Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1925 Nr. 25

Spalte:

580-581

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mowinckel, Sigmund

Titel/Untertitel:

Profeten Jesaja. En Bibelstudiebok 1925

Rezensent:

Hölscher, Gustav

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

579

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 25.

680

fors) wendet sich gegen Mowinckels Theorie von den
„Feinden" der Klagepsalmen als Zauberern. Johannes
Jacobsen (Kobenhavn) unterstützt unter Hinweis auf
italienische Bibelübersetzungen des 15. Jahrhunderts und
italienische Vulgataausgaben die Ansicht von Klaczko,
daß auf Michelangelos Darstellung der Erschaffung
Adams in der Sixtinischen Kapelle die weibliche Gestalt
unter dem linken Arm des Schöpfers nicht Eva,
sondern die Weisheit von Prov. 8,22—31 ist. H. O.
Lange (Kobenhavn) berichtet über Opferstiftungen für
Statuen in Ägypten unter der 18. Dynastie. Pontus
Leander (Göteborg) behandelt drei sprachliche
Fragen des Ge'ez: a) der ursemitische emphatische
Spirant dt wird im Ge'ez zu dem entsprechenden alveolaren
Dental z verschoben, b) 'ed „Hand" ist Analogiebildung
zu 'egr „Fuß", c) Elision von intervokali-
schem h nach Drucksilbe erfolgt im Ge'ez (im Unterschied
vom Hebräischen) nur nach kurzem Vokal. Edv.
Lehmann (Lund) will die Immanuelweissagung Je-
sajas als Drohweissagung verstehen. Arthur Gotfred
Lie (Oslo) behandelt das Ordal in Hammurabis Gesetz
und in den alten assyrischen Gesetzen: der ursprüngliche
Sinn des Wasserordals ist, daß das Wasser den
Verbrecher vernichtet, den Unschuldigen schont. Joh.

Lindblom (Abo) bietet eine stilkritische Behandlung
der öffentlichen Rede im alten Israel: stereotype
Anfänge („versammelt euch", „seid still", „hört" u. a.)
im Stil der Straßenhändler und Selbstempfehlung des
Redners. S. Michelet (Oslo) macht bemerkenswerte
Einwände gegen Mowinckel: gegen das Alter des
Thronbesteigungsfestes in Israel und gegen dessen im
eigentlichen Sinn „dramatischen" Charakter. Axel Moberg
(Lund) zeigt im Anschluß an seine Tabari-
Studien, daß die südarabischen Legenden über Abdallah
b. ath-Thamir und Femion ebenso wie auch die äthiopische
Legende vom heiligen Azqir auf die in Pcrsien
unter Jezdegerd II. spielende persisch-syrische christliche
Jazdin-Pethion-Legende zurückgeht. Holger Mos-
bech (Kobenhavn) verteidigt die Ansicht, daß ajcöaxo-
h>g im ältesten christlichen Sprachgebrauch den weiteren
Sinn des hervorragenden Missionars hatte und erst
später auf die Zwölf beschränkt wurde. Sigmund
Mowinckel (Oslo) bezieht den alttestamentlichen
Ausdruck „im Tore" als Bezeichnung der Gerichtsstätte
nicht auf das Stadttor, sondern ursprünglich auf das
Tor der Königsburg der kanaanäischen Städte. Haraldur
Nielsson (Reykjavik) behandelt kenntnisreich die
isländischen Bibelübersetzungen. Johannes Pedersen
(Kobenhavn) untersucht die Frage nach babylonischem,
assyrischem und hethitischem Einfluß auf die Gesetzgebung
Israels: die Gesetze über Angriffe auf das
Menschenleben sind in der Grundauffassung vom babylonischen
Rechte geprägt; die Auffassung vom Eigentum
ist stark durch hethitischen Geist beeinflußt; die
Auffassung der Ehe in Israel ist gemeinsemitisch und
ohne direkten ostsemitischen Einfluß; ein spezifisch
assyrischer Einfluß ist in Israels Gesetzgebung nicht
nachweisbar. O. E. Ravn (Kobenhavn) handelt von
der furchtbar grausamen Eroberung und Zerstörung
Babylons durch Sanherib 689 und der sonstigen babylonischen
Politik Sanheribs. Erik Stave (Uppsala) verteidigt
die Ansicht, daß Hesekiel Kataleptiker war. Knut
Tallqvist (Helsingfors) zeigt, wie alle sprachlichen
Bezeichnungen für „begreifen" und „das Unbegreifliche
" auf konkrete Anschauungen zurückgehen. K. V.
Zettersteen (Uppsala) berichtet über den Nachlaß
Almkvists zur arabischen Lexikographie, den er in
Le Monde oriental 1925 publiziert. J. Gastrup
(Kobenhavn) schreibt über die arabische Formel „Es
war einmal" (kän mä kän), die noch im Spanischen
des 16. Jahrhunderts (im Munde des Sancho Pansa bei
Cervantes) lebendig war, und mißverstanden auch ins
Türkische (bir varmys bir joqmus) übergegangen ist.
Marburg (Lahn)._ O. Hölscher.

