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Ausgabe:

1925 Nr. 22

Spalte:

515

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Alfred

Titel/Untertitel:

Geschichte des Augustinerinnenklosters St. Clemens zu Brehna 1925

Rezensent:

Ficker, Johannes

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515

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 22.

516

Diplomaten in enge Verbindung setzt, bleibt noch zu wünschen.
Dafür ist eine gute Vorarbeit vom Verf. geleistet worden.

Marburg Karl Wenck.

Schmidt, Alfred: Geschichte des Augustinerinnenklosters
St. Clemens zu Brehna. Mit 10 Orig.-Holz.schnitten v. Hermann
Schiebel. Brehna: R. Kiemle 1024. (V, 87 S.) 8°. = Veröffentlichungen
d. Ver. f. Heimatkunde d. Kreise Bittcrfeld und Delitzsch
, Nr. I.

Ortsgeschichtliche Zusammenstellungen sind immer willkommen,
auch wenn sie nicht als wissenschaftlich angesehen werden können.
Und mit dem Kloster Brehna, dessen Geschichte hier von der Gründung
1201 bis zu seiner Auflösung in der Reformation (und seines
Gutes bis zur Gegenwart) in ziemlich ungleichmäßigen Angaben verfolgt
wird, verbindet sich ein allgemeineres Interesse. Es ist von
Alters her mit vielen sächsischen adligen Familien, auch mit den
Leipziger Patriziern verknüpft; darum ist auch Katharina von Bora
hier erzogen worden. Verschiedene handschriftliehe Sammlungen sind
in der Schrift verwertet, und zumal für Wirtschaftliches und Persönliches
, insbesondere in der Zeit der Klosterreform (Windesheim) und
der Reformation sind manche Einzelheiten nicht ohne Wert. Es läuft
manches Unrichtige unter; ich will davon wenigstens die Kritik nicht
unbeanstandet lassen, die der Verf. an dem Chronicon Montis Sereni
übt. Vor Allem sollte, gerade wenn man der Heimatkunde dienen
will, eine einheitlichere und lebendigere Gruppierung und eine sorgfältigere
und- belebtere Herausarbeitung der noch vorhandenen Denkmäler
gegeben sein. Die kräftigen Schwarzweißbilder sind eine gute
Zugabe. Man soll aber doch ja auch hierbei unterscheiden: Malerisches
soll malerisch, archäologisch Charakteristisches aber mit gegenständlicher
Treue veranschaulicht werden.

Halle a. S. Johannes F ick er.

Kranz, Walther: Aus Renaissance und Reformation. Heft 1.

Leipzig: B. G. Teubner 1925. (32 S.) 8°. = Eclogac Graecolatinae,
Fase. 10. Rm. —60.

An dieser Auswahl prosaischer und poetischer Leseproben aus
Dante, Petrarka, Erasmus und Hutten können die Lateinschüler,

für die sie bestimmt sind, eine wertvolle Übung und eine erfreuende Kirche tu Liverpool gab Veranlassung zur Entsendung

1. z/mz nrp/or Xiitnv MaaXaxev, 'AXiiavdgog Avxovpyog etc. *V
'Alh'jfatg 1923.

2. Ders.: Elvai avayxaia xcti axoniuog r; myx'>.rnig oixovpexixfjg
nwodov. TiyAlrijvatg rdnoig 'hoirixog oÜ>( aruäiov 1925. S. 13. 8°.

