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Ausgabe:

1927

Spalte:

397-399

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jalabert, Louis

Titel/Untertitel:

Inscriptions grecques chrétiennes 1927

Rezensent:

Peterson, Erik

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Theologische Lite.aturzeifung 1927 Nr. 17.

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Religion mit der Feststellung, daß jener Immanenz, diese aber
Transcendenz in sich schließe und es ein Drittes nicht gäbe, der
Idealismus sich also für das eine oder für das andere entscheiden
müsse. — S. 444—448 erhebt Niccoli gegen die Echtheit der
von Ruf in dem Märtyrer Lucia? von Antiochien zugewiesenen
Verteidigungsrede, die kürzlich in Bardy (in der Rev. d'hist. eccl.
1926, 487—513) einen neuen Anwalt fand, ganz berechtigte Einwände
. — S. 449ff. Bericht von Poggioli über neuere religionsgeschichtliche
Arbeiten.

In H. 6 veröffentlicht Giorgio La Piana, der sich schon
in mehreren gründlichen Arbeiten mit den Anfängen der römischen
Kirche beschäftigt hat (sie sind S. 488 A. 1 aufgeführt), eine längere,
lehrreiche Abhandlung über „Die Einwanderung in Rom
in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzelt" (S. 485—547). Ihr
Zweck ist, aus der Welt der in Rom, namentlich aus dem Osten,
Eingewanderten, aus ihren Überlieferungen, Bräuchen und Einrichtungen
Licht auf die römische Christengemeinde und ihre soziale
und rechtliche Gestaltung bis in die ersten Jahrzehnte des dritten
Jahrhunderts zu leiten. So schildert P. zuerst die Verteilung der
fremden Ansiedlungen nach völkischen Gruppen auf die verschiedenen
Stadtteile, sodann die Verfassung und rechtliche Stellung der collegia,
die Stimmung der Einheimischen gegen die Fremden und deren
Erwiderung, das Verhältnis des ,jus gentium' zum ,jus civile',
endlich die Bedeutung und Auswirkung der ,stationes' der fremden
Handelsleute sowie der .collegia cultorum' (Begräbnisgenossenschaften).
Ein dritter Teil wird sich mit dem religiösen Leben dieser Gruppen,
ein vierter noch besonders mit der jüdischen Gemeinschaft befassen. —
S. 553 ff. steht eine von einer ,mano maestra' stammende Übersetzung
der 12. und 13. Predigt des Meisters Eckehart nach der Ausgabe
Hermann Büttners (1919). — S. 554ff. berichtet De Stefano
über neuere Erscheinungen zur Geschichte des mittelalterlichen Christentums
. — S. 574 ff. berichtet Buonaiuti über die .Theologie
der Krisis' in Deutschland im Anschluß an die gleichnamige Schrift
Gustav Krügers. — Daß die ,buoni padri' der .Civiltä Cattolica' dem
unermüdlichen Forscher Buonaiuti keine Ruhe lassen, ist aus
mehreren Erklärungen dieses Jahrganges (S. 88 f. 93 ff. 476 ff.)
zu ersehen.

München. Hugo Koch.

Jalabert, L. et R. Mouterde: Inscriptions grecques chreticnnes.

Sonderabdruck aus Dictionnaire d'archeologie chretienne et de

liturgie 1926. Paris: Letouzey et Ane.

Das Interesse für die griechisch-christliche Epigra-
phik ist in Deutschland leider gering. Und doch ist die
griechisch-christliche Epigraphik — speziell für die Kirchengeschichte
Klein-Asiens — von nicht geringer Bedeutung
. Die vorhandenen Handbücher der altchristl.
Epigraphik entsprechen nicht den wissenschaftlichen Anforderungen
; zudem tritt dabei meistens die griechischchristliche
Epigraphik in den Hintergrund. Der vorliegende
Artikel gibt die, m. E. zur Zeit beste, Übersicht
über die griechisch-christl. Inschriften. Der Charakter
des Dictionnaire zwang freilich zur Kürze; zu dem hatten
die gelehrten Herrn Verfasser, die für die Erforschung
der Inschriften Syriens schon viel geleistet haben und
noch mehr leisten werden, das Unglück, den Artikel in
einem Augenblick abzufassen, in dem wichtige Untersuchungen
und Entdeckungen auf dem Gebiet der kleinasiatischen
Epigraphik vor sich gingen. So ist es denn
gekommen, daß der Artikel manche Lücken aufweist,
die man gerne ausgefüllt gesehen hätte. Ich kann natürlich
nicht auf alle Einzelheiten der gedrängten Darstellung
eingehen und werde mich nur auf einige Einzelheiten
beschränken.

