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Ausgabe:

1925 Nr. 7

Spalte:

158

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cadoux, Cecil John

Titel/Untertitel:

The Christian Crusade. A study in the supreme purpose of life 1925

Rezensent:

Goetz, Hermann

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Seite 1

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157 Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 7. 158

mus in Holland kennen lernen will, hat in erster Linie
zwei treffliche Bücher des Leidener Systematikers K.
H. Roessingh zur Hand zu nehmen, die gelehrte
Leidener Dissertation: De moderne theologie in Neder-
land. Hare voorbereiding en eerste periode (Groningen
1914) und das populäre aber umfassendere, die Entwicklung
bis in die Gegenwart führende Büchlein: Het
modernisme in Nederland (Haarlem 1922). Für Leser,
die des Holländischen nicht mächtig sind, kann die vorliegende
Schrift von Vanderlaan, einem jungen amerikanischen
Theologen, der 1923 Europa bereiste, als Ersatz
dienen. Denn es beruht weithin auf den genannten
Büchern von Roessingh — der Verf. hätte das m. E.
deutlicher zum Ausdruck bringen müssen — wenn er
auch das bei Roessingh gefundene durch Mitteilungen,
die ihm hier in Holland gemacht wurden, und durch
eigenes Studium der in Betracht kommenden neueren
Literatur zu ergänzen gewußt hat.

Nach einer kurzen Übersicht über die Vorbereitung
(die Reveil-Bewegung und die Groninger-Richtung), schildert
V. zunächst die erste Periode, den Altmodernismus,
den er in Hauptsache um die drei großen Namen
Schölten, Opzoomer und den weniger bekannten, aber
gleich interessanten Hoekstra gruppiert. Bei Schölten
verweist er u. A. mit Recht auf den Einfluß AI. Schweizers
, wie denn der Modernismus in Holland dem
Schweizer Modernismus viel näher steht als dem Deutschen
. Bei der Behandlung des Utrechter Philosophen
Opzoomer streift er auch dessen Schüler und späteren
Antipoden AI. Pierson, der indes vielleicht eine noch
ausführlichere Würdigung verdient hätte (S. über diesen,
auch für deutsche Theologen hoch bedeutsamen Gelehrten
, der ein holländisches Gegenstück zu Strauß
und zu Overbeck ist, doch ein viel reicherer und tieferer
Geist als diese beiden, jetzt die umfangreiche Groninger
Dissertation an K. H. Boersema, Allard Pierson (den
Haag 1924).

Ein weiteres Kapitel behandelt die sog. Ethischmodernen
, die bereits eine Krisiserscheinung darstellen.
Da der Antisupranaturalismus ein Grundprinzip des Modernismus
ausmacht, wurde schon sehr bald das Gottesproblem
akut. Manche Modernen lehnten jede religiöse
Metaphysik ab und sagten sich ganz von Theologie und
Kirchendienst los (Pierson und Busken Huet die bekanntesten
Beispiele); andere reduzierten ihre Religion
und ihre Gottesanschauung auf einen ethischen Idealismus
; eine dritte Gruppe hielt an „Gott" fest, aber
schränkte seine Macht auf das ethische Gebiet ein.

Kurz beschreibt V. sodann die Rolle des (Alt-)
Modernismus im kirchlichen Leben, die anfänglichen
Erfolge und die später eintretenden Rückschläge. Dann
skizziert er die later tendencies, einmal die Gottesanschauung
und die Christusbilder, besonders das der
Radikalen, sodann die Krisisbewegung, die seit etwa
1909 einsetzt, die Malcontenten (Eerdmans Wortführer
und die Rechtsmodernen (hier wird Roessingh als
Führer gezeichnet), zwei Richtungen, die beide Revision
der Grundprinzipien verlangen, den Antisupranaturalismus
und Optimismus der Altmodernen bestreiten
, die Begriffe Sünde und Gnade wieder zur Grundlage
des modernen Christentums machen und mehr
oder weniger entschieden auf eine neue Christologie
hinsteuern.

Das Kapitel schließt mit dürren Hinweisen auf
die religiös-sozialistische Richtung, die viel ausführlicher
hätte beschrieben werden müssen, und auf die modern-
christliche Studentenbewegung. Und es folgt noch ein
letztes kurzes Kapitel über Parallels and Contrasts, das
einige Beziehungen des holländischen Modernismus zum
Auslande aufweist. Auch dieser Gegenstand muß einmal
viel gründlicher in Angriff genommen werden.

Das Buch ist eine Skizze, will auch nicht mehr sein.
Wohl mit Absicht behandelt der Vf. vor allem die
Probleme der dogmatischen Prolegomena und des
Gottesbegriffs, und läßt er die Probleme der Christologie
, die für Holland von gleichem Interesse sind, etwas
zurücktreten. Trotz seiner Mängel kann die Schrift
als Einführung in die Geschichte des holländischen
Modernismus sehr empfohlen werden.

Leiden._H. Windisch.

Cadoux, C. J., M. A., D. D.: The Christian Crusade. A study

in the supremc purpose of life. London: J. M. Dent & Sons 1024.

