Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1926 Nr. 13

Spalte:

340-342

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Recherches de Science Religieuse. Tome XV, 2 - 6 1926

Rezensent:

Koch, Hugo

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

339

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 13.

340

selbe weit von jenen Stätten suchen muß. Soweit ist es gekommen
durch das Einströmen der arabischen Händler, welche jedes auch noch
so starke Volk einem unausbleiblichen Untergange zuführen. Schade
um so ein Volk, das auch einer Zivilisation fähig wäre. Diie
Schilluk und jedes noch nicht moralisch heruntergekommene Volk hat
Anlagen, um eine Kultur, wenn auch langsam doch sicher in sich
aufnehmen zu können. Um so ein Volk zu neuem Leben und zur
Arbeit zu erwecken, muß man ihnen aber das Todesinstrument aus
der Hand reißen, will man nicht später einmal ein ganz verseuchtes
und syphilitisch verdorbenes Volk vor sich haben, das den Anforderungen
einer Kultur nicht mehr entsprechen kann" (S. 298f.).

Die Arbeit eines katholischen Missionars, dem wir
schon das Werk „Grundlinien einer Vergleichung der
Religionen und Mythologien der austronesischen Völker
" verdanken, ist auch der andere hier vorzustellende
Band der gleichen Schriftenreihe. Sein Autor ließ sich
angelegen sein, den Schatz von Sagen und Dichtungen
zu heben, in denen der Volksglaube eines Melanesier-
stammes, auf den die Kulturtätigkeit der Europäer bis
heute nur erst ganz geringen Einfluß ausgeübt hat, sich
zur Aussprache bringt. P. August Kleintitschen
führt mit dieser vorbildlich angelegten Publikation eine
Sammeltätigkeit fort, die vor ihm schon Joseph Meier
und Otto Meyer, beide Missionspatres M. S. C, (Mythen
und Erzählungen der Küstenbewohner der Gazelle-Halbinsel
, Neu-Pommern, und: Mythen und Erzählungen der
Insel Vuatom) aufgenommen hatten. Die von ihm in
langen Jahren mit Hilfe eines gedächtnisstarken blinden
Eingeborenen zusammengebrachten Fabeln, ein sehr
reiches Material, sind sämtlich im Urtext und mit deutscher
Übersetzung gegeben. Das zum Verstehen von Einzelheiten
in den mitgeteilten Texten Erforderte bieten
erklärende Fußnoten, mit denen nicht gekargt ist. Außerdem
sind, eine sicherlich von jedem Interessenten dankbar
begrüßte Zugabe, die einzelnen Abschnitte, in die
der Sammler seinen Stoff eingeteilt hat, mit erläuternden
Abhandlungen eingeleitet. Die Fabeln selbst beziehen
sich zumeist auf die verschiedenen Arten von

feglaubten Geistern, die der Menschen Seelen bei ihrem
terben als neue Genossen in ihre Jenseitsregionen einholen
. Aufmerksam gemacht sei auf den ersten Abschnitt
des Werkes, der die Sagen über das mythologische
Brüderpaar To Kabinana und To Purgo betrifft
. Dies darum vor allem, weil auch hier wieder von
dem Höchsten Wesen die Rede ist, dessen ursprüngliche
Funktionen nach dem Verfasser heute fast alle
auf die genannten beiden Kulturheroen übergegangen
sind. Der Menschenschlag, den dieser Band genauer
kennen lehrt, steht ethisch merklich niedriger als der
am weißen Nile domizilierte, den das Werk von Hof-
mayr uns näher gebracht hat.

Leipzig. H. Haas.

Landersdorf er, Abt. S.O.S.B.: Die Kultur der Babylonler
und Assyrer. 2. neubearb. Aufl. Mit 32 Tafelbildern u. 1
Karte. München: J. Kösel fcv. F. Pustet 1925. (IX, 242 S.) kl. 8°.
= Sammlung Kösel 61. geb. Rm. 4—.

Abt Landersdorfer hatte bereits im Jahre 1913 einen
Abriß der babylonisch-assyrischen Kultur veröffentlicht.
Daß das Büchlein recht brauchbar war und vielen Nutzen
gestiftet hat, zeigt der Umstand, daß jetzt eine neue
Auflage notwendig geworden ist. Der Verfasser hat
überall nachgebessert und die neuesten Ergebnisse der
Forschung verarbeitet; speziell die Chronologie und die
politische Geschichte ist einer durchgehenden Revision
unterzogen worden. Ein weiterer Vorzug der neuen Bearbeitung
ist die Ersetzung der ziemlich unschönen Strichzeichnungen
der 1. Auflage durch gut ausgewählte Autotypien
auf Kunstdruckpapier. In flotter Darstellung gibt
der Verfasser ein anschauliches Bild der Kultur jener
alten Völker in 14 Kapiteln (1. Der Schauplatz der babylonischen
Kultur; 2. Die Wiederentwicklung der alten
Kulturwelt; 3. Die politische Entwicklung Babyloniens
und Assyriens; 4. Die babylonische Kultur im allgemeinen
; 5. Die Landwirtschaft; 6. Handel und Verkehr;
7. Staatsform und Staatsverwaltung; 8. Das Rechtswesen;

9. Das Kriegswesen; 10. Die babylonisch-assyrische
Gesellschaft; 11. Die babylonisch-assyrische Religion;
12. Wissenschaft und Bildung; 13. Schrift, Sprache und
Literatur; 14. Kunst und Kunstgewerbe), das allen billigen
Anforderungen entspricht und wohl geeignet ist, weitere
Kreise für diese Studien zu interessieren.

