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Ausgabe:

1927 Nr. 11

Spalte:

250-252

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klingemann, Theologische Arbeiten aus dem wissenschaftlichen Prediger-Verein der Rheinprovinz. N. F. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

20. u. 21. Heft 1927

Rezensent:

Zillessen, Alfred

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249

Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 11.

260

Inschrift (76); J. Wilpert, Chronologie der altchristlichen Sarkophage
(29—37); 31: A. Baumstark, Ein vorkonstanfinischer
Bildtyp des Myrophorenganges? (5—20); Cl. Sommer, Zur rö- ■
mischen Baugeschichtc unter dem Pontifikate Papst Bonifaz VIII.
(41—54); J. P. Kirsch, Neuentdeckte altchrisiliche Skulpturen (von
einem Altar?) in Genf (Schweiz) (73—76); J. Sauer, eingehende
Besprechung von Marc Rosenberg, Geschichte der Goldschmiedekunst
usw., 1921—1922 (80—91); L. Kozelka, Die Behandlung
der Passion Christi in der darstellenden und bildenden Kunst der ersten
christlichen Jahrhunderte bis zur karolingischen Renaissance (125 ;
bis 13S); E. David, Oberreste des vatikanischen Trikliniums
Leos III. im Campo Santo (139—150); 32: J. Wilpert, Der
Sarkophagdeckel der Hydria TertuIIa im Skulpturen-Museum von
Arles (5—9); E. Josi, Sepulcrum Hyacinthi martyris Leopardus
Presbyter ornavit (10—36); 33: J. P. Kirsch, Die Grabstätte der t
,,Felices duo pontifices et martyres" an der via Aurelia (1—21). Sehr :
wertvoll ist schließlich der von allen Bänden gebrachte, nur in 33 ',
ausnahmsweise fehlende, „Anzeiger für christliche Archäologie" mit ;
Einzelmitteilungen über christlich-archäologische Vorgänge, Funde,
Arbeiten aus aller Welt einschließlich einer reichhaltigen und nütz-
liehen Bibliographie. Zur Kirchengeschichte sind mit Beiträgen
vertreten alter Stamm und junger würdiger Nachwuchs — ich nenne
die Namen alphabetisch —: H. Bastgen, P. M. Baumgarten, J. Brink-
tine, St. Ehses, K. Feckes, H. Finke, E. Göller, J. Hollnsteiner, J.
P. Kirsch, G. Lohr O. P., L. Wohleb, E. Wymann.

Nach der Ankündigung auf der inneren Umschlagseite des
Bandes 30 bestand die Absicht, die RQ in zwei Doppelheften im
Jahre herauszugeben. Das ist in 31 und 32 geschehen; dagegen
ist 33, wie 30 selbst, wieder nur in einem Heft erschienen. Soweit
wir sehen, hat die Zeitschrift in den neuen Jahrgängen noch nicht den
Gesamtumfang wiedererlangt, den sie bis zum Kriege hatten. Bei dem
hohen Interesse der wissenschaftlichen Welt, das sie trägt, ist zu
hoffen, daß, ob auch langsam, doch stetig Und sicher ihre Wege
wieder emporgehen zur alten Blüte.

Berlin. Georg Stuhlfauth.

Jahrbuch für Liturgiewissenschaft. In Verbindg. m. A. Baum- |
stark u. A. L. Mayer hrsg. von Odo Casel. 5. Bd. Münster
i. W.: Aschendorff 1925. (III, 3S0 S.) 4». = Verein z. Pflege d.
Liturgiewissensch. Rm. 14.40; geb. 16.40.

