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Ausgabe:

1925

Spalte:

387

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Salzman, Marcus

Titel/Untertitel:

The Chronicle of Ahimaaz 1925

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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387

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Salz in an, Marcus, Ph. D.: The Chronicle of Ahimaaz.

Translatcd with an Introduction and Notes. New-York: Columbia
University Press 1924. (IX, 106 u. 24 S.) gr.8°. = Columbia
University oriental studies. Vol. XVIII. $ 2 -.

Von den italienischen Juden im byzantinischen
Reich wußten wir bisher nur aus den Grabsteinen von
Venosa und den Schriften des Schabbethai Donnolo, eines
Arztes und Schriftstellers, geboren in Oria (913—982).
Da fand Adolph Neubauer die Chronik des Ahimaaz
am Ende des 19. Jahrh. wieder in der Kathedral-Bib-
liothek von Toledo und gab sie heraus in seiner Sammlung
Mediaeval Jewish Chronicles II 111 —132. Da
nach der Versicherung von A. S. Yahuda in Madrid die
Ausgabe Neubauers zuverlässig ist, so ist sie hier ohne
Heranziehung der Handschrift aufs neue abgedruckt,
nur vermehrt um die Verbesserungsvorschläge von Neubauer
, Kaufmann, Bacher, Brody und Anderen (Anhang
S. 2—24). Hinzugefügt ist eine Übersetzung (S. 60
bis 102), eine Einleitung (S. 1—59) und ein Index der
Namen (S. 103—106).

Ahimaaz war 1017 in Capua geboren und schrieb
seine Chronik 1054 in Oria. Sein „Buch der Genealogien
" (PDnV 1DD) ist bekanntlich eine Familienchronik,
die sich über zwei Jahrhunderte erstreckt (850—1050),
der Form und dem Inhalt nach von hohem Reiz. Sie
ist in gereimter Prosa verfaßt, die damals unter arabischem
Einfluß auch bei den Juden Mode war; das
Meisterwerk dieser Literaturgattung, die Maqamen des
Hariri (1054—1122), ist etwas jünger. Ahimaaz war
also nicht nur Gelehrter, sondern auch Dichter. Neben
der arabischen hat auch die byzantinisch - griechische
Literatur auf ihn eingewirkt, in deren Hymnenpoesie damals
die Akrosticha blühten. Der Inhalt ist, obwohl er
zunächst Familiengeschichte bietet und wie die ganze
mittelalterliche Literatur mit dem Geist der Legende
durchsetzt ist, doch auch für die allegemeine Geschichte
jener zwei Jahrhunderte wertvoll: Wir erhalten hier eine
lebendige Schilderung nicht nur der sozialen und politischen
Verhältnisse, unter denen damals die süditalienischen
Juden lebten, sondern auch der byzantinischen
Kultur überhaupt und erfahren manche Einzelheiten
aus der hohen Politik, von denen wir sonst nichts
wissen. So schulden wir dem Verfasser aufrichtigen
Dank, daß er uns diese schwer verständliche Quelle so
bequem zugänglich gemacht hat.
Berlin-Schlaclitensee. Hugo Greßmann.

Grimme, Prof. Hubert: Althebräische Inschriften von Sinai.

Alphabet, Textliches, Sprachliches mit Folgerungen. Hannover:
H. Lafairc 1923. (97 S. m. Abb. im Text, 1 Tab. u. 23 Tat.) I».

Rm. 12—.

Von den Inschriften auf 7 Tempelweihgeschenken
und auf 8 Felstafeln erklärt Grimme selbst auf S. 38
die auf der Sphinx (Nr. 345), die auf der Hockerstatuc
(Nr. 346) und in etwa auch die auf der Weihgabe
Nr. 347 hinsichtlich des Zustandes, in dem die Schrift
auf uns gekommen ist, als zur Entzifferung geeignet.
Im Übrigen „kann der jetzige Zustand der Erhaltung
bei den wenigsten unserer Inschriften eine völlige Entzifferung
versprechen". Grimmes Entzifferungsversuch

fördert auf Nr. 345 die beiden Lesungen n^yDrlKÖ
und PT^DT" "nrP zu Tage. Die Buchstaben der ersten
Gruppe hatte auch Eisler schon so gelesen, in der
Deutung weicht Gr. von E. darin ab, daß er in dem anlautenden
D nicht wie E. die Präposition p findet,
sondern dieses mit zum Wort schlägt und darin ein
Participium DHNp erblickt - „Vielgeliebt von Ba'alet".
Die zweite Inschrift soll bedeuten „Spezialgabe für
Bo'alet". In "Tipp, wofür E. nur TP las, findet Gr.
eine Qittülform, in der der Vokal der 2. Silbe bezeichnet
ist. Form und Bedeutung erscheinen höchst gewagt
. — Auf der Hockerstatue wird die rein horizontale
Zeichengruppe mit Gardiner PT^DT1 gelesen,
die Vertikalreihe von der linken Achsel bis zum Knie

