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Ausgabe:

1927 Nr. 17

Spalte:

391-392

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wesendonk, O. G. v.

Titel/Untertitel:

Das Wesen der Lehre Zarathustros. Eine religionsgeschichtliche Untersuchung 1927

Rezensent:

Clemen, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 17.

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Urteile wie A. F. 53: „Aber die Iranisten haben ja gehaltenen) Erwiderung auch auf meinen in der Zeit-

keine Ahnung, was diese Wörter bedeuten") „und will schritt für Missionskunde und Religionswissenschaft

schließlich das scheinbare Tatsachenmaterial'beleuchten, 1925, 45 ff. erschienenen Aufsatz: Die Zeit Zarathuströs,

das die Herren Professoren Clemen in Bonn, Keith in die von mir vor allem geltend gemachte Angabe des

Edinburgh und Charpentier in Uppsala gegen seine Xanthos über diese jenem event. aberkennen wollte. Aber

Datierung Zoroasters vorgebracht haben" (M. 11), deren dieser Zweifel, ob das Zeugnis des Xanthos einwand-

Kritik er (ebd. 8) als „ein kleines Kesseltreiben gegen i frei sei, bezieht sich nur darauf, ob „Zarathuströ schon

seine „Arbeiten" bezeichnet (!). „Kesseltreiben" setzt j vor Herodot als Begründer des Magiertums) und erster

einen gemeinsamen Plan voraus. Ich zweifle, daß die i einer (bis auf die Zeit Alexanders reichenden) Reihengenannten
Drei eine Verabredung getroffen haben, ehe
sie schrieben.

H. hat in einigen wenigen Punkten seiner hier in
Betracht gezogenen Schriften Recht, so z. B. in seiner

folge führender Magier betrachtet wurde", was selbstverständlich
ausgeschlossen ist, indes die Echtheit
jener chronologischen Angabe des Xanthos in
keiner Weise in Frage stellt. Wenn sie Hertel beAblehnung
der wissenschaftlichen Mode der ethnolo- I streitet, so geschieht das lediglich seiner Theorie zu

gischen Vergleichungen (Br. 182), die auch ich schon liebe, die sich aber, wie neben andern von Wesendonk

wiederholt abgelehnt habe, in der Ablehnung des Tradi- , zeigt, auch sonst bezweifeln und jedenfalls nicht be-

tionarismus (A. F. 6; M. 19; 60) und der These, daß weisen läßt.

der Rgveda in erster Linie ein indisches, nicht ein Abweichender Meinung bin ich nur, um von den

Vorindisches enthaltendes, Denkmal sei (A. F. 15). Daß Fragen abzusehen, die von Wesendonk selbst offen

er aber die Berechtigung seiner eigenen Methode, wie i laßt, betreffs des Sinns einzelner persischer und sky-

gut oder schlecht die der andern sein mag, bewiesen thischer Sitten (das von Herodot Xerxes zugeschriebene

hätte, ist nach den angeführten Proben größtenteils
wohl zu bezweifeln.

Mir selbst hat H. in den Vorbemerkungen von M. 6 ff

Menschenopfer ist nicht mit germanischen Bauopfern
zu vergleichen und die Weidenruten, aus denen die
Skythen nach demselben Gewährsmann wahrsagten, erernsten
Tadel angedeihen lassen z. B. weil ich in meiner Kritik von [ innern nicht an die Baresman - Streu der avestischen

H.'s Buche „Die Zeit Zoroasters" in Th. Lzg. 1924, Sp. 466 mit j Priester und die Weidensitze der vedischen Götter),

dem Zusatz „bekanntlich" von H.'s „Heimat und Alter des Rgvedas", sowie betreffs mancher germanischer Anschauungen, die

IIQF. Heft 4 als einer schon vorhandenen „besonderen Publikation" | von Wesendonk heranzieht; aber das gehört eigentlich

gesprochen hatte. „Bekanntlich" sagte ich nicht mit Bezug auf mich, , nicht mehr zum Thema seines Buches und kann daher

sondern auf die mehr oder weniger große Zahl von Lesern H.'s, , dem Wert desSelben keinen Eintrag tun.
die i ch als mit dieser Publikation vertraut annehmen mußte, nachdem Bonn Carl Clemen

auf der Rückseite des 1. Blattes von H.'s Mundaka Up.-Ausg., Leipz. j _[____

dem Zusatz „bekanntlich" von H.'s „Heimat und Alter des Rgvedas", Haas, Prof. D. Hans: Bilderatlas zur Religionsgeschichte,
mit genannt war, sodaß ich sie als erschienen voraussetzen mußte, j In Zusammenarbeit m. H. Bonnet, H. Oreßmann, O. Karo,

wie H. selbst zugibt: „und zwar so, daß es allerdings den Anschein W. Kirfel, B. Landsberger, J. Leipoldt, E. Mogk, A. Rumpf,

hat, als sei sie bereits erschienen". H. belehrt mich (S. 7 f.), daß H. Zimmern u. a. hrsg. 9./11. Lfg.: Die Religionen in der Um-
sie „bis heute" (1926) „noch nicht gedruckt" sei. „Erwägungen J weit d. Urchristentums. (Text v. Johannes Leipoldt.) Leipzig:
praktischer Art veranlaßten mich in letzter Stunde", sagt er, „erst j A. Deichert 1926. (XXII S. u. 50 Taf.) 4°.

