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Ausgabe:

1925 Nr. 22

Spalte:

527

Autor/Hrsg.:

Glebe, Karl

Titel/Untertitel:

Lutherabende. Eine Handreichung zur festlichen Ausgestaltung unserer Reformationsgedenkfeiern. 2., bereich. Aufl 1925

Rezensent:

Schian, Martin

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•r^7 Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 22. 528

Zusammenhang der letzten sie leitenden Überzeugungen gelegt haben.
So wird bei ihnen der Bericht zu einer wirklichen Erläuterung ihrer
Lebensarbeit. Wenn ich mich auf die drei deutschen Systematiker
beschränke: Seeberg gibt einen klaren Bericht über die Grundgedanken
und Ziele seiner großen Hauptschriftcn. Lehrreich ist vor
allem sein Bekenntnis zum allumfassenden System im Sinne des
deutschen Idealismus, llimels legt eine ziemlich vollständige Skizze
des ihm eigentlichen Systems vor, in nochmaliger formeller
Neugestaltung. Schlatter löst die Aufgabe, die durch den
Plan des Werks gegeben war, in einer Vollendung, die man
klassisch heißen kann. So, daß man die Notwendigkeit greifen
kann, in der ilun seine Ziele aus seinem Leben erwuchsen; und so,
daß die Beziehungen kritischer und bejahender Art klar werden, die
seine Arbeit zu der Arbeit der andern und zu den großen Aufgaben
der Kirche hat. Seine Worte sind, ohne daß er aus dem Rahmen der
Selbstdarstellung herausträte, weit mehr als eine bloße Rückschau
eines einzelnen auf seine Arbeit. Die großen allgemeinen Anliegen der
Theologie und der Kirche kommen in ihnen zur Sprache, und
Schlatter's Urteile und Wünsche hinsichtlich der weiteren Entwick
hing unsrer Arbeit werden sichtbar, in deutlicher Abgrenzung gegen die
hauptsächlichen theologischen Arbeitsrichtungen. Freilich hatte Schlatter
es leichter als die andern, etwas ganz Abgeklärtes zu geben, da er
schon zweimal Autobiographisches gegeben hatte; anderseits ist es zu
bewundern, daß er die Wiederholung so sehr zu vermeiden gewußt.

Aus der Selbstdarstellung des Amerikaners Brown hebe ich
heraus, daß sie das Stichwort liefert, in dem alles, was wir als
anglo-amerikanische Verflachung des Reich-Gottes-Gedankens um der
Reinheit des Evangeliums willen verneinen, ausgedrückt ist. Der moderne
Protestantismus ist für ihn im Gegensatz zur „autoritativen
Religion" des Katholizismus und dem „individualistischen Glauben"
des bisherigen Protestantismus „die demokratische Religion".

Die drei Aufsätze der Nichtsystematikcr entschädigen für die
geringere Geschlossenheit durch die weitaus größere Liebenswürdigkeit
und Anschaulichkeit, mit der sie manchen Zug vergangener Geschichte
aufbewahren und uns zum Bewußtsein bringen, aus wie
mancherlei Zufällen und Schickungen sich das zusammenfügt, was
nachher als geschlossenes Gelehrtenleben und geschlossene Lebensarbeit
vor dem Auge des Nachverstehenden steht.

Göttingen. E. Hirsch.

Louis, Dr. Peter: Katholische Missionskunde. Ein Studienbuch
z. Einführung in das Missionswerk d. kathol. Kirche. 2. Aufl.
(2.-4. Tsd.)" Aachen: Xaverius-Vcrlagsbuchh. 1925. (VIII, 271 S.)
8°. Abhdlgn. aus Afissionskundc u. .Missionsgesch., Heft 41.

geb. Rm. 4—.

Der Tb. L Z. 1924 Sp. 329 f. angezeigten 1. Auflage ist nach
kurzer Frist die 2.—4. gefolgt. Im ganzen blieb das Buch, was es
war; im Einzelnen ist nicht wenig geändert. Die neueste Entwicklung
ist berücksichtigt; zumal der Abschnitt über den Wiederaufbau
der katholischen Missionen nach dem Kriege und die Darstellung des
gegenwärtigen deutschen und österreichischen Missionsfcldcs haben dadurch
erheblich gewonnen. Eingefügt ist eine knappe Obersicht über
die nichtchristlichen Religionssysteme der Gegenwart. Die an dieser
Stelle beanstandete Charakteristik der protestantischen Methode ist geändert
(S. 251 f.) und in gewissem Alaß berichtigt, aber auch die
jetzt gegebene Schilderung ist verfehlt. Den Allg. ev.-prot. Missions-
verein erklärt L. für „eine von den vielen Denominationen oder
Sekten des Protestantismus"; der Protestantismus in seiner Gesamtheit
ist ilun „eine von den vielen, im Laufe der Jahrhunderte von der
katholischen Alutterkirchc abgefallenen Sekten" (S. 247). Trotzdem
ist das Buch auch für uns sehr brauchbar und nützlich.

