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Ausgabe:

1925 Nr. 1

Spalte:

371-372

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Edelkoort, A. H.

Titel/Untertitel:

Uittocht en Intocht 1925

Rezensent:

Siegfried, Theodor

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Seite 1

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'371

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 16.

Talmnd Jertäalml defiis Vinizia 283, nid|)as seiut bidefüs ofset muktan
umo'°inad 'al arba' hämisijöt. Berlin : „Sefarim" [Berlin-Charlotten-
burg, Kantstr. 46: ' Jalkut-Verlag] ([5] 685 [19241). (535 S.) 4".
= Der palästinische Talmud, Venedig 1523. rieh- Rm. 40—.

Mit dieser Reproduktion der Erstausgabe des palästinischen
Talmuds von 1523/24 hat sich der Verlag
„Sefarim" in Berlin ein unbestreitbares Verdienst um die
Wissenschaft erworben. Die ältesten Ausgaben beider
Talmude haben dauernd hohen Wert vor allem, weil alte
Manuskripte selten sind. Von den 4 der Bombergschen
Ausgabe des Talmud jeruschalmi zugrunde gelegten
Hss. kennen wir nur eine, nämlich die Leydener Hs.
Scaliger 3, die einzige, welche den Text, soweit er überhaupt
erhalten ist, vollständig bietet. Die Frage, wo die
andern drei geblieben sind, ist noch nicht beantwortet,
und solange sie unbeantwortet bleibt, behält an all den
Stellen, wo Abweichungen von der Leydener Hs. vorliegen
, der Erstdruck handschriftlichen Wert, um so
höhern, als die Mss. nach Schätzung der Editoren (vgl.
deren Bemerkung Schabbat XX fol. 17 col. d.) alte
waren und wir kein Recht haben, ihrer Versicherung gewissenhafter
Vergleichung am Schluß der Edition den
Glauben zu verweigern. Da nun eine kritische Ausgabe
mit Variantenverzeichnis vorläufig eine Utopie bleibt
— ob die Edition von Luncz zu Ende geführt wird,
ist fragwürdig —, so ist Reproduktion der Erstausgabe
das Gescheiteste, was unternommen werden kann. Sie
ist auch darum wünschenswert, weil die späteren Gesamteditionen
Fehler in den Text gebracht haben. Selbst
die in den Anfängen stecken gebliebene Ausgabe von
Frankel, die nach Dalman's Urteil (Grammatik 2 S. 18)
ein sorgfältiger Abdruck der Venediger Ausgabe sein
soll, ist, wie ich mich überzeugt habe, doch nicht ganz
fehlerfrei. Der vorliegende Offsetneudruck hat das Original
nach dem Titel auf 4/5 verkleinert; das stimmt
ziemlich genau. Das hat zur Folge, daß die Ausgabe ein
bequemes Format erhalten konnte, auf der andern Seite
freilich auch, daß der Text nicht ohne Anstrengung zu
lesen ist. Aber darüber hilft ein Leseglas glatt hinweg,
und der Gewinn, daß man den ganzen Talmud in einem
handlichen Format, wie es für den babylonischen Talmud
die billige Berditschewer Ausgabe bietet, vor sich
hat, wiegt die kleine Unbequemlichkeit der Benutzung
eines Glases auf. Das Papier ist ausgezeichnet, die Ausstattung
schlicht, aber geschmackvoll.

Dassensen, Kr. Einbeck. Hugo Duensing.

Edelkoort, Pred. Dr. A. H.: Uittocht en Intocht. Een

Geschiedenis van het Volk Israel van den Uittocht uit Egypte tot
de Vestiging in Kanaan. Utrecht: A. Oosthoek 1024. (XV,
220 S.) 8°. fl. 3.90.

Die Arbeit ist eine von der philosophischen Fakultät zu Groningen
gekrönte Preisschrift. Das Fakultätsurteil hebt mit Recht die
gründliche Gelehrsamkeit und die Gediegenheit der Auseinandersetzung
auch mit abgelegener Fachliteratur hervor. Nach einer einleitenden
Überschau über die Völkerbewegung und -Schichtung im vorderen
Orient behandelt Verf. in vier großen Kapiteln den Aufenthalt
Israels in Ägypten und den Auszug, den Wüstenzug, die politischen
Verhältnisse in Kanaan auf Grund der Amarnabriefe, die Eroberung
Kanaans durch das Volk Israel.

Gegen Ed. Meyer hält E. den Aufenthalt Israels in Ägypten
fest, gegen Steuernagel und Sellin lehnt er es ab, nur einen Teil der
israelitischen Stämme aus Ägypten kommen zu lassen. Die Merneftah-
säule vom Jahre 1220, die von einem Israel in Kanaan weiß und
durch die jene Theorie besonders gestützt zu werden pflegt, führt den
Verf. zu einer weitgehenden Rückdatierung des Auszugs. Nicht
Ramses II. und Merneftah, sondern Thoetmosis III. und Amenofis II.
seien die Pharaonen der Unterdrückung und des Auszugs gewesen.
Wenn Ex. 1,11 die Stadt Raämses durch die Israeliten erbaut sein
lasse, so könne dort der von Ramses II. eingeführte Name für die
ja längst vorher erbaute Stadt vom Standpunkt einer späteren Zeit
gebraucht sein. Auf Grund von Ackerbaugesetzen, die aus der Wüsten-
zeit stammen, sowie wegen des Fehlens von Erinnerungen an die Ereignisse
des angeblich 40jährigen Zuges nimmt Vf. ein langes seßhaftes
Verharren des Volkes in der Gegend von Kades an. In den
Berichten über die Aussendung der Kundschafter, die Umgehung
Edoms und den Kampf gegen die Kanaaniter von Arad (Num. 21)
sieht Vf. Erinnerungen an vergebliche Versuche von Süden in Kanaan