(VII, 126 S.) 8°. sh. 3.6.

Was ist der Zweck unsres Lebens? Auf diese
Frage versucht das Buch Antwort zu geben. Allerdings
geschieht das Nachdenken über diese Frage nicht etwa,
um ein uns quälendes Problem zu lösen; mit naiver
Offenheit erfolgt das Zugeständnis, daß der Engländer
ohne eine geschlossene Weltanschauung auszukommen
vermag! Sondern die Frage wird nur aus der Absicht
heraus behandelt, um „ein besseres Mittel in die Hand
zu bekommen, um bei Konflikten der Pflichten oder
Wünsche die richtige Entscheidung treffen zu können".
Allein um dieses praktischen Gesichtspunktes willen ist
es nötig, „letzte Zwecke" zu kennen.

Schon wegen unsrer ganzen sozialen Zusammengehörigkeit muß
die Frage nach dem Lebenszweck in Beziehung gesetzt werden zu den
Lebensbedingungen und Bedürfnissen unsrer Mitmenschen. Als Norm
für das menschliche Leben und als Heilmittel für die friedlos: Welt
hat Jesus die Unterwerfung unter den Willen Gottes verkündet.
Denn Gottes Wille bedeutet für uns „das Leben". Er gipfelt in
Gottes- und Nächstenliebe. Ein Überblick über die Geschichte des
Christentums zeigt seine religiös: und moralische Überlegenheit über
die nichtchristliche Umwelt, die von ihm in heilsamer Weise beeinflußt
wird, wenn auch in der nachconstantinischen Zeit weniger stark als
vorher. „Langsam, sehr langsam kommt Jesus zu seinem Recht innerhalb
der christlichen Kirche". Da die menschliche Natur immer dieselbe
ist wie vor tausenden von Jahren und die Welt als ganzes nie
vollkommen gut werden wird, ist Jesu Frage an uns die: Bin ich ein
Glied im Reiche Gottes? und was kann ich tun, andern zu helfen es
zu werden und auch sie wieder zu Menschenfischern zu machen
Die Aufgabe des Christen ist also eine individuelle, persönliche: Ausbreitung
des Reiches Gottes.

Ein einzigartiges Feld zur Ausbreitung des Gottesreiches bieten
Kirche und Sonntagsschule. Nach Abweisung ungerechter Kritik an der
Kirche — unter Anerkennung aller in ihr vorhandenen Schwächen und
Fehler — wird die Form des sonntäglichen Gottesdienstes einer kritischen
Besprechung unterzogen, vor allem das Vorherrschen der allzu
häufigen Predigten unter andauernder gottesdienstlicher Passivität der
Gemeinde. Auch der alleinige Gebrauch der Bibel im Gottesdienst
wird beanstandet, da Gottes Oeist auch zu andern Zeiten und zu
andern Schriftstellern geredet habe. Schlimmer als alles aber ist das
Versagen des moralischen Urteils der Kirche im Kriege, was durch
Beispiele belegt wird. Die Kirche selbst hat die Folgen davon zu
tragen. Auch zur Fruchtbarmachung der Sonntagsschule werden wertvolle
Winke geboten. Das Fehlen einer Erweckung zu persönlichem
freundlichen Dienst an der Jugend wird als schlimmster Notstand
der Kirche bezeichnet.

Der beherrschende Lebenszweck ist die Ausbreitung des Reiches
Gottes, damit, wie Origines sagt, „das Wort Besitz ergreift von
mehr und mehr Seelen". Das stoische Ideal der konzentrierten
Selbstkultur ist zu erweitern durch die christliche Forderung der
Nächstenliebe; sie will Gott gebrauchen als ein Mittel, rch selbst
unsern Herzen mehr zu nähern. Das ist der Haupts'nn des „Christ
liehen Kreuzzuges". Die Quintcssenz der christlichen Lebensansicht
ist, daß Freundlichkeit das Herz des Universums ist.

Ein erfreuliches Kennzeichen der neueren englischen
Literatur dieser Art ist, daß in zunehmendem Maße der
Einfluß der deutschen theologischen Wissenschaft sich
in ihr geltend macht. Der Verfasser, der seine Ausführungen
mit manchen Zitaten aus der Literatur beider
Länder würzt, ist bekannt mit Werken von H. Holtz-
mann, Harnack, A. Schweitzer, und zeigt auch in manchem
seiner Urteile, daß er von der traditionellen Engherzigkeit
seiner Nation in religiösen Urteilen sich frei
zu machen verstanden hat. Wenn auch Englands theologische
Entwicklung sich in nicht unbedeutendem Abstand
von der deutschen fortbewegt, so freuen wir uns
doch, daß sie überhaupt nachkommt.

Dortmund.___ H. Ooetz.

Aulen, Prof. D. Gustaf: Den allmänneliga kristna tron.

Stockholm: Svenska kyrkans diakonistyrclses bokförlag 1923. (370
S.) gr. 8». Kr. 8,75.

Aus einer im Sinne der Religion liegenden Perspektive
geht Aulen an seine Aufgabe. Das vom Glaubens-