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Ausgabe:

1925 Nr. 18

Spalte:

413

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ehl, Heinrich

Titel/Untertitel:

Buchmalerei des frühen Mittelalters. Mit 22 Abb 1925

Rezensent:

Clemen, Otto

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413

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 18.

414

von dem Buch hier Abschied und wünsche nur vielen,
daß sie sich die Belehrungen und Anregungen aus ihm
nicht entgehen lassen.

Hannover. Ph- Meyer.

Ehl, Heinrich: Buchmalerei des frühen Mittelalters. Mit 22

Abh. Berlin: Furche-Kunstverlag [1924]. (20 und 22 S.) gr. 8°.
= Schöpfung, Bd. 2. Rm. 3.80.

in der Einleitung betont der Herausgeber den der frühmittelalterlichen
Kunst gemeinsamen Grundzug des Symbolisierenden, Gleichnishaften
. Er stellt dann aber auch die Eigentümlichkeiten der
verschiedenen Kunstrichtungen heraus, als Höhepunkte erscheinen
lim die irische und die ottonische Buchmalerei. Er zeigt
ferner den Kampf, den auf diesem Gebiete das nordisch-germanisch-
spiritualistische und das römisch-antik-formalistische Element mit
einander führen. M. M. n. hätte er sich öfters bedeutend einfacher
ausdrücken können. Es folgt das Verzeichnis der (einschließlich des
farbigen Titelbilds) 22 ausgezeichneten Abbildungen mit kurzen Bemerkungen
und Literaturangaben, an deren Stelle ich im Interesse der
Verbreitung des Buches in weiteren Kreisen, für die die Serie doch
bestimmt ist, ausführlichere Erklärungen gewünscht hätte. Vielleicht
hätte der Herausgeber auch irgendwo andeuten können, daß in
der mittelalterlichen Miniaturmalerei anders als in der Monumentalkunst
nicht nur Künstler, sondern auch Handwerker und Stümper
sich betätigt haben.

Zwickau i. S. O. Giemen.

Rudwin, Prof. Maximilian ]., Ph. D.: A Historical and
Bibliographicai Survey of the German Religious Drama.

Pittsburgh 1024. (XXIII, 280 S.) gr. 8°. = University of Pitts-
burgh Studics in Language and Literature. Verlag University of
Pittsburgh.

Zu der geistlichen aus dem Gottesdienst entsprungenen Dramatik
Deutschlands von ihren Anfängen bis zu den Ausläufern der Gegenwart
bringt das Buch, Wichtiges und Unwichtiges verzeichnend, eine
umfangreiche und genaue Bibliographie, die sich freilich auf viel
weniger Kaum zusammendrängen ließe. Sie ist nach Rudwins Vorwort
schon im Jahre 1017 vorbereitet, die seither erschienene Literatur
ist aber eingereiht. Doch hat auch manches aus den letzten Jahren
noch nicht den Weg von hier nach Amerika gefunden; besonders auffällig
ist es, daß die Jahresberichte über die Erscheinungen auf dem
Gebiete der germ. Philologie nur bis zum Berichtsjahr 1010 benutzt
sind.

Der Verfasser gliedert den Stoff in zwei Teile, vor und nach 1517,
und macht für die neue Zeit noch einmal um 1700 einen Einschnitt.
Innerhalb der Abschnitte folgt er sachlicher Anordnung und führt bis
1700 dankenswerterweise alle Spiele jeder Gattung in chronologischer
Ordnung vor, während er für die Neuzeit zweckmäßig (aber teils etwas
ungeschickt) nach Landschaften ordnet. Auf diese chronologische Anordnung
gründet sich der Anspruch des Titels: historical survey.
Die Gliederung nach Gattungen dient wesentlich der leichten Ober-
sichtlichkeit, geschichtlich ist sie mitunter nicht berechtigt, z. B. wenn
für Bruchstücke aus einem größeren Zusammenhang nach dem
zufällig erhaltenen Inhalt Gattungen angesetzt werden müssen. Das
Einsiedler Himmelfahrtsspicl des 13. Jhs. (S. 51) ist in Wahrheit
eine Ostcrfeier.