einzudringen. Die Theorie Steuernagcls, daß Juda und Kaleb von
Süden aus ihr Gebiet erobert hätten, lehnt er ab. Der ganze Einmarsch
ist von Osten her erfolgt nach Überwindung Sihons von
Hesbon und zwar in drei unabhängigen Vorstößen, die den Süden, die
Mitte und den Norden Kanaans trafen. Eine ausführliche Zusammenstellung
der laut Jo. und Ri. nicht eroberten Städte soll
zeigen, daß die drei Gebiete durch Streifen nicht eingenommenen
Gebiets getrennt waren. Die Deborah-Berichte Ri. 4 u. 5 werden
ausführlich analysiert. E. will in ihnen nicht Parallelen finden,
sondern glaubt drei verschiedene kriegerische Ereignisse dahinter zu
sehen, einen Kampf bei Kedes am Meromsee, einen zweiten beim
Berg Tabor, einen dritten in der Ebene von Megiddo. Daß auch am
Berge Tabor ein Kedes lag (Jo. 12, 22), habe der Verwechslung
Vorschub geleistet. Der Schlag von Megiddo habe nicht zum erwünschten
Ziele geführt, den feindlichen Streifen zwischen Mittel- und
Nordland zu durchstoßen. In besonders umfangreichen Auseinandersetzungen
versucht Vf. Ri. 16f. zu klären und auch damit seine
These vom nördlichen Einfall Judas zu stützen.

Die Folie zu diesen sehr ausführlichen Erörterungen, denen das
Fakultätsurteil besonderes Lob zollte, gibt eine Darstellung der
kananäischen Verhältnisse auf Grund der Amarnabriefe. In den
daselbst genannten SA.GAZ und Chabiroe erkennt Vf. die Israeliten
wieder. Das Schweigen der israelitischen Tradition über die ägyptische
Oberherrschaft erklärt er aus der tatsächlichen Unsichtbarkeit
derselben, habe doch Amenophis IV. auch seine treuesten Vasallen
vollkommen im Stich gelassen. Den Ertrag seiner Untersuchungen
faßt Vf. in folgenden Hauptdatierungen zusammen: 1870 Ankunft
in Ägypten zur Zeit der Hyksosherrschaft; 1446 Auszug; 1445 bis
1407 Verbleib zu Kades; von 1407 ab Einzug in Kanaan, und zwar
nacheinander durch verschiedene Volksstämme Eroberung von Süden,
Mitte und Norden; Abschluß nach den Deborah-Kämpfen, d. h. nach
1375 durch Eroberung der Megiddocbenc.
Jena. Th. Siegfried.

Bestmann, D. Dr. Johannes: Zur Geschichte des Neu-
testamentlichen Kanons. Gütersloh: C. Bertelsmann 1922.
(136 S.) Su. Rm. 30—; geh. 38—.

Der Titel dieser Schrift ist insofern irreführend,
als nur am Schluß von der Entstehung des neutest.
Kanons gehandelt wird. Der eigentliche Gegenstand
der Darstellung ist die erste Geschichte des Christentums
bis zur Entstehung der katholischen Kirche mit Liturgie,
Bischofsamt und Kanon im Spiegel der altchristlichen
Literatur. Und zwar stellt der Verf. diese Geschichte dar
als die Auseinandersetzung des Christentums mit dem
Judaismus. Vom Judenchristentum entwirft er insofern
ein neues Bild, als er z. B. die Henoch-Apokalypsc
und die Testamente der Patriarchen für judenchristliche
Schriften hält. Als Produkte des Kampfes mit dem
Judenchristentum sind nun alle Schriften des Neuen
Testamentes zu verstehen.

Man wird die Gelehrsamkeit und die originelle
Kombinationsgabe des Verf. anerkennen; aber seine
ganze Konstruktion ist die eines typischen Dilettanten,
der scharfsinnig gewisse Erscheinungen und Probleme
sieht, aber ohne Disziplin seine Phantasie im Konstruieren
walten läßt. Gewisse Beziehungen zwischen der
jüdischen Apokalyptik und der lirchristlichen Literatur
oder zwischen dem Johannesevg. und den Oden Salomos
sind richtig beobachtet, aber sie werden nicht traditionsgeschichtlich
verstanden, sondern stellen sich dem Verf.
als direkte literarische Beziehungen dar. Die Johannes-
apok. ist ein Protest gegen Henoch, und ihre Visionen
laufen den seinen genau parallel. Die drei Teile des
Hermas setzen sich auseinander mit dem 4. Esra, mit
den Test. Patr. und mit Henoch. Das Johannesevg. ist
zu verstehen unter steter Bezugnahme auf die ein zusammenhängendes
Ganze bildenden Oden Salomos. So
habe der Überdruß am Milchgleichnis von Od. Sal. 19
bei Johannes das Gleichnis vom Weinstock hervorgerufen
etc. etc. Dilettantisch sind auch die Datierungen
des Verf.; so gewinnt er einen festen Punkt, indem er
die daregeg nkavipea Jud. 13 auf den Halleyschen
Kometen deutet. Im ganzen wird der etwaige Gewinn
der Lektüre des Buches dank einzelner Beobachtungen
weit durch den Zeitverlust überwogen.
Marburg a. L. R. Bult mann.