Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1925

Spalte:

25-30

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Boehmer, Heinrich

Titel/Untertitel:

Luthers erste Vorlesung 1925

Rezensent:

Loofs, Friedrich

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emaniiel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titlus, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: vierteljährlich Gm. 8.—. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

CA lah^fr M*. 7 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Güttingen, Ii lanilflr 1Q75

Jalirg. IXT. L. Bauratgerberstr. i9, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. «iiuuai 174t».

Boeh mer, Luthers erste Vorlesung (Loofs).
Lehrbuch der Religionsgeschichte (Clemen).
B a r t h o 1 o tu a e , Zarathustra's Leben und

Lehre (Haas).
V ölt er, Die althebräischen Inschriften vom

Sinai und ihre historische Bedeutung

(Duensing).
Biblia sacra (Lietzmann).
Bibliorum sacrorum (Ders.).
Qu entin, Memoire sur l'ötablissenient du

texte de la Vulgate (Ders.).
Weber, Christtismystik (Lohnieyei).

Mickley, Die Konstantin-Kirchen im heiligen
Lande (Lohmeyer).

Jacob, Der Einfluli des Morgenlandes auf das
Abendland vornehmlich während des Mittelalters
(Kicker).

Wehr mann, Bischof Otto von Bamberg in
Pommern (Ders.).

Imle, Die Passionsminne im Kranziskancrorden
(Clemen).

Jahrbuch für Brandenburg! sehe Kirch engeschichte
(Ders.).

Freisen, Die Stadt Geseke im früheren Herzogtum
Westfalen, das dortige Kanonissenstift
und die dortigen beiden Pfarreien ad S.
Cyriacutn und ad S. Pctrum (Hashagen).

Chiminelli, II contributo dell'Italia alla
Riforma religiosa in Europa (Koch).

Arseniew, Ostkirche und Mystik (Katten-
busch).

Lange, Wladimir Solowjew (Ders.).
Przywara, Religionsbegriindung (Winkler).
Fichte, Briefwechsel (Hirsch).

Boehmer, Heinrich: Luthers erste Vorlesung. Leipzig: S.
Hirzel 1924 (58 S.) 8°. Berichte über die Verhandlungen d.
Sachs. Akad. d. Wissenschaften zu Leipzig. Philol.-hist. KL,
75. Bd., 1923 l. Heft. Gm. 1.75.

Diese wertvolle Abhandlung zerfällt in sieben Abschnitte
, deren gedankliche Verknüpfung das Referat
beiseite lassen kann. Der erste (S. 3—10) erörtert mit
großer Gelehrsamkeit im Rahmen des damaligen Wittenberger
Vorlesungswesens und der Dozententätigkeit
Luthers bis 1521 die Zeit seiner ersten Psalmenvorlesung
und die erkennbaren Stufen ihres Fortschreitens.
Den Beginn der Vorlesung, die irrig als die „erste"
[exegetische] Vorlesung Luthers bezeichnet werde, da
Luther (nach WA. 50, 519, 26) zunächst (ca. 25. Okt.
1512 bis Juli 1513) sich an der Genesis versucht habe,
setzt B., weil gleich nach dem 8. Juli, dem Tage der
Vollendung des Psalmendrucks, den Luther den Studenten
gab, „die Hundstagsferien ihren Schatten vorauswarfen
", auf „frühestens 16. August 1513", ihren Abschluß
aut ca. 20. Okt. 1515. Mir scheint die Annahme
einer Genesis-Vorlesung in dieser Zeit durch die
angezogene Stelle nicht gesichert zu sein, denn Luther
kann da an die 1539 schon vier Jahre laufende Genesis-
Vorlesung von 1535—45 gedacht haben (vgl. das zweite

