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Ausgabe:

1927 Nr. 10

Spalte:

222

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bezold, Carl

Titel/Untertitel:

Ninive und Babylon. 4. Aufl., bearb. v. C. Frank 1927

Rezensent:

Meissner, Bruno

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 10.

222

Christus und der übrigen „symbolkräftigen" Wirklich- Für die Predigt und für das liturgische Lesen dürften

keit zu verschwimmen scheint, so auch die Grenze | sich hier eine Reihe von Regeln ergeben, die mindestens

zwischen den Sakramenten, in denen das Berufen des als Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung dialektischer Entgeschichtlichen
Jesus unter uns aktuelle Gegenwart wird, gleisungen im Tonfall Beachtung verdienen würden,

und dem symbolischen, liturgischen Handeln der Kirche j Heidelberg. Martin Di beTies.

(112). Noch mehr: die Wendung von dem „Gleichnischarakter
jeder Verkündigung" (112) faßt das mündliche Bezold( Prof Dr. C: Ninive und Babylon. 4. Aufl., bearb.

Wort und die liturgische Symbolik allzu nahe zusammen. von c Frank. Mit 160 Abb., darunter 6 mehrfarb. Taf., u. e.

Zwar wird ausgesprochen: „Das Wort ist das geistigste, Karte. Bielefeld: Velhagen & Klasing 1926. (V, 179 S.) 4°. = Mono-

zugleich das persönlichste unter allen Symbolen" (90) — j graphden z. Weltgeschichte, 18. geb. Rm. 9—.

aber zugleich (50) erfährt Luther den Vorwurf, ihm Bezolds populii res Buch Ninive und Babylon, das bereits i. J.

habe das gesprochene Und geschriebene Wort SO im 1909 in dritter Auflage erschienen war, ist nach des Verfassers Tode

Vordergründe gestanden, „daß daneben die Stärkeren durch Frank einer Neubearbeitung unterzogen worden. F. bemerkt in

Versinnlichungen, Versinnbildlichungen des ewigen Wor- ! der Vorrede selbst treffend, daß in den Jahren, die zwischen der

tes kaum ernst genommen wurden'". Hier ist etwas dritten und "ert e,n Au,flage vei;flossen sind- slch auf fast allen Ge-

i , ■ j 2 r„__j„ • •__p„„|,0 j„ aa„ bieten der babylonisch-assyrischen Ku Rur unsere Kenntnisse sehr

nicht in Ordnung;. Gerade in einem Bucne, das den . j v. _ .. , .

1. ft 7, Jt, s, . , , , , 7 ,' . : vermehrt haben; trotzdem hat er sich aber bei seiner Bearbeitung
„aktuellen" Charakter des Wortes so stark betont, mußte

doch Verständnis dafür lebendig sein, daß dem zeugenden
, werbenden mündlichen Worte als Werkzeug göttlicher
Berufung nichts anderes verglichen werden kann,
daß hier jede einfache, ob auch abstufende Nebenordnung
unter einem Generalnenner bedenklich ist. Ge- j schöne Kopenhagener Oudeastatue mit erhaltenem Kopfe besitzen,

wiß will das göttliche Wort auch Leib werden — aber j und daß das 1>ariser Denkmal Sargons i in Vergleich mit den

diejenige Leibwerdung, die in einem Atem mit dem I Plastiken des ManischU,su und Naram-Sin uns doch schon inter-

. „ i •• j- j ~r • i j j„ s a:„ essante Einblicke in die Entwickelung der altakkadischcn Kunst

verkündigenden Zeugnis genannt werden darf, ist die j erfreulkh imd Ja; w ^ Haupteache an dem

möglichst eng an den alten Text gehalten und nur in ganz bescheidenem
Maße Nachbesserungen vorgenommen. Nur das Kapitel über
die Religion hat er mit einer anderen Einleitung versehen und an
eine andere Stelle gestellt und das Kapitel über die Kunst neu geschrieben
(zu dem ich bemerken möchte, daß wir jetzt doch noch die

in Jesu Liebe dienende Tat und nicht zunächst die
liturgische Symbolik (s. auch S. 165 unten).

Das sind einige Fragen, die ich aussprechen mußte,
um zu einer weiteren Klärung Anstoß zu geben. Sie
sind mir besonders ernst, gerade weil sie sich innerhalb
eines weitreichenden Einverständnisses mit den Verfassern
des Buches erheben. Die Nähe zu wichtigen Gedanken
des Buches, in die mich das Vorwort stellt, möchte
ich nicht bestreiten. Und doch könnte ich, so wie das
Buch heute lautet, nicht unter die Unterzeichner gehen.
Vielleicht kann man sagen: die Einheitslinie des Buches
und seiner Unterzeichner ist das „Protestantische" in
der evangelischen Kirche; das „Evangelische" dagegen
kommt nicht mit voller Eindeutigkeit und Kraft zur
Geltung. Dennoch bleibt die Veröffentlichung des
Buches ein wirkliches Verdienst. Mein letztes Wort
kann nur der Dank und der nachdrückliche Hinweis
auf das Buch sein.

Erlangen. P. Althaus.

