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1927 Nr. 1

Spalte:

18

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zwingliana. Mitteilungen zur Geschichte Zwinglis und der Reformation. 1926, Nr. 1. (Bd. IV

Titel/Untertitel:

Nr. 11.) 1927

Rezensent:

Bossert, Gustav

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17

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 1.

18

Aufgabe stellte, ein neues (d. h. Nobbe, Stammbaum
der Familie M. Luthers, 2. Aufl. 1856, u.: Genealogisches
Hausbuch der Nachkommen M. Luthers 1871 ergänzendes
) Nachkommenbuch Luthers herauszugeben. Pastor
Sartorius, selbst (mütterlicherseits) ein „Lutheride", hat
es besorgt. Rund 580 Nachkommen leben von Luthers
Sohn Paul (f 1583), 71 von seiner Tochter Margarete,
die 1555 den Georg v. Kunheim geheiratet hat. Die
jüngste Generation ist die 15. In einer Besprechung
(Monatshefte für rheinische Kirchengesch. 20. Jhrg.
H. 9/10) wird mit Recht bemerkt, daß „in den Nachkommen
der 15. Generation nur noch der 16 384. Teil
des Blutes auf Martin Luther zurückgeht". Da fragt
man sich doch unwillkürlich: Hat es einen Sinn, „die
Entwicklung des Lutherschen Blutstromes durch 400
Jahre bis in die Gegenwart und bis in die feinsten erreichbaren
Verästelungen" — wie es in einer anderen
Besprechung (Roland 11. Jhrg. Nr. 6/8) heißt — zu verfolgen
? Die Familienforschung wird dem Herausgeber
für seine Arbeit, die ihn gewiß sehr viel Zeit und Mühe
gekostet haben wird, sehr dankbar sein (im Anhang
werden auch die Seitenverwandten des Reformators und
andere Luther behandelt, Tabellen und Register erleichtern
die Benutzung des Buches), es ist ja auch ganz
„interessant", z. B. etwas über die wirkliche oder angebliche
Verwandtschaft Mörike's, des Reichskanzlers
Luthers und Wilhelm Liebknecht's mit dem Reformator
zu erfahren, aber die Geschichtswissenschaft, speziell die
Kirchengeschichte kann doch nur geringen Nutzen aus
dem Buche ziehen. Hätte der Herausgeber doch lieber
unter Rückgang auf die eigentlichen Quellen die Geschichte
der Kinder und Enkel, der Eltern und Ger
schwister, Vorfahren und nächsten Seitenverwandten
Luthers neu erforscht!

Der Abschnitt über die Geschwister Luthers ist besonders verbesserungsbedürftig
. Anhang S. 1—3 werden 17 Geschwister Luthers
zusammengestellt, Professor Ambrosius Berndt alias Bernhard alias
Berendt erscheint dreimal, erst als Gatte von Luthers Nichte Lene
Kaufmann, dann als Gatte einer Schwester Luthers N., endlich als
Gatte einer Schwester Luthers Margareta, dann wird berichtigt: „Daß
Luther nicht 17 Geschwister hatte, leuchtet ein" u. s. w., und auch
speziell betreffs Bemdts hinkt eine Berichtigung nach, aber klar wird
die Sache nicht. Speziell betreffs Bemdts steht es so, daß er dreimal
geheiratet hat: seine 1. Gattin Margarete (es fehl! jeder Beweis dafür,
daß sie eine Schwester Luthers war) starb im Frühjahr 1532 im
Wochenbett, seine 2. Gattin im November 1537, einen Monat, nachdem
sie ein Söhnchen Johannes geboren, als 3. Gattin führte er im November
1538 Lene Kaufmann heim (Enders, Luthers Briefwechsel
11, 351. 12, 36. KroWer, Katharina v. Bora, 2. Aufl. 1925, S.
149 ff. W. A. Tischreden 4 Nr. 4156; die an letzter Stelle erwähnten
patrui Luthers sind seine Oheime väterlicherseits — Luther unterscheidet
patrui u. avuneuli W. A. Tischreden 4 Nr. 4310 — Veit und
Heinz, vgl. K ös 11 i n - K a we r au , Martin Luther 1, 14). Von
Fehlern wimmelt folgende Angabe: „8. Katharina verheiratete Schütze.
Luther schreibt an seine Schwester 1524. Muhme Anna Schütze war
bei Luther." Es liegt hier eine Verwechselung vor mit Katharina
geb. Schütz, einer Straßburger Handwerkertochter, die der Leutpriester
Matthias Zeil am 3. Dezember 1523 heiratete und an die Luther am
17. Dezember 1524 schrieb (Enders 5, 84). Hinter „Muhme Anna
Schütze" steckt das „Mühmlein Anna S." (W. A. Tischreden 6
S. 247), was Seidemann, Jakob Schenk 1875, S. 45 auf Anna
Schützenmeister deutete, die Tochter Johann Schützenmeisters in
Eisenach, den Luther seinen consanguinens nennt (Enders 13, 166).
Das „Mühmlein Anna S.", um das Schenk vergeblich freien ließ, ist
aber vielmehr Anna Strauß (Kroker S. 147 f. W. A. Tischreden 4
Nr. 4952 u. 6, S. 247). Ihre Großmutter war eine Schwester von
Luthers Kate (W. A. Tischreden 4 Nr. 4370). Sie heiratete Jan.
1542 den Magister Heinrich Schillingstad aus Kölleda (Enders 14,
127). „Schützenmeisters Tochter" dagegen hatte schon am 6. April
1530 den Wittenberger Stadtschreiber Urban Balduin geheiratet
(Buchwald, Zur Wiltenberger Stadt- und Universitätsgeschichte
1893, S: 75 Anm. 1).

