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Ausgabe:

1925 Nr. 18

Spalte:

418

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stäglich, Martin

Titel/Untertitel:

Warum evangelisch und nicht katholisch? Eine Schrift über die Herrlichkeit des evangelischen Christentums 1925

Rezensent:

Schian, Martin

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 18.

418

ich hier nicht umhin kann, ebenso unbekannt geblieben,
wie die auch durch Holls Lutherbuch noch langst nicht
entbehrlich gemachte Theologie Luthers von J. Kösthn,
über deren allgemein anerkannte Vorzüge ich aber nicht
weiter zn reden brauche.

Bonn. °- Ritschi.

Sendschreiben Unseres Heiligsten Vaters Pius XL, durch göttliche
Vorsehung Papst, über das allgemeine Jubiläum des Heiligen Jahres
1925. Ankündigung und apostolische Konstitutionen (29. Mai 1924:
„Infinita Dei", 5. Juli 1924: „Ex quo primum", 15. Juli 1924: „Si
unquam", 30. Juli 1924: „Apostolico Muncri"). Autoris. Ausg.
Lateinischer und deutscher Text. Freihurg i. B.: Herder & Co.
1925. (59 S.) gr. S°. Rm. 1.50.

„Sendschreiben" ist Mehrzahl; das Heft enthält die
indictio universalis iubilaci mit den Anfangsworten infinita
dei misericordia vom 29. Mai 1924, unterzeichnet
von den Kardinälen Cagiano (Kanzler) und Oasparri
(Staatssekretär) und die apostolischen Konstitutionen
ex quo primum, si unquam und apostolico muncri vom
Juli 1924. Jene ist mehr allgemein religiösen, diese
sind speziell kirchenrechtlichen Inhalts. Das Jubiläumsjahr
heißt hl. Jahr wegen der heiligen Feierlichkeiten,
die es einleiten, begleiten und schließen und weil es in
höchstem Grade zur Förderung eines heiligen Wandels
geeignet erscheint. Die Kirche schuf diese Einrichtung
divino instinetu; wir würden sagen: sie schuf sie nach
dem Muster des A. T.lichen Sabbatjahrs; auf römischer
Seite sieht man begreiflicher Weise in diesem vielmehr
ein Vorbild auf das herrlichere christliche Jubiläumsjahr.
Nicht bloß Einzelne, auch die menschliche Gesellschaft
soll davon Segen haben; der Sinn für sozialen und
Völkerfrieden soll durch Zusammentreffen der Pilgerscharen
in Rom wachsen. Ob da nicht zu viel von
lokal-römischem Standpunkt aus erhofft wird, ebenso
wenn man eine Stärkung des Unions- und Konversionswillens
wünscht? Vollkommenen Ablaß erhält, wer im
Jubeljahr nach Rom pilgert und nach rechtmäßiger
Beichte und Kommunion 10 Tage lang (für die Römer
sind 20 Tage vorgeschrieben) in den 4 Hauptkirchen
(Peter, Paul, Lateran, Maria maggiore) nach der Meinung
des Papstes betet. Als Meinung des Papstes d. h.
als die in seinem Sinne diesmal besonders vorzubringenden
Gebetsanliegen gelten Völkerfriede (non tarn tabulis
inscriptam quam in animis consignatam), Rückkehr der
Nichtkatholiken zur katholischen Kirche und eine die
Katholiken befriedigende Regelung der Dinge in Palästina
. Natürlich enthält solch feierliche Kundgebung
einige charakteristische Äußerungen römischen Geistes.
Rom ist (S. 16) die Stadt quam Jesus Christus delegit
ut suae religionis esset centrum et perpetua vicarii sui
sedes; wer den päpstlichen Verfügungen über das Jubiläum
irgend entgegentritt, wird sich den Zorn des allmächtigen
Gottes und der seligen Apostel Petrus und
Paulus zuziehen.

Von den 3 Konstitutionen schränkt die erste für
das Jubiläumsjahr die sonst zu gewinnenden Ablässe
ein, um das Verlangen nach dem Jubelablaß zu steigern;
die zweite gibt den zu Rom in diesem Jahre waltenden
Beichtvätern weitgehende Absolutions- und Dispensa-
tionsvollmachten (auch z. B. für Umwandlung von
Klostergelübden in die Verpflichtung zu anderen
frommen Werken); die dritte gewährt den in Rom zu
gewinnenden Jubelablaß auch solchen, die nach Rom
zu reisen aus bestimmten Gründen verhindert sind, nämlich
Klosterfrauen und anderen Insassinnen der Häuser
religiöser Genossenschaften, Kriegs- und Strafgefangenen
, allen über 70 jährigen, Kranken, Krankenpflegern
und -pflegerinnen und der Masse der Minderbemittelten,
nämlich den Arbeitern, die durch tägliche Arbeit ihren
Lebensunterhalt verdienen müssen und sich von ihr nicht
durch eine längere Reise entfernen können. Man wird
annehmen dürfen, daß billigerweise nicht nur Angestellte
sondern auch selbständige Kleinbauern, Handwerker
u. dgl. hier inbegriffen sind.

Die Übersetzung ist gut, abgesehen von S. 36
Nr. VII Schluß; solche Spezialausdrücke würden besser
durch eine Anm. erklärt.

Kiel. H. Mulert.