Schon der 5. Band dieses ausgezeichneten Jahrbuchs
! Es ist das einzige seiner Art; die evangelische
Seite hat leider kein Gegenstück aufzuweisen. Die evang.
Theologie erkennt die Leistung durch Mitarbeit an:
H. Lietzmann hat eine Untersuchung „Handschriftliches
zu Alkuins Ausgabe des Sacramentarium Grego-
rianum" (der Titel ist sowohl im Text wie im Inhaltsverzeichnis
übel verdruckt) beigesteuert. Sonst bietet
der geschichtliche Teil 4 gewichtige Aufsätze. Casel
stellt die Entwicklung der Mönchsweihe in Morgenland
und Abendland dar (S. 1—47), eine minutiöse Untersuchung
, die alles, was Aufschluß bringt, beachtet. Ein
zunächst rein pneumatischer Akt wird allmählich rituell
geformt, dann reicher ausgestaltet bis zur vollen Mysterienweihe
, die mit dem Mysterium der Messe eng verbunden
wird. So im Osten. Im Abendland tritt der
Weihegedanke beim h. Benedikt in zwei Riten hervor:
Einkleidung in den Mönchshabit und Altaropfer der
Professurkunde; dazu Opfergebet des Novizen. Aus der
späteren Entwicklung ist besonders interessant ein zum
ersten Mal gedruckter Mönchsweiherittis aus dem Engel-
berger Codex 54, der wahrscheinlich die römisch-bene- 1
diktinische Mönchsweihe der monastiria ecclesiae Roma-
nae aus dem 7. Jahrh. wiedergibt. — J. P. Kirsch
geht der Entstehung der beiden in den Januar (18. u.
25.) fallenden Feste Petri Stuhlfeier und Bekehrung
des Paulus nach. Beide sind nach seinen sehr eingehenden
Forschungen rein gallikanischen Ursprungs; die
römische Liturgie des Altertums kennt sie nicht. Das
Pest des 25. Januar wurde von Anfang an und immer nur
als Bekehrung und Berufung zum Apostelamt des Paulus
begangen; eine Gedächtnisfeier einer Übertragung der
Gebeine des Paulus ist weder für Rom noch für die
Länder der gallikanischen Liturgie nachweisbar. Beide
Feste bestanden im 6. Jh. Neben diesem Hauptergebnis
springen noch manche sehr interessante Nebenergebnisse
heraus. — Dje Beeinflussung der altchristlichen Liturgie
durch das Germanentum schildert Anton W. Mayer
zunächst nur für die frühere („romanische") Periode.

„Das germanische Ethos, das individualistische Element
erzwingt den Einlaß in die Liturgie, versöhnt sich aber
mit ihrem Primat". Im Einzelnen wird das durchgeführt
an der Einführung „charakterisierender", d. h. der Deutung
bedürfender Symbole (z. B. des Stabes), an der
Erweiterung der pneumatischen Handlung durch juristische
oder nur dekorativ-zeremonielle Formen und Formeln
, besonders aus der Rechtssymbolik, aber auch an
der „Poerisierung" der Liturgie, die M.mit fein gewählten
Beispielen belegt. Aus dem reichen Inhalt seien weiter kurz
registriert: W. Lüdtke, Bischöfliche Benediktionen aus
Magdeburg und Braunschweig, und A. Baumstark,
Der antiochenische Festkalender des frühen 6. Jhs.
Diesen geschichtlichen Aufsätzen schließt sich ein „systematischer
" an: „Pfarrei und Mysterium" (Ath. Winter-
sig), der besser im liturgiegesc hi ch 11 i c he n Jahrbuch
keinen Platz gefunden hätte, und dessen Gedankenspiel
keinen wissenschaftlichen Wert hat. Außer mehreren
kleinen Beiträgen bietet der Band noch einen mehr
als 200 Seiten 8° umfassenden Literaturbericht
von hohem Wert. Es wird kaum eine auf die Liturgie
bezügliche literarische Erscheinung aus 1925 vergessen
sein. Die Absicht ist unverkennbar viel mehr die, über
den Inhalt zu unterrichten, als die, Kritik zu üben; doch
fehlen Urteile nicht. Mit besonderer Spannung liest man,
was über die Schriften von evang. Seite gesagt ist, die
gleichfalls aufgenommen sind. Dabei läuft (gelegentlich
der Besprechung von K. Eger: Wesen und Gestaltung
des evang. Gottesdienstes) der Satz unter: „So ist die
Messe natürlich keine Wiederholung des Opfers von
Golgotha, sondern seine Gegenwärtigsetzung im Mysterium
, die der Kirche immer wieder die Früchte der Erlösung
vermittelt. Nicht der Darbringungs-, sondern
der Mysteriencharakter der Messe ist das Primäre" (S.
171). Sehr modern-katholisch; aber stimmt das zu Trid.
Sess. XXII?

