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Ausgabe:

1925 Nr. 21

Spalte:

502-504

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vowinckel, Ernst

Titel/Untertitel:

Metaphysik des Ich. Ein philosophischer Aufriß 1925

Rezensent:

Knittermeyer, Hinrich

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 21.

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Bedeutung beruhe doch nicht bloß darauf, daß sie den
sittlichen' Wert der Gesinnung betone; auch nicht nur
darauf, daß sie Forderungen stellt, deren Erfüllung über
die Kraft des Durchschnittsmenschen geht, sondern vor
allem auch darauf, daß sie das Bewußtsein der menschlichen
Schwäche und Sündenerkenntnis weckt, und eben
damit zugleich religiös anregend und vertiefend wirkt.
— Unter dem Titel „Die Haupttypen theologischen
Denkens in der neueren Theologie" charakterisiert Georg
Wehrung (Münster) zunächst die durch Schleiermacher
und einzelne Schleiermacher-Schüler vertretene
Methode des „Umdeutens", die „das fromme Bewußtsein
und den geschichtlich gegebenen Lehrbegriff umdeutet"
und auf ein vorgefaßtes, durch philosophische Spekulation
gewonnenes, Schema zurückführt. Dagegen wird
die A. Ritschlsche Methode gekennzeichnet als eine
solche des „Deutens", genauer als die Methode einer
„sich völlig in das Objekt versetzenden, alle seine
Seiten gleichmäßig herausarbeitenden, zu klaren zusammenfassenden
Begriffen strebenden Deutung". Als
Hauptrepräsentant einer weiteren Methode, der „religionspsychologischen
", erscheint Wobbermin. Von ihr
kann freilich das „letzte lösende Wort" der Theologie
nicht erwartet werden; sie wird zurückzutreten haben
hinter einer tiefer dringenden „pneumatologischen" Methode
. — Peterson (Güttingen) übt (zur Theorie der
Mystik) Kritik an der Beurteilung der Mystik durch
Theologen wie Ritsehl und Reischle, und geht dann ein
auf Diskussionen über die Mystik zwischen modernen
katholischen Theologen wie Poulain, Saudreau, Garri-
gou-Lagrange und anderen, um den Satz zu erhärten,
daß es auch in der protestantischen Theologie noch einer
eindringlicheren phänomenologischen Analyse der Mystik
bedarf, um dieser gegenüber richtig Stellung nehmen zu
können. — Endlich setzt der Artikel J. J. Bussys
„Uber die Begriffe der Zurechnungsfähigkeit und Verantwortlichkeit
" die schon in einem früheren Heft veröffentlichten
Ausführungen desselben Autors, die sich
speziell auch an das Interesse der Juristen wenden, fort.

