Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1926 Nr. 9

Spalte:

249-250

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Luther, Martin

Titel/Untertitel:

Vom unfreien Willen. Hrsg. v. Friedrich Gogarten 1926

Rezensent:

Kohlmeyer, Ernst

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

249 Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 9.

250

132 S.) gr. 8°. =-- Abhandlungen /. I'hilos. u. Psychologie d. Religion
, Heft 3. Rm. 2.50.
Diese verkürzte Wiedergabe einer Bonner Dissertation
will die Ootteslehre der docta ignorantia des

N- v. C. darstellen und „nach Möglichkeit in Einklang

Dringen, vor allem aber das Gebäude der kusanischen

Mystik .... aufsteigen lassen". Darin liegt 1. eine har-

monistische Tendenz, die den Cusaner zunächst mit sich

selbst (z. B. in der Erkenntnisl ehre durch Abweis der

aprioristischen Gedankenreihe), sodann auch mit der

»Wahren Scholastik aller Zeiten" in Einklang bringen

will und dadurch Charakteristisches verwischt; 2. ein

starkes Absehen auf die Mystik des Cusaners, auf

welche die Grundbegriffe seines Systems mit Recht be- ,

Übersetzung des Jonas stellenweis zu einer etwas breiten

Gogarten hat „die Übersetzung von Justus Jonas in
unser heutiges Deutsch übertragen", d. h. er hat Jonas'
Text geglättet, ungebräuchliche Ausdrücke z. T. durch
die heutigen ersetzt, z.T. stehen lassen („gotteslehrig"
„mitgenossig" u. a.), vielfach den Stil verändert und
Mängel des Druckes von 1526 verbessert, jedoch so,
daß das Ganze durchaus das altertümliche Gepräge
behalten hat. Es sind auch Versehen unterlaufen (z. B.
S. 29 „daß es" statt „das", S. 103 „dem Stück" statt
„den Stücken", S. 7 „erlaubten" für „theten" u. ä.).
Schwerer wiegt es, wenn die „Versehung" S. 28 mit
„ewigem Vorherwissen" und S. 60 mit „Vorhersehen"
wiedergegeben wird, beidemal ist im Luthertext von
necessitas des Geschehens die Rede. Wenn auch die

™„„------a-----ö „i, u;;ho cioh der Unoe Beweis i Übersetzung ües Jonas sieuenweis zu einer ciwas uicucu

£f berthmten St ^z?m^^o^n I Paraphraseuthers wird, ist diese neue Herausgabe für

ii Gott^ erübrigt w£S<£üg sieht der Verf' in diesem j unsere Studenten doch mit Dan zu begrußen.

ugi. yv.. K t s f j t f--AilnUlr^ ,n einem Nacnwort (s. 344—71) beshmmt G. als

Satz einen „mystischen Ausdruck des Unendlichkeitsgedankens
", mystische Ausdrücke aber haben die Eigentümlichkeit
, daß sie sich nicht in „syllogistische Form"
bringen lassen. Doch kann die Arbeit in beiderlei
Hinsicht das z. B. von Falkenberg 1880 gezeichnete
treffliche Bild der Philosophie des Cusaners ergänzen.
Vom Pantheismus wird N. v. C. mit Recht freigesprochen
, doch ist mit dieser groben Schablone in der
Mystik überhaupt wenig erreichbar; es hätten die pan-
theisierenden Gedanken nach Herkunft, inhaltlicher Auffüllung
und Beziehung zu Kosmologie wie Mystik geprüft
werden müssen.

Wertvoll ist eine gründliche Übersicht der von
N- v. C. benützten Literatur nach den von ihm mit Marginalien
versehenen Hdschr. der Hospitalbibliothek in
Kues und den Zitaten in seinen Schriften. Der Stil der
Arbeit gerät mehrfach in ein gespanntes Verhältnis zum
Geist der deutschen Sprache.

Kiel. E. Kolilmeycr.

Loserth, Johann: Huss und Wiclif. Zur Genesis der hussilischen
«hre. 2., veränd. Aufl. München: R. Oldenbourg 1Q25. (VI, 244
S■) Rr- S°. Rm. 9.50.

Mit Freuden ist es zu begrüßen, daß dieses Buch,
Das bei seinem Ersterscheinen i. J. 1884 berechtigtes
Aufsehen erregte und auch sofort ins Englische übersetzt
wurde, aber seit vielen Jahren vollständig vergriffen war,
neuer Auflage erscheint. Der Abschluß der Arbeiten
Der Wiclif-Society, an denen Loserth sehr stark beteiligt
war (nicht weniger als 14, darunter die bedeutendsten

