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1926 Nr. 7

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191

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Rundschreiben Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XV. über die Wiederherstellung des Friedens unter den Völkern 1926

Rezensent:

Mulert, Hermann

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191

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 7.

192

lischen Selbstdarstellung. Aus den Tonstücken ferner,
durch die Verf. seinen Vortrag unterstützt hat, wird
zwar einiges über die religiöse Funktion der Musik
deutlich, wie er sie verstanden wissen will. Aber da er
sich auf den Boden des christlichen Glaubens stellt,
wird ihm nicht verborgen sein, daß Religion, die in
der Musik zum Ausdruck kommen soll, in der „Idee
einer die Erscheinungswelt durchwaltenden Weltvernunft
" nicht aufgehen kann, sondern eine praktische
Gottesbeziehung enthalten muß. Sie ist ja doch etwas
anderes als das Gefühl der ästhetischen Harmonie des
Einen in dem Vielen. Eine Sicherung des Religiösen
gegenüber dem Metaphysischen und Ästhetischen hätte
sich dem Verf. ergeben können, wenn der gedruckte
Vortrag eine Deutung der musikalischen Vorführungen
gebracht hätte. Endlich hätte sich dann auch gezeigt,
inwieweit die allgemeine Religiosität, die der Verf. in
der weltlichen Musik feststellt, dem spezifischen Charakter
der Frömmigkeit entspricht und gegenüber dem
höheren Gefühlsleben überhaupt sich besondert. Wenn
er diesem Problem nachgeht, wird er nicht umhin
können, die Probe auf die Richtigkeit seiner Theorie bei
der Kultusmusik zu machen. Denn das Musikalische an
dieser sind nicht Glaubenslehren oder kirchliche Handlungen
, sondern es ist die Urnschaffung des frommen
Erlebnisses in die Sprache der Töne.

Marburg (Lahn). Rudolf Günther.

Rundschrelben Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XV. über die
Wiederherstellung des Friedens unter den Völkern. München:
Theatiner-Verlag 1024. (19 S.) 8*. = Der Friede Christi im Reich
Christi, Heft 1. Rm —50.

Rundschreiben unseres hl. Vaters Pius XI. über den Frieden
Christi, wie er im Reiche Christi zu suchen ist. Ebd. (42 S.) 8°.
= Der Friede Christi im Reich Christi, Heft 2.
Deutscher Text der Enzyklika pacem dei munus vom 23. Mai
1920 und der übt arcano dei consilio am 23. Dez. 1922. Die Obersetzung
ist stellenweise bezeichnender, anderwärts weniger gut als
die in Herders fortlaufender Ausgabe der päpstlichen Rundschreiben
erschienene. Durch den gemeinsamen Obertitel ist die für die Enzyklika
Pius XI. vom 23. Dez. 1922 herkömmliche Bezeichnung in mißverständlicher
Weise auch auf die inhaltlich verwandte Kundgebung
Benedikts XV. von 1920 übertragen.
Kiel. H. Mulert.

Schüler, Gustav: Meine grüne Erde. Gedichte. 4. u. 5.
Tausend. Stuttgart: J. G. Cotta Nchf. 1925. (191 S.) 8".

Rm. 2.50; Lwd. 4—.

Dieses Gedichtbuch gehört zu den frühesten Veröffentlichungen
Schülers (1904) und hat ihn zuerst bekannt gemacht. Nunmehr liegt,
fast unverändert, das 4. und 5. Tausend vor. Es offenbart die Eigenart
dieses Lyrikers von der besten Seite. Am Volks- und Kirchenlied genährt
könnte er auf den ersten Blick als treuer Verwalter des älteren
lyrischen Erbes erscheinen, wenn nicht auch da ein eigener Ton mitspräche
. Über den wertvollsten Gedichten liegt jugendliche Frische,
sie atmen zugleich Reife, Kraft und zarte Innigkeit, und sie gehen in
edler Schlichtheit einher. Wo ihm dies gelingt, ist er am meisten er
selbst. In einem späteren Abschnitt seines Dichtens ist der Aufbau
kunstvoller, die Farbenpracht leuchtender, die Sprachgcwalt glänzender,
aber auch zuweilen der Gefahr des tönenden Wortschwalls nahege-
gerückt. Unsere Sammlung enthält schon Vollendetes wie den
„Friedhof" (S. 41) und dann — erschienen zu einer Zeit, wo sie noch
nicht Mode waren, die ersten üottsucherlieder. Diesen Ton hat
Schüler durchgehalten, er war bei ihm von Anfang an nicht ein Ton
neben andern; spätere Gedichte haben denselben geläutert und vertieft.
Die Auslese seiner frommen Lyrik gehört zu dem, was am längsten
von ihm dauern wird.

Marburg (Lahn). Rudolf Günther.

Armknecht, weil. Pastor Otto: Zionsstrahlen. Tägliche Andachten
, ausgew. aus dem Nachlaß. Mit e. Vorwort v. Landesbischof
D. Ihmels. 3. Aufl. Hamburg: Verlag d. Buchh. d.
Nordbundes. (400 S.) kl. 8°. geb. Rm. 3—.

Armknecht war ein beliebter Prediger in Linden, von dem mehrere
Predigtsammlungen vorliegen. Diese Andachten sind von seiner
Witwe aus dem Nachlaß ausgewählt und von Ihmels bevorwortet.
Es sind sehr kurze und gedrungene Andachten in volkstümlicher
Sprache, die stets mit einem kurzen Gebetswort schließen. Sehr
sprechen die kurzen Oberschriften über die einzelnen Andachten an,
die meist mit sehr feinem Geschmack gewählt sind.

Ahlden a. Aller. E. W. Bussmann.

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3. Auflage - 'preis 1 3)3J1.

Bon ber spreffe aller 3lict)tungen luarm empfohlen, geljört biefe
6d)rift nirtjt nur in bie iöanb eines jeben Sreunbes unferer
Beroegung, fonbern aud) in bie Sjanb eines jeben ©eiftlicfjctt
unb Kirchlich, intereffierteu Caien, roeidjer 9tichtung er aud)
angehören mag.

3m „Berliner Broteft. Bolksblatt" fdjreibt
33farrcr ?3ou rguin:

(Der Boräug bes 'Büchleins ift feine hlare Ueberfichtiid)heit,
feine 6ad)lidikeit unb Beriöljnlidjheit unb feine — man erfdjreche
nidjt — Äircblidjkeit.

3d) kenne kein Büchlein gegnerifcher 6eite, bas in biefer
leibenfdjaftslofen dBeife eine Ueberficftt über bas hircljenpolttijdjc
Eeben ber ©egenroart bietet roie biefes, erft recht keines, bas
bei aller Betonung bes eigenen 6tonbpunktes einen folctjen
Berftänbigungsioiilen aud) gan* nnbers gearteten ©egnern
gegenüber geigt.

^ttttcn^erlag Berlin SW 11

In Kürze erscheint:

Johannes und die
Synoptiker.

WollteJohannes die Synoptiker ergänzen
oder ersetzen?

von

Prof. D. Hans Windisch, Leiden.

Im allgemeinen nimmt man an, daß Johannes die
Synoptiker ergänzen oder berichtigen wollte, oder auch, daß
er sie überbieten wollte, im übrigen aber toleriere. Nur
wenige Gelehrte (wie Overbeck und Schwartz) schieben ihm
die Absicht zu, sie zu ersetzen. Windisch kommt in ausführlicher
Untersuchung zu dem Ergebnis, daß von Ergänzungsabsichten
keine Rede sein kann und daß wahrscheinlich
die Verdrängung der älteren Evangelien Absicht
des vierten Evangelisten gewesen ist. Joh. ist ein Evangelium,
das keine Lücken aufweist, das ganz aus sich erklärt werden
will. Die ältere Überlieferung wird völlig ignoriert. Die
wenigen Stellen, in denen man Anspielungen an sie finden
könnte, lassen auch eine andere Erklärung zu. Johannes
hat das Evangelium schreiben und alle anderen Schriften
und Stoffe, auch die Logien, überflüssig machen wollen.
Der Verfasser sucht in die Psyche dieses titanischen Verdrängers
tiefer einzudringen und kommt zu dem Ergebnis,
daß auch hier ein gnostischer Zug in die Erscheinung tritt,
daß aber andererseits das Motiv der Verdrängung in der
ganzen Evangelienliteratur, in der kanonischen, sich geltend
macht. In den beiden Sprüchen Joh. 10,8 und II. Kor. 5,6
findet diese Tendenz ihren klassischen Ausdruck.

Untersuchungen zum Neuen Testament, Heft 12
Preis etwa Mk. 9. — ; geb. etwa Mk. 11.—.

C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

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Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 17. April 1926.

Verantwortlich: Prof. D. E.Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.