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Ausgabe:

1925

Spalte:

406

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oldham, J. H.

Titel/Untertitel:

Christianity and the race problem 1925

Rezensent:

Richter, Julius

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406

Theologische Literaturzeitimg 1025 Nr. 17.

406

l. Die Oberwindung der Welt, 2. Die Oberwindung der Sünde I betsfrage, die das tiefste Wesen unsers Ich ist, Antwort
durch den von Qott geschaffenen Glauben; 3. Die Gegenwart Gottes : gibt, ist die Lösung aller theoretischen wie praktischen

in den geschichtlichen Faktoren der Erlösung. Nur der letzte Ab
schnitt — er erst bringt die Christologie, die Lehre vom Geiste, von
der Kirche und von der Trinität — bedeutet eine Umlagerung des dogmatischen
Stoffes, und zwar eine höchst seltsame: man liest im
zweiten Abschnitte von der Auferweckung Jesu und vom erhöhten
Herrn (§ 40, 50), aber die Christologie kommt erst im dritten! Die
ganze Heilslehre wird im zweiten Abschnitte abgehandelt, aber vom
heiligen Geiste und von der Kirche hört man erst a posteriori! Diese
Seltsamkeit ergibt sich aus H.s Erlösungs'lehre einigermaßen notwendig.
Aber es bedarf auch keines Wortes, daß bei H.s Anordnung jedenfalls
die Lehrstücke vom Geist und von der Kirche ganz gelähmt erscheinen
. Was Ritsehl wohl zu Letztcrem gesagt hätte? Nirgends ist
es mir so deutlich geworden, wieviel individualistischer und unge-
KhichtUcher — trotz der ständigen Betonung der Geschichte —
Herrmanns Erlösungslch-re gegenüber der Ritschl'schen ist.

Nach Seiten der Form überraschen die Diktate
durch ihre Länge und ihren Stil. Es fehlt ihnen die
Sprödigkeit, aber auch die Strenge von Leitsätzen. H.
diktiert wie er auch sonst schreibt. Man nehme als
Beispiel nur die l1 . Seiten fassende Ausführung über die
große Sünderin S." 76f. In der Tat, man kann, wie
Rade S. VII empfiehlt, das Heft auch „tiefergrabenden
Nichttheologen" in die Hand geben. Aber das ist nicht
nur ein Lob: der systematische Reiz und die Kraft der
Denkschulung, wie sie straffen Leitsätzen eignen, gehen
von diesen breiten, in der Form vom freien Vortrage
kaum zu unterscheidenden Darlegungen nicht aus.

Über Herrmanns Theologie selber soll hier nicht
geredet werden. Ihre gesammelte Wucht, aber auch ihre
monotone Enge kommt beim Lesen der Paragraphen
(die unermüdlichen Wiederholungen sind für das eine
wie für das andere bezeichnend!) aufs Neue zum Bewußtsein
. Bemerkenswert, übrigens schon aus der Ethik zu
erschließen, ist H.s Abwendung von Ritsehl in der
Sündenlehre: zwar wirkt Ritschis Ansatz immer noch
nach, aber das Paradoxon von Notwendigkeit und Schuld-
charakter der Sünde wird mit den Reformatoren betont.
Im übrigen lehrt ein Blick auf die dürftige Behandlung
der Versöhnung (§ 48) und Rechtfertigung (§ 51), der
Prädestination (§ 52) und gar der Eschatologie (§ 53),
wie schnell die Zeiten auch in der Dogmatik sich gewandelt
haben. — Den Diktaten ist eine Gedächtnisrede
M. Rades voraufgestellt, die wertvolle Nachrichten über
Herrmanns Frühentwicklung bringt.

An Druckfehlern notiere ich S. 79 Mitte: „wirksam". Um]
müßte es auf S. 71, Z. 13 v. u. statt „dieses" nicht heißen: „das"?
Rostock. P. Althaus.

Probleme des Menschen.

Die Schrift lehrt beides zugleich sehen, die Stärke
und die Schwäche der Heim'schcn Doginatlk. Als ihre
Stärke sehe ich ihre entschlossene Zurückführung der
erkenntnistheoretischen Frage auf die religiöse. Daß
schließlich die ganze philosophische Weltauffassuiig von
der Gebetshaltung abhängt, deshalb, weil es das Wesen
unsers Ich ist, nach Gott zu fragen, das ist auch mein
Satz. Als Schwäche empfinde ich die ins grandiose
gesteigerte Einseitigkeit, mit der alle Gemeinschaft mit
Gott außer in Christus geleugnet und so die These des
extremen Ritschlianismus noch übertrumpft ist. Was
angesichts der ersten Seite die merkwürdige Folgerung
ergibt, daß der Gebetsakt seinem Wesen nach in
gottloser Einsamkeit ist. Die wahre Aussage dagegen
ist, daß wir ohne Christus zwar in wirklicher stets
auch Antwort Gottes an uns beschließender Berührung
mit Gott, aber unter in Zorn verkehrter Berührung sind.
Wenn Heim so anstelle der Zornesgemeinschaft die
gottlose Einsamkeit setzt, so ist das vielleicht das Modernste
an ihm, aber auch sein entscheidender Streit mit
der reformatorischen Theologie.

