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Ausgabe:

1927 Nr. 14

Spalte:

334

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Barth, Karl

Titel/Untertitel:

Vom christlichen Leben 1927

Rezensent:

Heinzelmann, Gerhard

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Seite 1

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333

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 14.

334

W. genügt der Aufgabe der Darstellung, indem er auf S. 25 ff. immer schadet einiger sachlich belanglosen begrifflichen Unge-

abwechselnd, in haltlosem Hin und Her, behauptet, die Christian klärtheiten von einem einzigen großen Gedanken lebt, ist

Science bejahe und verneine die Persönlichkeit Gottes. In der das Urteil Über die Schrift von W. gegeben. Die von 'ihm

weiteren Darstellung wird dann das Nein als eigentliches Ergebnis angewandte an den einzelnen oft nicht abgewogenen

te^^ t^^^u^Eddy haftende Wehr de^Dr

reicherung der Darstellung der Gotteslehre gegenüber dem, worüber tung und der von ihm genommene Gesichtswinkel der

sich Holl und Otto in der Aussprache miteinander einig geworden Beurteilung fuhren dieser Erscheinung gegenüber nicht

sind, erscheint bei W. die Unterscheidung einer statischen und einer zum Ziele. Es ist das keine Unehre für den Verf.

dynamischen Seite am scientistischen Gottesgedanken. W. ist dazu Der Gegenstand ist für eine Anfängerarbeit viel ZU

gekommen, weil die Christian Science neben lebendigen Begriffen schwierig.

auch die des Seins und der Substanz auf Gott anwendet. Das beweist Göttingen. E Hirsch

aber gar nichts für eine solche Zerteilung. Es ist durchaus mög- ,
"Chi die in diesem Punkte in sich geschlossene und einheitliche

Erkenntnis der Christian Science in sich lebendig nachzukonstruieren. Barthi Rar,. Vom christlichen Leben. München: Chr. Kaiser

T) In einer ausführlichen Darstellung der Christian Science durfte lg26 ,3S §. g0

nicht wie bei W. fehlen ihre Stellung zur Trinitätslehre. Die tres perso- " v ' ' . ... . „. ' .'

nae werden abgelehnt, aber in der Einheit von Live Truth und Luve in ; Df Broschüre enthalt den Abdruck eines Stenogramms von 2 in

Gott ein gewisser Ersatz geschaffen (Message 1001 S. 4 ff. und Science d« Christ. Stud Ver der Univ. Munster gehaltenen B.be stunden über

and Health S. 331), außerdem aber Vater, Sohn und Geis! um- l2>] * 2; «« Verf. bittet selbst im Vorwort seine Leser, an das

gedeutet auf die drei Hauptbegriffe der ganzen Lehre God (= Spirit, ««gebotene nicht die „gegenüber einem heol Aufsatz oder einer

Mind, Live Truth Love usw), man (die reflection of God, der schriftlich vorbereiteten Predigt berechtigten Maßstahe" anzulegen.

Gipfelpunkt der Schöpfung) und divine Science (Message 1900 p. 5; j ?« «" "berschredet die Linie der im Kommentar zu Ro. 12

formell etwas anders Science and Health S. 497). h) Es ist zu be- . "• 2 entwickelten Gedanken nicht. Die christliche Ethik ist auch

dauern, daß W. keine besondre Aufmerksamkeit darauf gerichtet hat, bier die positive und negative „Demonstration'' der von der Gnade

wie diese von einer modernen amerikanischen Frau geschaffene „Gehaltenen." „Schuld und Vergänglichkeit ist die Grundbestimniung

Religion das Mütterliche in Gott neben, ja über dem Väter- (?) -** uns«« besten Taten" (S. 34). Auf S. 19 gehören Zeile

•iehen zur Geltung bringt (vgl. vor allem Science and Health 4 5 von oben an den Kopf von S. 19.

s- 517). Indem sie Gott Mutter nennt, drückt Frau Eddy aus, daß j Basel. Gerh. Heinzelmann.

Gott wesentlich Liebe und ihn erkennen Freude und Seligkeit ist._____

— Das Beispiel der Gotteslehre ergibt also: 1. die Betrachtung des ,

v«f.s dringt nicht recht ein, die Auffassung ist reich an Balch, Thomas Willing: Rechtliche und politische Fragen
Lücken und Schiefheiten. 2. eine Zusammenfassung zu einem j zwischen Nationen. Alleinberecht. dt. Ausg. v. Erwin Volckmann.
Ganzen ist ihm nicht gelungen. Der erste Mangel wird deutlich an Würzhurg: Gebr. Memminger 1925. (91 S.) gr. 8°. Rm. 5—.
dem wunderlichen Gegensatz zwischen der Fülle der Ziiate und der Diese Kant gewidmete Schrift des Sachkenners des inter-
Art ihrer Verwertung. Der zweite aber an einem unangemessenen | nationalen Rechts will zwischen rechtlichen und politischen Fragen
Ersatzstücke für Verständnis von innen her, nämlich an ständigen streng unterschieden wissen. Die Abhandlung zeigt, wie schwierig
Beziehungen zu moderner Philosophie und Dogmatik. Sie zeugen j das ist. Rechtliche Fälle sind danach solche, „welche als Streit-
von tüchtiger Belesenheit, aber ihr sachlicher Wert ist gering. Ich Ursache zwischen... souveränen Staaten durch ihre Lösung zugunsien
setze S. 25 Anm. 1 als Beispiel her: „Vgl. zu dieser Frage [der : der einen oder der andern Seite die Unabhängigkeit oder ein Lebensabsoluten
Persönlichkeit]...die verschiedenen Dogmatiken von Bieder- interesse einer der Parteien nicht bedrohen", politische Fälle solche,
Hann, Kaftan, Nitzsch; ferner Lotze: Mikrokosmos, Wobbermin, Mo- „welche diese Lebensinteressen der streitenden Nationen berühren"
Hsmus-Monotheismus, Schulze, Grundriß der ev. Dogmatik." (S. 10). Über die Zuteilung des einzelnen Falles entscheiden die
Der grundsätzliche Fehler, der auch die Verlegen- streitenden Parteien. So bleibt die Frage, ob Krieg oder Diplomatie
Jleit im einzelnen verschuldet hat, ist das Fehlen einer a's Fortsetzung des Krieges mit friedlichen Mitteln zu wählen ist,
in Sich bestimmten Grundanschauung. W. bestimmt den zuletzt e|ne Zweckmäßigkeitsfrage. Ein geschichtlicher Rückblick über
ScientismUS VOn der Erlösung her. Das ist ein all- verschiedene wichtige internationale Streitfälle zeigt, daß Machtfragen

gemeines und vieldeutiges Wort. Was ist aber das Ziel sch "'cht vor em Völkertribunal ziehen lassen, zumal dai hinter
. .. .. , X ,.. i , <• „ i~ . einem solchen keine Macht zu stehen pflegt. Der Verfasser ist nuchae
* scientistischen Erlösung nach dem Verf.? Er nennt i tern genu?i das Bestrcben def modcrnen öffentlichen Meinung, ein
aer Reihe nach: uniO mystica — völlige seelische und schiedsrichterliches Verfahren dem Kriege vorzuziehen, letzten Endes
leibliche Gesundheit. Erlösung „von Sünde und dem auf die immer größer werdende Gefährlichkeit moderner Kriege zu-
Bösen" — Unsterblichkeit — Glück; wobei der letzte ! rückzuführen (S. 80). Zum Schluß wird unter Berufung auf Luk.2,14
Punkt als Eudämonismus näher bestimmt und sowohl der gute Wille der Nationen angerufen,
auf die individuelle wie die allgemeine Wohlfahrt be- Spandau. c. Schweitzer,
zogen werden soll. Dazu nehme man noch den Bericht :_______

hinzu, daß in der Christian Science eschatologische Stimmungen
auftauchen, sofern sie sich selbst als Vorbe- Pa*7. Raoul: La Religion dans l'Allemagne d'aujourd'hui.
rpit„„o a„ rn-ii • a a „Uo- D0;^l, r.nW« 1 Cathohcisme — Proteslantisme — Christianisme Paien et Racisme —
reitung des Mil enmums fühlt, daß aber das Reich Gottes .|sme Parjs; p 8„ fr