3. Ders.: .Xgtaztaxiv/udg xiü <sxrvx rvnoygai/ixa xataarijfiaTa kxqo-
noXentg. A&tjxat 1925. S. 38. 8°.

1. Alexander Lykurgos, Erzbischof von Syros,
Tinos und Milos (1827—1875) stellt einen für die
neuere Zeit wichtigen Typ von Griechischen Theologen
dar. Er gehört zu denen, die ihr Studium im protestantischen
Westen vertieft und den Geist der Kritik sowie
der evangelischen Selbstverantwortung in sich aufgenommen
haben. Der Sohn eines tapferen und umsichtigen
Freiheitskämpfers, fand der junge Lykurg als
Student der Theologie bei den hervorragenden Vertretern
der alten Zeit, wie Konstantinos Oekonoinos leichten
Zugang und willigste Belehrung. So konnte er auch als
Staatsstipendiat sein Studium in Leipzig, Halle, Berlin
und Straßburg erweitern und vertiefen. Männer wie
Tischendorf, Winer, Jul. Müller, Tholuck, F. A. Strauß
und Reuss zählte er zu seinen Lehrern. Damals behandelte
er schon die Frage nach den „symbolischen
Büchern" und dem „persönlichen Glauben" in seiner
Kirche. Die jedenfalls nicht ablehnende Stellung gegen
den Protestantismus, wie sie schon aus dieser Themastellung
spricht, führte denn auch zu seiner Verdächtigung
durch den russischen Hofprediger zu Berlin in
der Heimat. Trotzdem wurde er Professor der Theologie
an der Universität in Athen (64), und 1866 erhielt
er seine hohe kirchliche Stellung. So war er der geeignete
Mann für die Hauptaufgabe seines Lebens, die Verhandlung
mit den evangelischen Kirchen über eine etwaige
Einigung. Die Einweihung der orthodoxen

Bereicherung ihres Gesichtskreises haben, so z. B. an Petrarkas Reise- ! des Lykurg (1869). Es kam ZU den bekannten Verhand-
besciueibungen mit der prächtigen ungemein charakteristischen Schil- j lungen mit den höchsten Vertretern der anglikanischen

derung der Besteigung des Mont Ventoux oder an den für Lebensbild j Kirche, später auch mit den Altkatholiken. Daß wenig
und Geistesart von Hutten und Erasmus bezeichnenden Proben. Zur j dabei herauskam, lag nicht zum wenigsten daran, daß

Gegenüberstellung der beiden letzteren Schriftsteller wäre immerhin j man auch an eine Umbildung der Bekenntnisse dachte,
eine Probe aus Huttens Schrift gegen Erasmus vielleicht noch wirksamer
gewesen, und ebenso enthält des Erasmus „Enehiridion" pädagogisch
wesentlich tieferes als was hier von seinen Erziehungsgrundsätzen
geboten wird. Vielleicht dürfte noch etwas mehr an die Natur
des Durchschnittsschülers gedacht werden. Kaum ein heutiger Gymnasiast
bringt wohl noch soviel biblische Kenntnisse mit, wie sie zum |
Verständnis des zweiten Briefes Huttens an Luther erforderlich sind.
Und vor allem dürfte die mühsame Übersetzungsarbeit einem solchen
Schüler nur lohnend erseheinen, wenn er dabei etwas zu Tage fördert,
das für ihn Wert hat. Welchen Gymnasiasten aber wird Dantes
Interesse für Heinrich VII. interessieren? Eher dürfte dies noch bei
Huttens Brief an die Deutschen der Fall sein.

Als sinnstörender Druckfehler sei noch vermerkt: S. 31, Z. 21
donum statt domum. Es liegt ein Zitat aus 2. Tim. 1, 6 vor.

Basel. Karl Z i ck e n d r a h t.

Guddas, Pfarrer Adolf: Michael Styfel (1487 1567). Luthers
intimer Freund, der geniale Mathematiker, Pfarrer im Herzogtum
Preußen. Ein Beitrag z. Rcformationsgesch. Königsberg i. Pr.:
F. Beyer in Komm. 1922. (32 S.) 8°. = Schriften d. Synodalkommission
f. ostpreuß. Kirchengesch., Heft 25.
Es ist sehr erfreulich, wie die Synodalkommission für ostpreußi-
sche Kirchengeschichte diese in weiten Kreisen des Volkes bekannt
zu machen sucht durch kleine Hefte, deren 25. die Arbeit über
Michael Styfel von Pfarrer Guddas bringt. Leider ist sie
durch viele Druckfehler entstellt. Mit den Namen geht Guddas willkürlich
um. Den Königsberger Cosack nennt er wiederholt Kosack.
Penoer, dessen Vater Beucker hieß, nennt er S. 19 Peuger. Der
Tübinger Kanzler Schnurrer wird S. 14 Schmcrrer genannt, der Konstanzer
Weihbischof Joh. Faber S. 7 Fabirin. Der Landgraf Philipp
von Hessen wird S. 8 mit Pfalzgraf Ludwig verwechselt. Oslander
soll ursprünglich Hofenmann S. 22 geheißen hallen , während
Tschackert RI. 14,502 ihn Hosander, Hosanderic nennt. S. 18 wird
das Jahrbuch für hrandenburgische Kirchengeschichte 1876 zitiert,
während ein solches erst c. 1896 erschienen ist. Für Luthers Briefe
benutzt Guddas noch De Wette. Enders treffliches Werk kennt
er nicht, daher weiß er nicht S. 12, daß der Brief nicht vom
I. Januar 1528, sondern von 1527 stammt und der vom 6. Januar
ins Jahr 1528 gehört. Die gute Absicht der Synodalkommission kann
nur durch vollkommene Pünktlichkeit ihrer Arbeiten erreicht werden.
Stuttgart. O. Bosse rt.

Da steigt denn jedesmal das Filioque aus der Versenkung
hervor, in der es wohl Jahrhunderte gelegen haben
mag. Immerhin sind diese Verhandlungen ein Aufstieg
zu den großzügigen Plänen, die von Stockholm aus vielleicht
sich zu erfüllen beginnen.

Die Schrift über Lykurg zeigt alle Vorzüge der
Darstellungsweise des Verfassers. Der Hintergrund gezeichnet
, dabei nicht zu weit, Einzelheiten zur Darstellung
des Allgemeinen, Einordnung in die größeren
Zusammenhänge, Klarheit und Wärme das Ganze zu
angenehmer Lektüre machend. Möge die Schrift die gebührende
Beachtung finden, die sie gerade jetzt verdient
.

2. Die Frage nach der Festlegung des Osterfestes
scheint der letzte Grund gewesen zu sein, die im Titel
formulierte Frage aufzuwerfen. In geradem Gegensatz
zu älteren Dogmatikern (vgl. auch Kattenbusch Konfessionskunde
S. 202) behauptet Verfasser, daß die
orthodoxe Kirche in ihrem jetzigen Bestände befugt sei,
eine ökumenische Synode zu berufen. Sie stützt sich dabei
auf die Worte des Symbols „,«ö<, txyla, xad-ohxf}
x«< a7CoaToh/.rj faatXrßla", die von ihr gälten. Eine
Kirche, die das nicht tue, bekenne sich selbst als schismatisch
. Ein anderes sei es, ob der Gegenstand die Berufung
eines allgemeinen Konzils begründe. Solche Synoden
seien stets nur zur Entscheidung grundlegender,
das Dogma belangender Fragen berufen, d. h. solcher,
die das Dogma der Trinität und das der Christologie
berühren. Das gälte auch von der 7. allgemeinen Synode
. Dabei wird Harnacks Dogmengescnichte zitiert.
Zur Lösung theologischer Differenzen, wie hier eine
vorliege, sei der Kirche völlige Freiheit gelassen. Es
sei aber auch nicht wünschenswert, heute ein allgemeines
Konzil zu berufen, da Rußland nicht in der Lage
sei mitzuwirken. Man könne auch in Betracht ziehen,
daß in alten Zeiten stets die Staatsgewalt die Beschlüsse
der Synoden durchgeführt habe, was jetzt völlig weg-