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Ausgabe:

1926 Nr. 8

Spalte:

214-215

Titel/Untertitel:

Hebrew Union College Annual. Vol. I 1926

Rezensent:

Dalman, Gustaf

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 8.

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hing ihrer Religion und bespricht von den abgebildeten Gegenständen noch nicht als erwiesen; er wollte nur die Frage scharf formulieren,
genauer besonders die sog. Grenzsteine, sowie das in neuerer Zeit viel „wie die wunderbare Ähnlichkeit zwischen den Vorstellungen zweier
behandelte Amulett gegen die Labartu, das wahrscheinlich kranken so weit getrennter Völker zu erklären ist". Und für ihre Beantwor-
Kindern umgehängt wurde. Wenn gelegentlich die Hockerstcllung des tung hat er auf Grund seiner wunderbaren Belesenheit wieder weit-
Leichnams als Emhryonallage bezeichnet wird, so ist das wohl nicht verstreutes, wertvolles Material herbeigeschafft.

zutreffend. Andrae, der sich bisher vor allem durch seine ausgezeichnete

Endlich K., in Deutschland die erste Autorität auf diesem Gebiet, j Doktordissertation über die Person Muhammeds in Lehre und Glauben

seiner Gemeinde (1017) bekannt gemacht hat, setzt seine im vorigen
Jahrgang begonnenen Untersuchungen über den Ursprung des Islams
und das Christentum fort und zeigt, daß die Erwartung eines Gerichts,
die die Dominante der Frömmigkeit Muhammeds bildete, im wesentlichen
aus dem Christentum der syrischen Mönche stammt. Aus den
damaligen Verhältnissen in Mekka läßt sie sich nämlich nicht erklären
; auch im späteren Judentum spielt sie keine große Rolle. Weiterhin
im zeitgenössischen Christentum tritt sie im allgemeinen ebenfalls
zurück, wenn sie auch fh der volkstümlichen Frömmigkeit weiterwirkte
, und aus ihr stammt nun, wenigstens z.T. (zum andern aus
der altägyptischen Religion) die Angst vor dem Tode und dem damit
dieser finden w ir „Idole" nur in Gräbern; sie stellen wohl auch nach K. 1 zusammenfallenden Gericht, wie wir sie bei den koptischen Mönchen

behandelt unter der Überschrift „Religion des ägäischen Kreises" die
der neolithischen Kultur, die zwar auch später noch nachwirkt, deren
ursprüngliche Träger wir aber nicht kennen, die kretische oder
minoische Religion, die ein bestimmtes, nicht indogermanisches Volk
•ertrat, und die mykenische, der, wenngleich z. T. unter kretischem
Einfluß, die ältestenGriechen anhingen. Die Religion der neolithischen
Kultur lernen wir aus tönernen und steinernen „Idolen" kennen, die
•'■ T. Gottheiten darstellen werden; zu ihnen gehören wohl in der Tat
tuch noch die nackten weiblichen Figuren aus den Schachtgräbern
von Mykenai, die man sonst auf kretischen Einfluß zurückführt, die
aber zu der minoischen Religion nicht passen. In der ältesten Periode

keine Gottheiten dar, sondern Menschen, die den Toten ursprünglich
wirklich mitgegeben wurden. Götterbilder begegnen uns erst in
der 3. mittelminoischeii Periode und zwar solche von weiblichen Gottheiten
, unter denen K. die Herrin der Berge und Tiere und eine gewappnete
Göttin , das Urbild der Athene , Unterscheidet. Daß
Tiere niemals göttliche Verehrung genossen, ist gewiß für die spätere
Zeit richtig; aber ihre Zusammenstellung mit Pfeilern und Bäumen,
die ursprünglich als göttliche Wesen aufgefaßt worden sein werden,
beweist wohl das gleiche auch für jene. Andrerseits wäre es möglich,
daß aus der griechischen Religion auf die kretische zurückgeschlossen
werden müßte; aber für die Mythen ist das in der Tat trotz Nilsson j
(Der mykenische Ursprung der griechischen Mythologie, Antidoron,
Festschrift, Wackernagcl gewidmet 1923, 137 ff., bei Chantepie de Ia
Saussaye, Lehrbuch der Religionsgeschichte 1 II, 1925, 313 und A
History of Greek Religion 1925, 35f.) wenig wahrscheinlich. K.
wird auch damit recht haben, daß der minoische Einfluß auf die
mykenische Religion rein formal künstlerisch war; der Grabkult ist
in ihr von Anfang an viel stärker entwickelt gewesen als in Kreta,
während Kulträume in Palästen und Häusern fehlten. „Die entscheidenden
Tatsachen hellenischen Kultes, der selbständige Altarbezirk,
der Tempel und das Kultbild, sind offenbar ganz, neue Schöpfungen
gewesen."

So bringt namentlich diese vorläufig letzte Lieferung
des Bilderatlas außer wertvollem Anschauungsmaterial
auch reiche und wichtige neue Belehrung über
die betr. Religion, und das ganze Unternehmen entwickelt
sich immer mehr zu einem für das Studium der
Religionsgeschichte unentbehrlichen Hilfsmittel, für dessen
Schaffung dem Herausgeber und Verleger der wärmste
Dank gebührt.

Bonn. Carl Giemen.

finden. Von ihnen sind wieder z. T. die syrischen Mönche anhängig,
die sich vielmehr vor dem Gericht am Ende der Tage fürchten, und
da sich der Koran auch im übrigen vielfach mit ihrer Frömmigkeit
berührt, wird in der Tat angenommen werden müssen, daß Muhammed
von ihr beeinflußt war. Das wird Andrae in der Fortsetzung seines
Artikels wohl noch weiter ausführen und zugleich andre Fragen, die
zu demselhen Thema gehören, untersuchen.

Bonn. Carl Giemen.

Hebrew Union College Annual. Continuing the Journal of Jewish
Law and Philosophy. Vol. I. Cincinnati (Leipzig: O. Harrassowitz
i. Komm.) 1924. (VII, 639 S.) gr. 8°.

Als Fortsetzung des Journal of Jewish Law and
Philosophy soll dies Jahrbuch in Verbindung mit dem
Hebr. Union College in Cincinnati fortab jährlich erscheinen
. Der Band von 1924 zeigt die Vielseitigkeit
des in Aussicht genommenen Stoffes. Als „Biblische
Studien" machen den Anfang Quellenscheidung von
Gen. 1 (M. Lambert), die drei Kalender des alten
Israel mit wichtigen Unterschieden des dritten von den
vorhergehenden (J. Morgenstern), die Reihenfolge
einiger Weissagungen Jesajas (W. Popper), die
Völkerschaften Kharu, Horim, L-»edanim (E. Täub-
I e r), das Rätsel in der Bibel, dessen Begriff weit aus-
.gedehnt wird (H. Torcszyner), die Stellung des
Buches Rut in den Bibeltexten (L. B. Wolfensohn
), mes „Zürgelbaum" als Landschaftsname
Mescha (Gen. 10, 30), als wegen seines Rauches [eher
als Fruchtbaum ] vom Altarfeuer ausgeschlossen, als
Name von Nymphaea Lotus, das in jeder heißen Quelle
im Felde wachsen würde [aber Palästina fremd ist] (S.
Krauss). Die „Hellenistischen Studien" behandeln vor
allem die jüdischen Beziehungen zum beginnenden
Christentum. Jüdische Verwandtschaft findet L. Blau
allenthalben in der altchristlichen Epigraphik. Als Werk

Kyrkohistorisk Arsskrift utgiven ad D. Emanuel Linderholm
1924. (VIII, 376 S. Uppsala och Stockholm, Almqvist & Niksells
boktrjekeri.

Der vorliegende vorletzte Jahrgang der Kyrkohistorisk
Arsskrift enthält neben schwedischen Aufsätzen

zur einheimischen Kirchengeschichte (Söderberg, die l "n,s Palästinischen Juden, der durch den Ubertritt der
Restauration des Domes von Uppsala 1885-93 Fort- i "e,ena von Adiabene angeregt war betrachtet V. Ap-
setzung und Schluß, Gabrielsson Erzbischof Paulinus 0™itze,r die L?Z™d*. Vü" Josefs Weib Asenath.
und die Predigertochter Margareta in Kumla, ein Blatt ' L?, 7g 77^ e"! ldea bdd der jüdischen Re-
aus der Geschichte der Ekstlse, und Zettersteen, Eine ! fc» * . Jfcsr ,2«*. ,nach, welchem die von Adolf
hebräische Rede beim Jubelfest in Uppsala 1730) auch ; "*f^f Le.h .e Jf7 ™hts ^7eS enthlDlt-
zwei deutsche Artikel von allgemeinem Interesse, näm- i L^t^J^'} ™ . l 5?)Qff; die Sitte fines Beiich
religionsgcschichtlichen Inhalts, über die daher im KSjL-^gßÄ' 7 Lfü 2' 2}f- £*l K?™™ e'7r
Folgenden kurz berichtet werden soll. uchschen Sitte der Darstellung des Erstgeborenen, die

Reitzenstein sackt unter dem Titel: Weltuntergangsvorstel.ungcn ^ S

- f. Anschluß an A. Olriks Werk: Ragnarök (deutsch von | *»*ft<U^ ^^^^^^

[ aber nicht den Anfang selbständiger voller Gesetzespflicht
], zu Matth. 25, 1 die Sitte des Verlobungs-, nicht
Hochzeitsfestes im Hause der Braut, ohne die Möglichkeit
zu berücksichtigen, daß erst die Braut, dann der
Bräutigam in sein Haus gebracht wird, wie es im Orient
oft geschieht und in Jesu Gleichnis vorausgesetzt sein
wird, zum letzten Mahle und zum Begräbnisse Jesu die
jüdischen Passah- und Begräbnissitten, — durchweg
ohne Auseinandersetzung mit Billerbecks und meinen Erörterungen
derselben Dinge. S. Zeitlin betont, daß
Proselytentaufe und Händewasehen vor der Mahlzeit als
jüdische Sitte erst von 65 n. Chr. ab existiere, somit die

Ranisch) zu zeigen, daß auf den Schluß der Völuspä ebenso wie auf
verschiedene, auf englischem Boden gefundene christliche Denkmäler
der Manichäismus eingewirkt habe — sei es nun auf dem Wege über
Gallien oder über die Balkanhalbinscl, Rußland und die Ostsee. In
dieser Beziehung will sich R. nicht entscheiden, wie er wohl auch
in seinem Urteil über den Schluß der Völuspä schwankt: auf S. 134
will er Olnk ohne weiteres zugeben, daß derselbe nicht ursprünglich
ELu ,w:ihrcnd cr s- 203 sagt: „noch jetzt betrachten namhafte
I hilologen die geheimnisvolle Erwähnung des Mächtigen, der auf die
neue Erde zum Königsthing kommt, als alte Interpolation, was mir
bedenklich scheint, wenn man auch in dem verbleibenden Rest ein Ineinanderfließen
zweier Religionsanschauungen zugeben muß." Ich
selbst wußte zunächst nur gegen nebensächliche Kleinigkeiten Einspruch
zu erheben, aber auch R. selbst betrachtet seine Hauptthesc