führte wird man mit einer Ausnahme nur mit Dank
hinnehmen können. Die eine Ausnahme mache ich
S. 17 bei Nr. 3. Hier nimmt B. zwischen dem „judicio"
und dem „Unde" WA. 3, 341, 22, irrig den Ausfall
eines Blattes an. Denn die nach dem „Unde" folgenden
Zitate sind durchaus passend: sie reden von dem Abgetrenntwerden
der „polluti" oder „immundi" (incir-
cumeisi im geistlichen Sinne), d. h. der ungläubigen
Juden, von der „divisio", dem „Judicium discretionis",
von dem die Juden nichts wissen wollen (341, 21, vgl.
338, 19f.); und das, was 341, 24—31, folgt, steht im
engsten Zusammenhange mit 341,13—22 (vgl. z. B. Z.
13 mit 30 f., 18 mit 30, 20 f. mit 26 f.). — Der dritte
Abschnitt (S. 19—34) hat tatsächlich zwei Unterteile.
Im ersten (S. 19—29) versucht B. sich ein Bild davon zu
machen, wie L. bei der Ausarbeitung seiner Vorlesung
zu Werk gegangen ist, d. h. wie die Entstehung der
Adnotationes, Glossen und Scholien sich zeitlich zu einander
verhält. Hier ist von B. soviel zu lernen, daß ich
durch Einzelheiten mir angeregte Bedenken, soweit sie
nebensächlich sind, unerwähnt lassen würde, selbst wenn
ich Raum hätte, sie auszukramen. Ein Vierfaches aber,
das zusammengehört und mir wichtig zu sein scheint,
dart ich nicht übergehen. — Erstens scheint mir die

„auch" Z. 18); und Anfangs- und Endtermin der B e g r ü n d u n g , die S. 24, Absatz 1, für die Notwen-
Psalmenvorlesung würde ich nicht so genau zu be- j digkeit gibt, die Glosse Wort für Wort vor der Vorstimmen
wagen, weil Luther später (1531) auch in den j lesung fertig zu stellen, ins Unrecht gesetzt zu sein durch
Hundstagen gelesen hat. Doch ist auch mir wahrschein- j die m. E. richtigen Ausführungen auf S. 28. Ist dem
lieh, daß der Druck des Handexemplars vor Beginn ! so, so muß die Akkuratesse der Glosse und ihre Frei-
der Vorlesung beendet wurde. — Abschnitt 2 (S. 10 i heit von Korrekturen (S. 23) einen andern Grund haben
bis 19) bespricht die drei Überreste der Arbeit Luthers ' als den S. 24 angegebenen. Kann dieser nicht darin ge-
für die Psalmenvorlesung, insonderheit die Scholien. ! funden werden, daß die Glossen eine „Reinschrift"
Hier zuerst erhalten wir eine genaue Beschreibung der | auf Grund der mühsamen Vorarbeiten darstellen, die
Dresdener Handschrift nach Papier, Lagen, Paginierung, i vorangehen mußten (S. 23)? Dann könnten die „Kon-

Lücken usw. Bei den Angaben über das Panier, die ich
mit Notizen vergleichen konnte, die J. Ficker mir zur
Verfügung stellte, ist mir das Wasserzeichen „die sog.

zepte" der Glossen (die freilich nie crude nude und bei
manchen Psalmen wohl nur sehr „verbessert" in die
Reinschrift übergingen) einer Zeit weit vor dem Anfang-

große Monstranz" eine rätselhafte Größe. Denn einer ! der Vorlesung angehören. — Denn zweitens halte

Monstranz — sie kommt v i e 11 e i c h t (?) e i n m a 1 bei ich B.s Verwertung von WA. 3, 27, 5 f., für sehr an-

Briquet vor (Nr. 12253, vgl. III, 614a) — ähnelt das fechtbar. Das freilich ist gewiß richtig, daß B. hier [mit

inbetracht kommende Wasserzeichen nicht von ferne, i H. Thomas, Zür Würdigung der Psalmenvorlesung

und Briquet bringt es unter dem Titel „couronne". I Luthers von 1513—1515, Weimar 1920, S. 23, und E.

Uber die Lagen und die alleinstehenden Blätter wird Hirsch, Initium theologiae Lutberi in der Festgabe für

man ehe nicht der „im 19. Jahrh.ungeschickt reparierte j J. Kaftan, Tübingen 1920, S. 161, Anm. 2] den Schluß-

Emband" einmal gelöst wird (vgl. B. S. 17), Zuver- | satz der Eröffnungsvorlesung findet. Aber m. E. zu

lassigeres schwerlich auszumachen vermögen, als B. hier ! Unrecht schließt B. (S. 19) aus diesem, wie er (S. 36)

bietet. Und auch das über die Lücken der Hs. Ausge- | meint, „anakoluthischen" Satze, daß Luther noch „in der

26

25

9