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Ausgabe:

1927 Nr. 8

Spalte:

182

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Braubach, Max

Titel/Untertitel:

Max Franz von Österreich, letzter Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster 1927

Rezensent:

Ficker, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 8.

182

weder inhaltlich scharf gegeneinander abgegrenzt,
noch — das hängt natürlicn mit dem ersteren zusammen
— durch Überschriften gekennzeichnet hat.

Abschnitt I, S. 1—25, handelt von Luthers Verständnis der
Buße und den Anfängen seiner reformatorischen Erkenntnis; II, S.
25—30, von seinem Verhältnis zur Mystik in besonders gegen die
moderne Anthroposophie gerichteter Zuspitzung; III, S. 30—39, von
Luther als Prediger der Buße und Demut, vornehmlich in seinen
seelsorgerlichen Bemühungen; IV, S. 39—44, von seinem positiven Verhältnis
zur Welt; V, S. 44—48, von der Herausbildung seines Gegensatzes
zur Kirche; VI, S. 49—62, von seiner neuen Stellung zu der
„Gottesmutter". Doch erschöpfen diese Stoffangaben den Inhalt der
Abschnitte oft nicht, und ebenso wenig die Abschnitte den hier inbezug
auf sie hervorgehobenen Stoff. Ich glaube dem Verfasser selbst würde
es schwer sein, ganz zutreffende Überschriften für seine Abschnitte
zu finden.

Wissenschaftlich möchte ich in materieller
Hinsicht hier nichts bemängeln. Die „eigenen
Wege" hat den Verfasser, wenn ich nicht irre, der Einfluß
Karl Barth's finden lassen. Manches rückt dabei
in scharfe und richtige Beleuchtung. Doch kann ich,
um von Einzelheiten zu schweigen, weder die Formulierung
, daß „Luther im Grunde der Mönch geblieben
ist, der er mit 22 Jahren wurde" (S. 7), noch die andre,
daß bei ihm im Unterschied von der Mystik „auch der
Mensch selbst als Welt erkannt sei" (S. 18), für ein- j
wandfrei halten. — In formaler Hinsicht aber, das
kann ich nicht verschweigen, hat der Verfasser dem
wissenschaftlichen Gewände seines Büchleins im Druck j
nicht die nötgie Aufmerksamkeit geschenkt.

Das zeigt sich bei den Stellennachweisen. Gleich auf der ersten
Seite (S. 7) muß es in Anm. 2 statt „letzte" These heißen „die 2 j
letzten"; S. 12, Anm. 12, ist nach E. A. 14, 185 eine Predigt benutzt,
deren Nachschrift (W. A. 45, 152, f) eben das nicht bietet, was .
zitiert wird; ebenda Anm. 13 ist nach E. A. 19, 323, erste Aufl., eine
Predigtstelle benutzt, die nach W. A. 36, 370, 36 ff hätte zitiert werden
können; S. 13 wird das lange, nur durch eine kurze Zwischenbemerkung
in zwei Teile geschiedene Zitat aus W. A. I, 105, 14—31, ttndeut- I
lieh, weil ihm zwei Stellennachweise (14 u. 15) beigegeben sind,
deren zweiter erst 3 Zeilen später (Z. 1 v. u.) seine rechte Stelle
hat, und weil die Schriftzitate in dem Zitat nicht durch andere Anführungszeichen
(«») gekennzeichnet sind; S. 29 bietet Anm. 8 eine i
schwerverständliche Abkürzung: E. o. el. (= E. A., opp. exeg. lat.), !
Anm. 11 hätte am Schluß des zweiten Absatzes ihre richtige Stelle 1
gehabt, und da, wo die Nummer 11 im Texte steht, muß mit ,,12" auf j
einen neu einzufügenden Stellennachweis „E A. var. arg. IV, 476, thes.
37" hingewiesen werden; S. 42 weist Anm. 4 („W. A. I, 365") ins
Leere; es muß „Br. I, 54 f" heißen.

Die Übersetzung von „praesulari" durch „als Würdenträger
einherzutragen" (S. 47, Z. 14f v.u.) ist wohl
nur durch einen Druckfehler unverständlich geworden.
Man wird „einherzutraben" lesen müssen.

Halle (Saale). Friedrich Loofs.

Glffey, Johannes. Ernst Gottlieb Woltersdorf. Ein evangel.

Sänger u. Seelsorger in seinem Werk und Lied. Barmen: E.

Müller 1925. (414 S. m. Abb.) 8°. geb. Rm. 7.50.

Der Vf. verfolgt eine erbauliche Absicht: er möchte W., einen
der gesündesten und ansprechendsten Spätpietisten, in seiner Lebensarbeit
und seinen Liedern den heutigen Frommen nahebringen. Er
zeichnet kein Zeitbild, sondern verfährt biographisch, wobei er das im
Ganzen feststehende Lebensbild W.'s durch Einzelzüge bereichern
kann und durch fleißige Verarbeitung des vorhandenen Stoffes weiter
abrundet. Vollständigkeit ist nicht erstrebt, auch in dem Verzeichnis
der Druckschriften W.'s nicht. Die Beurteilung ist die eines Gesinnungsgenossen
, doch so, daß die Schranken und Schwächen W.'s,
die z. T. in seiner Zeit begründet sind, nicht verdeckt werden.

