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Ausgabe:

1926

Spalte:

434-435

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neckel, Gustav

Titel/Untertitel:

Altgermanische Kultur 1926

Rezensent:

Glaue, Paul

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. ElTianuel HfrSCh unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. 0. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermln

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. KurtDietrichSchmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. - Bezugspreis: vierteljährlich Rm. 9.—. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

-i i_l,_„ m_ 17 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in GSttingen, 71 Anfriicf IQ?fi

öl. Janrg. Im. II. Bauratgerberstr. 19, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. rauguai izavw.

Spalte

Haas, Bilderatlas zur Religionsgeschichte

(Clemen)...................433

Neckel, Altgennanische Kultur (Olaue) . .434
Burney', The poetry of Our Lord (Hempel). 435

Buonaiuti, San Paolo (Koch).......436

Michaelis, Die Gefangenschaft des Paulus
in Ephesus und das Itinerar des Timotheus

(Jülicher)...................437

Schnitzer, Peter Delfin, General des

Camaldulensordens (1444 -1525) (Koch). 441
Riekel, Die Philosophie der Renaissance

(Blanke)...................444

Köhler, Zwingli und Luther (von Schubert). 445
G i 1 g , Sören Kierkegaard (Geismar).....448

Spalte

Lehenbauer, Roughing it for Christ in the

Wilds of Brazil (Richter)..........449

W e g e n e r , Opferleben und Opfertod (Ders.). 449
Schuhmacher, Was mein einst war (Meyer). 449

Richert, Philosophie (Bruhn).......450

Brentano, Versuch über die Erkenntnis
(Knittermeyer)................450

Caspary, Geschichte der Staatstheorien im
Grundriß (Binder)..............450

Giese, Hegels Staatsidee und der Begriff
der Staatserziehung (Ders.).........451

Liertz, Harmonien und Disharmonien des
menschlichen Trieb- und Geisteslebens
(Winkler)...................453

Spalte

Matthes, Christus-Religion oder philosophische
Religion? (Schian)........453

Sternberg, Die Geburt der Kultur aus dem
Geiste der Religion (Knevels).......454

Faut, Romantik oder Reformation? (Köhler). 455

Eberhard, Evangelische Religion (Nieber-
gall).....................455

Meitzer, Religionsgeschichtlicher Unterricht
mit besonderer Berücksichtigung der
nichtchristlichen Religionen (Schuster). . . 455

Pfennigsdorf, Wie lehren wir Evangelium ?
(Niebergall).................456

Haas, Prof. D. Hans: Bilderatlas zur Religionsgeschichte.

In Zusammenarbeit mit H. Bonnet, H. Greßmann, G. Karo, W.
Kirfel, B. Landsberger, J. Leipoldt, E. Mogk, A. Rumpf, H. Zimmern
u. a. hrsg. 8. Lfg.: Die Ainu und ihre Religion von H.
Haas. Leipzig: A. Deichert 1925. (XVIII S. Text, 101 Bilder u.
3 Ktn. auf 32 Tat.) 4°. Rm. 10—.

Der von mir neulich hier (Sp. 212 f.) angezeigten
2.—7. Lieferung des Bilderatlas zur Religionsgeschichte
ist mittlerweile eine 8., von dem Herausgeber Haas
selbst zusammengestellte gefolgt, die als das Paradigma
eines noch jetzt nicht erstorbenen Primitivenkults die
Religion der Ainu behandelt. Oder vielmehr, wie ja
auch der Titel lautet, die Ainu und ihre Religion; denn,
wie schon die 2. bis 4., 6. und 7. Lieferung auch Abbildungen
brachten, die nicht unmittelbar die Religion
der Ägypter, Babylonier und Ägäer betreffen, so illustriert
Haas — z. T. auf Grund eigner Anschauung
— auch den Wohnort, die äußere Erscheinung
und gesamte Kultur der Ainu und gibt sogar ein
Bild ihres Apostels, des englischen Geistlichen Batchelor,
dem wir bisher die zuverlässigsten Nachrichten über die
Ainu verdanken. Künftig wird man sich, statt an seine
Arbeiten, in erster Linie an die Haas'sche Einleitung zu
halten haben, die erheblich ausführlicher als die zu den
bisherigen Lieferungen ausgefallen ist.