Buche, ist die starke Vermehrung des ausgezeichneten Bildermaterials,

das uns besser als das geschriebene Wort in die Kultur der alten
Zweiströmeländer einführt.

Zeuthen i. M. Bruno Meissner.

König, Eduard: Die Psalmen, eingel., übers, u. erkl. Gütersloh:
C. Bertelsmann 1927. (VIII, 686 S.) gr. 8°, Rm.26—; geb. 30—.

In der 81 Seiten umfassenden Einleitung, die der
Übersetzung und Erklärung der einzelnen Psalmen vorausgeschickt
ist, behandelt der Verf. in 6 Kapiteln l.den
„Unterschied von Prosa und Poesie in der althebräischen
Literatur" ganz allgemein, 2. „die Kennzeichen der alt-
hebr. Poesie", darin auch Sprache, Stil, Rhythmus,.
Strophenbildung, Bemerkungen über den musikalischen
Vortrag der Psalmen, 3. „Einteilung der althebr. Dichtungen
nach ihrer Beziehung zu den Seelentätigkeiten und nach
ihrem Inhalt", 4. den „Ursprung der Psalmenpoesie",
darin auch über babylonischen, ägyptischen und kana-
näischen Einfluß (nur Ähnlichkeiten, aber kein genetischer
Zusammenhang), Dichterangaben (in den meisten
Fällen einwandfrei) und die Frage nach makkabäischen
Psalmen (Ps. 74 als solcher anerkannt), 5. „die Sammlung
der Psalmen" (Teilsammlungen anerkannt, aber
nicht solche der Sängerchöre; Korachiten und Asaph
sind Dichter), 6. „direkte Vorbereitung zur Erklärung
der Psalmen" durch Bemerkungen über die Versionen
(nur vereinzelte Angaben zu dem als bekannt voraus-

Klinghardt, H.: Sprechmelodie und Sprechtakt. 2. Abdruck.
Mit e. Geleitwort v. Max Walter. Marburg: N. G. Elwert
1925. (34 S.) gr. 8°. Rm. 1.20.

„Sprechtakte sind kleine Wortgruppen, die man
verständigerweise nicht weiter teilen kann". Der „Meister
des Intonationsverfahrens" Klinghardt hat in der vorliegenden
Abhandlung, die zuerst in den „Neueren

Sprachen" erschienen ist, die Gruppierung der Sprech- j gesetzten Stoff) und Skizzierung der Auslegungsge-
takte innerhalb der Sprechmelodie im Französischen, j schichte (im wesentlichen nur Aufzählung der Korn-
Englischen und Deutschen untersucht mit dem ausge- i mentare).

sprochenen Zweck, dadurch dem Unterricht in den Schon diese Inhaltsangabe charakterisiert das Werk,
neueren Sprachen eine neue Hilfe zuzuführen. In der Man vermißt alle an moderne Problemstellungen an-
Tat scheinen mir die hier vorgetragenen Beobachtungen, knüpfenden Erörterungen zur Grundlegung des sach-
über die ich nur als Laie urteilen kann, sehr wesentlich. liehen Verständnisses der Psalmen, insbesondere über
Daß der französische Sprechtakt eine aufwärtsgehende i die Frage der Individual- und Gemeindepsalmen, Vernichtung
hat ohne besondere Verstärkung auf einzelnen j wendung der Psalmen im Tempel- und Synagogenkult,
Silben und mit einem großen Sprung nach unten beim J kultischen Ursprung von gewissen Psalmengattungen.
Abschluß, diese Einsicht dürfte manchem helfen, ein an Damit aber ist das Urteil gegeben, daß der Kommentar
und für sich korrektes Französisch in ein französisches ; nicht geeignet ist, das sachliche Verständnis der Psalmen
Französisch zu verwandeln, und das ist heute, wo der | wirklich zu fördern oder auch nur die Leser über den
Aufenthalt in der Fremde nicht jedem Neuphilologen ge- i gegenwärtigen Stand der Psalmenforschung ausreichend
boten werden kann und also die Möglichkeit, durch Imi- | zu orientieren und ihm zu einer begründeten Stellung-
tation zu lernen, für viele wegfällt, ein nicht zu unter- ! nähme zu verhelfen. Wenn später in der Besprechung
r4eriatZender Vorteil. Für den Deutschen, zumal für den der Einzelpsalmen hier und da jene Fragen berührt
(ri h durfte die andere Beobachtung wichtig sein ; werden (z. B. bei Ps. 23 die Frage nach der Auffassung
l 'e. schon von Sievers gemacht wurde und vom Verf. i des „Ich", bei Ps. 99 die nach Psalmen zum Thronbe-
ße T wird)> daß Norddeutschland durch Höherlegen steigungsfest Jahwes), so geschieht das viel zu sehr
ri h t-6* nervürnebt> Süddeutschland in der Regel im Anmerkungscharakter und in Anknüpfung an eine

auren lieferlegen, daß aber die norddeutsche Sprech- Einzelstelle, während jene Fragen doch nur bei
meiodie in Süddeutschland „das Rednerpult erobert" hat. fassender Erörterung des Gesamtmaterials geklärt

um-
wer-