den Kern der reformatorischen Frömmigkeit die Bindung
und im völligen Gegensatz dazu den Sinn des an
Troeltsch und Bornhausen dargestellten Neuprotestantismus
als Freiheit, Subjektivismus und Immanenz Gottes.
Wo (i. die Prädestination streift, liegt sie doch auf einer
andern Ebene als in De servo arbiirio, wo der Dens abscon-
ditus deterministisch allein wirkt. G. bleibt beim „Du
und Ich" und der gemina praedestinatio, den Determinismus
lehnt er ab und schiebt ihn sonderbarerweise dem
Gott des Erasmus zu. Ja bei der Bekehrung heißt es,
daß sie „nicht nur", „nicht in erster Linie" vom Ich bedingt
sei. Die Antinomie zwischen Bestimmung und
Verantwortlichkeit ist auch hier nicht gelöst. So zeigt
diese Skizze die uns bekannten Züge jener Theologengruppe
, Einseitigkeiten, rasch und radikal aufgestellte
Gegensätze, Übertreibungen und eine Reihe ungelöster
wichtigster Fragen trotz vielen echt reformatorischen
Gutes. Der ganze gewichtige Torso dieses neuen Jansenismus
ist bis jetzt noch nicht standfähig.

Kiel. E. Koh I m e y e r.

Thomas Münzer. Nach alten Drucken neu eingerichtet v. Alfred
Ehrentreich. Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt(1925). (139
S. m. Abb.) kl. 8°. = Aus alten Bücherschränken, geb. Rm. 3—.

Der Herausgeber ist beeinflußt von Ernst Bloch,
Th.M. als Theologe der Revolution 1922, vgl. ZKG.
44, 316. Als ein weiterer Beitrag zur Reinigung des
Bildes Münzers von verleumderischer und verständnisloser
Retouche kann aber seine Einleitung nicht gelten,
Werke Wiclifs, wie De eucharistia, Opus evangelicum, ' dazu ist sie zu ungründlich und ungenau. Auch die
sind von ihm ediert), ermöglichte dies. Die neue Auf- ; Wiedergabe Münzerscher Schriften und anderer Quellen-
ui,.;tf om Fnäo „iPr umfhnorlifhe Exkurse: Zur stücke befriedigt nicht recht (das „Manifest an die Berg-

Jage enthält am Ende vier umfängliche Exkurse: Zur : f"^^

Verbreitung der Wiclifhandschriften in Btt^Obffd. j |nappen_ -^^^^^ fSullch, Ab-'

schiedsbrief" in den Originaldrucken zusammengehören
— vgl. Böhmer S. 2 —, wird auch nicht klar). Endlich

Beziehungen zwischen englischen und böhmischen Wiclif
iten in den beiden ersten Jahrzehnten des 15. Jahrh.s,
Der Kirchen- und Klostersturm der Hussiten und sein
Ursprung, Ein kirchenpolitischer Dialog aus der Blütezeit
des Taboritentums (ein neuer Beweis für L.s These,

J _ n « .. A ... a ~ . .. . Iii. '___1

ist auch nicht richtig, daß die beigegebenen Münzerbildnisse
— vgl. Seidemann, Th. M. 1842, S. 156 ff. —
daß die Taboriten die eigentlichen Schüler Wiclifs sind), j außer dem ersten (Ölgemälde im Amtsgericht zu Hel-
Uatiir sind die zehn Beilagen, die die 1. Auflage ent- drungen, Seidemann S. 156 f.) noch nicht reproduziert

* -----a„„ i worden seien: Nr. 2 findet sich bei Kaulfuß-Dicsch, Das

Buch der Reformation" 1917, S. 377, Nr. 4 ebd! S. 384/5
und schon vorher bei Jordan, Chronik der Stadt Mühlhausen
1 (1900), 176.
Zwickau i. S. O. C lernen.

hielt, weggelassen und in den Text verarbeitet worden.
Vollständig umgearbeitet wurde die 2. Hälfte des
Buches: „Der Wiclifismus in den Schriften des Huß".
Hier sind die Ergebnisse der Wiclifforschung seit 1884
vollständig verwertet worden. Hoffentlich kommt nun
auch die neue Huß-Ausgabe von W. Flajshans bald
zum Abschluß. Erst dann wird sich die völlige Abhängigkeit
des böhmischen Vorreformators von dem
englischen (der allein diesen Namen verdient) in ihrem
ganzen Umfang und bis in alle Einzelheiten hinein erweisen
lassen.
Zwickau i. S. O. Clcmcn.

Luther, Martin: Vom unfreien Willen. Nach der Uebersetzung
von Justus Jonas hrsg. u. mit Nachwort versehen v. Friedrich Gogarten
. München: Chr. Kaiser 1924. (III, 372 S.) gr. 8°.

Rm. 0.50; geb. 8-.

Wotschke, Pfarrer D. Dr. Theodor: Bilder aus dem Leben
der Wittenberger Studenten. Ein Vortrag. Pratau (Kr. Wittenberg
): Selbstverl. d. Verf. 1925. (50 S.) S°.

Ein sehr unterhaltsamer Vortrag, der zeigt, wie
treu vielfach die Wittenberger Studenten zu ihren Professoren
und ihrer Alma mater hielten, wie geneigt sie
andererseits aber auch zu Ausschreitungen und Tumulten
waren. 1701 mußte das Militär vor ihnen kapitulieren
.

Zwickau i. Sa. O. Giemen