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Ausgabe:

1927 Nr. 12

Spalte:

287-288

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schulze-Maizier, Friedrich (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Mystische Dichtung aus sieben Jahrhunderten 1927

Rezensent:

Clemen, Otto

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Seite 1

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287 Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 12. 288

meinschaft, die uns Deutschen frommt, ist nicht in j Die in diesem schönen Bande vereinigten, großen-
Turmhäusern, von Menschenhänden gefügt. Sie baut sich 1 teils wenig bekannten mystischen Dichtungen von Hildeauf
aus der großen geistigen Führer Macht zu einem ! gard von Bingen und Mechthild von Magdeburg bis No-
Tempel des heiligen Geistes der Deutschen". Und die i valis und Goethe behandeln alle das mystische Zentral-
Liebe schließlich ist, wie gegen Otto scharf bemerkt ; erlebnis: das Durchbrechen der Schranken der indi-
wird, nicht in Eros und Agape zu trennen. „Und wenn ! viduellen Existenz und das Versinken in der göttlichen
man Gott lieben zu können behauptet, so muß es eben ; Liebe oder im Unendlichen, das Sichsehnen danach, das
eine echte, reine, mächtige, verlangende Liebe sein, i Zurückschaudern davor, das Zehren davon in süßer Er-
wie eben zur geliebten Frau oder zum Freund." Denn ; innerung. Die mittelhochdeutschen Gedichte sind teils
dem Deutschen ist Liebe Geist. Und durch die „Atavis- | im Urtext, teils in mehr oder weniger freier neuhoch-
men der Erbsündenlehre" darf man sich die Heilig- i deutscher Übertragung wiedergegeben. Die „Einführung
keit des Eros nicht zerstören lassen. So erscheint die : des Herausgebers" reiht die Gedichte wie Perlen auf eine
Entfaltung deutscher Frömmigkeit „als eine Fuge über ! Schnur und würdigt sie im einzelnen,
die Grundtöne: Zeit, Geist und Liebe mit dem Thema: j Zwickau i. S. 0> Clemen.
Goethes: Wir heißen's fromm sein". Von Jesus Christus

ist hier nicht mehr die Rede; und kann es offenbar auch 1 Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch

nicht sein. Und das eben ist die tiefe Ehrlichkeit dieses Ve n^ % AlfTTTh ?"t H b "rb-bAufl- d

Bekenntnisses zum deutschen Idealismus HorstVtr^

In einem zweiten Aufsatz wird das romantische Lebensgefuhl nack , Lf jm . j.C. B.Mohr 1926. (96 Sp. u. 2 Taf.) 4°.
der Religion mit Bezug vornehmlich auf einen Abschnitt aus Bren- | ^ j g0
tanos Chronika des fahrenden Schülers erörtert. Hier mündet die Dfc % Auf, ^ wje|fcr in 5 Bäaden erscbejnen zu je'
Religion auf ihrer Hohe in Musik cm. Die Romantik hat der 50_f)ü D[Uckbo üie ,. Lieferung (3 Bogen) liegt vor und behelligen
Caeolie die Schlüsselgewalt über deutschen Christenglauben wcist daß das Werk in der Tat der Ankündigung entsprechend
und deutsche Kunst ubergeben.'' Börnhausen liegt daran zu zeigen, ündlicb unbearbeitet ist. Fast alle größeren Aufsätze sind neu
daß Klassik und Romantik nach Seiten ihrer Frömmigkeit einander bearbeitct „rolkmeMs auch von neuen Verfassern. Der umfangreichste
verwandt sind, und nicht etwa als evangelisch und katholisch sich Bd betrifft das Abendmahl. Hier ist der Abschnitt über das
gegenüberstehen. Diese These laßt sich natürlich nur aus dem Organ Neuc Testament (früber Heitmüller) jetzt von K. L. Schmidt verfaßt

dessen, der sie aufstellt, begreifen. Dies Organ aber ist ganz auf den , . . ,. , . „ .. .. , , , ,
, ° ,' „V , .'. . • ■ s und „anz neu gestaltet. Eine Menge kleiner Beitrage der ersten Auf-
deutschen G auben gestimmt. Daher ist es notwendig gegen katho- , N . , , ö , ... u-ui- i— n„.„ „ „;„ „„n„ -
,. . ,. , .fa, & & & lag,e febjen besonders über biblische Personen, sie sollen offenoar
lisch-evangelisch gleichgiltig. . ... , . ... , , . , .. , . . ,

R 6 »so HK'tt 111 zusammenhangenden Artikeln behandelt werden und durch ein

Brel"€n"_ ' "-nittermeyer. ausführliches Register am Schluß der Benutzung erschlossen werden.