Heft 2. enthält 8 verschiedene Artikel. Landesbischof
D. I h m e 1 s behandelt das Thema „Dogmatik
und Predigt" und legt dar, wie sich beide trotz grundsätzlicher
Verschiedenheit gegenseitig befruchten können
und sollen. — Georg Lenz (Hamburg) gibt gleichsam
eine Ergänzung zu seiner Schrift „Die Bedeutung
des Protestantismus für den Aufbau einer allgemeinen
Staatslehre", indem er, an geschichtliche Betrachtungen
anknüpfend, die Notwendigkeit unterstreicht, auf protestantischer
Grundlage ein „System des Naturrechts zu
schaffen", um so manchen scheinbar unüberwindlichen
Schwierigkeiten der Gegenwart begegnen zu können. —
Torsten B o h 1 i n (Upsala) erwirbt sich ein Verdienst
um das bessere Verständnis der Pascalschen Religionsphilosophie
, indem er eine sorgfältige Untersuchung anstellt
über den Sinn des Begriffs „das Herz" (le cceur),
der innerhalb der Gedanken des großen französischen
Apologeten eine so wichtige Rolle spielt. — Carl
Stange (Göttingen) veröffentlicht und kommentiert
einiges aus der Korrespondenz zwischen dem bekannten
Philosophen Dilthey und einem Grafen York von
Wartenburg, das, besonders wo es religiöse Fragen und
theologische Richtungen berührt, die Leser dieser Zeitschrift
interessieren dürfte. — Adolph (Gießen) verficht
(Subjektives Leben und Objektives Sein in der
neueren Geistesgeschichte) in einem geistreichen ideengeschichtlichen
Vergleich zwischen den Epochen der Reformation
und des Deutschen Idealismus mit dem 19.
Jahrhundert als dem Zeitalter des Naturalismus den
Gedanken, daß „für das geistige Leben nur die Perioden
schöpferisch sind, in denen das Ich frei an das Objektive
hingegeben, und mit ihm in fruchtbare Wechselwirkung
treten kann". — G. Aulen (Lund) schildert
"nd kritisiert (Glaube und Mystik) verschiedene Versuche
, den Begriff der Mvstik zu bestimmen. Das
eigentlich Charakteristische "ist nach ihm das ausschließliche
Betonen der „mysteriösen" Seite der
Religion. Damit hängt viererlei zusammen: das Gottesbild
verliert seinen Inhalt; die Lebenseinheit mit der
Gottheit wird zur „Identität"; die Befreiung von der Ichgebundenheit
wird nicht tatsächlich erreicht; die religiöse
Gemeinschaft löst sich auf. Eine so beschaffene Mystik
kann oder muß gar dem Glauben offensichtlich gefährlich
werden. — Paul Alt haus (Theologie des Glau-
; bens) legt dar, wie das „Sola fide" sich als ein kritisches
! Prinzip darbietet, mittels dessen sowohl die Eigenart
; des biblisch-reformatorischen Christentums gegenüber
andern Religionen als auch die Eigenart der theologischen
Erkenntnis gegenüber der Metaphysik abgegrenzt
werden kann. So ergibt sich einerseits die Unvereinbarkeit
der Mystik (und des Sakraiuentarismus) mit dem biblisch-
reformatorischen Christentum, und das nicht, sofern die
Mystik als ein Merkmal aller höheren Religion erscheint,
sondern nur sofern sie als selbständige religiöse
Lebensform auftritt. Anderseits ergibt sich aus dem
! „sola fide", daß die theologische "Erkenntnis niemals
! Erkenntnis im Sinne eines einheitlichen widerspruchs-
; losen, metaphysischen Systems sein kann. Hier Ver-
| Weisung auf W. Herrmann, Karl Heim und vor allem
■. Kierkegaard. — Johannes Behm (Güttingen) be-
I spricht (Johannesapokalypse und Geschichtsphilosophie)
den Ursprung, den Sinn und die bleibende Bedeutung
der christlich gearteten „geschichtsphilo-
sophischen" Gedanken, die sich in der Offenbarung
Johannis ankündigen. — Ein abschließender Aufsatz
des Herausgebers, Carl Stange (Die Stellung der
Theologie im Zusammenhang der Wissenschaften) gip-
' feit in der Erklärung, daß „die christliche Theologie
nur dann ihre Eigentümlichkeit und Besonderheit im
Zusammenhang der Wissenschaften behaupten könne,
wenn sie ihre Aufgabe lediglich darin sieht, Offenbarungstheologie
zu sein.

Blickt man schließlich zurück auf das Ganze der
beiden Vierteljahrshefte, so erscheint es als ein charakteristisches
Zeichen der Zeit, daß darin wiederholt und
j von verschiedenen Standorten aus Auseinandersetzungen
stattfinden mit einer Grüße, die neuerdings, verschieden
aufgefaßt und verstanden, manchmal auch überhaupt
nicht verstanden, in gebildeten Laienkreisen, aber auch
; bei Theologen eine große, oft verwirrende Rolle spielt,
nämlich der Mystik. Über deren Wesen und Bedeutung
Klärung erstrebt und großenteils auch erreicht zu haben,
i ist ein der Zeitschrift für systematische Theologie zu'
dankendes Verdienst.
Gießen. E. W. Mayer (Straßburg).

Vowinckel, Ernst: Metaphysik des Ich. Ein philosophischer
Aufriß. Berlin: F. A. Herbig. (150 S.) 8°. geh Rm. 3—,

Das Büchlein ist, was es sein will, eine Selbstrechtfertigung
, die in strenger, wiewohl nur skizzenhafter
Form einen eigengearteten Aufriß der Metaphysik darlegt
. Ihr Wurzelgriiiid ist das Ich als ein zwar nicht mehr
von der „Jenseitigkeit beschattetes" (8), darum aber
noch nicht in dem „Tumult der Augenblicke" (9) sich
verlierendes. Das Problem wird in vier Stufen ent-
! faltet. Das „flutende Chaos der Subjektivität" (31)
j stellt sich der phänomenologischen Analyse als kreisend
um drei „Wirbelmittelpunkte" dar: Das „Gebiet des wer-
j denden Objekts mit sich andeutendem Ichbewußtsein"
gehört dem Umkreis der Empfindung an; erst das Gebiet
des „gewordenen Objekts" führt auf der andern
i Seite zum „spontanen Ichbewußtsein", das Wissen um
j die Rezeptivität hat die Spontaneität im Gefolge, das
j Aposteriori und Apriori sind sich wcchselweis über-
j bietende Momente eines Prozesses; Wille und Gefühl
schließlich produzieren mit dem Nicht-Ich zugleich ein
„übergreifendes Ich". Von ihm aus erschließt^ sich erst
rückwirkend der Charakter des ganzen Bereichs —
Dieser Subjektivität gegenüber offenbart der Kosmos
des wissenschaftlichen Apriori" „axiomatisch 'geltend-
Denksätze, die von einem Ich nichts verraten" deren
I Objekte: „das Weltbild der exakten Wissenschaften und