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Ausgabe:

1926 Nr. 12

Spalte:

330

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lüthi, Karl J.

Titel/Untertitel:

Führer und Katalog in die Ausstellung „Die Bibel in Wort und Bild im Laufe der Zeiten von Land zu Land“ 1926

Rezensent:

Clemen, Otto

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829

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 12.

330

sammengestellt worden ist, zu tun hat. Weiter ist wichtig
, daß Th. nachweist, daß David nicht abhängig sein
könne von dem Neuplatonismus im Allgemeinen und
von Johannes Scotus Eriugena im Besondern. Ebenso
ist die Abhängigkeit Davids von Alexander von Aphro-
disias, von dem ihn Albert d. Große abhängig sein läßt,
wenig wahrscheinlich. Dagegen ist David zu verstehen
als ein Schüler des Aristoteles; er ist einer der ersten,
der die neuen Übersetzungen der Physica, Metaphysica,
de anima las und verarbeitete. Albert d. Gr. weist ihm
darum, und das ist der Hauptzweck seiner Polemik gegen
ihn, nach, daß er Aristoteles falsch verstanden habe, und
kämpft für die Aufnahme des richtig verstandenen
Aristoteles. David ist kein Theologe, er ist reiner Dialektiker
, darum auch wohl als Professor der Artistenfakultät
in Paris anzusehen. Die Schrift Therys führt gut ein in
die wissenschaftlichen Bestrebungen des ausgehenden
12. und des 13. Jahrhunderts und ist ein wertvoller Beitrag
zur Geschichte der geistigen Strömungen an der
Universität Paris im Anfage des 13. Jahrhunderts.

Die Korrektur griechischer Worte und der Titel
deutscher Bücher könnte sorgfältiger sein.

Kiel. O Ficker.

Burdach, Konrad: Vorspiel. Oesammelte Schriften z. Geschichte
d. dtschn. Geistes. I. Bd., 2. Teil: Reformation u. Renaissance.
Halle a. S.: M. Niemeyer 1925. (XI, 282 S.) gr. 8°. = Dtschc
Vierteljahrsschrift f. Literaturwissensch. U. Geistesgesch. Buchreihe,
2. Bd. Rm. 14—; geb. 16.50.

Mit erfreulicher Raschheit ist dem 1. Teil des
1. Bandes von Burdachs Vorspiel (vgl. diese Zeitung
1926, Nr. 4) der zweite gefolgt, von dem ich annehme,
daß er in noch stärkerer Weise die Leser fesseln wird
als jener. Handelt es sich doch hier noch viel mehr um
die eigentliche Lebensaufgabe des Verfassers, die durch
den Obertitel: „Deutsche Sprache und Bildung während
der Reformation und der Renaissance" gekennzeichnet
ist. Es ist mir noch in der frischesten Erinnerung, als
ich zum ersten Male Burdachs Hauptwerk „Vom Mittelalter
zur Reformation", zuerst 1891/93 erschienen, als
junger Privatdozent in Halle in die Hände bekam;
seitdem habe ich B.s Bestrebungen und Arbeiten nicht
wieder aus dem Auge verloren; ich denke, es wird
manchem ähnlich gegangen sein und er wird sich dankbar
freuen, in die fortschreitende Forschertätigkeit B.s
an der Hand der vorliegenden Sammlung sichere Blicke
tun zu können. Ich kann den reichen Inhalt nicht besser
zur Geltung bringen, als indem ich die hier vereinigten
Schriften aufzähle: S. 1—33: Die Einigung der neuhochdeutschen
Schriftsprache, Einleitung: das sechzehnte
Jahrhundert; Hallische Habilitationsschrift 1884; S. 34
bis 69: Zur Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache
; Forschungen zur deutschen Philologie, Festgabe
für Rudolf Hildebrand, Leipzig 1894, S. 291—324; ■
S. 70—99: Die Pfälzischen Wittelsbachcr und die altdeutschen
Handschriften der Palatina, eine Studie über
Püterich von Reichertshausen, die Anfänge des pfälzischschwäbischen
Humanismus und die literarhistorischen
Aufgaben der Handschriftenkunde; Zentralblatt für Bibliothekswesen
, 5. Jahrg. 1888, S. 111—133; S. 100—126;
Wandlungen der deutschen Bildung im Spiegel der Handschriftenkunde
, Zentralblatt für Bibliothekswesen 8. Jahrgang
1891, S. 1—21; Vom Mittelalter zur Reformation
1. Heft, 1893, S. 130—133; S. 127—140: Vom Mittelalter
zur Reformation, Forschungen zur Geschichte der
deutschen Bildung; aus dem Vorwort zur ersten Ausgabe
1893; S. 141—202: Eine Forschungsreise zum Ursprung
der neuhochdeutschen Schriftsprache und des deutschen
Humanismus, Abhandlungen der Berliner Akademie der
Wissenschaften 1903; S. 203—222: Bericht über die
Forschungen zur neuhochdeutschen Sprache und Bildungsgeschichte
, Sitzungsberichte der Berliner Akademie
der Wissenschaften 1920, S. 71—86; S. 223—242: Über
den Satzrhythmus der deutschen Prosa, Sitzungsberichte
der Berliner Akademie der Wissenschaften 1909, S.
520-535; S. 243-252: Die älteste deutsche Kanzleisprache
Breslaus und die frühneuhochdeutsche Schriftsprache
, Deutsche Literaturzeitung 14. Januar 1899, Sp.
60—68; S. 253—261: Der Notar Johann von Gelnhausen
, Deutsche Literaturzeitung 24. Dezember 1898,
Sp. 1958—1965; S. 262—266: Enea Silvio und der
deutsche Frühhumanismus, Literarisches Zentralblatt,
23. April 1898, Sp. 651—654; S. 266—270: Luthers
Septemberbibel in ihrem Verhältnis zur werdenden deutschen
Gemeinsprache, Deutsche Literaturzeitung, 4. Oktober
1890, Sp. 1459—1461; S. 271—274: Luthers Bedeutung
für die Ausbildung der neuhochdeutschen
Schriftsprache, Literarisches Zentralblatt, 28. Januar
1891, Sp. 134—136; S. 275—282: Das geschichtliche
Lutherbild, Literarisches Zentralblatt, 25. Januar 1896,
Sp. 1116—1119 und 16. April 1921, Sp. 309—311.
Kiel. G. Ficker.

