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Ausgabe:

1927 Nr. 1

Spalte:

9-11

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koch, Hugo

Titel/Untertitel:

Cyprianische Untersuchungen 1927

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 1.

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könnte, es liege im Arabischen ein verschiedenes Tempus
vor. Ebenda wird V. 44 ohne jeden Zwang das ganz
gewöhnliche wada'a „stellen, setzen, legen" mit „erniedrigen
" wiedergegeben, während es doch genau dem
des Matthäustextes entspricht. Was dem jetzigen
Bande, gerade weil er wohl ohne Nachfolger bleiben
wird, zn wünschen gewesen wäre, ist ein genauer Nachweis
des Einflusses der Peschitta auf den arabischen
Text. — Als nicht eindeutig ist in der Anm.1 auf S. 50,
welche die Literatur über das arabische Diatessaron aufzählt
, die Anführung von Duncan Willy's: A Fragment
of Tatians Diatessaron zu beanstanden; denn diese
Publikation enthält die englische Obersetzung eines syrischen
Textes. Außerdem sind ebenda die Angaben
der Schriftstellen nicht ganz genau.

Goslar. Hugo Duensing.

Koch, Hugo: Cyprianische Untersuchungen. Bonn: A.Marcus
ft E. Weber 1926. (XII, 493 S.) gr. 8°. => Arbeiten z. Kirchengeschichte
, hrsg. von Karl Holl und Hans Lietzmann 4. Km. 18—.

Literarkritische Untersuchungen von der Art der
mir vorliegenden stehen zurzeit bei uns nicht hoch im
Kurse. Das Feld der Patristik gilt als abgegrast, und
der Arbeiter sind wenige geworden. Daß aber die Arbeit
noch immer fruchtbringend ist, beweist dieses Buch
auf's neue. Sein Verfasser ist den Fachgenossen als
einer der besten Kenner der lateinischen altchristlichen
Literatur bekannt. Insbesondere Tcrtullian und Cyprian
sind ihm vertraut wie wenig anderen. Seine Methode ist
zuverlässig, von Vorurteilen ist er frei. Ruhig und sicher
geht er seinen Gang. Gewagte Hypothesen meidet er;
ohne Bedenken kann man sagen, daß sein Buch, das als
Ganzes auf hypothetischem Grunde ruht, von leicht hingeworfenen
Einfällen frei ist. Wenn man einige in Zeitschriften
verstreute Aufsätze hinzunimmt, so erschöpfen
diese „Untersuchungen" fast alle literarkritischen Fragen
, die sich an dem cyprianischen Schrifttum aufweisen
lassen. In einigen Fällen hat die Untersuchung abschließenden
Charakter, in anderen führt sie bis an die
Grenze des Beweisbaren. Wo Fragezeichen bleiben,
hat sie der Verfasser selbst gesetzt, der nirgends überreden
, sondern überzeugen will. Wir folgen ihm in
einigen Einzelheiten.