Wer ist Georg Lüder, der 1564 Elisabeth geb. v. Blanck heiratete
, die 1532 in Klöden geboren wurde und 1587 in Grimma starb?
Nach der von Pfarrer Martin Reinhard in Grimma ihr gehaltenen
Leichenpredigt (Zw. R S B. 20. 7. 9,8) war Luther ihr Taufpate.

Zu P. Joh. Christian (? Christoph ?) Luther zu Lissa bei Görlitz
(Anhang S. 23) vgl. Kreyßig, Album der evangelisch-lutherischen
Geistlichen im Königreiche Sachsen 2. Auflage 1898, S. 35).
Zwickau i. S. O. C lernen.

Zwingliana. Mitteilungen z. Gesch. Zwingiis u. d. Reformation, hsrg.
vom Zwingliverein In Zürich. 1926, Nr. 1 (Bd. IV, Nr. 11).
Zürich: Berichthaus. (S. 321—352) gr. 8°. Fr. 1.50.

Zur Charakteristik des Leutpriesters Simon Stumpf
in Höngg teilt R. Hoppeler das Protokoll der Verhandlung
mit, welche am 19. Jan. 1523 vor dem Propst
und Convent des Chorherrnstifts und einer Ratsabordnung
zwischen Stumpf und seinem Patron, dein Abt von
Wettingen, statt hatte. Man sieht den heftigen Gegner
der Ordensleute formell einlenken, um absolviert zu
werden, aber in seinem Reformeifer läßt er nicht nach;
in Zürich ist man bemüht, bei der Auseinandersetzung
mit der alten Kirche sachlich zu bleiben; die Haltung des
Konstanzer Bischofs ist schwächlich. Von einer verborgenen
Täufergemeinde in Ilanz in Graubünden berichtet
J. ten Doornkaat Koolman ; er teilt einen
Brief Valtin Werners aus Augsburg vom 26. August
1559 an Leopold Scharnschlager mit. Beide waren Mitarbeiter
an Pilgram Marbecks Widerlegung des
Schwenckfeldischen Gutachtens gegen Marbecks Taufbüchlein
von 1542. In dem Brief erscheinen die Grundgedanken
der Täufer über ihre Berufung, Eschatologic
und Leidensbereitschaft. Scharnschlager konnte sich bis
zu seinem Tode in Ilanz als Schulmeister behaupten.
A. Corrodi-Sulzer gibt zwei Beiträge. Für den
Dichter Utz Eckstein, dessen Aufenthalt von 1531—36
noch dunkel ist, kann er nachweisen, daß er 1535 als
Diakon in Niederweningen war. S. 338 Z. 9 v. u. ist
Diakon statt Dekan zu lesen. Beachtenswert ist, wie der
Züricher Rat das Domstift in Konstanz nötigt, die Besoldung
für den Diakon zu gewähren, nachdem der
seitherige Frühmesser der großen Pfarrei in das katholisch
gebliebene Filial Enrendingen versetzt worden
war. Zu der Frage, wo Zwingli sich in der Nacht vor
seiner geheim gehaltenen Abreise nach Marburg aufgehalten
hat, zeigt C.-S., daß das fragliche Wirtshaus
zum Ochsen in Zürich seit der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts verschwunden ist, und vermutet, daß
Zwingli gar nicht dort, sondern in dem benachbarten
Haus eines Freundes, des Pannerherrn Hans Schwyzer,
genächtigt habe. R u d. T h o m m e n merkt an, daß
Zwingiis Predigt schon in einer gereimten Wormser
Flugschrift von 1523 Anerkennung fand. Joh. F ick er
bespricht die mit der Schweiz zusammenhängenden Bildnisse
Reuchlins und veröffentlicht die Medaille, welche
auf Grund eines Straßburger Holzschnitts von 1521 zur
Reuchlin-Gedächtnisfeier in Pforzheim geprägt wurde
und das einzige echte Bildnis wiedergibt. Die Miszelle
W. Köhlers zur Reformationsbewegung in Luzern
bringt ein bestimmtes Zeugnis für die Ausbreitung der
züricherischen Reformationsschriften in Luzern.
Horb. O. Bossert.

Eekhof, A.: Jonas Mlchaellus, founder of the Church in New
Netherland. Lcyden: A. W. Sijthoff 1926. (VII, 148 S.) 4°.

Der Leidener Kirchenhistoriker gibt in diesem,
j äußerst vornehm ausgestatteten, mit Fac-similia, Photographien
und Buchreproduktionen versehenen Werke
eine weitere Frucht seiner zu wissenschaftlichen Zwecken
unternommenen Amerikareise. Es handelt sich um die
Gründung der holländischen Gemeinde in Neu-Nieder-
land 1628 durch den von der West-Indien-Companie im
Auftrage des Konsistoriums der Amsterdamer reformierten
Kirche ausgesandten Prädikanten Jonas Michae-
lius. Was über ihn ausfindig gemacht werden konnte,
hat Eekhof gesammelt und dabei mancherlei Neues ans
Licht gezogen. Vor ihm hatte Bastiaen Jansz Krol schon
1624, wie E. schon 1910 nachwies, eine seelsorgerliche
Tätigkeit unter den Kolonisten ausgeübt; er durfte taufen
und Ehen einsegnen nach Formeln Bullingers „und
anderer reformierter Autoren", und ist so Wegbahner für
Michaelius geworden. Sein Geburtsjahr kann auf 1584
fixiert werden, Geburtsort ist das Dorf Grootebroeck bei
Enkhuizen, sein Vater Jan wird uns als ein Führer der
Geusen in Westflandern vorgestellt. Der Sohn kam in