Der Artikel zerfällt in drei Hauptteile: I. Technique. IL
Reparation geographique. III. Formulaire. Unter Ic kommen die
Abkürzungen zur Sprache. Dabei vermisse ich zwei Texte: Die
Inschrift der Katharer mit der Isopsephie des dfirjy, die Gregoire
in Byzantion I S. 700 kl. S. 449 ff. scharfsinnig interpretiert hat,
und eine Inschrift aus Dorylaeum mit dem Doppel-,7, für die
Gregoire in Byzantion I 708 f. ebenfalls eine neue — wenngleich
nicht zwingende — Deutung (ich möchte lieber an das Tetragramm
denken) vorgetragen hat. Für die isopsephische Inschrift aus Priene
wird S. 631 Anm. 7 auf den Text im Recueil des inscr. gr. ehret.
d'Asie min. unter nr. 123 nicht hingewiesen. Er war wohl den Herrn
Verfassern noch nicht zugänglich, wenngleich sie in der Bibliographie
den Recueil verzeichnen. — Die Ausführungen über die
christliche Namengebung auf S. 635 ff. sind lehrreich. Interessant
Ht folgender Satz „Dans les inscriptions d'Orient, Paul est beaueoup
plus frequent que Pierre. Jean... ne devient populaire qu'au IVe
siecle". Das Problem der christl. Namenbildung müßte einmal in
einer Monographie behandelt werden. S. 647 meinen die Verfasser,

