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Ausgabe:

1925 Nr. 6

Spalte:

143-144

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Sieben Sekten des Verderbens. Eine Warnung für evangelische Christen. 13. Aufl 1925

Rezensent:

Schornbaum, Karl

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Seite 1

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143

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 6.

144

kann nur der Mensch sein, dessen Lebenszentruni das Triebleben ist.
Solange die Triebe in ihm nur vermöge ihrer Eigenkraft wirken, hat
er vor dem Tier nichts voraus. Werden die Triebe „zweckbewertet",
d. h. um eines zu erreichenden Zweckes willen betätigt, handelt es
sich nach dem Verf. um Lebenstechnik, die in den Anfängen schon
auf der tierischen Stufe vorkommt und die beim Menschen zur Gestaltung
der Zivilisation führt. Zur Erfüllung des Lebens kommt es
erst durch die „Eigenbewertung" der Triebe, d. h. Ausübung der
Triebe um ihrer selbst willen. Ein neues Ziel blinkt damit dem
Menschen auf: die schöpferische Persönlichkeit. Zu ihr soll die
Lebenskunst verhelfen. Durch die bewußte Eigenbewertung der
Triebe (dazu gehören alle, auch die höchsten geistigen Anlagen des
Menschen) soll die Spannung zwischen der Seele und ihren Erzeugnissen
überwunden werden: die nach Eucken üblich gewordene Aufgabe
einer Welt- und Lebensanschauung.

Wendet sich das Zweckbewerten des Denktriebs, wie es zur
Gewinnung wissenschaftlicher Ergebnisse bis zur Hypothese eines Allwillens
führt, zur Eigenbewertung um, dann bauen wir über den uninteressierten
Seinsurteilen der Wissenschaft eine Welt von Werturteilen
auf (von Ritsehl?) und setzen uns dadurch in Glaubensbeziehung
zu der gewissen Wirklichkeit eines Allwillens, in dessen Lichte wir
uns selbst erst klar sehen (144 ff.) Persönlichkeitstrieb und religiöser
Trieb steigen so als Korrelatbegriffe beide aus der Eigenkraft des
Selbsterhaltungstriebes auf (S. 150). Lebenserfüllung wird darnach,
soweit ich sehen kann, erreicht durch harmonische Eigenbewertung
aller Triebe der sub specie aeternitatis sich betrachtenden Persönlichkeit
.

Kann der „Geistige" dies durch Eigenarbeit leisten, so muß das
Volk im Rahmen von lebenskünstlerischen Institutionen dazu erzogen
werden. Der Verfasser schätzt den Beitrag, den die Kirche in solcher
Funktion dafür geleistet hat und noch kann, nicht gering ein. Zwar
scheint mir sein Ziel, ein modernes Delphi, das die ganze vielgestaltige
Kulturtätigkeit im Religiösen als ihrem Brennpunkt zusammenstrahlen
läßt, fürs erste zu weit gesteckt. Daß aber andrerseits die Kirchen-
mauern, so wie sie jetzt stehen, für großzügige Tätigkeit zu eng
sind, ist richtig.

Eine ins Einzelne gehende Stellungnahme zu den ruhigen, sich
von überhasteten Neuerungen fernhaltenden Ausführungen ist wegen
ihrer oft nur andeutenden Art nicht möglich, auch wohl wegen ihrer
aufs Oanze gerichteten Tendenz nicht erwünscht. Da der Hauptteil
Lebenskunde, d. h. die theoretische Fundierung der Lebenskunst ist,
beschränke ich mich auf sie. Typisch erscheint mir die biologisch-
psychologische und im Zusammenhang damit subjektivistische Einstellung
. Sich selbst ernst zu nehmen: Darauf läuft schließlich die
Lebenskunst hinaus. Was subjektivistisch als spontane Eigenbewertung
gedeutet wird — die weite Fassung des Begriffs Trieb will ich dahin
gestellt sein lassen — ist doch schließlich das rezeptive Hinnehmen
von Lebenssinn in verschiedenen Schattierungen, durch dessen Erfassen
wir über uns hinaus in eine Welt von objektiven Lebenswerten
hineintauchen. Dann ist man auch über die Schwierigkeiten hinweg,
Eigen- und Zweckbewertung der Triebe, was ihre Leistung für die
Lebenskunst betrifft, in solch ausschließlichen Gegensatz stellen zu
müssen. Durch selbstlose Arbeit für Zwecke oder im Dienst der
Gemeinschaft kann man sich ebenso lebenskünstlerisch betätigen. Auch
das religiöse Leben läßt sich dann statt als Ausfluß menschlicher
Triebe oder Bedürfnisse unmißverständlicher deuten als das Ergriff ensein
von einer unabhängig von uns bestehenden Wirklichkeit, wie es in
glücklicher Inkonsequenz öfters bei dem Verf. herausklingt.