So i r Oll, P. Dr. Thaddaeus, O. F. M.: Das Evangelium als Lebens- 1 Inzwischen sind 6 weitere Lieferungen erschienen. Wir sehen der

form des Menschen. München: Theatiner-Verlag 1925. (VII, ; Fortsetzung mit großer Erwartung entgegen.

82 S.) kl. 8°. = Der kathol. Gedanke, Bd. 11. geb. Rm. 2.50. Hannover-Kleefeld. H. Schuster.
Vorträge von der kath. Akademikertagung in Dres

den Sept. 1924, eingereiht in die Sammlung „Der katholische
Gedanke". Sic halten sich auf ansehnlicher Höhe
des Inhalts wie der Form. Das Thema läßt etwas
Anderes erwarten, als das Büchlein bietet, nämlich Ausführungen
über die Bedeutung des Evangeliums für Lebensinhalt
und Lebensweise des Menschen. Diese Gedanken
fehlen nicht, füllen aber nur Teil III. Dieser
Teil wird unterbaut durch 24 S. über die Komposition
der Evangelien und 25 S. über den Sinn der Evangelien.
S. spricht sehr nachdrücklich und durchaus im eigentlichen
Sinn des Worts von einer „Komposition" der E.vang&-
lien. Da er in Kürze eine ausführliche Arbeit über ihre
Entstehung vorlegen will, soll hier nicht auf diese Seite
der Sache eingegangen werden. Diese Komposition hat
aber (so Teil II) nicht den Charakter einer auflösenden
Analyse, vielmehr sind die Evangelien eine Formung
von Daten des Lebens Jesu, „die sich mit starken Ansprüchen
an das Leben wendet". Sie wollen die Lebensform
sein, die dem Menschen jene Gestalt gibt, die zur
Erscheinung des göttlichen Lebens werden kann. Es
handelt sich nicht um das Evangelium der Weltflucht
noch der absoluten Weltbejahung, sondern um das der
„Weltdistanz", die durch innere Weltüberwindung zur
Weltbeherrschung gelangt. Ob für dieses Ergebnis der
historische Unterbau über die Komposition notwendig
oder auch nur nützlich war, ist mir ernstlich zweifelhaft
. Auch habe ich bei vielen Ausführungen das Gefühl
, als ob allgemein Anerkanntes, wenn auch in eigener
Form, nochmals dargelegt werde. Zu verstehen ist
das nur, wenn man eine starke apologetische Einstellung
auf Gedanken annimmt, die dem Christentum
fremd geworden sind. Aus dieser Einstellung erklärt
sich wohl auch das Fehlen jeder spezifisch katholischen
Haltung der Schrift.

Breslau. M. Schi an.

Vollständig liegt nun vor

CARL STEUERNAGEL

Der Adschlun. Nach den Aufzeichnungen
von T Dr. G. Schumacher.

Das Buch bietet die erste eingehende Beschreibung
des östlich vom Jordan 'zwischen dem Jarmuk und
Jabbok gelegenen Gebietes, also der Nordhälfte des
biblischen Gilead. Der erste allgemeine Teil beschreibt
die Bodengestaltung und Natur des Landes,
verfolgt seine Besiedlung und Kultur von der vorgeschichtlichen
Zeit bis zur Gegenwart und charakterisiert
eingehend die gegenwärtigen Verhältnisse,
insbesondere auch die der im Übergang zur Seßhaftigkeit
befindlichen Beduinen. Der zweite Teil bringt
eine genaue Einzelbeschreibung „der verschiedenen
Teile des Landes, der Bergzüge und Täler, sowie
sämtlicher dauernd oder zeitweise bewohnten Ortschaften
und Ruinenstätten. Den"; Abschluß bildet
ein Namenverzeichnis für das ganze nördliche Ostjordanland
: die Namen in Transkription und arabischer
Schrift, soweit angängig, mit Übersetzung, dazu Angabe
der Lage und der Textstellen, an denen man
Mitteilungen über die betreffende Örtlichkeit findet.
XVIII u. XII*, 764 Seiten m. 85 Taf. u. 127 Abb. im
Text. 8°. Preis RM 50.-.

Hieraus einzeln:

Namenliste des nördlichen Ostjordanlandes.

XII, 213 Seiten. 8°. 1927. Preis RM 14.—

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN

Mystische Dichtung aus sieben Jahrhunderten. Gesammelt, ; nnriiHiiuni „Mr IH ,r1D7ir n -

übertr. u. eingel. v. Friedrich Schulze-Maizier. Leipzig: i nAWULUIMU IfN GCIKZ,1U G. 1

Insel-Verlag 1925. (397 S.) gr. 8°. = Der Dom.

I

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 25. Juni 1927.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C. 1, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.