Berlin. Bruno Meissner.

Witzel, P. Maurus, O. F. M.: Perlen sumerischer Poesie in

Transcription u. Ubersetzung m. Kommentar. Fulda [ Frauenberg |:
Selbstverlag; f. d. Buchh. durch Fuldacr Aktiendruckerei 1925.
(VIII, 170 S.) gr. 8°. = Keilinschriftldche Studien, Heft 5.

Rm. 10—; dir. durch d. Verf. 8—,

P. Maurus Witzel, dem wir schon so viel Arbeiten
auf dem Gebiete der sumerischen Sprachwissenschaft
verdanken, schenkt uns hier die Bearbeitung einer Reihe
besonders schöner sumerischer Hymnen, die zwar zum
größten Teile bereits früher bekannt waren, deren Verständnis
er aber in seinem Buche doch wesentlich gefördert
hat; denn die Übersetzungen Bartons und auch
Langdons lassen doch manchmal recht viel zu wünschen
übrig. Besonders interessant ist W.'s Nachweis,
daß diese Poesien im (3-, 4-, 5- etc. zeiligen) Strophen
gedichtet sind, also der Form nach mit der babylonischen
und israelitischen Poesie zusammenhängen. Neben einem
Weltschöpfungsliede, in dem nach Aufzählung des Zu-
standes der Unkultur im Anfange der Welt berichtet
wird, wie Enki und Eibl die Herden, das Brotgetreide
und die Götterkulte geschaffen haben, und mehreren
Liedern an verschiedene Gottheiten (Enki; Urasch; Istar;
Nina; Eibl; Ba'u) werden mehrere Hymnen an deifi-
zierte Könige z. B. Schulgi; Lipit-Istar; Ur-Ninurta und
Ischbi-Era gegeben; dieser letzte hat übrigens auch geschichtliches
Interesse, weil in ihm auf die Vertreibung
Ibi-Sins, des letzten Königs der 3. Dynastie von Ur
und die Gründung der Dynastie von Isin angespielt
wird. Der hierbei erwähnte Omentext Rm. 2, 174 ist
übrigens nicht unpubliziert, sondern von Virolleaud,
L'Astrologie chaldeenne, 2. Suppl. LXVII veröffentlicht
; vgl. dazu auch Americ. Journ. of Semit. Languag.
40,186.

Im Einzelnen könnte man natürlich bei der Übersetzung
dieser schwierigen Texte vielfach anderer Meinung
wie W. sein; aber diese Minutien würden die Leser
dieser Zeitung nicht interessieren.

Berlin. Bruno Meissner.

Recherches de Science Religieuse. Tome XV, 1925,2-6. (Avril-
Decembre). Paris (Place du President-Mithouard 5).

Das 1. Heft dieses Jahrgangs liegt mir nicht vor. Nach dem
Hauptinhaltsverzeichnis am Ende des 6. Hefts enthält es eine Abhandlung
von G. de Broglie ,Über die Stellung des Übernatürlichen
in der Philosophie des hl. Thomas', und eine solche von Galtier
über ,Die Lehre der Väter über die Visio beatifica bei Christus'.

Im 2. Heft beginnt ein Aufsatz von Leb re ton über die
Trinitätslehre des hl. Ignatius von Antiochien (S. 97—126), der im
5. Heft (S. 393—419) beendigt wird. Er scheint ein Kapitel aus
einem größeren Buche zu sein, wiewohl hierüber nichts angegeben ist.
L. findet Ignatius von Paulus (auch vom Hebr.brief), besonders aber
von Johannes beeinflußt. Seine Zugehörigkeit zu der von Loofs angenommenen
vorapologetischen ^monotheistisch - dyophysitischen' Linie
lehnt er ab, da Ignatius zwar die Einheit des göttlichen Wesens,
aber auch die ewige Sohnschaft Christi (nicht die Sohnschaft erst bei
der Menschwerdung) lehre. L. betrachtet die Lehre des Ignatius
zu sehr von hinten her, vom Nicaenum aus. So gelingt es ihm auch,
die Anschauung des Ignatius vom Geist in rechtgläubigem Sinne zu
deuten. Nur bei dem ungelegenen üyivvr^tig (ad Eph. 7, 2) erinnert
er sich rechtzeitig, daß die vornieänischen Bezeichnungen noch andere,
unbestimmtere waren. Smyrn. 3,3 scheint mir bei L. ebensowenig wie
anderwärts richtig gewürdigt zu sein. Wenn es da heißt: /xeza de
imr (tvuoiuoiv ovxiipayiy ttvzoig *«» ovvinitv mg oufixixüg,
xatnep nvevucezixmg ^ymptixog zm 7r«rpt, so wird damit
wohl ausgedrückt sein, daß auch nach der Auferstehung Jesu Leiblichkeit
immer noch Leiblichkeit war und blieb, obwohl sie bereits
in den Zustand himmlischer Geistigkeit aufgenommen war (Auferstehung
und Himmelfahrt ein Vorgang). Nur so kommt die Stelle
mit ihrer Betonung von ptira rre «xilaraoiv zu ihrem Recht gegenüber
Magn. 7, 1, wo es von Jesus vor seiner Auferstehung heißt: