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Ausgabe:

1925

Spalte:

152-153

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Achelis, Hans

Titel/Untertitel:

Das Christentum in den ersten drei Jahrhunderten. 2. Aufl 1925

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 7.

dem Dekalog, der Jahwe als die einzige Kausalität des
Lebens verkündet und damit allen Dämonenglauben abschneidet
, was dann zur Folge hat, daß viele der alten
Dämonengeschichten auf Jahwe übertragen werden;
letztlich aber in der religiösen Grundstimmung, die alles
religiös und aus der einen Quelle erklärt und zugleich
vom „Kreaturgefühl" durchdrungen ist. Auch das Ethische
ist bei den Propheten aufs engste mit dem Dämonischen
verknüpft und völlig aufgehoben ist es überhaupt
nie. „Es ist scheinbar etwas besonders Altertümliches
araA.T....; in Wirklichkeit aber ist es, in aller
Wandlung und Entwicklung, etwas Ursprüngliches und
Ewiges" (S. 41). — Dies die Hauptgedanken des Vortrags
, der den Höhepunkt des Alttestamentlertages bildete
. Sie sind nicht absolut neu — das sagt auch der
Verf. selber, und namentlich der Einfluß von Söderblom
und R. Otto tritt stark hervor — aber noch nie in dieser
Weise zu einem gewaltig eindrucksvollen Gesamtbild
zusammengefaßt, das dann auch wieder so manche
einzelne Stelle des A. T. in neues Licht rückt. Mit Recht
wurde in der Diskussion bemerkt, daß dieser Vortrag
besser als irgend etwas anderes den großen Fortschritt
der atl. Wissenschaft gegenüber den 80er und 90er
Jahren zeige, den Fortschritt, der vor allem ein Ertrag
der religionsgeschichtlichen Forschung ist.

Über manches einzelne ließe sich natürlich mit dem Verf. rechten,
so über die mosaische Herkunft des Dekalogs (S. 27), über den Jah-
wisten als eine „bedeutende Führernatur" (S. 29), vor allem auch
darüber, daß die Horebszenc in Elia die Erkenntnis geweckt haben
soll, daß Jahwes Wesen nicht das furchtbare elementare Dräuen,
sondern das stille Walten sei (S. 35 f.). Die folgende Jahwerede verbietet
mir einfach die Erklärung: ein derart krasser Widerspruch nicht
zwischen verschiedenen Erzählungen, sondern innerhalb einer und derselben
erscheint mir unannehmbar; und von einem „psychologischen
Zusammenhang" mit der Karmelszcne darf man kaum reden, wo doch
die Erzählungen von einander völlig unabhängig sind und die Horeb-
sage, die Elias Mißerfolg so offen zugibt, doch wohl die ältere ist.
— Interessant ist der Versuch, bei den Wiederholungen in Ex. 19,
9—25 ohne Quellenschcidung auszukommen: diese hin- und herwogende
Geschichte stamme von einem einheitlichen Erzähler, der
immer neu anfange, um die schreckliche Erscheinung Jahwes, die
Vorsicht und Angst vor ihm deutlich zu machen (S. 71), vgl. dazu des
Verf.'s Ausführungen Th.L.Z. 1923 Sp. 390f. anläßlich der Besprechung
von Eißfeldts Hexateuchsynopse. — Zu Ri 8, 23 und ähnlichen
Stellen (S. 82) bietet Odin interessante Analogien, vgl. Fr. v.d.
Leyen, Deutsches Sagenbuch I2 (1920) 179 f.

Marburg (Lahn). W. Baumgartner.

Haefeli, Dr. Leo: Ein Jahr im heiligen Land. Mit 26 Abb.
u. e. färb. Karte v. Palästina. Luzern: Räber & Cie. 1924. (XVI,
383 S.) 8°. geb. Fr. 12.50.

Abweichend von dem üblichen Geleise und Inhalt
der Reisebeschreibungen gewährt der durch seine „Geschichte
der Landschaft Samaria" (1922) und sein „Cä-
sarea am Meer" (1923) als Erforscher der Geschichte
Palästinas bekannte schweizerische katholische Theologe
Einblick in seine Eindrücke und Erlebnisse in Palästina
im Jahre 1921. Die durch Ergänzung der Bahnlinien
vervollständigte Handkarte von Fischer-Guthe und gute
neue photographische Aufnahmen sorgen für Orientierung
und Anschauung. Jerusalem und seine weitere
Umgebung, in der il-ikbebe besonders für Beobachtung
arabischen Volkslebens benutzt wird, Samarien und Cä-
sarea, Karmel und Tabor, See Gennezaret, Dscherasch,
'ammän und madaba werden beschrieben, stets mit
plastischer ungeschminkter Darstellung der Wirklichkeit
in Landschaft und Bevölkerung, mit der auch in Verkehr
getreten wird. Der Islam, die römisch-katholischen Gemeinden
, die von England dem Lande gegen seinen
Willen aufgedrängten jüdischen Zionisten, aber auch
die Schulen und die Tiere des Landes, werden durch
eigene Erlebnisse, die durch zuverlässige Erkundung
ergänzt sind, beleuchtet. Daß das Hospiz der
Kaiserin Auguste Viktoria-Stiftung in einen kaiserlichen
Palast verwandelt ist, zeigt, daß bei den Erkundungen
auch einmal eine Kriegsmythe unterlaufen konnte.
Grcifsvvald. G. Dal man.

