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Ausgabe:

1927

Spalte:

289-290

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nötscher, Friedrich

Titel/Untertitel:

Altorientalischer und alttestamentlicher Auferstehungsglauben 1927

Rezensent:

Steuernagel, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emaniiel Hil*SCh unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. KurtDietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: vierteljährlich Rm. 9—. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

-Ii. »t ii Manuskripte und eelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, IC llmj IQ77

ox. Jahrg. INT. Id. Bauratgerberstr. 19. zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. *•»»• «»"»• IJ»*f«

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Nötscher, Altorientalischer u. alttestament- jßergner, Naumburg und Merseburg (Beyer). 295

licher Auferstehungsglauben (Steuernagel). 2S9jy/orkman , John Wyclif (Loofs)......296

B eg rieh, Der Psalm des Hiskia (Rudolph). 290|Johannes VQn Staupitz (E. Wolf).......300

Wagenmann, Die Stellung des Apostels
Paulus neben den Zwölf (Fascher). . . . 292

W e n c k , Das erste Konklave der Papstgeschichte
, Rom August bis Oktober 1241
(Ficker)...................294

Pannier, Recherches sur l'evolution reli-
gieuse de Calvin jusqu' ä sa conversion
(O. Wolf). .'................302

Heiler, Evangelische Katholizität (Mulert). 303

Spalte

Mulert, Konfessionskunde (Orützmacher). 307

Falco, lntroduzione allo studio del Codex
iuris canonici (Schmidt)..........309

Litt, Individuum und Gemeinschaft
(Wehrung).................310

Heinzelmann, Kirchliche Gemeinschaft
und Volksgemeinschaft (Beyer)......311

Nötscher, Priv.-Doz. D. Dr. Friedrich: Altorientalischer und der Versuch, die verschiedenen Typen je für sich in ihrer
alttestamentlicher Auferstehungsglauben. Würzburg: C. J. ; zeitlichen Entwicklung und in ihrer Verteilung auf verBecker
1926. (X, 349 s.) gr. s°. Rm. 12—. ; schiedene Kreise (dafür finden sich nur geringe Ansätze)
Nach einleitenden Bemerkungen mit einer vorläu- darzustellen. So scheidet man von dem Buch mit dem
figen Orientierung über die in Betracht kommenden Eindruck eines gänzlich ungeordneten Vielerlei der VorIdeen
(scharfe Trennung der Unsterblichkeit der Seele Stellungen. Insbesondere fehlt eine Trennung der Zeug-
und der leiblichen Auferstehung, die erst in der Christ- ■ nisse aus dem palästinensischen und dem Diaspora-
lichen Erwartung kombiniert werden), Literaturübersicht, Gebiet. Das führt dazu, daß 2. die Frage unerörtert
methodischen Ausführungen (Fehlen festbestimmter Ter- bleibt, ob nicht ein fremder Einfluß auf einem bestimm-
minologie in den Quellen, daher Vorsicht bei der Aus- ten Einzelgebiet oder in einem Einzelkreis und auf die
wertung scheinbar gleichartiger Aussagen nötig) stellt dort sich herausbildende Anschauung anzunehmen ist.
der Verf. zunächst in sechs Kapiteln die in Betracht der für andere Gebiete oder Kreise und die dort aufkom-
kommenden Vorstellungen 1. der Babylonier, 2. der menden Vorstellungen abzulehnen ist. 3. Unter den in
Ägypter, 3. der Perser, 4. der Kanaanäer, 5. der Myste- Frage kommenden fremden Faktoren durfte m. E. die
rien, 6. des Alten Testamentes dar, erörtert sodann in griechische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele
zwei Kapiteln die Frage nach der Herkunft der alttesta- nicht nur hier und da einmal angerührt werden, sie hätte