H. zeigt im Gegensatz zu B., daß die Ainu keinen höchsten
Schöpfer- und Erhaltcrgott kennen, sondern neben allerlei Naturgegenständen
gute und böse Geister verehren. Und zwar geschieht dies
teils durch verschiedene magische Gebräuche, teils durch Opfer.
Tempel gibt es nicht, wohl aber Idole (sog. Inao), die zugleich noch
eine doppelte andre Bedeutung bekommen haben. Sie werden auch
als Opfergaben an die Oötter gedacht, wohl hauptsächlich, wie dies
auch die shintoistischen Gohei ursprünglich waren, als Kleideropfer;
die Hauptfunktion der Inao ist indes die von Kommunikatibnsmedien
im Verkehr des Ainu mit den höheren Mächten, Boten, durch die
man diesen seine Anliegen übermittelt, und die die göttliche Hilfe erwirken
sollen. Und diese dreifache Bedeutung hat nun auch der Bär,
dessen Opferung das Hauptstück des Kultus bei den Ainu bildet.
Freilich könnte man, um von der totemistischen Erklärung gleich abzusehen
, diesen Gebrauch auch anders deuten; H. selbst vergleicht ja
die Ehren, die dem Bär vor seiner Opferung erwiesen werden, mit der
Verhätschelung der jungen Männer, die im präcolumbischen Mexiko
jährlich am großen Feste als Stellvertreter der Azteken- (Fruchtbar-
keits-) Gottheit geopfert zu werden bestimmt waren. Und ebenso ist
vielleicht die in Turkestan, Annam und China übliche Sitte zu er-
V rj*}ven, alljährlich einen aus Papiermache oder Terracotta nachgebildeten
Ochsen oder eine ebensolche Kuh, die vielleicht außerdem
fünf kleine Kühe oder fünf Arten von Getreide enthält, zu zerschlagen
und unter das Volk zu verteilen, das sich davon Glück verspricht
. Ja, für eine entsprechende Deutung des Bärenfestes könnte
man auch manche Züge anführen, die ihm nach der von H. in
seiner sonst so vollständigen Literaturübersicht nicht angeführten, aber
ihm natürlich bekannten Schilderung des Festes bei Frazer, The
Golden Bough3 V, 2, 180ff. anhaften, so zunächst den Umstand, daß
das später zu opfernde Bärenjunge gegen Ende des Winters (wenn
die Vegetation wieder erwacht) eingefangen und in Yezo gewöhnlich im
September oder Oktober (wenn sie erstirbt) getötet wird. Daß das
nicht in demselben, sondern erst nach zwei oder drei Jahren geschieht,
ließe sich ja daraus erklären, daß der Bär erst groß genug werden
soll, um zum Opferschmaus dienen zu können, und im allgemeinen,
ähnlich wie die auch nicht alljährlich stattfindende Tötung des Vegetationsgeistes
bei andern Völkern, daraus, daß man den Brauch nicht
mehr in seinem ursprünglichen Sinn versteht. Auf diesen Sinn könnte
endlich auch der Umstand hinweisen, daß der Bär manchmal gebeten
wird, wiederzukommen; aber eben das geschieht auch mit anderen
Tieren, die die Ainu opfern, und bei denen sonst nichts auf Erscheinungsformen
des Vegetationsgeistes hindeutet. So wird H. in der
Tat auch in dieser Beziehung mit seiner Erklärung der Ainureligion
das Richtige getroffen haben.

Bonn. Carl Clemen.

Neckel, Prof. Dr. Gustav: Altgermanische Kultur. Leipzig:
Quelle & Meyer 1925. (IV, 131 S.) kl. 8°. ==■ Wissenschaft und
Bildung, 208. geb. Rm. 1.60.

Daß der Verfasser Vorträge, die 1914 gehalten wurden, jetzt
ergänzt und umgeformt herausgegeben hat, wird ihm jeder Dank
wissen, der es als Deutscher für notwendig hält, auch die Kultur der
Germanen vor ihrer Bekehrung zum Christentum zu kennen. N. bietet
uns eine bei aller Kürze vortreffliche Einführung, die das Wesentliche
heraushebt, und, was besonders wertvoll ist, es durch Abschnitte aus
der Literatur beleuchtet und anschaulich macht. Er gruppiert den
Stoff nach der Einleitung in 4 Abschnitten; während der 1. und der
4. derselben, die kürzeren, von Alt-Germanien (seiner Natur, seinen
Grenzen, seinem Ursprung und seinen Stämmen) und von der Dichtung
handelt, schildern der 2. und 3. ausführlicher die Verhältnisse von
Gesellschaft und Staat und das religiöse Leben. Lesen wir gewiß mit
großem Interesse den klaren Überblick über die staatlichen und gesellschaftlichen
Zustände Alt-Germaniens — ich denke z. B. an die
Ausführungen über das Königtum S. 74 ff. —, in diesem Blatte sei
besonders darauf aufmerksam gemacht, daß uns hier einer der besten
Kenner die altgermanische Religion darstellt, über die ja leider gerade
auch in usrer Zeit so viele falsche oder schiefe Anschauungen
verbreitet sind.

In der Darstellung fiel mir die Häufung von Parenthesen auf,
die den Satz unübersichtlich machen z. B. S. 100. 102. In dem

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