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Ausgabe:

1926 Nr. 17

Spalte:

455

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eberhard, Otto

Titel/Untertitel:

Evangelische Religion. - Katholische Religion. - Philosophie 1926

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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455

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 17.

456

Faut, Lic. Dr. Adolf: Romantik oder Reformation ? Eine Wertung
der religiösen Kräfte der Gegenwart. Gotha: F. A. Perthes 1925.
' (VIII, 176 S.) 8°. geb. Rm. 4—.

Die Fragestellung dieses Büchleins ist nicht eine systematisch
orientierte wie etwa in E. Brunners Münchener Vortrage, vielmehr
handelt es sich um einen Überblick über die derzeitigen religiösen
Strömungen, die als ,,romantisch" erscheinen gegenüber der „Reformation
", unter der eine allgemeine Erneuerung in ziemlich verschwommenen
Linien verstanden wird. Denn wie in der Regel, das
Kritisieren ist leichter als das Bessermachen, und man wird den
Überblick gerne nutzen. Nach einer orientierenden Einleitung werden
behandelt: Spiritismus, Christian Science, Bahaismus, die indischen
Religionen, Theosophie, Anthroposophie, Katholizismus, Protestantismus
, speziell der religiöse Sozialismus (wobei aber die Schweizer nicht
nichtig nuanziert sind), Schrempf, Johs. Müller, Barth und Gogarten
(die vier unter dem Titel: die Gottesfrage), die Lage der evangelischen
Kirche. Wenn nun für die „Reformation" die Parole ausgegeben
wird: „Die Aufgabe ist nicht mehr die, Religion und Kultur, Glauben
und Wissen zu versöhnen. Was wir brauchen, das ist der Erweis einer
religiösen Kraft, die der ganzen Kultur lebenschaffenden Boden
gibt" (S. 159), so ist dieser Gegensatz schief, sofern das Letztere
doch eine Versöhnung von Religion und Kultur ist. Ohne eine solche
wird es nicht gehen, es kommt nur auf das Wie? an.

Zürich. _W. Köhler.

Eberhard, Stud.-Dir7schulr. D. OttoTEvangelische Religion. —
Katholische Religion. Von Schulleiter Dr. Franz Ranft. — Philosophie
. Von Priv.-Doz. Dr. Hermann Johannsen. Frankfurt
a. M.: Diesterweg 1925. (VII, 119 S.) gr. 8°. = Handbuch d.
Arbeitsunterr. f. höh. Schulen, H. 3. Rm. 4.20.

In schöner Eintracht stellen ein evangelischer und
ein katholischer Schulmann dar, wie sich der Religionsunterricht
in der Weise der Arbeitsmethode zu gestalten
hat. Unermüdlich, vielleicht aber auch ebendarum
in leider oft gesuchter und geschraubter Sprache bringt
Eberhard die Gedanken vor, die wir ihm verdanken:
Erziehung zur Betätigung in Lied, in Schul- und Kirchengemeinschaft
, in sozialethischer Gesinnung; diese Betätigung
aber, weil es Religion ist, eingeschränkt oder ergänzt
durch das Erlebnisprinzip, das Beseelung der
Erzählkunst, Weckung des Verständnisses für die religiösen
Lebensideale u. s. w. verlangt. Der katholische Bearbeiter
geht viel mehr ins Praktische hinein. Er kann
darauf verweisen, daß seine Kirche stets großen Wert
auf das Einüben gelegt hat. Er spricht die äußeren
und die innern Formen der Selbstbetätigung durch und
behandelt dann die einzelnen Stoffe auf den verschiedenen
Stufen. Verständlich ist seine Verwahrung dagegen
, daß es sich nicht um die Erarbeitung einer
neuen Religionsweise, sondern um das Verständnis der
gegebenen handle. Vortrefflich sind die Sätze, die die
Fuldaer Bischofskonferenz über die Arbeitsschulidee aufgestellt
hat.

■ Marburg. F. Nie bergall._

Meitzer, Ob.-Studienr. Dr. Hermann: ReligionsgeschichtHcher
Unterricht mit besonderer Berücksichtigung der nicht-
christlichen Religionen. Meißen: H. W. Schlimpert 1924.
(256 S.) gr. 8°. Rm. 4.20; geb. 4.80.

Dies Buch kann ich nur mit gemischten Gefühlen anzeigen.
Hermann Meitzer ist ein Mann, dem die Religionspädagogik viel
zu verdanken hat. Er hat wertvolle Anregungen für lebendigen geschichtlichen
Unterricht gegeben zu einer Zeit, wo das religionspädagogische
Land weit hin noch vom Nebel der Stagnation bedeckt war.
Auch das vorliegende Buch hat seine zweifellosen Verdienste. Aus vielseitiger
, durch fleißige Quellenstudien erworbener Kenntnis gibt es dem
Religionslehrer reichhaltiges religionsgeschichtliches Material mit praktischen
Winken zu seiner Verwertung. Aber schon hier habe ich gewisse
Bedenken. Aus dem Talmud sind soviel „Perlen" zusammengestellt
, daß der unkundige Leser von der eigentlichen Tendenz des
rabbinischen Judentums eine einseitige, viel zu günstige Vorstellung
bekommt. Als Vertreter griechischer Religion würde ich statt So-
krates lieber Plato wählen. Er ist der eigentliche homo reljgiosus. Die
Größe des Sokrates liegt auf anderem Gebiete. Aber hier offenbart
sich wohl die dem Verfasser eigene Auffassung vom Wesen der
Religion, die ihrer Tiefe nicht voll gerecht wird. Das empfinde ich
auch bei der Darstellung Luthers, der, wenn ich es etwas grob ausdrücken
darf, zu sehr im Geiste der Aufklärung verstanden ist. Mein
Hauptbedenken aber richtet sich gegen, die grundsätzlichen Ausführungen
der Einleitung: „Religionsgeschichte als Unterrichtsgegenstand".
Der Verfasser lehnt den „Radikalismus der Linken" ab, der keinen besonderen
Religionsunterricht erteilen und die religionsgeschichtlichen
Stoffe nur gelegentlich in anderen Unterrichtsfächern behandeln will.