die .Arische Feuerlehre' zu veröffentlichen und die Veröffentlichung ; Rm. 12.50; auf Kunstdr.-Pap. 17—.

von Heft 4 zurückzustellen". Das hätte er, nachdem der Verlag i Diese neueste Lieferung des Haas'schen Bilderatlas

mit seinem Einverständnis die andere Schrift als (scheinbar) schon wird die Leser dieser Zeitung deshalb besonders inter-

erschienen angekündigt hatte, nicht tun oder wenigstens in geeigneter essieren, weil sie nach einem anderen Prinzip als die

Weise mitteilen sollen. Meine Pflicht war es die Publikation als früheren (vgl. Jahrgang 1924, Sp. 529 f. U, 1926, Sp.

vorhanden und also als bekannt anzugeben, da sie beides meiner oior aoo t ~..„„™7L„.rL™i.„iii.-„f. „:„ i__:__± :„ui ~(:

■ *. . ..„, . a u* u Zl2t. 433t.) zusammengestellt ist sie bringt nicht reh-

nicht ganz unbegründeten Ansicht nach war. ... r» i -i • ■ *. u j ,*
Königsberg i./Pr. R. Otto Franke.' , g'ose Denkmaler eines bestimmten Volkes oder Kultur-

-:—:-'--—— 1 kreises, sondern verschiedener, die in der Umgebung des

Wesendonk, O.G. v.: Das Wesen der Lehre Zarathuströs. Urchristentums vorhanden waren und für das Verständig
^ fivg7oT> gr s" " ' Rm'T--" I ™ desselben in der einen oder andern Weise von Wich-

,'. ' , ' ', _ v, _ . . , ' tigkeit sind. U. zwar berücksichtigt Leipoldt zunächst

Als Wesen der Lehre Zarathuströs bezeichnet von die ätere Religion Ägyptens, namentlich soweit in

Wesendonk die rein geistige und ethische Auffassung jhr 0sirj s £ und dne Rolle iel weiterhin

der Gottheit die außerdem als die einzige gedacht dlejenigen s iens und Kieinasiens, endlich aber auch,

werde. Der Zervanismus dagegen sei chaldaischen Ur- obwoh, die betreffenden Denkmäler zum Teil schon

sprungs und werde Eudemos von Damaskios nur zuge- ä,ter sind die dionysisichen) 0rphischen und eleusinischen

schrieben. Auch Aredvi Sura Anahita sei mit Zügen Mysterien. Alle Denkmäler werden in der ausführlichen

der Istar ausgestattet worden, während die Amesa spento Einleitung unter Angabe der wichtigsten Literatur kurz

und der Dualismus nicht von den Babyloniern stamm- und zutreffend erklärt; da L. sich in zweifelhaften Fällen

ten. Das Jenseits sei ein zweites geistiges Leben, das doch sehr vorsichtig ausdrückt, wird man auch in ihnen

Ordal durch Feuer und geschmolzenes Metall ebenso nichts einwenden können. Einzelne Erklärungen wer-

wie die J?rüfung der Seele der Abgeschiedenen auf der den unter den Abbildungen selbst gegeben; ich wüßte

Brücke Cinvat müsse daher symbolisch aufgefaßt wer- an diesen ebensowenig etwas auszusetzen — außer etwa

den, wie die Buchung von Schuld und Verdienst. Die an der Notiz zu Abbildung 190, nach der dieser uaig

alten Naturgottheiten mit ihren blutigen Opfern und dem fivov/.ievog a<p' kotlag nur am rechten Fuß eine Sandale

berauschenden Haomogetränk bekämpfte Zarathuströ. tragen soll, weil er so den Unterweltgöttern näher

während sie später wieder aufgekommen seien und neben kommen wolle; Einschuhigkeit findet sich, wie zuletzt

ihnen ausgetiftelte Schöpfungen der magischen Phan- Weinreich im Archiv für Religionswissenschaft 1925 S.

tasie, sowie der Urmensch. 70 gezeigt hat, auch sonst. Endlich die Abbildungen

Kann ich dem (mit Ausnahme vielleicht des über sind so gut, wie man nur wünschen kann; wenn einige

Eudemos gesagten) durchweg zustimmen, so freue ich Münzen, Amulette und namentlich das sog. Spottkruzifix

mich noch mehr, daß meine Bedenken gegen die tradi- doch nicht recht deutlich zu erkennen sind, so liegt

tionelle, bez. eine noch frühere Ansetzung Zarathuströs, das eben an den Objekten. Man kann also diese neueste -

wie sie neuerdings Hertel vertritt, auch von Wesendonk Lieferung nur rückhaltlos rühmen; sie bietet nicht blos

teilt. Freilich könnte die Notiz auf S. 57, Anm. 2 so eine bequeme Zusammenstellung eines außerordentlich

verstanden werden, als ob er, wie Hertel in seiner zerstreuten Materials, sondern bringt auch manche

Schrift: Die Methode der arischen Forschung, einer Stücke zum ersten Mal.

(in einem sonst glücklicherweise nicht üblichen Ton Bonn. _ Carl Clemen.