Die erste Abhandlung (S. 1—78) beschäftigt sich mit Quod
idola dii non sint. Die Echtheit dieser Schrift ist strittig. Ich selbst
habe in meiner Neubearbeitung der Schanzschen Literaturgeschichte die
Tatsache, daß die Schrift ein Plagiat (an Minucius und Tertullian)
ist, während Cyprian sonst seinen Quellen gegenüber große Selbständigkeit
zeigt, als schwer gegen die Echtheit ins Gewicht fallend
bezeichnet, aber doch geglaubt, die Frage als unentschieden bezeichnen
zu müssen, zumal die Zuweisung an einen anderen Verfasser
— Haußleitcr z. B. dachte an Novatian — wenig Erfolg
versprach. Koch glaubt zeigen zu können, daß trotz des Stoppelgepräges
und trotz der Übereinstimmungen mit Novatian Geist und
Feder Cyprians noch deutlich genug zu erkennen seien. Für solchen
Nachweis kommt ihm hier, wie in allen folgenden Abhandlungen,
seine bis in's Einzelne gehende Vertrautheit mit dem cyprianischen
Sprachgebrauch sehr zu statten, ja sie erweist sich hier und noch an
manchen anderen Stellen als das ausschlaggebende Küstzeug. Har-
nack hat gemeint, daß niemand auf Cyprian als Verfasser raten
würde, wenn die Schrift namenlos überliefert wäre. Das ist nach
Kochs Nachweisen unzutreffend. Die Beziehungen zwischen den
Stücken der Abhandlung, die sich nicht mit Minucius oder Tertullian
decken, und Cyprian sind handgreiflich. Der Fall liegt nicht so, wie
bei Ad Novatianum und Adversus aleatores, wo sich neben cyprianischen
Redewendungen abweichende Sprach- und Stileigentümlichkeiten
in Menge nachweisen lassen. Der Einklang mit Cyprians Schrift-
stellcrci erstreckt sich vielmehr bis auf Kleinigkeiten. Was aber die
Abhängigkeit von Minucius und Tertullian betrifft, so zeigen die von
Koch gesammelten Lesefrüchte, die er in einem Anhang zusammengestellt
hat, daß sie auch in späteren Schriften noch deutlich hervortritt
. Koch möchte Idola ganz an den Anfang dieser Schriftstellcrci
rücken. Vielleicht habe Cyprian die Abhandlung noch als Katechumen
verfaßt, als eine Art „christlichen Lehrstücks". Mit Matzingers
Vermutung (De bono pudicitiae, 1892) , daß die Schrift 248
im Zusammenhang mit der Feier des römischen Millennarfestes
entstanden sei, setzt er sich, wenn ich nichts übersehen habe, nicht
auseinander. Ich habe sie früher als unbegründet bezeichnet. Ist sie
es wirklich? — An zweiter Stelle (S. 79—131) untersucht Koch

! Abfassungszeit und Veranlassung von De lapsis und De ecclesiae
j (nicht catholicae ecclesiae, wie er glaubt zeigen zu können) unitate.