I nnjHD N13D "?Ji „Für das Wachstum ihrer Weide."
Hier bringt Gr. den sicher aramäischen Stamm N3C1,
welcher nur in späten Büchern des A. T. vorkommt, in
eine angeblich hebräische Inschrift aus der Mitte des
2. Jahrtausends, ganz abgesehen davon, daß N und 1
sehr unsicher sind und die Anordnung der beiden Buchstaben
bei Gr. willkürlich ist. N13D soll Inf. constr.
sein. Von der Vertikalreihe zwischen rechter Achsel und
Knie sind die Buchstaben in der Mitte unleserlich, so-
daß man auf Ergänzen und Erraten des Sinnes angewiesen
ist (nach Gr. „Für das Wohlbefinden der Herdentiere
"). Die vierte Inschrift soll auf der rechten

I Seite vertikal beginnen und unregelmäßig horizontal
fortgesetzt sein: „Für das Wohlbefinden' des M(?)
n(?)sh, Obersten der Steinarbeiter auf ? n j." Hier
wie anderswo (s. vorige Inschrift) findet Gr. den Stamm

I Dp, in dem er einen Inf. constr. erblickt und dem er
die in Prov. 24,25 vielleicht (s. dagegen z. B. König)
vorliegende Bedeutung „Wohlbefinden" beilegt. Weiter
findet er zwei Qattälformen px Steinarbeiter und

| pH = Meister, bei welch letzterem er die neuhebrä-

ische Aussprache p~i nicht für unmöglich hält. Auf

den Dubletten 347 und 347a kommt die vertikale Zeichenfolge
p*p vor. Cowley und Eisler hatten darin die
spätphönizische Göttin Tanit gefunden. Gr. sieht darin

I lieber eine Vorstufe des hebr. Infinitivs pp und übersetzt
diesen als Nomen gebrauchten Infinitiv mit „Gabe".
Außer diesen 3 Buchstaben glaubt er ein (unvollständig

j erhaltenes) 3DD »auf dem Sinai" zu entdecken.

| Man sieht, daß die Resultate vielfach unsicher und zuweilen
bedenklich sind. Noch unsicherer ist wegen

I der schlechten Erhaltung des Materiales die Lesung der
Tafelinschriften, die von Gr. als Grabinschriften gedeutet
werden. Wäre Gr.'s Entzifferung und Deutung
als gelungen zu betrachten, dann könnten wir es hier
mit für die Aufhellung der ältesten israelitischen Geschichte
epochemachenden Funden zu tun haben. Denn
wir begegnen auf Tafel 349 nach Gr. S. 94 f. vielleicht
dem biblischen Moses in der Namensform Mcnassae
(vgl. Richter 18, 30) und mit dem ägyptischen Beinamen
Hjatsepsu — hnem — Jamon und hätten sein Bild dann
womöglich in der Hockerstatue zu erblicken. Er erscheint
hier als Oberster der Minenarbeiter, Hauptmann des
Tempels der Ma'na [und] des Jahu [vom] Sinai und
gesteht der Hjatsepsu mit seinen eigenen Worten: Du
warst freundlich, hast mich gezogen aus dem Nil, und
[hast mich gesetzt über] den Pronaos de[r,s] M...,
welcher [auf) Sinai [ist]." Vgl. hierzu schon diese
Zeitschrift 1925 Kol. 31. Gr. selbst nimmt S. 96 von
einer endgültigen Identifikation beider Persönlichkeiten
Abstand — mit Recht. Wichtig wäre es, wenn die
Lesung „Jahu" sicher zu stellen wäre. Aber einmal ist

die Verbindung der Worte ?:c ? In ?fT3Nö HD ~ID
ganz unmöglich, und weiter ist auf den Photographien
hinter den ersten 4 Zeichen nichts sicher zu sehen;
auch die Handkopie hat nur die ersten 4 Zeichen wiederzugeben
gewagt. Ebenso wichtig wäre es, wenn die
fünfmalige Lesung „Sinai" in den Inschriften sicher
wäre. Dann wäre allen luftigen Hypothesen über dessen
Lage ein Ende gemacht, ohne daß man mit Gr. diesen
geographischen Begriff auf das Plateau von Serabit

el Hadem mit dem Gebel Umm Riglain zu beschränken
brauchte. Endlich wäre es höchst interessant, wenn