Lüthi, Bibliothekar Karl J.: Führer und Katalog in die Ausstellung
„Die Bibel in Wort und Bild im Laufe d. Zeiten v.
Land zu Land", veranst. im Schweizer. Gutenbergmuseum. Bern:
iiuehdr. Bücliler 8t Co. 1925. (42 S. m. t Abb. u. e. Plan) gr. 8°.

Fr. 1—.

Diese Bibelausstellung ist fast ausschließlich gespeist
aus der Sammlung, die Lüthi in rührendem Idealismus
privatim zusammengebracht hat. Einteilung: Die
Bibel im Urtext, Die übersetzte Bibel (besonders beachtenswert
: Bibelausgaben in außereuropäischen
Sprachen), Die Bibelillustration.

Zwickau i. S. O. C lernen.

Lang, Dr.Albert: Die loci theologici des Melchior Cano und
die Methode des dogmatischen Beweises. Ein Beitr. z. theolog.
Methodologie u. ihrer Geschichte. München: J. Kösel u. F. Pustet
1925. (VIII, 256 S.) gr. 8°. = Münchener Studien z. histor. Theologie
, Heft 6. Rm. 5.50.

Diese für die Systematik und die Dogmengeschichte
ebenso wie für die Geschichte der Theologie wichtige
Monographie über Cano nimmt die neueren französischen
Bemühungen um die loci theologici auf (vgl.
A. Gardeil, La notion du Heu theologique, Revue des
sciences philosophiques et theologiques 1908, 51—73,
246—276, 484—505; ebenda La Topicite 1911, 750
bis 755; "R. Martin, Principes de la theologie et lieux
theologiques, Revue thomiiste 1912, 499—507; Marin-
Sola, Melchior Cano et la conclusion theologique, ebenda
1920, 1 — 13, 101—115) und führt sie an des Melchior
Cano Hauptwerk: De locis theologicis libri duodeeim,
verfaßt etwa 1543—1560, durch. Die dem Ganzen vorangestellte
Biographie stützt sich in der Hauptsache auf
F. Caballero, Vida del illmo Melchor Cano (Conse-
quenses illustres II), Madrid 1871, und Aufsätze von
Fr. Ehrle, E. Schäfer, A. Astrain, L. Pastor; Canos Geburtstag
ist darnach wahrscheinlich der 6. (nicht 5.)
Januar 1509; 1543 begann Cano seine Vorlesungen in
Alcala, denen er die Summa des Thomas zugrunde legte
(anstelle der Sentenzen) und die er diktierte: das Diktieren
hatte er von Franz von Vittoria übernommen, der
es wiederum aus Paris nach Salamanca verpflanzt hatte,
in Paris aber war diese Art zu unterrichten seit der
Tuteviller Reform von 1452 zur herrschenden geworden;
doch zogen die Reformstatuten der Universität Salamanca
von 1561 dem Diktieren Grenzen; in Salamanca
(seit 1546) hielt Cano in den Sommermonaten jeden
Jahres relectiones in der Art der quaestiones disputatae
von früher; damals hatte Salamanca 5150 Hörer (1552
ist ihre Zahl 5856); der Ruhm Salamancas waren
damals Cano, Dominikus Soto, Diego de Covarrubias;
Cano als Redner kann studiert werden am 12. Buch
Kap. 12 der Loci, wo wahrscheinlich seine auf dein
Konzil von Trient am 9. Dezember 1551 gehaltene Rede
über den Opfercharakter der Messe vorliegt. In Rom
war Cano nicht lieb Kind; in der Vorladung vom
22. April 1556 schreibt Rom von dem berühmten Professor
: Quidam perditionis filius Melchior Cano . .
Propriae salutis immemor, diabolicis motus suasionibus!

Das Werk Canos wird gewürdigt als die klassische
Methodologie zu der klassischen Methode des Thomas.