Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1927 Nr. 14

Spalte:

326-327

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Revue d‘histoire ecclésiastique. Tome XXII 1927

Rezensent:

Köhler, Walther

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

325

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 14.

326

worden sein könnten. — Im Bulletin de litterature reli-
gieuse" (S. 186—191) berichtet L. de Qrandmaison
über neuere religiöse Literatur, darunter die „Essays and
Addresses on the Philosophy of Religion" des verst.
Baron Hügel, Karl Adams „Wesen des Katholizismus",
ferner über den Streit wegen des Sadhu Sundar Singh. —
S. 191 f. macht P. Doncoeur von einer neuen Handschrift
des Buches der seligen Angela von Foligno
aus dem 17. Jahrhundert Mitteilung.

In H. 3/4 sucht P. Batiffol in dem Aufsatz
„Kaiser Justinian und der apostolische
Stuhl" (S. 193—264) die Frage zu beantworten, wie
die Ergebenheitsversicherungen Justinians gegen den römischen
Stuhl mit seinem Cäsaropapismus und seinen
Gewalttätigkeiten in Einklang zu bringen seien. Er schildert
zunächst die Beendigung des durch das Henotikon
Zenons hervorgerufenen Schismas zwischen Morgen- und
Abendland unter Kaiser Justin und seinem comes Justinian
, die ehrenden und verbindlichen Wendungen, die
dabei dem apostolischen Stuhl gegenüber gebraucht wurden
, die Annahme der Formel des Papstes Hormisdas,
dann die Haltung Justinians als Kaiser im theopaschi-
tischen Streit, im erneuten Monophysitenstreit, im Ori-
genisten- und im Dreikapitelstreit mit den schwierigen
und peinlichen Lagen, in die der römische Stuhl daDei
versetzt wurde. Justinian glaubte sich von Gott mit der
Oberherrschaft auch über die Kirche bekleidet und er
sagte nie, wo eigentlich die Grenzen seiner Macht neben
den Konzilien und dem römischen Stuhle lägen. Aber
doch fühlte er stets das Bedürfnis, den apostolischen
Stuhl für sich zu haben und er konnte sich nicht einfach
über ihn hinwegsetzen, und wenn er auch zu Gewalt
und Bestechung seine Zuflucht nahm, er wollte ihn
eben doch für sich gewinnen. Im Streit mit Vigilius
greift er schließlich zur Unterscheidung zwischen römischem
Stuhl und seinem Inhaber: diesen ließ er fallen,
ohne sich von jenem trennen zu wollen. Im Aphtartodo-
ketenstreit zeigte zuletzt auch die östliche Kirche, daß
sie der ewigen theologischen Erlasse des Kaisers satt
war. — P. Joüon erklärt S. 304—307 Gen. 1,2 c von
der bewegten Luft (,air'), nicht vom Wind oder vom
Geist, S. 307—312 die „Prophetensöhne" als Prophetenschüler
, d. h. als angehende Propheten, nicht als Propheten
schlechtweg oder Mitglieder einer Prophetenvereinigung
. — S. 312—319 zeigt A. d'A 1 e s gegen
Batiffol überzeugend, daß aus der griechischen Übersetzung
der alten afrikanischen Kanonensammlung für
die Bedeutung von „principalis cathedra'" in
can. 53 und 71 kein Licht zu holen ist, dieses vielmehr
aus dem Zusammenhang des lateinischen Textes gewonnen
werden muß. — Im „Bulletin" berichtet J. Lebre-
t o n über die neuesten Arbeiten zur Geschichte der Anfänge
des Christentums, darunter das von Herbert
Danby ins Englische übersetzte hebräische Buch des
in Deutschland ausgebildeten, jetzt in Jerusalem wirkenden
jüdischen Gelehrten Joseph Klausner über Jesus
Christus, sein Leben, seine Zeit und seine Predigt (London
1925), das „fast ein pharisäischer Zeitgenosse Jesu
geschrieben haben könnte" (S. 341).

In H. 5 handelt J. Lebreton S. 385—406 über
„die Gotteserkenntnis beim hl. Irenaus"
im Gegensatz zu Marcion und den Gnostikern: die
allgemeine Zugänglichkeit dieser Erkenntnis, die Liebe
als Mittel, die Stufen der Erziehung durch Gott, die
Vollendung im seligen Schauen Gottes. — S. 407—415
macht J. de Blic einige Mängel in der Ausgabe der
Sentenzen Gandulphs von Bologna durch J. v.
Walter (1924) namhaft, ohne im Übrigen ihre Trefflichkeit
antasten zu wollen; namentlich bestreitet er,
daß Petrus Lombardus für Gandulph den Rang eines
„Doctor ecclesiae" oder einer „Auctoritas" einnehme. —
s- 431—443 gibt Lebreton einen Einblick in den
Gebrauch von dyivnjtos in der philosophischen Überlieferung
und in der christlichen Literatur des 2. Jahrhunderts
. — S. 444—480 berichtet P. delaBoullaye
über Neuerscheinungen aus dem Gebiete der Religionsgeschichte
. —

In H. 6 legt E. Mersch S. 504—512 mit durchschlagenden
Gründen dar, daß bei August. Enarr. in
Psalm., in der ersten Predigt zu Ps. 30, tom. IV, col.
1489 der Mauriner-Ausgabe v. 1681 (Mi. PL. 36,232)
in dem Satze „ergo simul omnes nos cum capite nostro
Christo, sine capite nostro nihil valentes" statt „Christo"
zu lesen ist „Christus". — S. 520—572 berichtet Cales
über Neuerscheinungen in der alttestamentlichen Exegese.
München. Hugo Koch.

Revue d'histoire ecclesiastique. Tom. XXII. Louvain: Bureau de
la Revue 1Q26. (894 S.) 8°.

Sogleich der erste Beitrag ist der a 11 e n Kirchen-

: geschichte gewidmet: A. d. Ales schreibt über das
meletianische Schisma, konfrontiert die Berichte des
Athanasius und Epiphanius, um ersterem den Vorzug zu
geben, verwertet die Funde von Idris Bell, kennt aber
nicht die Abhandlungen von K. Holl und K. Müller in
den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 1922. —
Ch. Martin bringt neues Licht in die umstrittene
Frage der Echtheit der Hippolyt von Rom zugeschriebenen
Homilie eis T{jV urgctr^iegov Aüluoov. Die nur
den beiden armenischen Versionen eigenen Stücke stammen
wörtlich aus Severianus von Gabala und Pseudo-
Chrysostomus; nun findet sich aber auch die griechische
Rezension der Homilie bei Pseudo-Chrysostomus wieder
, und die Frage ist, ob dieser sie übernahm oder ob

J sie ihm eigen ist? Die armenisch erhaltenen Stücke
können, wie Anspielungen an die trinitarischen Streitigkeiten
des 4. Jahrh.s beweisen, nicht von Hippolyt sein,
Martin ist geneigt, Gleiches auch von der griechischen
Rezension anzunehmen. — G. Bardy erfüllt einen von
Kattenbusch (apost. Symbol 1,257) ausgesprochenen
Wunsch, den Arianer Asterius monographisch zu behandeln
. Es wird zuerst sein Leben beschrieben, dann über
seine Schriften berichtet (die Exegetica haben auch in
den Catenen keine Spur hinterlassen), dann werden die

: bei Athanasius und Marceil von Ancyra aufbewahrten
Fragmente zusammengestellt, endlich die dogmengeschichtliche
Stellung bestimmt (II fut le docteur de la
secte, Arianer; die bei Philostorgius gebotene Notiz, que
le fils etait l'image inseparable de la substance du
pere nach Asterios, erklärt B. als nicht ganz konse-

quente Anpassung an Col. 1,15 f., letztlich fußt er auf
Lucian und dieser wieder auf Origenes: on pourrait dire,
que l'arianisme est un origenisme pousse sur le sol d'An-
tioche). — Die Notes sur le IVe evangile von E. Tobac
sind ein guter Forschungsbericht im Anschluß an das
große Werk von Lagrange: l'Evangile selon s. Jean
1925; gruppiert nach den Problemen: literarische Einheit
, Echtheit, Geschichtlichkeit. — Von G. Bardy
stammt noch eine Studie über die nur durch Rufin
(h. e. VIII, 13) bekannte Apologie Lucians v. Antiochien.
Nach Darbietung des Textes mit sehr eingehendem Kommentar
wird die Echtheitsfrage aufgeworfen und bejaht
in dem Sinne, daß Rufin den Text vermutlich in den
Märtyrerakten Lucians fand und bei Euseb einfügte. —
Unter dem Titel: L'institution des diacres et des veuves
exegesiert und kommentiert J.Viteau Act. 6, 1 —10; 8,
4—40; 21,8. Die Diakonen gelten als die Vorläufer der
heutigen, und der Verfasser denkt sich die Urgemeinde zu-

, sammengesetzt aus 12 Aposteln, sieben diacres aramai-
sants, sieben diacres hellenisants. — R. Drag u et referiert
über Harnacks Marcion in hohem Lobspruch, setzt
dann hinzu: „mais le passe-partout historique, dans le-
quel la monographie et encadree, est l'oeuvre de l'arti-
ste, qui a pris pour guide de son inspiration les intuitions
de son demon interieur", um, ähnlich wie Rendel Harris
in der Festgabe für Deißmann, aus späteren orientalischen
Quellen Nachträge zur Geschichte des Marcionitis-
mus zu bringen. — E. Tobac, der Neutestamentier der
Zeitschrift, will das Problem: Jakobus-Paulus so lösen