mentlichen Vorstellungen: 7. fremde Herkunft?, 8. inner- vielmehr eine eingehende Erörterung verdient, d. h. das
israelitische Wurzeln, und schließt mit je einem Kapitel Thema ist von vorn herein zu eng gefaßt, wenn es nur
über die Vorstellungen der außerkanonischen jüdischen den altorientalischen Auferstehungsglauben neben
Literatur (Apokryphen und Pseudepigraphen; warum dem alttestamentlichen in Betracht zieht. Das hängt
werden nicht auch Philo, Josephus und Mischna heran- freilich wohl damit zusammen, daß der Verf. sich in der
gezogen?) und des Neuen Testamentes (summarisch); Hauptsache nur für den Auferstehungs-, nicht für den
ein Anhang behandelt die Vorstellungen von Lebens- Unsterblichkeitsglauben interessiert. Aber 4. mir scheint,
wasser und Lebensbaum. daß es überhaupt ein Fehler ist, daß der Verf. eine
Die Analyse der einzelnen Quellen ist gründlich Einzelidee so ausschließlich, wie er es tut, ins Auge
und sorgfältig, berücksichtigt auch die vorhandene Lite- faßt. Er hätte sie nicht nur von Parallelideen nicht so
ratur in größter Vollständigkeit. Ich kann dem Verf. stark trennen, sondern vor allem nicht aus ihren natür-
auch in seinen Ausführungen über die innerisraelitischen liehen Zusammenhängen, den messianischen bzw. escha-
Wurzeln des alttestl. Auferstehungsglaubens (Voraus- tologischen, isolieren dürfen. Er wäre dann wohl auch
Setzungen: 1. bei der Vorstellung vom Toten keine i fai der Frage, wieweit bei der Ausgestaltung der Vorscharfe
Scheidung von Seele und Leib, Scheol und Grab, | Stellungen fremder, insbesondere persischer, Einfluß mit-
daher nicht Entstehung eines Glaubens an körperlose gewirkt hat, zu bestimmteren Urteilen gelangt. Charak-
Unsterblichkeit der Seele, 2. Jahves Macht auch durch teristisch ist doch der Satz S. 297: „an Einzelheiten
die Scheol nicht beschränkt; entscheidende Motive: indi- fremde Beeinflussung nachzuweisen, ist doch schwierig,
vidueller Vergeltungsglaube und seine Disharmonie mit wenn nicht unmöglich". — Trotz allem: das Buch ent-
der diesseitigen Erfahrung, die Vorstellung vom Leben halt eine gründliche Erörterung der Einzelmaterialien
als geistigem Gut, der Glaube an die Unzerstörbarkeit . und bietet für die weitere Behandlung des Gesamtpro-
der Gottesgemeinschaft) im allgemeinen zustimmen, nur blems in vielen Beziehungen gute Vorarbeit, daneben
daß ich es ungeschickt finde, daß er die entscheidenden auch verdienstvolle Kritik gar zu voreiliger religions-
Motive sämtlich unter dem Gesichtspunkt des Vergel- geschichtlicher Konstruktionen.

tungsproblems zusammenfaßt. Bis zu einem gewissen Breslau. c. Steuernagel.

Grade kann ich ihm auch folgen, wenn er fremden

Einflüssen jede Bedeutung für den Ursprung des isra- : ßegrlch, Joachim: Der Psalm des Hlskla. Ein Beitrag zum

enuschen Auferstehungsglaubens abspricht und ihnen Verständnis von Jesaja 38,10-20. Göttingen: Vandenhoeck u.

noenstens bei der Ausgestaltung der Vorstellungen eine Ruprecht 1020. (iv, 68 S.) gr. 8°. = Forschungen z. Relig. u.

treilich kaum in Betracht kommende Rolle zuerkennt, i Literatur d. a. u. n. t., n. f., 25. Heft, der ganzen Reihe 42.

Trotzdem befriedigt mich das Buch im ganzen nicht Heft- Rm. 5—.

l-h' ViDer Verf" komrnt bei der Analyse der israeli- 1 Diese neue Erklärung von Jes. 38,9—20 ist eine

u-a ^uellen natürlich zu dem Ergebnis, daß sich ver- : methodische Musterleistung. Begrich, ein Schüler Gun-

schiedenarüge Vorstellungen herausbilden. Es fehlt aber kels, sucht dem schlecht erhaltenen Gedicht dadurch

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