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Ausgabe:

1926 Nr. 8

Spalte:

218-219

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koehler, Franz

Titel/Untertitel:

Bernhard von Clairvaux 1926

Rezensent:

Clemen, Otto

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 8.

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kommt als der katholische; immerhin findet auch er
noch genug des Wichtigen.

Besonders ergeben sich nebenbei eine Menge interessanter Einzelheiten
. Roms liturgische Richtung nach dem Orient bis auf Karl den
Großen wird neu unterstrichen. Die Karwoche, speziell der Karfreitag
, ist nicht künstlich in liturgische Sonderstellung getan worden,
sondern am Karfreitag hat sich die alte Gottesdienstart erhalten
(keine Messe, sondern Lesungen und Gebete, die Fürbitten nicht auf
die Passion zu beziehen, sondern das alte Fürbittgebet Roms), kein
Glockengeläut, weil es in alter Zeit keine Olocken gab, matutina
tenebranun, weil diese Matutinen ursprünglich nachts waren, das
eandelabrum trianguläre zur Zählung der abgesungenen Psalmen in der
Art der ova curriculis numerandis bei Livius 41,27, die hinter den
Altar zu tragende Kerze als Lichtreserve für die Fackel des Kar-
saflnvtages. Die Oktav von Weihnachten (= I. Januar) ist eigentlich
das älteste Marienfest, da der Oktavtag eben der Jungfrau Maria
als Gcbärerin gelten sollte, darum ist heute noch, wo unter galli-
kanischem Einfluß das Fest der Beschneidung gefeiert wird, die
Oration marianisch. Die Sitte des Blumenstreuens am Dedikations-
tage einer Kirche ist im 12. Jahrhundert bezeugt, wo der Sonntag
vor Pfingsten Dominica de rosa hieß: während der Papst über den
Hl. Geist predigte, wurden aus der Kuppel Rosen gestreut, als komme
«1er Hl. Geist hernieder; ursprünglich bedeuteten aber diese Rosen die
Blutzeugen und Blutopfer; ähnlich werden heute noch am 5. August
während der Vesper in S. Maria ad Nives Jasmin und Maraviglien
gestreut, die auf die Schneesage bezogen werden, aber Dedikations-
feier bedeuten. - S. 110 klagt Grisar, daß RE XV 212 die auf
Grund neuer Untersuchungen der Cathedra Petri geschriebenen Studien
von De Rossi im Bulletino di archeologia cristiana 1867, 33ff.;
1373, 161; 1876, 150 über die Cathedra und ihre Feste nicht angeführt
seien, wohl aber veraltete Werke. Was aber Grisars Mitleid
mit der protestantischen Armut anlangt (S. 94), so wäre dies reichlieh
zu stillen durch Einsichtnahme in die Schriften der modernen
liturgischen Bewegung im Protestantismus: hier begibt sdch nämlich
die interessante Tatsache, daß weithin aus Perikopen, Gebeten, Gegangen
und der Predigt eine liturgische Einheit geschaffen wird,
jedesmal neu, oft und oft der Not oder Freude des Tages Spielraum
gönnend — also das, was Rom einst tat und heute nicht mehr tut,
aber in der Vergangenheit groß findet.

Magdeburg. Leonhard Fendt.

Plummer, Carolus A. M.: Miscellanea hagiographica Hibernica.

Vitae adhuc ineditae sanetorum Mac Creiche, Naile, Cranat. Ad

fidem codicum manu scriptorum recognovit prolegomenis notis

indieibus instruxit. Bruxelles: Societe des Bollandistes 1925.
(2S8 S.) 4°. = Subsidia Hagiographica 15.

Im irischen Originaltext mit nachfolgender englischer
Übersetzung sind hier zum erstenmal die bisher
nur in verstreuten Handschriften sich vorfindenden
Lebensbeschreibungen dreier irischer Heiligen veröffentlicht
: Mac Creiche, Naile und Cranat. Die
Texte sind teilweise sehr verderbt, zumal in ihren metrischen
Partieen, sodaß der Herausgeber vielfach sich
zu Conjekturen veranlaßt sah. Auf ein verhältnismäßig
nebensächliches Forschungsgebiet, wo es sich um ziemlich
namenlose Heilige handelt, deren Lebensbeschreibungen
vielfach auch noch der historischen Treue entbehren
, ist gleichwohl ein ungeheuerer Fleiß verwendet.
Die verschiedensten Bibliotheken in Brüssel, Dublin,
Maynooth, Oxford und London wurden durchforscht,
verwandte Arbeiten mit herangezogen und bisherige Ergebnisse
der Heiligenforschung mit verwertet. Die gewonnenen
Resultate hinsichtlich der Lebensbeschreibungen
der drei erwähnten Heiligen seien kurz skizziert;
die Texte selbst sind in Plummers Veröffentlichung
nachzulesen.