üennoch für sie schon gekommen ist und eine rein J 3 '

innerseelische Größe bleibt Diesem Gesamtbild ent- _ . * 1 .* ein « Ve / %* '"

j o j, u , . , .fr , d u a Deutschland zu sehen, wie sie ist. Ein Aufenthalt von zwei Jahren

Spricht es daß die geschichtlichen Beziehungen und b die Möglichkeit zu eifrigen Umfragen. Doch sind überall nur

Verwandtschaften, um die der Verf. sich bemuht, nach dic süßeren Umrisse der Lage festgehalten. Die schöpferischen

a"en Seiten auseinanderlaufen. Die Christian Science Kräfte der Religion, wie sie in den lebendigen Problemen und Ideen

lst nach ihm der indischen Mystik verwandt und steht zum Ausdruck kommen, sind nicht dargestellt. Und auch die Linien

doch unter dem Primat des Lebens im biologischen der äußeren Entwicklung werden oft recht unzulänglich sichtbar.

Sinne; sie gehört mit der primitiven Magie (!) ZUSam- «cr unbedingte Wille zu strenger Objektivität ist rühmenswert,

men und erinnert doch an den deutschen Idealismus; min- Ni,cnt ,m,mer crreicht er sein ZieL Nur ein'ges sei hier angedeutet,

bestens die Grundidee ist von Frau Eddy wahrscheinlich Schilderung der kirchlichen Lage des Protestantismus unter der

fTemüR Ho- bol-o„„to„ i • u Tbooo ,-z,„ A „ Monarchie erfaßt nicht die verwickelte und widerspruchsvolle Wirk-

HpTlt A be^ann en amerikanischen These On dem lkhkeit. Die Darstellung der „Zusammenhänge" des Protestantismus

neilkundigen Quimby übernommen, und dennoch liegt und der protestantischen Kirche mit der deutschnationalen Partei

tnr ein echtes religiöses Erlebnis der Frau Eddy ZU- liest sich wie eine Agitationsrede eines Parte igegners. Der Verein

gründe. An einigen stellen fühlt W., wie seine DeU- für das Deutschtum im Ausland ist keine katholische Organisation,

tung in die Brüche geht und als Frage wenigstens daher nicht Typus für Art und Kraft des deutschen Katholizismus!

taucht einmal die Coincidentia oppositorum des Cu- «• s- w- Immerhin ist bedeutsam, wie sich ihm der Eindruck, der

Saners vor ihm auf. Der Vergleich wäre, wenn das vom Entwicklung zusammenfaßt. Die Keyserling, Steiner u. a. sind ihm

Verf. entworfene Bild stimmte, viel zu edel: Die Chri- n"r !'unJC5 multiP,es asPed,s du snobisme. Nachdrücklich hebt er

Stian Science wäre in diesem Fallo nichts -lls eine wüste Wesentliche hervor: das religiöse Leben bewegt sich in den

Anlvinf ,„r; 1. V "le5cm ralle nichts ars eine wüste 0rcnzen der alten Kirchen, noch sind sie comme un edifice solide

Anhäufung heterogener Aussagen und Zwecke. Aber die imposant, durable

Verwirrung liegt beim Verf. und nicht bei der Christian Hriden*™ ' «,« , .,

Science. Mit der Tatsache, daß die Chr. Science unbe- He'de'berg- _ Willy Luttge.