Heidelberg. Robert W i n k 1 e r.

Sieben Sekten des Verderbens. Eine Warnung für evangelische
Christen. Dargeboten vom Deutschen Verband für Gemeinschaftspflege
und Evangelisation (Gnadauer Verband). 13. Aufl. (157.—
186. Tausend.) Elberfeld: Buchh. der Evang. Gesellschaft f.
Deutschland 1924. (29 S.) 16°. Gm. —15; Partiepreise.
Die 7 Sekten des Verderbens (2. Petr. 2, 1. 2) sind die Advcn-
tisten, ernsten Bibelforscher, Neuapostolischen, Mormonen, Scientisten,
Spiritisten, Theosophen und Anthroposophen. Vor ihnen wird in
dieser kleinen Broschüre vom Standpunkt des bibelgläubigen Gemeinschaftschristentums
aus gewarnt. Wie schon die angegebene Literatur
zeigt, handelt es sich nicht um ein tieferes Eindringen in die hier auftauchenden
Probleme, sondern um schlichte Belehrung. Die hohe

Auflagenzahl beweist, daß hier einem Bedürfnis abgeholfen wird,
das schon lange empfunden wurde.

Roth. K. Schornbaum.

Mitteilung.

1. Die Haager Gesellschaft zur Verteidigung der
christlichen Religion hat Herbst 1924 einer der bis 15. 12. 1923
eingereichten Preisarbeiten (mit einem Motto aus Jakob Basnage) da»
Accessit verliehen, fordert den Verf. zur Genehmigung der Eröffnung
des Namenszettels auf und schreibt ein Preisthema für 1926 nicht aus.
Bis zum 15. 12. 1925 können noch auf die Frage: „Eine Beurteilung
der Theorien über den Wert des Egoismus
seit Stirner" Antworten eingesandt werden mit Motto und versiegeltem
Namenszettel an Professor Dr. T. Cannegieter in
Utrecht.

2. Die Teyler'sche Theologische Gesellschaft zu
Haar lern hat Herbst 1924 dem Honorarprofessor Lic. Dr. Koppel-
mann in Münster den vollen Preis zuerkannt für die bis 1. 1. 1924 eingereichte
Preisarbeit. Sie schreibt zur Beantwortung vor dem 1. 1.
1927 aus das Thema: „Ursprung, Wert und Zukunft der
außerkirchlichen Religiosität"; außerdem können bis 1.
Januar 1926 noch Antworten auf die Frage eingesandt werden: „Das
Verhältnis zwischen Autorität und persönlicher
Freiheit und Selbständigkeit auf dem Gebiet des
geistigen Lebens." Auflösungen in holländischer, deutscher,
lateinischer, französischer oder englischer Sprache mit Motto und versiegeltem
Namenszettel an: Fundatiehius van wylen den Heer P.
Teyler van der Hülst, te Haarlem. Hirsch.

Anzeigen.

93or kurjem erfahren:

Feiertage

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uon SBaltfjer 9titI)ac&=Staf)n

"Pfarrer an ber Äaifer=flT3ill)elm=©ebäd)tniskirtf)e in SBcrlin.

Dicfc 20 "prebigten finb roäirrenb ber legten 3arjre, itnb
8ronr oor einer lueltftäbtifefoen ©emeinbe, gehalten, unb bas
bebeutet eine oon ben 3eitfragcn unb religiöjen "Problemen
berührte 3ul)örerfch,aft. Saljer bas "Beftreben bes "prebigers,
unter "Borausfegung einer rotffenfttjaftlicfjcn Bibelauslegung
ben ©emiit unb Senken über0eugenben Bcroeis p führen, bog
man im Sollfinne ein eoangelifdjcr Ghrift unb ein mobern ge»
bilbeter Btenfrh pgleid) fein kann; bag bie "JBiffenfdjaft ben
©lauben nicht antaftet, ber in einer SJBcIt für firi) lebt, baß
aber anbererfeits ber ©laube, fo überfinnlirh feine $)<mat, bod)
ber entfdjeibenbe ^Regulator bes gefamten Kultur», SMrtfdjafts«
unb Böikeriebens ift, oieimehr roerben muh.

"preis 3.— ©m., geb. 4.20 ©m.

3. ©. ^tnrtc^s'fdje 53ucf)l)ünblimg, Cetyaig.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 4. April 1925.
Beiliegend Nr. 6 des Bibliographischen Beiblattes und ein Prospekt der Wei dma n n'schen Buchhandlung, Berlin.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. H i n r i c h s'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.