i [laQctva&av in einem Grabfluch aus Salamis sei Erinnerung an
I 1. Cor. 16,22. Ich glaube aber, daß dem Verfasser der Inschrift
j das Wort aus der Exkommunikationsformel der griechischen Kirche
i bekannt war, s. Kober, Der Kirchenbann S. 41. Auf S. 656 vermißt
man die Inschriften von sechs kleinasiatischen Märtyrern des 3.
Jahrhdts. in Byzantion I S. 709 f. und dann die wichtige Inschrift
über den Streit zwischen Ephesus und Smyma, die Keil in Strena
Buliciana S. 366 ff. (vergl. Byzantion I S. 712 ff.) veröffentlicht hat.
i Die Inschrift des xoiviuyo; Ilgavlio;, die auf S. 657 besprochen
j wird, ist montanistisch, wie Gregoire, Byzantion II S. 329 f. bewiesen
I hat. Damit fällt auch die falsche Deutung von xmviavd;. Zu den
| Beispielen christl. dyxgdrma in Kleinasien (S. 657) füge man noch
I die Inschrift: Journ. Rom. St. 1924 S. 55 nr. 57. Z. 1°5 hinzu. Zu
i S. 659 bemerke ich, daß die 7Wp>;c-Inschrift jetzt im 1. Rom. St.
XVI 1926 S.ölff. neu ediert ist, während die Eugenius-Inschrift (S.659
Anm. 8) von Calder das. X (1920) S. 42 ff. zuletzt behandelt ist.
Bei der Behandlung der kleinasiatischen Sekten in der Epigraphik
vermißt man schmerzlich zwei Arbeiten. Erstens: Calder, Philadelphia
und Montaniism. 1923 und dann desselben Artikel: The epigraphy
of the Anatolian heresies in Anatolian studies presented to W. M.
Ramsay (1923) S. 59 ff. vergl. auch Gregoire in Byzantion I S. 696 f.
Zur Ammonios Inschrift, die auf S. 669 angeführt wird, wäre noch
j auf Ad. Jacoby in Byzantin Neugr. Jahrb. I S. 148 ff. hinzuweisen
gewesen. Zur Formel t fish; rov tfeiyn (S. 669f.) s. m. Buch:
El; *foc usw. S. 210 ff. Auf S. 670 f. werden zwanzig verschiedene
Namen für das Grab in der Sprache der gr. christl. Epigraphik angeführt
. Zu nr. 10 ttj/ijuopzoV vergl. auch die mazedonischen Inschriften
in Bull. corr. hell. 47 (1923) S. 169. 188. Vermißt habe
j ich die Bezeichnung avyxgovaroy vergl. J. Rom. St. XVI 1926 S. 63
Anm. 2. S. 73. 79. und uaxgd s. Bullet de corr. hell. 1896 S. 351. Das Wort
rirXo; findet sich in einer Inschrift der Katharer s. Anatolian Stud.S.76nr.
4; siehe ferner die Galatische Inschrift J. Rom. Stud. 1924 S. 193 nr.15. Zu
nr. 19 idno; vergl. Ei; rWc S. 49. Verdienstvoll ist, daß auf S. 673
der Versuch gemacht wird, die verschiedenen Bezeichnungen für
das Sterben in der Sprache der christl. Epigraphik zusammenzustellen.
Vermißt habe ich: dvelriucpft-ri in der montanist. Inschrift Byzantion
II S. 330 f. und in der Inschrift Ramsay, Cities I S. 561 nr. 454;
s. ferner Keil-Premerstein, Dritte Reise in Lydien S. 36 nr. 53 und de
| Rossi Inscr. ehr. urb. Romae 1861 Bd. I p. C XV. Ferner fehlt:
' ov n2r/poöV = früh sterben J. Rom Stud. 1924 S. 196 nr. 24;
i itegyeaitai B.C.H. 1922 S. 358 Z. 9f. und J. Rom. St. XVI
1920 S. 55 nr. 172 usw. Ferner: ixreXeiy Ttjy no'kneiav
Lefebvre, Recueil nr. 577. Die Liste ließe sich leicht vermehren.
Notwendig wäre es die analogen Wendungen (oft euphemistischer
Art) aus der christl. Literatur heranzuziehen, wie sie z. B. L. Thur-
! mayr, Spracht. Studien zu dem Kirchenhistoriker Euagrios. Diss.
München 1910 S. 17 ff. zusammengestellt hat. Sp. 674 Zur Formel:
aydnvaoy Trjy pvyijy iv xöXnoi; •!auch die Inschrift aus Nubien, die in
Aegyptus Bd. 6 (1925) S. 250 veröffentlicht ist. Das Problem der
Grabdrohungen, das S. 675 f. behandelt wird, will ich hier nicht be-
j sprechen, um nicht zu ausführlich zu werden. Zu ygianayd; (S.
I 677) in der christl. Epigraphik s. Ei; t>edff S. 44 f. Zu niard; das.
j S. 32ff. Auf S. 678 ist einzufügen das epigraphisch singulare: Hegänaiva
'lratw J. Rom. St. 1924 S. 55 nr. 57 Z. 16. Ferner fehlt fjpwc. wozu
Calder in Rev. de philol. 1922 S. 122 zu vergleichen ist. Zu S. 679
bemerke ich, daß die beste Parallele zu 'fiihiygiaro; das ^iXoaEgant;
ist, s. Preisigke Sammelbuch nr. 974. Vor (pi'AtyTn'Ko; wäre
cpiXeyyo/Jo; (v. e. christl. Priester gesagt) in einer Inschrift in
Studies in the history and art of the Roman provinces S. 175 nr.
63 einzufügen gewesen. Vermißt habe ich den Gebrauch von ypnoroc,
der aus der antiken Epigraphik in die christl. übergegangen ist s.
1 Lock, Festschrift für Friedländer S. 280 f. Auf S. 680 f. wird das Totengebet
in der ägypt. Epigraphik behandelt. Ich verweise wegen der
in Betracht kommenden Inschriften noch auf Junker, Zeitschr. f.
ägypt. Sprache LX S. 124 und Griffith in Annais of archaeol. und
anthropol. Bd. 13 (1926) Liverpool S. 85. Beide Artikel sind überhaupt
für die Interpretation der christl. Grabsteine Nubiens von Bedeutung
. — Die Ausführungen auf Sp. 681 über: dof« e>«3 sind
. unhaltbar. — In der auf S. 683 unter nr. 66 angeführten Inschrift aus
i Ruwehä bedeutet: fnig aonrigia; xcti /znr/u(r/c) Ttöy &ynoy
nur, daß die Errichter des Grabes noch leben s. Et; #eö; S. 189.
I Zu Sp. 684. Die i/p?i>i;-Formel scheint mir sicher jüdischer.
1 Ursprungs zu sein, vergl. Berakhot 64 a, s. ferner: Müller-Bees,
1 die Inschriften der jüdischen Katakombe am Montcverde passim.
Zu nr. 67 wäre zu bemerken, daß die Rede vom ymgo; ^axdgmy
auf die antike Grabpoesie zurückgeht. Zum Problem der Bitten
an die Toten s. Nederlandsch Archief vor Kerkgeschiedenis XVIII
S. 81 ff. und W. Neuß in Festschrift für P. Clemen S. 130«. Zu
den auf S. 688 f. gebotenen Dedikationsformeln ist das: iWp dyeaeoi;
J. Rom. Stud. XVI 1926 S. 68 nr. 191 hinzuzufügen. In der
Bibliographie habe ich vermißt: J. N. Bakhuizen v. d. Brink, De
oud christelijke monumenten van Ephesus. Den Haag 1923.

Ich habe meine Bemerkungen an einzelne, zufällig

herausgegriffene, Stellen angeknüpft. Die Bemerkungen ließen