Hier liegen kaum tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den
I Forschern vor. Daß beide Schriften schon bei den Verhandlungen der
j Frühjahrssynode von 251 verlesen wurden, wird übereinstimmend aner-
i kannt. Nach Kochs überzeugender Darlegung hat Cyprian sie nach
der Rückkehr aus dem Versteck verfaßt. Bezüglich unit. setzt dieser
Ansatz voraus, daß die Schrift nicht gegen die novatianische Spaltung
gerichtet ist, sondern nur die karthagische im Auge hat. Auch diese
Annahme unterliegt keinen Bedenken. Sie läßt auch Raum für
Chapmans Annahme, daß die sog. Lesart B von Cyprian bei einer
durch das novatianische Schisma veranlaßten Neuausgabc der Schrift
hergestellt worden sei, eine Annahme, die sich auch aus anderen
Gründen empfiehlt. — Die Abhandlung De zelo et livore, die von
den meisten Forschern mit Pontius, dem Biographen Cyprians, 25b
oder etwas später angesetzt wird, da sie anscheinend den Ketzertaufstreit
zum Hintergrunde hat, möchte Koch (3. Kap. S. 132—139) in
die Nähe von laps. und unit., also in die Zeit des karthagischen und
des römischen Schismas, d. h. in die zweite Hälfte 251 oder ins
Jahr 252 rücken und De dominica oratione daran anschließen. Ich
enthalte mich der Abstimmung. — Ebenfalls im Gegensatz zu Pontius,
der Ad Dcmetrianum vor De mortalitatc stellt, mochte Koch
(4. Kap. S. 140—148) das Verhältnis umkehren: mort. sei zu Beginn
der Seuche, Dem. später geschrieben. Ich sehe keinen zwingenden
Grund, von der bisher angenommenen Reihenfolge abzuweichen. De
opere et eleemosynis fällt auch nach Koch in die Zeit der Pest hinter
zel. und Dem. — Erheblicher sind die Meinungsverschiedenheiten bezüglich
Ad Fortunatum und Ad Quirinum, von welchen Schriften
Koch im 5. Abschnitt (S. 149—210) handelt. Fort, wird meist in
die Zeit der valerianischen Verfolgung gesetzt. Wob leb hat den
schon von Haußleiter, Goetz und von Soden empfohlenen
Ansatz auf die Zeit der decischen Verfolgung zu begründen gesucht.
Mir scheint Koch im Recht zu sein, wenn er diesen Ansatz ablehnt.
Seinerseits tritt er für Abfassung am Vorabend einer Verfolgung und
zwar des Gallus, also Frühjahr 253, ein. Das ist gewiß möglich, aber
kaum zu erweisen. Dagegen scheinen mir Kochs Einzelnachweise die
Echtheit des dritten Buchs von Quir., an der auch ich, Haußleiter
u. A. folgend, gegen Glaue festgehalten habe, über allen
; Zweifel zu stellen. Hierzu ist jetzt auch die Abhandlung von
Wohleb in der Römischen Quartalschrift 1925 zu vergleichen,
deren Koch in seinem Vorwort noch gedenken konnte. Abfassungszeit
aller drei Bücher vor der Verfolgung von 250. — Über den
sechsten Abschnitt (Bußfrage) siehe unten. — Von besonderem Wert
sind die Ausführungen über Cyprians Verhältnis zu Seneca (7. Kap.
S. 286—313) und Apulcius (8. Kap. S. 314—333). Hier zeigt sich
Kochs souveräne Beherrschung des Stoffs in besonders glücklicher
Weise. „Vielleicht", so schreibt er, „sind auch Kenner Cyprians und
I Senecas über die vielen Anklänge überrascht. Tatsache ist, daß sie
j bisher nicht oder kaum beachtet wurden". Diese richtigen Bemerkungen
treffen in fast noch erhöhtem Maß auf das Verhältnis des
Bischofs zu Apulcius zu. Es Ircdarf aber wohl kaum des Hinweises,
daß die von Koch angestellten „Vergleichungen nicht eine Abhängigkeit
Cyprians von Apuleius, sondern eine aus Schule und Leben entspringende
Sprach- und Stilgemeinschaft dartun" sollen. — Die vier
letzten Kapitel handeln vom pseudoeyprianischen Schrifttum. Hierzu
sind die Aufsätze über die Abfassungzeit von De rebaptismate in
der Internationalen Kirchlichen Zeitschrift 1924, zum novatianischen
Schrifttum (sprachliche Beobachtungen zu De bono pudicitiae und De
spectaculis; Fragezeichen zur Abfassung von spect. durch Novatian) in
der Zeitschrift für Kirchengcschichte 1919 (1920), und zu Adversus
aleatores (Verfasser ein katholischer Bischof in Afrika nicht lange
vor Ausbruch des Donatistenstreits) in der Festgabe für Karl Müller
1922 heranzuziehen. Kap. 9 S. 334—357 liefert den Nachweis, daß
in De laude martyrii nachdecische Schriften Cyprians (hab., virg.,
ep. 10, unit., mort., Fort., ep. 58) benutzt sind, wodurch Harnacks
an sich unwahrscheinliche Hypothese der Abfassung durch Novatian
vollends widerlegt wird. Im übrigen bleiben die Abfassungsverhältnisse
des wenig erfreulichen Schriftchens undeutlich. Nach Koch ist nicht
einmal mit Sicherheit zu erkennen, ob es überhaupt von einem in
kirchlichem Amte stehenden Manne verfaßt worden ist. Daß dieser
Verfasser der Diakon Pontius sei, hat d'Ales in Recherches de
science religieuse 1918 zu Unrecht behauptet. Eine ausführliche Betrachtung
widmet Koch in Kap. 10 (S. 358—420) der Abhandlung Ad
Novatianum, die in jüngster Zeit nicht mehr zum Gegenstand eigener
Untersuchung gemacht worden ist. Harnack war für Sixtus II. als
Verfasser eingetreten, und d'Ales hat diese Hypothese neu zu stützen
versucht, indem er dabei auch Adv. Judaeos für den Römer in Anspruch
nahm. Mir selbst ist die Herkunft von einem afrikanischen
Bischof wegen des Bibeltextes stets wahrscheinlich gewesen. Auch
Koch vermag das Rätsel nicht zu lösen, glaubt aber von einem
römischen Bischof absehen zu sollen. Am meisten neigt er zu der
Ansicht Bensons, daß man es bei Nov. mit einer theologischen
Studie oder gar einer Stilübung zu tun hat.. In Kap. 11 (S. 421—425)
lesen wir einige Beobachtungen zu De montibus Sina et Sion, welche
Abhandlung in die voreyprianische Zeit zu verlegen nach Koch