Schwierig wird die Begrenzung des Stoffs für die neuere Zeit.
Der Verfasser scheidet alle Dramen aus ,written in a polcmic or
didactic vein by Catholic or Protestant clergymen or schoolmen' oder
will dies wenigstens. Ich bin von dieser Begrenzung, die schwer
durchzuführen ist, nicht befriedigt, es wird manches dadurch ausgeschieden
, was auf den alten Spielen fußt und ihnen im Gesamtcharakter
mindestens ebenso nahe steht, wie anderes, was aufgenommen
ist. Für die Neuzeit beschränkt das Buch sich auf die Volksschauspiele
, welche alte Überlieferungen fortführen oder an sie
anknüpfen.

Im Ganzen bietet das Buch einen sehr nützlichen Oberblick
über die umfangreiche Literatur, in dem man sich schnell und leicht
zurechtfinden kann. Eine ganz kurze Einleitung mit einigen Hinweisen
auf die Geschichte der geistlichen Dramen ist vorangeschickt.
— Die Sprache ist deutsch bis auf Titel, Vorwort und einzelne
Bemerkungen; gelegentlich merkt man den Ausländer.

Göttingen. Ludwig Wolf f.

Anselm: Proslogion. Zum erstenmal ins Deutsche übertr. u. mit
Einleitung und Anmerkungen vers. v. Dr. Johannes Brink trine.
Paderborn: F. Schöningh. (38 S.) kl. 8°. ■= Ferdinand Schöninghs
Sammlung philos. Lesestoffe, 2. Bdchn. kart. Rm. —80.

Anselms Proslogion kommt schon durch den in Kap. 2—4 enthaltenen
ontologischen Gottesbeweis eine besondere Bedeutung in
der philos.-theolog. Literatur des Mittelalters zu. Das vorliegende
Bändchen stellt die erste deutsche Obersetzung der Schrift dar. —
Anselm« Werke sind leichter zu lesen als die manches anderen mittelalterlichen
Denkers, außerdem zeichnen sie sich in ihrem lateinischen
Text teilweise durch eine besondere Schönheit der Sprache aus, sodaß
j jedem humanistisch Gebildeten, der Anselm kennen lernen will, zu
raten ist, er möge seine Werke im lateinischen Texte lesen.
Trotzdem wird die vorliegende Übersetzung, die eine verständliche und
treue Wiedergabe der Gedanken des Originals darstellt, vielen als
Einführung in die Gedankenwelt des „Vaters der Scholastik" willkommen
sein. — Die Obersetzung ist eingeleitet durch einen
kurzen Oberblick über das Lehen Anselms und eine Skizzierung des
Gedankengangs, des Geistes und der Darstellungsweise des Proslogion
Rinderfeld b. Bad Mcrgcntheim. Walter B e t z e n d ö r f e r.

Grabmann, Martin: Das Seelenleben des heiligen Thomas
von Aquin. Nach seinen Werken und den Heiligsprcchungsakten
dargestellt. München: Theatiner-Verlag 1924. (118 S.) kl. 8°.
Der katholische Gedanke, Bd. VII. Rm. 2—.

Astrain, P. Antonio, S. J.: Der hl. Ignatius von Loyola,
Gründer der Gesellschaft Jesu. Aus dem Spanischen übers, von
Prof. Dr. theol. Emil Weber. Wiesbaden: H. Rauch 1924. (183 S
ni. 1 Bildnis.) kl. 8°. geb. Rm. 3—.

