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Ausgabe:

1926 Nr. 12

Spalte:

320-323

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kattenbusch, F.

Titel/Untertitel:

Theologische Studien und Kritiken. Jahrg. 1925. 96./97. Band 1926

Rezensent:

Eissfeldt, Otto

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319 Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 12. 320

beben und Meteoriten — nachzugehen. Auch damit aber
wird die „Studie" noch nicht zum Abschluß gekommen
sein. Denn, so liest man: I shall hope to conclude at
long last with a general survey of the Sky-god and his
cult as constituting one faktor in thegreat fabric ofGreek
civilisation, indeed as in some sense a contribution to
Christianity itself." Ein Beitrag geradezu zum Christentum
! Das" müßte am Ende dem Referenten so etwas
wie Rechtfertigung für etwas breiteres Eingehen auf den
Inhalt an diesem Orte, in der ThLZ, sein können. Wenn
er sich nur nicht selber gleich sagen müßte, daß auch
schon eine bloße Inhaltsangabe mehr Raum in Anspruch
nehmen würde, als die Zeitschrift ihr gewähren
könnte. Für den, dem es darum zu tun ist, sich in Kürze
über den Inhalt des Bandes zu unterrichten, hat der Verf.
selbst gesorgt, indem er auf den Seiten 840—858 (was
dahinter in Part. 2 folgt, sind große Appendizes, zwölf
an der Zahl) die Hauptresultate seiner Untersuchung zusammengefaßt
hat. Ich könnte mir sehr wohl denken,
daß ein anderer angesichts des gelehrten Opus, soweit
es bis jetzt schon gediehen ist, und in Qewärtigung der
noch in Aussicht gestellten Ergänzungen versucht sein
möchte, von auf die Spitze getriebenem Alexandrinismus

deutungen, volkstümliche Feste, Sitten ohne magischen
Einschlag werden unter diesem Gesichtspunkt besprochen
. Die „ethische Veranlagung der jüdischer.
Seele" (S. 152) habe den ethischen Monotheismus der
jüdischen Religion entwickelt, ohne den alten Volksglauben
vollständig zu verdrängen. Um den Wert dieser
Religion richtig zu schätzen, sei es nützlich, ihre Vorgängerin
kennen zu lernen. Von einem lebendigen Gott
ist im Buche nirgends die Rede. Mancherlei Anregung
wird es trotzdem dem Theologen bieten. Freilich hätte
man eine sorgsamere Untersuchung des zu beweisenden
altpalästinischen Glaubens gewünscht. Man wird mit
nichtisraelitischen Dingen aus fern abliegenden Gebieten
überschüttet, und in diese Umgebung wird vor
allem das spätjüdische, auch babylonisch-jüdische Material
hineingesetzt, während das Alte Testament wenig
Beiträge dazu leistet, besonders wenn man die dichterischen
Bilder, welche dem Verf. auch als Beweise
gelten, abzieht. Eine Arbeit, welche das Beweisbare
vom Ungewissen scheidet und besonders den im Alten
Testament vorliegenden Spuren solcher Dinge im Einzelnen
nachgeht, sollte noch geleistet werden. Der
lebende Orient kann dazu auch Beiträge geben, obwohl

zu reden und von einem Attentat in Royal 8 vo auf Ner- : auch da Vorsicht geboten ist. Zum Schweigen beim

ven und Arbeitskraft. Besser doch wohl steht es uns j Linsenkochen (S. 40) läßt sich das Schweigen beim

an, dem unentwegten Eifer zu danken, der aus vielen j Kressekochen stellen, das in Palästina verhütet, daß sie

tausenden von gründlich durchforschten Schriften eine ; bitter wird. Ob wirklich der Gedanke an Totengeister,

solche Unmasse von Material zusammengetragen, daß, I die nicht zu stören sind, dahinter liegt? Nach S. 104 soll

wer seiner bedarf, nun doch hier bequemer zur Hand ! es in Derek eres rabba 9 verboten sein, Brocken auf dem

hat. Daß sein „Wälzer" from cover to cover gelesen i Tisch liegen zu lassen, weil ein anderer damit den Verstand

werde, kann der Herr Autor nicht wohl verlangen oder j vernichten kann. Aber von Mißbrauch der Brocken durch

von irgendwem erwarten. Es ist ein Nachschlagewerk j andere ist da nichts gesagt, sondern nur Verletzung de

und als solches von unschätzbarem Werte auch von
wegen der erstaunlich vollständigen Literaturangaben zu
jedem in ihm berührten Einzelproblem. In dem Exkurse
über orphische Theogonien und den kosmogonischen
Eros z.B. (S. 1019—1054) wird man so gut wie alle
einschlägige Literatur verzeichnet finden. Schon dieses
angezogene Einzelbeispiel, dem Hunderte anderer sich
anreihen ließen, mag ersehen lassen: der gelehrte Autor
bringt sehr vieles zur Sprache, das man in einem Werke
mit dem Titel „Zeus" zunächst nicht suchen wird. So
tut man gut, auch den sehr viel weniger engen Untertitel
zu beachten: „A study in ancient religion". Und
noch eines: es ist in dem Buche nicht nur von der
griechischen und römischen Religion die Rede, sondern
auch von chinesischer und japanischer, von assyrischbabylonischer
, ägyptischer, phönizischer, indischer, persischer
, germanischer, keltischer usw. Das aber braucht
nicht mißtrauisch gegen die diesbezüglichen Aufstellungen
zu machen. Der Autor war behutsam genug, in
Dingen, die außerhalb seiner wissenschaftlichen Kompetenz
liegen, von kompetenten Fachmännern sich Hilfe
zu erbitten.