Pfannmüller, Prof. D. Gustav: Handbuch der Islam-Literatur.

Berlin: W. de Gruyter & Co. 1923. (VIII, 436 S.) 4°.

Gm. 15—; geb. 17—,
Im Rahmen dieser Zeitschrift kann das Buch nur
aufs nachdrücklichste empfohlen werden. Es hält nicht
nur, was Titel und Vorwort versprechen, sondern hinter
dem bescheidenen Titel birgt sich der Ertrag einer ungemein
fleißigen und zweckdienlichen Arbeit. Es ist
j dem Verf. in außerordentlichem Maße gelungen, den
j spröden Stoff zu meistern. (Irgendwelche wünschens-
j werten Nachträge lassen sich an derartigen Werken begreiflicherweise
immer anbringen. So wäre auf S. 198
B 1 nachzutragen G. Sacco: Le credenze religiöse di
Maometto, Roma: Franc. Ferrari 1922, XLVI, 192 S.)
| Vor allem: das Buch zählt nicht eine unübersehbare
! Menge trockener Titel auf, sondern bietet zu jedem
kurze, gediegene Inhaltsangaben und baut aus diesen
| wieder, der geschichtlichen Entwicklungslinie folgend,
zahlreiche kleine Aufsätze und anregende Überblicke
| auf. So birgt das Werk eine große Anzahl in sich geschlossener
Artikel, die als Einführung in das Studium
| wichtiger Gebiete ihre eigene Bedeutung haben. Ich erinnere
nur an den Abschnitt über Mohammed (115 bis
I 206!), worin besonders die Skizze einer Geschichte der
! Mohammed-Biographie wertvoll ist. Der Verfasser des
j „Jesus im Urteil der Jahrhunderte" bewährt auch hier
| wieder seine Fähigkeit geschickter Auswahl und groß-
I zügiger historischer Durchblicke. Es ist dem Buche
| dringend zu wünschen, daß es weit über den „Fach-
| kreis" hinaus, insbesondere unter Theologen Verbreitung
! findet. Man möchte es als Muster denen empfehlen, die
j imstande sind, ähnliche Handbücher für andere außer-
j christliche Religionen und Kulturen zu schreiben. Das
leicht in allzu schmale Spezialforschungen einmündende
religionsgeschichtliche Studium bedarf solcher encyclo-
pädischer Anregungen. Der Bibliothekar, der sich in
den Dienst dieser Idee stellt, erfüllt damit nicht nur eine
ihm besonders obliegende Pflicht, sondern pflegt im
Ganzen der Wissenschaft einen unentbehrlichen, gerade
seiner Obhut anvertrauten Wesenszug echter Gelehr-
• samkeit.

Gießen. Heinrich Fr ick.

' Achelis, Hans: Das Christentum in den ersten drei Jahrhunderten
. 2. Aufl. Mit 20 Taf. Leipzig: Quelle & Mever 1925.
(XVI, 343 S.) gr. 8°. geb. Gm. 10—.

Die erste, 1912 erschienene Auflage dieses Werks
ist in dieser Ztg. 1913, 171 ff. von dem inzwischen
heimgegangenen Preuschen besprochen worden. Sie
umfaßte zwei Bände mit zusammen 765 Seiten, die Seite
I mit 41 Zeilen. In der vorliegenden zweiten Auflage ist
| der Umfang auf einen Band von 343 Seiten, die Seite
J mit 38 Zeilen gekürzt worden. Diese Kürzung hat der
j Verf. dadurch gewonnen, daß er den Text auf seine
hauptsächlichen Bestandteile beschränkt und die vielen
und umfangreichen Anmerkungen und Exkurse bis auf
eine zum Schluß angefügte kleine Sammlung von Stellenverweisen
gestrichen hat. So erreichte er das, was ihm
von Anfang an vorgeschwebt hatte: eine für einen
größeren Leserkreis bestimmte Geschichte des christlichen
Lebens in den ersten drei Jahrhunderten. Da
aber die unterdrückten Abschnitte den andern an Ge-
I diegenheit nicht nachstehen und namentlich die Anmerkungen
und Exkurse eine Fülle von treffenden
Beobachtungen und wertvollen Belegen aus der altchristlichen
Literatur bergen, so behält die erste Auflage
ihren selbständigen Wert, den der Fachmann und jeder
j für die Einzelheiten aufgeschlossene Leser immer wie-
I der schätzen wird. Andererseits sind dieser zweiten Auf-
I läge zwanzig hübsche und passend ausgewählte Ab-
! bildungen beigegeben, die der Verf., ein guter Kenner
der altchristlichen Kunst, im Texte mit den nötigen Erläuterungen
versehen hat.

Aus den 7 Kapiteln der 1. Aufl. sind 6 geworden,
indem das Werk des Apostels Paulus, das ein eigenes
Kapitel gebildet hatte, an die Spitze des Kapitels über