Zwei so hervorragende Sachkenner wie Grabmann
und Astrain (der Verfasser der großen, sechsbändigen
„Historia de la Compafiia de Jesus en la Asistencia de
Espana", Madrid 1902 ff.) handeln jeder über den
Heiligen, der im Mittelpunkt ihres Arbeitsgebietes steht,
und damit über die beiden größten Männer, die der
abendländische Katholizismus nächst Atignstin hervorgebracht
hat, handeln über sie ausdrücklich mit der Absicht
, sie weiten Kreisen „seelisch näherzubringen"
(Grabmann S. 5), „zur schuldigen Hochschätzung . . .
und . . . zur Nachahmung solch heroischer Beispiele . . .
anzueifern" (Astrain S. 9). Da ist man berechtigt,
Außerordentliches zu erwarten und — enttäuscht zu sein,
wenn man nichts anderes vorgesetzt bekommt als das
übliche katholische Heiligenbild. Wie immer werden nur
die oberflächlichsten konkreten Züge im Flachrelief
herausgearbeitet. Die tieferen seelischen Antriebe, die
Besonderheiten der Persönlichkeit und damit auch alles
menschlich Große verschwimmen sich auflösend im konventionellen
Goldgrund, in den „Tugenden" der Gottesliebe
, der Demut, des Heroismus, der Weisheit und des
Seelenfriedens, die in ermüdenden Superlativen gepriesen
werden. So kommt es, daß Thomas im Grunde genau
so aussieht wie Ignatius und daß das Bild, das ein Protestant
wie K. Holl („Die geistlichen Übungen des Ignatius
von Loyola" Tübingen 1905) von der Größe des
Ignatius gezeichnet hat, weit eindrucksvoller ist als das
Astrains, bei dem es beinahe rätselhaft bleibt, wie dieser
tränenüberströmte Asket die gewaltige, willensstraffe
Organisation der Gesellschaft Jesu schaffen konnte.

An Astrains Buch ist wertvoll, daß für den, der das große
spanische Werk nicht durcharbeiten kann, hier in Kürze die Ergebnisse
von A.'s Forschungen zusammengestellt sind. Die Lebensbeschreibung
des Ign. ist, was das Tatsächliche betrifft, einwandfrei,
und man erhält einen guten Überblick über die Entwicklung des
Jesuitenordens bis zu Ign. Tode.

Aus Grabmanns Schrift (Inhalt: Einleitung. I.Züge zum
Seelen- und Charakterbild des hl. Th. aus seinen Schriften und aus den
Heiligsprcchungsakten. II. Die Wesenszüge im Seelenleben des hl. Tn.

1. Sapientia. 2. Charitas. 3. Pax. III. Christus und das Seelenleben
des hl. Th.) ist auf zweierlei besonders hinzuweisen: 1.) auf die unzulässige
, bei einem Wissenschaftler wie Gr. doppelt überraschende
Methode, konventionelle Höflichkeitsfloskeln des Th. am Anfang und
am Ende einiger Schriften in Briefform und die Heiligsprechungsakten
, deren historische Wertlosigkeit sich für jeden Unbefangenen
schon aus den ständig gleichlautenden Aussagen der verschiedenen
Zeugen ergibt, ernst zu nehmen und aus ihnen Schlüsse zu ziehen;

2. ) auf eine Reihe feiner Bemerkungen über die Theologie des Th.[
über seine Auffassung des Verhältnisses von Transzendenz und Immanenz
Gottes, von Glauben und Wissen und über die Bedeutung der
Mystik in seinem System.

Berlin. Hanns Rückert.

Thomas von Aquin: Gemeinschaft und Wirtschaft. Nach
ausgewählten Stücken aus den Werken hrsg. u. mit Einleitung u
Anm. vers. v. Studienrat Joseph Rüther. Paderborn: F. Schöningh
. (56 S.) kl. 8". = Ferdinand Schöninghs Sammlung philos
Lesestoffe, 3. Bdchn. kart Rm ,_

Vom gesamten System des Aquinaten erfreut sich wohl kein

Stück einer solchen Berühmtheit wie seine sozialphilosophischen Lehren.