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Ausgabe:

1927 Nr. 13

Spalte:

311-312

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinzelmann, Gerhard

Titel/Untertitel:

Kirchliche Gemeinschaft und Volksgemeinschaft 1927

Rezensent:

Beyer, Hermann Wolfgang

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 13.

312

auch in manchen Sätzen, etwa über die Bedeutung des , „Schicksalsfrage" auftauchen: „Will überhaupt unsere

„Werkes", zu Eucken hinüberweist, dessen Größe ge- Volksgemeinschaft als solche noch den Einfluß der

rade die geschichtsphilosophische Inangriffnahme der Kirche?" (S. 36). Gegen sie hilft nicht der Mut, „jede

eigentlichen Wesensfrage ist, während die eindringende i pessimistische Anwandlung zu unterdrücken" (S. 38),

geduldige Strukturerörterung allerdings nicht seine Sache i sondern allein die Gegenfrage: Was ist das für eine

war. Hier setzt mit Recht die neuidealistische Bewegung angebliche Volks „gemeinschaft", die nicht will, daß die

ein, hier liegt das große Verdienst des anzuzeigenden unsichtbar-wirkliche „Kirche der wahrhaft Glaubenden

Buches. Man kann nur wünschen, daß recht viele Theo- '. und Liebenden", wie Heinzelmann sie so klar gezeichnet

logen, auch und gerade die jungen, mit diesem schönen hat, in ihrer Mitte wirke? Ist das nicht eine Gruppe von

Denkmal heutigen Philosophierens bekannt werden. Klassengenossenschaften oder ein rein äußerlich zusam-

Halle. Oeorg Wehrung. mengepreßter Haufe oder, was heute immer mehr und

erschreckender um sich greift, das Volk als Wirtschafts-

- körper? Dringend zeigt sich hier die Notwendigkeit,.
Hei nzel mann, Gerhard: Kirchliche Gemeinschaft und Volks- daß man unserem Volke heute nicht nur zeigen muß,
gemeinschaft. Langensalza: H. Beyer & Söhne 1926. (39 S.) j was Kirche, sondern ebenso eindrücklich, was Volksge-
8«. = Fr. Manns Pädag. Magazin, H. 1076. Rm. -90. : meinschaft ist. Beide haben einen inneren und einen

Diese Wiedergabe eines Vortrages bei einer Tagung äußeren Kreis. In dem inneren berühren sie sich ganz
der „Gesellschaft Deutscher Staat" in Dresden hat zum eng; denn da sind sie beide „Gemeinschaft der GeGegenstand
nicht „Volk und Religion", aber auch nicht wissen". Dort muß man ihre innere Beziehung und
„Staat und Reich Gottes", sondern die Beziehung der von dort aus ihre Auswirkung auf die natürlichen irdi-
kirchlichen Gemeinschaft, wie sie in der evangelischen schen Gemeinschaften, Volk und Volkskirche, suchen.
Kirche lebendig sein soll, zur Volksgemeinschaft. In Dann wird die Beziehung von kirchlicher Gemeinschaft
seiner knappen und dabei doch anschaulichen und tief- und Volksgemeinschaft auf einander nicht als eine Möggreifenden
Art entrollt H. auf wenigen Seiten ein Bild ' lichkeit, sondern als eine Notwendigkeit erscheinen,
der gegenwärtigen Lage, wie sie im Licht dieser Frage- j Greifswald. Hermann Wolfgang Bever.

Stellung erscheint: Hier Kirchenfeindschaft, dort Gleich- i___•

giltigkeit gegen volkheitliches Denken. Hier der Wille, i ~~ -

die Kirche für „nationale" Ziele zu mißbrauchen; dort
Ermatten der Verantwortung für das Volk aus übernationalem
christlichem und kirchlichem Empfinden heraus
. Verwirrung selbst da, wo beide, Volk und Kirche,
ernst genommen werden. „Kirchenstaat, Staatskirche,
freie Kirche im freien Staat, Trennung von Kirche und
Staat?" (S. 11). Das Schlimmste: Unklarheit über den
evangelischen Kirchenbegriff. Sichtbare oder unsichtbare
Kirche? ist da die Frage.