Breslau. M. Sc Iii an.

Theologische Arbeiten aus dem wissenschaftlichen Prediger-
Verein der Rheinprovinz. In Gemeinschaft mit d. übrigen
Vorstandsmitgliedern hrsg. v. D. Klingemann; N. F., 20. u. 21. Heft.
Neuwied: J. Meincke 1924 u. 1925. (102 u. 244 S.) 8".

Rm. 2.25 u. 4.50.

Heft 20 beginnt mit einem warmen Gedächtniswort des
Herausgebers, Gen.-Sup. D. Klingemann, auf unseren verewigten
Führer im Predigerverein, D. Eduard Simons (ich darf hier auf
meinen Aufsatz: Ein Gedächtnis rheinischer Kirchengeschichtschrei-
hung in Nr. 12 der „Evang. Gemeinde" von 1921/22 verweisen, der
Simons' Bedeutung für die Arbeit an der rheinischen Kirchengeschichte
würdigt) und bringt Simons' letzten Aufsatz: Kirchenaustrittsbewegung
in der evangelischen Kirche der
Rheinprovinz, gearbeitet auf Grund der Jahresberichte der
Superintendenten in den Synodalberichten. Die 3. K. A. B. 1910ff.,
in der Rheinland «gleich hinter Berlin steht, hat von den 33 Synoden
21 kaum berührt, 6 halten sich je unter 100 Austritten, 6 übersteigen
diese Zahl, am meisten (bis August 1921) Barmen (über 5500) und
Solingen (7800). Bezeichnend ist der Einbruch ins Wuppertal.
Gründe u. a.: Die Kirche hat es fehlen lassen an konservativem
Fortschritt, hat sich zu sehr mit der Erhaltung des Bestehenden befaßt
und das Kommende zu wenig beachtet. (Seitdem hat sich vieles
geändert!) Aktuell bleibt die Forderung Simons' nach Erneuerung der
altrheinischen Einrichtung der Altestenbe/irke und Quartiere, zumal
in den Massengemeinden. — Einen Beitrag zur biblischen Hermeneutik
gibt Sup. D. Ble i btreu-Bonn (f) in seiner etwas stark
zugespitzten Studie über Paradoxe Aussprüche Jesu. — Pfr.
em. Jüngst-Bonn (Ein Freskogemälde im Rheinland)
macht auf das von Cornelius begonnene, von seinen Schülern Götzen-
berger, Förster und Hermann vollendete Wandbild in der Bonner Aula:
Die Theologie aufmerksam. — Pfr. de H a a s - Essen bietet zum 50.
Todestag des Dichters eine Studie über Fritz Reuters religiöse
Weltanschau ung. — Über die französische Fremdherrschaft
und die Kirchenverfassung des Protestantismus
auf dem linken Rheinufer 1789—1 8 1 4 handelt
in einer ursprünglich für das ganze Rheinland geplanten Arbeit Dr.
H. S to rk e b a u m - Neuwied. Während vor Napoleon die französische
kirchliche Gesetzgebung die Trennung und den nicht mehr
öffentlichen Charakter des Kirchenwesens betont, setzt mit Napoleon
in wachsendem Maße das „josefinische Staatskirchentum" ein, das
die Kirche für den Staatszweck nutzbar macht. Die Organischen