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1926 Nr. 10

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279

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Symbolum apostolicum 1926

Rezensent:

Köhler, Walther

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279

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 10.

280

deutsch-lateinisches Wörterverzeichnis bringen. Die Einleitung
, die u. a. über die Quellen der Historia scho-
lastica handelt (in einem besonderen Anhang werden die
Berührungen zwischen der Hist. schob und der 1899 von
M. Gaster nach der einzigen — Oxforder — Handschrift
ins Englische übersetzten hebräischen „Chronik des Je-
rahmeel" dargetan), gibt dem Bande II einen selbständigen
Charakter.

Im Vorwort kommt Vollmer auf seine ursprüngliche
Idee zurück, daß diese „Materialien" nur Vorarbeiten
für eine umfassende Darstellung volkstümlicher
deutscher Religiosität im Spätmittelalter sein wollen.
„Der Traum, daß es mir einmal vergönnt würde, in
einem Seminar mit jungen, strebsamen Mitarbeitern die
umfangreichen Vorstudien zu einem solchen Werke zu
organisieren, hat sich nicht erfüllt. Das große Ziel bleibt
unverrückt bestehen." Möchte es ihm vergönnt sein, zunächst
wenigstens den Halbband II 2 recht bald folgen
zu lassen!

Zwickau i. S. O. C lernen.

Hartmann, Richard: Eine islamische Apokalypse aus der
Kreuzzugszeit. Ein Beitrag zur Qafr-Literatur. Berlin : Deutsche
Verlagsgesellschaft f. Politik u. Geschichte 1924. (V, 28 S.) 4°.
= Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft, Geisteswiss.
Klasse, 1. Jahr, Heft 3. Rm. 1.50.

An einem aus Ibn al-'Arabl genommenen Beispiel der islamischen
Apokalyptik werden die Entwicklungs- und Überarbeitungsmöglichkeiten
eines derartigen Literaturdenkmals dargelegt. Der Grundstock
dieses Stückes ist um 1180 entstanden, aber um es auf den Stand
der Zeitverhältnisse zu bringen, bis ins zweite Jahrzehnt des 13.
Jahrhunderts hinein überarbeitet worden. Im Anschluß daran skizziert
R. Hartmann den allgemeinen Rahmen, in den solche Literaturerzeugnisse
hineingehören.

Bonn. W. Heffening.

Symbolum apostoiieum. Farbige Blockbuch-Wiedergabe nach d.
Unicum in d. Wiener National-Bibliothek, eingel. von Ottokar
Smital. München: K. Wolff 1924. (12 Bl. Faks.; 21 S.) 8°.

Hperg. u. geh. Rm. 50—; Ldr. 80—
In einer die Farbentönung vorzüglich wiedergebenden Reproduktion
wird hier ein sogenanntes Blockbuch dargeboten, dessen Original
sich, aus Schloß Ambras bei Innsbruck stammend, in Wien befindet
(Nationalbibliothek', Inkunabel II D 42) und auf Pergament gedruckt
ist. Außer diesem Symbolum - Blockdruck gibt es noch ein unvollständiges
Heidelberger und ein Münchener Exemplar, von denen jenes
eine ganz getreue, der ersten (Wiener) Ausgabe nachgezeichnete
Kopie, dieses eine in der Zeichnung selbständige und stilistisch fortgeschrittene
Fassung bedeutet. Die Datierung ist strittig, schwankend
/wischen 1440—1470. Das Heidelberger Exemplar dürfte aus Basel,
das Münchener aus Südbayern oder Tirol stammen. Der Wiener
Druck wiederum ist wahrscheinlich Kopie einer Ausgabe, die
noch durch ein einziges in der Sammlung Wessner in St. Gallen erhaltenes
Blatt vertreten ist (abgebildet bei Heitz: Einblattdrucke
Bd. 50, Tafel 4, 1918), und stammt wie seine Vorlage aus der
Gegend von Augsburg. In einer beigegebenen kurzen Einführung
unterrichtet Smital über diese Genealogie. Waren diese Blockbücher
Volksbücher, so wird man sie gerne zur Veranschaulichung des
religiösen Lebens am Ausgange des Mittelalters heranziehen. Zwölf
Tafeln veranschaulichen die zwölf Sätze des Symbols, jeweils unten ist
ein Apostel angebracht.