Daß man gegenüber diesem Vortrag so in Unmittelbarkeit
, unter völligem Absehen von Heim's mehr als
gewagten Philosophemen (die nach seinem von mir
anerkannten ersten Satze ja auch auf die religiöse Haltung
zurückgeführt werden müssen) die Entscheidungsfrage
stellen kann, das ist sein Vorzug. Aber auch wenn
man mit mir die von mir angefochtene These Heim's
verneint, muß man ergriffen sein von der Vollmacht,
mit der hier verkündet wird, daß allein Christus die
Erlösung ist. ^ _ c

Qöttineen, E. Hirse Ii.

Die Ehre Gottes. Vorträge auf der 2S. Aarauer Studentenkonferenz.
Von Raul Grmi e r , Karl H e i m . Gottloh S C Ii r e n k , Rudolf G roh.
Mit einer Predigt von Lukas Christ. Berlin: Furche-Verlag ]025.
(125 S.) 8".

Aus dieser Sammlung bedarf der Anzeige hier der
Vortrag von Karl Heim, Das Gebet als philosophisches
Problem (S. 35—63). Er ist die lebendigste Einführung
in Heim's übrige Schriften, die man sich denken
kann. Selten hat Heim so unmittelbar, so einfach von
dem gesprochen, was ihm in seiner Theologie am Herzen
liegt.

Das Gebet ist der tiefste Akt unsers geistigen Selbst.
In ihm wird das Wesen unsers Ich, ein ständiges inneres
Sprechen zu sein, das nach einem ihn verstehenden
Du verlangt, offenbar. In ihm wird darum offenbar,
daß wir in unerlöster innerer Einsamkeit gefangen liegen,
an verschlossene Türen pochend. Aber dies ständige
Fragen nach Gott beweist noch nicht einmal, daß
er überhaupt da ist. Die Antwort Gottes vollends ist
freie Gabe, durch die Frage nach ihm noch nicht
gegeben oder verbürgt. Sie ist nicht so gegeben, daß der
Gegensatz von Ich und Du aufgehoben würde; Mystik
und Idealismus, die beiden einander entgegengesetzten
Ausbiegungen aus der Haltung des Gebets, scheitern
an der Innern Unmöglichkeit solcher Aufhebung. Sie
ist allein gegeben in der Wirklichkeit Christus, die uns i Berlin
zum Ruf werden kann. Daß Gott in Christus der Ge- J. Richter.

Olilham, J. II.: Christianity and the race problem. London:
Student Cluistüm Movement 1024. (280 S.) sh. 7, 6.

Es ist eine der erschütternden Tatsachen unsrer
Zeit, daß das Rassenproblem schwieriger geworden ist,
seitdem im Weltkriege zum ersten Male fast die ganze
Menschheit, wenn auch in zwei feindlichen Lagern, ein
halbes Jahrzehnt lang ein großes, gemeinsames Erlebnis
hatte und in dem Völkerbünde versucht hat, sich
irgendwie dauernd zu gemeinsamen Handeln zusammenzuschließen
. Es ist ein Zeichen dafür, daß im Jahre
1924 in den angelsächsischen Missionskreisen nicht weniger
als fünf Bücher darüber erschienen sind. Weitaus,
das bedeutendste ist das von Oldham, dem Generalsekretär
des internationalen Missionsrates. Oldham hat
durch wiederholten Aufenthalt in Indien, Reisen in fast
allen Ländern Europas, in Amerika und im fernen Osten
sowie durch viele persönliche und amtliche Beziehungen
einen unvergleichlich weiten Ausblick auf die Menschheitsfragen
. Er sucht sie mit der Sachlichkeit und Ruhe
des Staatsmannes zu durchdringen und zu einer dem
christlichen Standpunkte angemessenen Lösung der schier
unlösbaren Fragen zu gelangen. Er will dabei auf der
einen Seite der Eigengesetzlichkeit des großen Volkslebens
mit seinen Notwendigkeiten der Expansion, der
gleich wirklichen Rassengleichheit und Rassenverschie-
denheit, der in wachsendem Umfange unvermeidlichen
Blutmischung, des für die einzelnen Rassen immer bedenklicher
zusammen schrumpfenden Nahrungsmittel-
Spielraums gerecht werden. Und er arbeitet doch auf
der andern Seite die ethischen Notwendigkeiten der
christlichen Sittlichkeit heraus. Besonders anziehend sind
die Kapitel, in welchem er, der Brite, das indische Problem
in seiner undurchsichtigen und unberechenbaren
Verworrenheit herausstellt, oder das Kapitel mit der
harmlosen Überschrift „Bevölkerung", das die Probleme
der drohenden Übervölkerung der Erde behandelt