Für die hier zum erstenmale gedruckte Lebensbeschreibung des
Mac Creiche existiert nur ein einziges Manuskript in der Königl.
Bibliothek zu Brüssel, das selbst wieder nur eine aus den Jahren 1634
stammende Transkription ist von einer im Jahre 1528 angefertigten
Copie. Die Erzählung ist an vielen Stellen dunkel und verwirrt; die
metrischen Partieen scheinen in den in Prosa geschriebenen Text eingestreut
zu sein, nicht umgekehrt. Der Schreiber verrät Lokalkenntnis
und könnte ein Augenzeuge sein. Die Entstehung der Schrift ist
nicht wohl vor dem siebenten Jahrhundert anzusetzen. Das Leben des
Heiligen selbst liegt im Dunkeln, jedenfalls sind aus der vorliegenden
Beschreibung keine historischen Anhaltspunkte zu gewinnen. Nicht
einmal sein Name ist genannt; Mac Creiche heißt Sohn der Plünderung
und ist nur als Beiname anzusehen, ebenso wie seine frühere
Bezeichnung Mac Ochta Ailbe, das heißt: Sohn des Herzens Ailbes,
«»er selbst wieder ein irischer Heiliger des fünften oder sechsten Jahrhunderts
ist. Eine weitere Erwähnung Mac Creiches findet sich in
I dem apokryphen Teil der Lebensbeschreibung des St. Enda von
Aranmore, wo er als einer der drei Boten erscheint, die in Sachen
der Abtei Aran von Irland nach Rom entsendet wurden. Wahrscheinlich
ist auch Enda ein Heiliger des fünften oder sechsten Jahrhunderts
. Noch interessanter ist die Erwähnung unsres Heiligen in der
Lebensbeschreibung des hl. Columba von Terryglass im Codex Salman-
ticensis, wo er als sehr bejahrter Mann erscheint. Auch findet sich
auf der Insel Inis Celtra eine Zelle, welche genau der in unserem
Werk gegebenen Beschreibung entspricht, wohin der Heilige in der
Fastenzeit sich zurückzuziehen pflegte, um seine Bußübungen vorzunehmen
. Eine Anspielung auf diese Einsiedelei und die darin geübten
Büßungen findet sich in dem Heiligengedicht des Cuimmin
von Connor, das vielleicht die erste Erwähnung des Heiligen darstellt.
Die zeitliche Ansetzung dieses Gedichtes weist ebenfalls nicht vor
das siebente Jahrhundert zurück.

Mac Creiche ist ausgesprochenermaßen ein Lokalheiliger
; möglicherweise gehörte er zu der Diöcese von
Killaloe. An seinem Leben wird mehr die Volkskunde,
als die Geschichte und Heiligenbeschreibung Interesse
nehmen. Die hohe Bezahlung, die der Heilige für jede
Wunderhilfe von seinen Verehrern zu fordern pflegte, ist
ein sehr unerfreulicher Zug an ihm, der sich aber auch
in den Lebensbeschreibungen anderer irischer Heiliger
wiederholt. Vielleicht hat die besondere Ausprägung
dieser Eigenart bei ihm die Entstehung seines Beinamens
veranlaßt.

Auch für das Leben des zweiten Heiligen, Naile,
findet sich nur ein einziges Manuskript, ebenfalls in der
Brüsseler Bibliothek; die reichlich schwülstige Darstellung
macht es nicht zu einem Beispiel hervorragender
irischer Heiligenbeschreibung; auch in historischer und
geistlicher Hinsicht gilt das gleiche Urteil. Auch zeigt
der Charakter des Heiligen keine sympathischen Züge.
In den Chroniken wird sein Name nicht erwähnt, aber
die lokale Überlieferung hat ihn festgehalten. Und wenn
auch seine zeitliche Ansetzung vollkommen problematisch
bleibt, so läßt sich doch die Stätte seiner Wirksamkeit
bestimmen. Sie liegt im Gebiet von Lough Erne,
woher auch alle andern Heiligen stammen, die zu ihm
in Beziehung stehen.

Über Cranat, die an dritter Stelle erwähnte Heilige
, existieren nur kurze Mitteilungen, die keinen Anspruch
erheben können auf die Bezeichnung als Lebensbeschreibung
. Die literarischen Unterlagen sind etwas
besser als bei den beiden andern. Ein Manuskript
findet sich in Brüssel, ein weiteres bei der Königl.
irischen Akademie in Dublin, und eine dritte, allerdings
ziemlich unleserliche Copie wird in London im Britischen
Museum verwahrt. Im wesentlichen wird von der Heiligen
nur berichtet, daß sie sich selbst des Augenlichts
beraubte, um der Ehe zu entgehen, wie dieses dann aber
auf wunderbare Weise ihr wiedergeschenkt wurde. Von
der hl. Brigitte wird Ähnliches erzählt. Sie lebte wahrscheinlich
in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts
und war die Heilige von Fer Muighe, dem
heutigen Distrikt Fermoy einschließlich seiner weiteren
Umgebung. In alten Zeiten befand sich in Kiluragh eine
nach ihr genannte Quelle ebenso wie ein ihr geweihter
Weißdorn, von dem alle nach Amerika Auswandernden
aus nah und fern sich einen Zweig zu pflücken pflegten,
der eine sichere Überfahrt verbürgen sollte.

Auf hundert Seiten folgt noch ein dankenswerter Katalog der
irischen Heiligenbeschreihung mit Listen der irischen und lateinischen
Manuskripte. Ein sorgfältiges Orts- und Personenverzeichnis verleiht
dem Werke erhöhten Gebrauchswert. Der SocieTe des Bollandistes gebührt
besonderer Dank, daß sie die Herausgabe eines Werkes unternommen
haben, dessen Leserkreis naturgemäß nur klein bleiben wird.
Dortmund. H. Goetz.

Koehler, Pfarrer D. Franz: Franziskus von Assisi. Leipzig:
Quelle fV. Meyer 1926. (31 S.) 8°. Rm. —50.

Oppermann, Stud.-Dir. Prof. Wilhelm: Auswahl aus Luthers
; Schriften, hrsg. Ebd. 1925. (61 S) 8". Rm. —70.

Koehler, Pfarrer D. Franz: Bernhard von Clairvaux. Ebd.
1926. (37 S.) 8°. = Religionskundl. Quellenbücherei. Rm. —60.

Das Prinzip der Arbeitsschule findet auch auf den
I Religionsunterricht Anwendung. Die Schüler sollen