Ebenso auch den vermeintlichen „Radikalismus der Rechten", der
durch konfessionelle Schulen und konfessionellen Religionsunterricht
unser Volksleben und unser Schulwesen zerreiße. Stattdessen vertritt
er das Ziel „einer weltlichen Schule mit religionsgeschichtlichem
Unterricht", der in besonderen Stunden zu erteilen ist. Dieser Unterricht
soll „durch Vorführung konkreten Tatsachenmaterials Verständnis
für einen bedeutsamen Teil der menschlichen Kulturentwicklung vermitteln
". „Da er alle großen Erscheinungen der Religionsgeschichte
vorführt, und zwar quellenmäßig, ist damit von vorneherein einem
einseitigen Beeinflussen vorgebeugt, in dem der Schüler doch das, was
ihm von alledem gemäß und wofür er empfänglich ist, sich innerlich
aneignen, anderes ablehnen oder auf sich beruhen lassen wird." „Die
Verschiedenheit der Standpunkte, die die Kinder bei diesem und jenem
Lehrer erfahren, wird ganz heilsam wirken, indem sie so die Mannigfaltigkeit
des Lebens kennen lernen und damit vor Einseitigkeit überkommener
Vorurteile und schnellfertigem Nachsprechen bewahrt werden
." Dieser letztere Satz möchte angängig sein, wenn er sich auf
verschiedene Standpunkte evangelischer Auffassung des Christentums
bezieht. Der Verfasser denkt aber dabei an „Katholiken und Protestanten
, Altgläubige und Moderne, Vermittelnde und Radikale, Kirchliche
und Unkirchliche". Aber ein solches Durcheinander kann
m. E. Kinder nur irre führen und dient nicht dazu, die ,.spätere
eigene freie Entscheidung vorzubereiten". Eine solche Pädagogik würde
ich nicht einmal empfehlen, wenn es sich um rein theoretische Fragen
der Weltanschauung handelte. Im Religionsunterricht aber handelt es
sich um ein anderes, um mehr! Da muß ich diese Methode erst recht
ablehnen. Menschlich zu verstehen vermag ich diesen pädagogischen
Irrweg; er erklärt sich aus bitteren Lebenserfahrungen des Verfassers
und aus der unglücklichen Lage des Volksschulwesens in Sachsen.
Hannover. H. Schuster.

Pfennigsdorf, Emil: Wie lehren wir Evangelium? 2., sehr
venu. u. verb. Aufl. Leipzig: A. Deichert 1925. (XIV, 323 S.)
gr. 8«. Rm.' 10—; geb. 12—

Die zweite Auflage trägt den Fortschritten der religionspädagogischen
Arbeit Rechnung, indem sie die Kinderkunde erweitert und
einen Abschnitt über die Arbeitsschulmethode einfügt. Aufbau und
Stil des Ganzen vertragen diese Einschübe. So steigert sich der Erkenntnis
- und Gebrauchswert des ganz nach modernen Gesichtspunkten
gearbeiteten Buches. Der leitende Wertgedanke könnte noch
eine Vertiefung erhalten, wenn die Frage behandelt würde, ob, inwieweit
und mit welchen Mitteln Wertungen übertragbar seien. Dann
würde sich auch wohl eine Einschränkung der etwas sehr optimistischen
Gesamthaltung in Bezug auf die „Lehrbarkeit des Evangeliums" ergeben
. Man muß mit viel weiter gefaßten Zielen und längeren
Zeiten rechnen, wo überhaupt ein Erfolg des Unterrichtes zu erwarten
ist. Viel mehr müßten auch die irrationalen und impon-
derablen Momente betont werden, als es bei Pf. geschieht.

Marburg. F. Niebergall.

Walter de Gruyter & Co. /T Berlin W10 und Leipzig

Postscheckkonto § | Berlin NW 7 Nr. 59 533

Soeben erschien:

Pädagogik

Ethische Grundlegung und System

von

Dr. Max Wentscher

o. Professor an der Universität Bonn.

Oktav. XVIII, 386 Seiten. Geh. Mk. 14.-, geb. Mk. 16.—.

Die vorliegende Pädagogik stellt sich ihre Aufgabe in wesentlich
umfassenderem Sinn als die üblichen Lehrbümer. Aufbauend,
auf dem ethisdxen Freiheitsgedanken, greift sie in philosophisch-
systematischer Durcharbeitung ihres Gesamtgebietes weit über das
Gebiet der bloßen Jugenderziehung hinaus, lenkt das Augenmerk
hinüber in die Gebiete der Religion, der Kunst und Dichtung, der
Philosophie und der Einzelwissenschaften, des Gemeinsdiafts-
lebens und der staatlichen Organisation, kurz aller großen Angelegenheiten
der Mensdiheit, und erweitert sich letzten Endes zu
einer allumfassenden Kulturphilosophie.

__Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 4. September 1926._

Verantwortlich: Prof. D. E. Hi r s ch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.