Die katholische Kirche in Schweden in neuerer Zeit. Aachen:
Xaverius-Verlagsbuchh. 1925. (3S S. m. Abb.) 8°. = Abhdlgn. aus
Missionskunde u. Missionsgcsch., Heft 52. Rm. —90.

Das ganze Heft ist aufgemacht als Missionstraktat. Standige
Rückblicke auf die vorreformatorische Kirche Schwedens, deren
legitime Fortsetzung die heutige katholische Minderheitskirche von
rund 3000 Seelen zu sein beansprucht, und Hinweise auf die dieser
eigentlich von rechts wegen gehörenden 2500 Kirchen Schwedens aus
älterer Zeit (!) verraten auch sonst die ganze Scharfe des katholischen
Standpunkts uns gegenüber. Im übrigen bietet das wissenschaftlich anspruchslose
Heftchen in bequemer Form für konfessionskundliche
Zwecke nötiges statistisches Material (sowie einige Bilder) und darf
insofern Beachtung finden.

Göttingen. E. Hirsch.

Leube, Priv.-Doz. Hans: Die Literatur des deutschen Katholizismus
im letzten Jahre. Leipzig: Verlag d. Börsenvereins d.
Deutschen Buchhändler zu Leipzig 1924. (57 S.) 8°. *= Sonderdrucke
des Literarischen Zentralblattes, Nr. 1. Rm. —60.
Das Heft enthält einen Leitartikel des Literarischen Zentral-
blattcs im Sonderdruck. Nach einer Einleitung, die das Bestreben des
Katholizismus kennzeichnet, das einheitliche corpus christianum des
Mittelalters wieder herbeizuführen, bringt es eine Auswahl aus der
Literatur des deutschen ( deutschsprachlichen) Katholizismus der Jahre
1923/1924 in bibliographischer Form. Darüber hinaus sind alle Zeitschriften
und bekannten Sammel- und Nachschlagewerke des Katholizismus
angeführt. Der Verf. rechnet also mit Lesern, die mit der
Literatur des Katholizismus garnicht oder doch nur sehr wenig vertraut
sind.

Sehr breit ist das Gebiet, aus dem die Auswahl getroffen ist.
Zum Beweise führe ich die Gruppenüberschriften an: Allgemeine
Werke, Presse und Vereine, Theologie, Philosophie und Psychologie,
Pädagogik, Jugendvereine und Jugendbewegung, Deutsche Literatur,
Kunstwissenschaft, Theaterkunde, Geschichte, Politik, Rechts- und
Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Medizin. Der Katholizismus
wird also anerkennenswerter Weise in seiner ganzen religiösen,
kulturellen und politischen Breite und Auswirkung vorgeführt.

Um eine Auswahl läßt sieh natürlich schwer rechten. Doch ist
mir ein Prinzip, nach der sie etwa erfolgt sein könnte, nicht deutlich
geworden. Zum Teil sind auch populäre Schriften aufgenommen, zum
Teil sind wissenschaftliche Werke selbst erheblichen Umfangs nicht
angeführt. Da Vollständigkeit fehlt, die Auswahl aber anfechtbar
erscheint, so vermag ich den praktischen Wert der Sammlung nicht
recht einzusehen.

Göttingen. Kurt Dietrich Schmidt.

Stäglich, Pastor Lic. Martin: Warum evangelisch und nicht
katholisch? Eine Schrift über die Herrlichkeit des evangel.
Christentums. Berlin: Verlag des Evangel. Bundes 1925. (46 S.)
gr. S°. Rm. —60.

Die kleine Schrift ist ausgezeichnet geeignet, um Katholiken, die
zur evangelischen Kirche kommen wollen, über die wichtigsten
Unterschiede zwischen den beiden Konfessionen zu unterrichten. Sie
stellt nicht „Unterscheidungslehren" zusammen; sie vermeidet überhaupt
alles bloß Lehrhafte. Dafür zeigt St. die Überlegenheit des
evangel. Christentums, indem er dartut, daß es 1. den geistigen Charakter
der christlichen Religion, 2. die Innerlichkeit der Religion, 3.
die Freiheit des Gewissens, 4. die Tiefe des Glaubens, 5. die Selbständigkeit
des weltlichen Lebens wahrt. Ein Anhang sagt, was
ein evangelischer Christ von seiner Kirche wissen muß. Hier wünschte
ich z. B. im Abschnitt über den Gottesdienst manches schärfer und
grundsätzlicher gefaßt; das Wesen des evang. Gottesdienstes müßte
klarer heraustreten. Aber auch das im Anhang Gesagte ist zu begrüßen
, weil es das Notwendigste in schlichter Form bietet. Das ist
überhaupt das dankenswerte an diesem Heft: es redet einfach und verständlich
, ohne viel Worte, dabei doch warm. Auch solchen, die in
der evangelischen Kirche feststehen, wird es willkommen sein.

Breslau. M. Schian.

Rost, Hans: Katholisierende Tendenzen im heutigen Protestantismus
. München: Dr. F. A. Pfeiffer 62 Co. 1925. (88 S.)
8°. = Zur religiösen Lage der Gegenwart, Heft 8. Rm. 2—

Allerhand gedruckte Äußerungen von evangelischer Seite, die
katholisierende Tendenzen zeigen, werden unter 12 Rubriken geordnet.
Die Themata sind: Bischofsamt, Gottesdienstreform, Eucharistie,
Ohrenbeichte, Kritik der Predigt (soll heißen: der Stellung der Predigt
im ev. Gottesdienst), Offene Kirchen, Kirchenschmuck und