Breslau. _ M. Schian.

G 1 e b e , Pfarrer Karl: Lutherabende. Eine Handreichung zur
festlichen Ausgestaltung unserer Reformations-Gedenkfeiern. 2.,
bereich. Aufl. Witten: Westdeutscher Luthervcrlag 1925. (36 S.)
gr. 8°. Rm- 1 50.

Um die Kenntnis Luthers noch ganz anders als bisher für die
Gegenwart fruchtbar zu machen , erörtert Gl. Recht und Segen
von Lutherabenden , Helfer und Mittel zu ihrer Ausgestaltung
und gibt alsdann reiche Winke für ihren Ausbau durch Gemeindelied,
Chorgesang, Sologesang, Instrumentalmusik, Festspiele und Dramen.
Ein Schlußteil bringt Vortragsfolgen (Programme) zur Anregung.
Ein Heft, das Lust macht und weiterhilft, dadurch zweifellos sehr
nützlich wirkt. Die 2. Auflage hat u. a. eine Feier zur Erinnerung
an Luthers Eheschließung hinzugefügt. Mir scheint Gl. freilich vorwiegend
an Verhältnisse zu denken, in denen gut geschulte Chöre zur
Verfügung stehen und der Veranstalter ein Arsenal geeigneter Lutherliteratur
bequem zur Hand hat. Für einfachere Verhältnisse wäre zu
empfehlen, daß die Texte sonst nicht leicht auffindbarer Gedichte in
größerem Maß, als geschehen ist, abgedruckt, auch einige andere
Materialien mitgeteilt würden. Aber das Heft weist viele Wege und
gibt treffliche Ratschläge.

Breslau. M. Schian.

Die Literaturwissenschaft auf neuen Wegen

durch die Literatur aller Zeiten und Völker: Aufsehenerregend
in seiner umwälzenden Methode,
unentbehrlich für Lehrende und Lernende, ist das
in Lieferungen neu erscheinende „Handbuch der
Literaturwissenschaft" herausgegeben in Verbindung
mit ausgezeichneten Universitätsprofessoren von
Professor Dr. Oskar Walzel - Bonn. Mit ca.
'ilflnnn Doppcltondruck «nd vielen Tafeln n
Hühl II zum Teil in Vierfarbendruck. Gegen / -
HIUU1I1 monatliche Zahlung von nur G.-Mk.

Man verlange Ansichtssendung No. 71 b

Artlbus et Iltens, Gesellschaft für Kunst- und
Literaturwissenschaft m. b. H., POTSDAM.

Soeben ist erschienen:

Quellen der Religionsgeschichte

herausgegeben im Auftrage der Religionsgesch.-Kommission
bei der Gesellschaft der Wissenschaft zu Göttingen.
Gruppe 4: Gnostizismus einschl. mandäische Religion. In
der Reihenfolge des Erscheinens der Quellen der Rclig.-
Gesch. 13. Band:

GINZA

Der Schatz oder Das große Buch der Mandäer
Übersetzt und erklärt von

MARK LIDZBARSKI

XVIII, 619 S , 4", 1925. M. 36,-, in Leinen geb. M. 39.60.

In den letzten Jahren drang die Erkenntnis durch, daß die
mandäische Literatur Berührungen mit dem ältesten christlichen
Schrifttum aufweist und viel zu dessen Erklärung
bietet. Mit dem vorliegenden Bande liegen nun alle man-
däischen Schriften in Übersetzung vor, die allgemeineres
Interesse verdienen Die gelehrten Anmerkungen sind bei
Lidzbarski auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt
und stören nicht bei der Lektüre der Texte.

Gemeinsamer Verlag von:

Vandenhoeck & Ruprecht in Güttingen und
J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 14. November 1925.
Beiliegend Nr. 22 des Bibliographischen Beiblattes und je ein Prospekt des Verlags Quelle & Meyer in Leipzig

und W. Kohlhammer in Stuttgart.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. H i n ri c hs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.