Leipzig. H. Haas.

Scheftelowltz, Prot. Dr. J.: Alt-Palästinensischer Bauernglaube
in religionsvergleichender Beleuchtung. Hannover: Orient-
Buchh. H. Lafaire 1925. (VIII, 181 S.) gr. 8°. Rm. 9.50; geb. 11—.

Der Verf. betrachtet als Bauernglaube alle Reste einer
älteren Gestalt der Religion, welche im Bereiche einer
höher entwickelten Religion als Aberglaube oder Fremdglaube
fortleben, ohne beweisen zu können, daß es nur
die unwissenden Landleute seien, welche derartiges pflegen
, was auch aus Jerem. 41, 5; 44, 15 ff., Ez. 20, 24.
30 f. nicht hervorgeht. Bei altpalästinensisch denkt er an
die vorisraelitische animistiscne Religion, welche er für
Palästina aus vielerlei Spuren des Aberglaubens, besonders
bei den Juden der nachchristlichen Zeit bis
nach Babylonien hin, erschließt. Dabei werden diese
Spuren in Beziehung gesetzt zu Bräuchen und Vorstellungen
, welche anderwärts von Europa bis Indien
nachgewiesen werden können. Dämonen und Engel, Beseelung
lebloser Dinge, die Beeinflussung höherer
Wesen, Abwehr des Schädlichen, Förderung der Fruchtbarkeit
, vom Menschen ausgehende Wirkungen, Vorbe-

Empfindung des anderen wird verboten. Über die älteste
Form des Pfluges soll das Wort b ö r e k h Auskunft
geben, weil burkä im Aramäischen „Zweig" heiße.
Aber börekh ist nicht „Pflug", sondern die technische
Bezeichnung des knieartigen gebogenen Holzes, welches
am Pfluge Deichsel und Scharholz verbindet und noch
heute arabisch burk heißt. Daraus kann nicht geschlossen
werden, daß der palästinische Pflug einmal
ein Zweig war. So bedürfen manche Einzelheiten der
Zurechtstellung. Daß sich zu den indischen und iranischen
Beziehungen, welche der Verf. betonen möchte,
auch afrikanische in Fülle stellen ließen, sei nur zum
Schlüsse noch bemerkt.

Greifsvvakl. G. Da Im an.

Theologische Studien und Kritiken. Eine Zeitschrift für d. gesamte
Gebiet d. Theologie. In Verbindung m. anderen hrsg. v. F.
Katten b lisch u. F. Loofs. 9Ö./97. Jahr, Heft 1 u. 2 1925.
Gotha: L. Klotz 1925. (III, 322 S.) gr. 8°.

Das erste Heft der Th. St. Kr. 1925 ist alttestament-
lichen Forschungen gewidmet. Eröffnet wird es durch
einen Aufsatz von K. Budde : „Der Abschnitt Hosea
1—3 und seine grundlegende religionsgeschichtliche Bedeutung
" (S. 1—89). B. tritt hier anderen neueren Auffassungen
gegenüber für Wellhausens Verständnis
der Kap. 1—3 ein, nach dem es sich hier nicht um eine
Allegorie, sondern um wirkliches Erleben des Propheten
handelt, doch so, daß ihm der unzüchtige Hang
seines Weibes erst in der Ehe klar geworden ist, er also
erst ex post die Heirat eines solchen Weibes als in
Jahwes Auftrag geschehen erkannt hat. So überzeugend
hat B. seine Darstellung zu gestalten vermocht, daß z. B.
Sellin unter ihrem Eindruck seine abweichende Meinung
aufgegeben und erklärt hat, daß B. die von ihm
vertretene Auffassung definitiv zum Siege geführt habe
(Einl. *, S. 104). Im einzelnen ist folgendes hervorzuheben
: Hinter c. 1 u. vor 2, 4—25 ist ursprünglich
erzählt gewesen, daß Hosea die Untreue seines Weibes
entdeckt und daß er es verstoßen hat; diese Erzählung ist
durch die nicht von Hosea stammenden Verheißungen in
2, 1—3 ersetzt worden. In 2, 4—25 ist, wie in c. 1, von
Jahwe und Israel die Rede. Schloß c. 1 mit der Verstoßung
Israels durch Jahwe, so handeln 2, 4—25 von
dem Bemühen Jahwes, das trotz allem weiter geliebte