtlich noch Frühjahr 1927.

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Studien. 2., erw. Aufl. Mit deutsch-englischem
Wörterverzeichnis.
Die neue Auflage soll mehr als die erste den Bedürfnissen
der Evangelienforschung dienen. Ein Teil der
Texte ist deshalb durch dafür dienlichen Stoff aus der
jüdischen Literatur und aus dem christlich-paläst. Evan-
geliarum ersetzt. Auch eine neuerdings in Kapernaum
gefundene Inschrift soll nicht fehlen. Das Glossar wird
neben den deutschen auch die englischen Bedeutungen
enthalten, damit das Buch einem weiten Leserkreis
dienen kann.

Preis brosch. etwa 8.50; geb. etwa 10—.

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Die Dialekte des Städters und des Fellachen.
Grammatik, Übungen und Chrestomathie.
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Bringt nach einer systematischen Darstellung der Grammatik
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so daß der Lernende vom Einfachen zum Schwierigen
geführt wird. Durch Beigaben verschiedenen Inhalts
(Lieder, Rätsel, Grüße, Arabismen, Gespräche, Sprichwörter
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Dialekten bekannt machen will, kann nichts Besseres
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Theologische Literaturzeitung.
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Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 22. Januar 1927

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C. 1, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.