So muß sich H. den Weg an sein Thema heran
bahnen, indem er an Luther anknüpfend einen klaren
Kirchenbegriff herausarbeitet. Er geht vom Innerlichsten
aus, „von dem wahren Gemeinschaftsverhältnis, das sich
Gott selbst zur Menschheit gegeben hat" (S. 13). Voraussetzung
ist dabei die „Glaubenstatsache, daß es eine
Erfahrung der Gottesgemeinschaft in der Zeit" gibt
(S. 17). Auf diesem Grunde wird nun die Kirche
Christi geschildert als die von dieser Glaubenstatsache
aus notwendige, unsichtbare und doch hier auf Erden
wirkliche und wirksame Gemeinschaft „der wahrhaft
Glaubenden und Liebenden" innerhalb der sichtbaren
Kirchen. (S. 18). Das ist in der Tat ganz lutherisch.

Darnach versucht H. die Beziehung dieser kirchlichen
Gemeinschaft auf die des Volkes zu zeigen. Den
Begriff der Volksgemeinschaft untersucht er nicht so
eingehend, sondern nimmt ihn als etwas ganz Natürliches
,: „Zum Volk gehören die durch Blut, Boden,
Sitte, Sprache, Geschichte Verbundenen". „In den Volkszusammenhang
wird man hineingeboren" (S. 23). Dieser
Satz hätte seinen Vf. stutzig machen sollen. Er gilt ja
von der evangelischen Kirche auch — soweit sie sichtbar
ist. Aber nur so weit. Ist es nicht bei der wahren Volksgemeinschaft
ebenso? Muß man nicht auch da erst herausstellen
, wodurch ein Volk zur Volksgemeinschaft
wird? Daß H. das unterlassen hat, führt dazu, daß er,
der Systematiker, die Antwort auf seine Frage in einer
geschichtlichen Betrachtung sucht. Er findet da eine
gewiß beachtliche Antwort, wenn er, mit Spengler der
„Froschperspektive" entrückt, von hohem Standpunkt
aus asiatische und abendländische Kultur überschaut
und feststellt, wie diese im Gegensatz zu jener ihr eigenartiges
Gepräge durch das „Ineinanderwachsen" von
Kirche und Volk erhalten hat, das beiden zum Segen
geworden ist. Freilich kann dann trotzdem die bange

Vollständig liegt nun vor:

PETER THOMSEN

DIE PALÄSTINA-LITERATUR.

Eine internationale Bibliographie in systematischer
Ordnung mit Autoren- und Sachregister. 4. Band :
Die Literatur der Jahre 1915—1924.

Nach dem bisher innegehaltenen Plane dieser Bibliographie
sollte der 4. Band für 1915 — 1919 bereits
1920 erscheinen. Aber der Weltkrieg mit seinen Nachwirkungen
machte die Beschaffung der Auswärtigen
Literatur der Kriegszeit zunächst unmöglich. Jetzt ist
es jedoch dem Verfasser gelungen, die gesamte
Literatur für die Jahre 1915—1924 festzustellen und
zum größten Teile selbst einzusehen, so daß er sie
wie in den vorhergehenden Bänden mit aller Genauigkeit
buchen und nach ihrem Inhalte durch kurze Bemerkungen
kennzeichnen konnte. Die bisherige Einteilung
und Ausdehnung ist bis auf unwesentliche
Aenderungen beibehalten worden. Natürlich haben
die neuesten Vorgänge, wie die Kämpfe im Orient,
die Entwicklung der Mandatstaaten Palästina und
Syrien, der Aufbau des zionistischen Landes dieselbe
eingehende Berücksichtigung gefunden, wie die
wissenschaftlichen Fortschritte auf dem Gebiete der
Ausgrabungen oder der Geschichte (z. B. Hethiter).

Preis RM. 39.-; geb. RM. 42.—.
Bd. I (1895-1904; XVI,204S.)RM. 5.- ; geb. RM.7.50.
Bd. II (1905—1909;XX, 316S.)RM. 8.-;geb.RM. 10.50.
Bd. III (1910—1914; XX, 388 S.) RM. 14.—; geb. RM.16.50.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN
BUCHHANDLUNG INLEIPZIGC1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 9. Juli 1927.
Beiliegend das II. Heft des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof.D.E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C. 1, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.