Mowinckel, Sigmund: Profeten Jesaja. En Bibelstudiebok.

Oslo: H. Aschehoug 8t Co. 1925. (VI, 125 S.) gr. 8°.

Dies kleine gemeinverständliche Buch will, ähnlich
wie bei uns dje vom Calwer Verlagsverein herausgegebenen
„Erläuterungen zum Alten Testamente", aber
von einem theologisch freieren Standpunkte aus, ein
wissenschaftliches Verständnis des biblischen Prophetis-
mus vermitteln. Diese Aufgabe scheint mir vortrefflich
gelöst zu sein. Die Darstellung ist einfach und klar,
ohne Phrasen und ohne gelehrten Ballast; die poetischen
Uebertragungen der Textproben geschmackvoll,
der Inhalt religiös verständnisvoll und warm, das Ganze
wohl geeignet, Interesse und Freude am Stoff zu
wecken.

Das 1. Kap. „Die Zeitverhältnisse" gibt eine Skizze
der politischen Geschichte Judas in der Zeit Jesajas.
Die Chronologie der Könige Judas in dieser Zeit, die
bekanntlich ziemlich unsicher ist, konstruiert M. so:
Uzzia t 736/5, Jotam t/ 735/4, Ahaz t 715/14, Hizkia
f 686/5. Darnach fiele Jes. 6 in das Jahr 736/5 und
Jesajas Berufung wäre bereits durch den drohenden
syrisch-efraimitischen Angriff angeregt. Die Geburt
und Namensgebung des Schearjaschub fiele dann vor die
Berufungsvision. Das 2. Kap. behandelt „Jesajas äußere
Lebensumstände". Jesaja ist nach M. kein Aristokrat,
sondern ein organisierter Tempelnabi von entsprechender
niederer sozialer Stellung. Immanuel ist, wie Schearjaschub
und Maherschalal-Chaschbaz, ein Sohn Jesajas
, und die 'almä 7,44 demnach das junge Weib
Jesajas, wie schon Raschi und Ibn Ezra richtig verstanden
haben. Die Immanuelweissagung faßt M. als
reine Drohweissagung und den Ausdruck des Weibes
„Immanuel" als Angstruf „Gott steh uns bei!" Mir will
das noch nicht einleuchten, obwohl auch Edv. Lehmann
dem jetzt beitritt. Das 3. Kap. macht den Versuch, „die
Verkündigung Jesajas" biographisch-chronologisch darzustellen
. Das Nebeneinander von Drohweissagung und
Hoffnung bei Jesaja erklärt M. einerseits aus der überlieferten
prophetischen Gerichtsdrohung seit Arnos, andererseits
aus den in den Hof- und Tempelkreisen heimischen
„idealen Zukunftserwartungen", die sich vor
allem an das Thronbesteigungsfest knüpften („Tag
Jahves", „Thronbesteigung Jahves"). Im Allgemeinen
kennt man M.s Anschauungen über diesen Punkt aus
„Psalmenstudien II". Noch schärfer als dort unterscheidet
M. jetzt den aktuellen Charakter der Prophctie
von der „Eschatologie", und er lehnt auch den Namen
„volkstümliche Eschatologie" für die an das Thronbesteigungsfest
geknüpften Ideen ab. Eigentlich sollte
er dann auch nicht mehr von „idealen Zukunftserwartungen
" reden; denn tatsächlich meint er doch nur das,
was sich für den Gläubigen im jährlichen Kulte realisierte
und erlebte Gegenwart wurde. Hier scheint mir
noch nicht alles bis zu Ende durchdacht zu sein. Der
„Rest", dem die Hoffnung Jesajas gilt, ist nach M. ursprünglich
Juda im Gegensatz zu Israel, dann nur noch
der enge Kreis seiner Jünger. Auch in dem Verse 6, 13,
den M. für ursprünglich hält, findet er mit einer Konjektur
nach Buhl diesen Rest. Die Orakelsammlung 6, 1
bis 9, 6, die Weissagungen aus der frühsten Zeit des Propheten
enthält, ist nach M. die einzige, die in ihrer
Grundlage auf Jesaja selber zurückgeht. Im Übrigen
datiert er in die Zeit vor 722 noch die Stücke 5,1—7;
9,7—20; 5,25—30; 17,1 — 11; eventuell auch 28,1 ff.;
3,1—4,1. In die Jahre 713—711 setzt er außer 20,1—6
noch, allerdings mit starkem Zweifel an der Echtheit,
19,1—15. Die größte Masse der Weissagungen stammt
aus den Jahren 705 ff. und 701. Speziell in das Jahr
705 datiert er 14,29—32 und 18, 1 ff. Seine literarkri-
tische Stellung skizziert er kurz im 6. Kap., wo er über
„das Jesajabuch", seine Entstehung aus älteren Teil-
sammlungen und die Frage der Echtheit oder Unecht-
heit der einzelnen überlieferten Stücke spricht. Die
Sammlung der Jesajaweissagungen weist er, abgesehen
von 6—8, durchweg erst dem Kreise der Jesajajünger zu.