Zürich. W. Köhler.

Knolle, Hauptpastor Theodor: Luthers Heirat nach seinen und
seiner Zeltgenossen Aussagen. Wittenberg: Verl. d. Luther-
Gesellschaft 1925. (32 S.) 8°. = Flugschrift der Luther-Gesellschaft
. Rm. 1—.
In dieser Flugschrift der Luther-Gesellschaft sind einschlägige
Stellen aus Briefen und Schriften des Reformators zusammengestellt
nach den Rubriken: Luthers grundsätzliche Stellung zu Ehe und Zölibat
; Luther begünstigt Heiraten der Priester und Mönche; Luther versorgt
und verheiratet Nonnen. Luthers eigner Sinn der Ehe fremd;
Luthers Heirat. Dazu kommen Auszüge aus der Wittenberger Kämmerei
-Rechnung von 1525 und die bekannten Cranach Porträts von
Luther und Käthe 1526.
Zürich. W. Köhler.

Melanchthon, Philipp: Die Loci Communes, in ihrer Urgestalt
nach G. L. Plitt. Von neuem hrsg. und erläutert v. Th. Kol de.
4. Aufl. Leipzig: A. Deichert 1925. (X, 267 S.) S°. Rm. 4.50.
Diese „vierte Auflage" der bekannten Plitt-Koldcschen Ausgabe

von Melanchthons Loci ist ein Neudruck der dritten, völlig unverändert
, auch ihre Fehler herübernehmend. Es genügt daher hier
der Hinweis, daß das für Seminarübungen so praktische Buch nunmehr
wieder zu haben ist.

Zürich. W. Köhler.

Gass er, Pfarrer Dr. Joh. Conrad: Vierhundert Jahre Zwingli-
Bibel 1524—1924. Denkschrift zum 400jährigen Bestand 'der
Zürcher Bibelübersetzung. Dem Gedächtnis ihrer Anfänger und Begründer
gewidmet. Zürich: Bibelvcrlag der Evangelischen Gesellschaft
1924. (XI, 111 S.) 8°. Rm. 2—.
Zum 400jährigen Bestand der Zürcher Bibelübersetzung wird
diese Denkschrift geboten, die in schlichter Form auf wissenschaftlicher
Grundlage (wobei dem Verfasser leider die wertvollen Aufsätze
von Ad. Fluri irn schweizerischen evangelischen Schulblatt 1922 entgingen
) die Entwicklung der Zürcherhibel vorführt, bis auf die neueste,
gerade jetzt fertig werdende Totalrevision, an der Gasser selbst mitarbeitet
. Es wird der Zwinglibibel ihre Eigenart gewahrt, insofern
etwas zu stark, als der Einfluß Luthers, den Gasser wesentlich nur den
Basier Bihcldrucken zuschreiben möchte, auch für Zürich bedeutsam
ist. (Die Einzelheiten s. bei Fluri oder in meinem Referate im
Sonntagsblatt der Basler Nachrichten 1925, Nr. 15). Wertvoll ist die
Neuentdeckung eines Froschauerdruckes des N.T. von 1528 in Kleinoktav
mit einem Register zur ganzen heiligen Schrift; Gasser macht
wahrscheinlich, daß dieser Druck vor die bekannte Scdez-Ausgabe
fällt. — Die ansprechende, auf weite Kreise berechnete Schrift ist
mit einigen Bildproben aus den Froschauerdrucken geschmückt.
Zürich. ' W. Köhler.

Kör holz, Dr. F.: Abriß der Geschichte des Stifts und der
Stadt Werden. Werden: W. Flügge 1925. (IV, 74 S. m. 1 Kte.)
8°. . Rm. 1.60.