In der Tat verdient das vorbildliche Leben und Wirken W.'s im
Gedächtnis bewahrt zu werden, auch über das Andenken hinaus, das
ihm durch seine Mitbegründung und erfolgreiche Leitung des Bunz-
lauer Waisenhauses in der Geschichte der Liebes- und Erzichungs-
titigkeit seiner schlesischen Heimat gesichert ist. Insbesondere erscheint
die Art, wie er kirchliche Haltung mit intensiver Gemcin-
schaftspflege verbindet, noch heute musterhaft. Sie hat ihn nicht
nur davor behütet, in die Wirren der benachbarten Herrnhuicr
verstrickt zu werden, sondern ihm auch geholfen, bei aller Weichheit
und Beweglichke.it seines Wesens zu frühzeitiger Reife und Geschlossenheit
zu gelangen, so daß sein kurzes Leben den Eindruck
inniger und lauterer pietistischer Frömmigkeit hinterläßt. Das Altern
des Pietismus wird bei ihm fast nur in der Breite und Lehrhaftigkcit

seiner Ergüsse sichtbar. Vielberufen ist sein Lied von der Kirche
mit seinen 263 Strophen, das längste „Lied" der evangelischen
Kirche. G. bietet in einem Anhang u. a. 55 Lieder W.'s in Auswahl;
auch er muß auf einen vollständigen Abdruck derselben verzichten,
obwohl ihm daran gelegen ist, den geistlichen Gedichten W.'s in
Gemeinschaftskreisen wieder Bahn zu machen. Daß er mit seinem
Wunsch nach Vermehrung der Zahl W.'scher Lieder im Gemeindegesangbuch
Erfolg haben werde, muß man ernstlich bezweifeln.
W. ist Prediger-Dichter, und seine allermeisten Dichtungen sind
zu zeitgebunden. Daß die Hoheliedpoesie, der mit andern auch W.
huldigt, auf Bernhard von Clairvaux zurückweist, hat der Vf. richtig
gesehen; unausrottbar aber, wie es scheint, ist der Irrtum, daß wir
diesem die Lieder „O Haupt voll Blut und Wunden" und „Jesu,
Deiner zu gedenken" (S. 171) verdanken. Hätte der Vf. versucht, eine
Charakteristik des Spätpietismus zu geben, so hätte er auch der Frage
nicht ausweichen können, ob etwa bei W. vereinzelt und unbewußt schon
Vorklänge der nahenden Aufklärungsarbeit zu entdecken sind.

Marburg (Lahn). Rudolf Günther.

Braubach, Priv.-Doz. Max: Max Franz von Österreich, letzter
Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster. Versuch e. Biographie
auf Grund ungedruckter Quellen: Münster i. W.: Aschendorff
1925. (486 S. m. e. Abb.) 4°. Rm. 15—; geb. 17—.

Diese stattliche Biographie des jüngsten Sohnes
der Kaiserin Maria Theresia ist gearbeitet aufgrund eines
Teiles der im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegenden
Aktenbestände, weiter aufgrund der im Düsseldorfer
Staatsarchiv erhaltenen kurkölnischen Aktenbestände
und der im Staatsarchiv Münster liegenden umfangreichen
eigenhändigen Korrespondenz Max Franzens
mit dem geheimen Referendar für Münster Druffel aus
den Jahren 1794 bis 1801 mit Hinzuziehung anderer in
rheinischen Bibliotheken und Archiven (Bonn, Köln)
liegenden Archivalien und einer reichen Literatur, die
S. 460—468 verzeichnet ist. Die selbständige Durchforschung
des Wiener Archivs hat sich infolge der
Inflation verboten, und auch nur eine Sendung des Wiener
Archivs an das in Münster konnte verwertet werden,
da weitere Sendungen in der Not der Zeit zu teuer gekommen
wären. Doch enthält die erste Sendung die
eigenhändige Korrespondenz des Kurfürsten mit dem
Grafen Metternich aus den Jahren 1782, 1784—1786 und
1789—1792, mit dem Freiherrn von Schall aus den
Jahren 1794 bis Anfang 1799 und mit dem Kabinets-
sekretär Floret aus dem Jahre 1797. Aufgrund dieses
reichhaltigen und authentischen Materials konnte das gut
und interessant geschriebene Werk geschrieben werden,
das zwar nach dem eigenen Urteil des Verfassers noch
nicht die erschöpfende Biographie bietet und in Hinsicht
auf die Friedensarbeit Max Franzens nach mancher
Richtung noch der Erweiterung und Vertiefung bedarf
(S. 8), aber doch das Bild des Regenten wie des
Menschen in den wesentlichsten Zügen klarstellt. In
3 Teilen werden Leben und Tätigkeit des Mannes geschildert
. Der erste Teil handelt von seiner Jugend bis
zu seinem Regierungsantritt in Köln und Münster; der 2.,
Arbeit überschriebene Teil schildert im Wesentlichen
seine innere Politik; der 3., umfangreichste, Schicksal
überschriebene Teil handelt von dem Zusammenstoß mit
der französischen Revolution. Das Ganze gibt ein höchst
anziehendes Bild eines aufgeklärten Kirchenfürsten des
18. Jahrhunderts, der trotz aller körperlichen Hemmungen
erstaunlich fleißig und tätig gewesen ist und
auch seine Zeit bis zu einem gewissen Grade begriffen
hat, aber untergehen mußte, weil die Zeit der geistlichen
Fürstentümer vorbei war. Wenn auch der Hauptteil
der Arbeit der politischen Geschichte zugute kommt,
so ist doch dem Interesse der Kirchengeschichte überall
Rechnung getragen. Die Stellung des Kurfürsten
zur Aufklärung, zur Universität Bonn, zum Febro-
nianismus, zur römischen Frage wird eingehend geschildert
.

Kiel. G. F ick er.

Houtin, Albert: Une grande Mystique: Madame Bruyere,

Abbesse de Solesmes. Paris: F. Alcan. (316 S.) schw.Fr. 20_

Die Heldin des vorliegenden, in mehr als einer
Hinsicht äußerst lehrreichen Werkes war Äbtissin des