Stift Werden, wichtig in der Geschichte der ältesten Pfarreien
im Ruhrgebiet, bekannt als Fundort des Codex argenteus, genannt auch
als. Heimat des Heliandsängers, ist bedeutsam genug, daß ein zunächst
für die heimatkundliche Unterweisung berechneter Geschichts-
abriß auch weitere Kreise interessiert. Die kurze Übersicht, die
von den Sigambern bis in die Gegenwart führt, ist angenehm und verständig
geschrieben und belehrt über manche schwierige Verhältnisse
in der Geschichte geistlicher Stiftungen, z. B. über die Rivalitäts-
streitigkeiten zwischen Abt und Vogt, die überall in ähnlicher Weise
sich zeigen. Vermißt wird die Angabe der benutzten Literatur, möglicherweise
auch der Quellen und Urkunden, die gewiß manchem, der
sich weiter unterrichten möchte, lieb gewesen wäre.

Ilfeld a. H. Ferdinand Gohrs.

Weidemann, Lte. Heinz: Gerard Wolter Molanus, Abt zu

Loccum. Eine Biographie. 1. Bd. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
1925. (VÜI, 176 .) gr. 8". Studien z. Kirchcngcschichtc
Niedersachsens 3. Rm. 6—.

Wie ist es gekommen, daß dem „großen Abt" erst jetzt die erste
Biographie geschrieben wird? Denn v. Einems fast unmittelbar
nach dem Tode Molans geschriebenes „Leben des großen und um die
Kirche Gottes hochverdienten Theologi, Gerardi Wolteri Molani"
(Magdeburg 1734) ist nicht zu rechnen; es ist keine Biographie, sondern
eine Denkschrift. Längst haben Urbanus Rhegius (durch Gerh.
Uhlhorn, Elferfeld 1861), Ant. Corvinus (durch Tschackert, Hannover
1900), Ernst der Bekenner (durch Wrede, Halle 1887) ihre Biographie
; längst Georg Calixt (durch Henke, Halle 1853), Justus
Gescnius (durch Bratke, Göttingen 1853), Joh. Lorenz Mosheim
(durch Heussi, Tübingen 1906), Heinr. Phil. Sextro (durch Rup-
stein, Hannover 1839), Ludw. Adolf Petri (durch E. Petri, Hann.
1888). Es genügt deshalb nicht darauf hinzuweisen, daß die Geschichte
der Reformationszeit die Behandlung anderer Zeiten in den
letzten Jahrzehnten stark in den Hintergrund gedrängt hat; es muß
in Molans Wesen und Leben selbst begründet liegen, daß sich noch
niemand eingehender mit seinem Leben befaßt hat. Sein Leben ist
ein in sich widerspruchsvolles. Wir brauchen nicht den großen Mann
mit Henke, dem Vater, einen „Hofschmeichler" zu nennen (Schlegel,
Kirchengeschichte III 260), brauchen nicht mit Hase (Kirchengesch.
II 1 S. 60) den Verdacht zu erneuern, daß Molan wirklich „für sich
den Glanz des katholischen Kirchenwesens ins Auge gefaßt hat". Wir
mögen seine widerspruchsvolle Haltung in den Unionsverhandlungen
zum guten Teil aus den Einflüssen der Politik erklären und entschuldigen
, die stärker war, als er; mögen aus ähnlichen Rücksichten
es ihm nicht zu hart anrechnen, daß er den Römischen gegenüber viel
irenischer sich zeigte, als gegenüber den Reformierten (Beste, Gesch.
der braunschweig. Landeskirche, S. 696); mögen die Unvereinbarkeit
mancher Sätze seines Testaments mit seiner Haltung im Leben dadurch
mildern, daß wir annehmen, er hat sich selbst nicht gekannt —
vernichtend ist doch für den großen Abt Gerh. Uhlhorns Urteil
(Hannov. Kirchengesch. S. 107 f.), daß er im Grunde für die konfessionellen
Differenzen kein Verständnis gehabt habe, und daß er auch
vor Wegen nicht zurückgeschreckt sei, die sich mit evangelischer
Wahrheit und Aufrichtigkeit schwer vereinigen ließen. Es wird nicht so