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Ausgabe:

1925

Spalte:

353

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Murray, J. O. F.

Titel/Untertitel:

Du Bose as a Prophet of Unity 1925

Rezensent:

Goetz, Hermann

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lyse selbst beschlossen zu haben. Aber es erscheint mir
zweckmäßiger, alle diese Bedenken zunächst nur allgemein
zu äußern, da der 2. wichtigere Band, der vornehmlich
Hegel behandeln wird, noch aussteht.
Bremen. Bruno Jordan.

Murray, Rev. J. O. F., D. D.: Du Bose as a Prophet of Unity.

A. Settel of Lectures on the Du Bose Foundation delivercd at tlic
University of the South. London: S. P.C.K. 1024. (126S.) sh.4,6.8°.
William Porcher Du Bose, ein Abkömmling
französischer Hugenotten, geboren am 11. April 1836,
verstorben am 18. August 1918, wirkte 36 Jahre lang an
der Universität Sewanee in Süd-Karolinia als Professor
der Moralphilosophie und der christlichen Apologetik.
Seine Schriften sind in sieben Bänden von 1892—1911
veröffentlicht worden. Obgleich er kein systematischer
Denker war, hielten seine Schüler die von ihm empfangenen
Anregungen doch für bedeutend genug, um sie der
Vergessenheit zu entreißen. Zu diesem Zweck veranstalteten
sie die jetzt im Druck vorliegende Reihe von
acht Vorlesungen, die vom 7.—10. November 1922 an
der Universität, an der er gelehrt hatte, abgehalten
wurden. Sie führen in seine Gedankengänge ein und
lassen das Zentrum erkennen, um das sie kreisen: Innere
Einheit des Menschen mit Gott als Kernpunkt seiner
Erlösung, und Einheit der Kirche als des Mittels
in Gottes Hand zu einer geistigen Erhebung der gesamten
Menschheit. Ohne sich des Merkworts von der
„Evangelischen Katholizität" zu bedienen, ist es doch
der gleiche Geist und das gleiche Ziel, das sowohl jene
Bewegung trägt wie auch hier seine Schriften durchdringt
.

Greifen wir seine Hauptgedanken heraus, wie sie nacheinander
in diesen Vorlesungen zum Ausdruck kommen, so ergibt sich etwa
folgendes Bild. Die Kraft, welche die Einheit schafft, ist die
Wahrheit. Indem wir aber unsre Bekenntnisse mit ihr gleichsetzen,
machen wir diese zu Werkzeugen der Trennung. Die tiefsten Beziehungen
zwischen Wahrheit und Einheit liegen Ircgründet in der
Person Jesu, der die Natur der ganzen Menschheit an sich trug; darum
sah Du Bose es auch als seine Lehensaufgabe an, in das Geheimnis Christi
einzudringen. Bei seiner Besprechung der Soteriologie des Neuen
Testamentes versucht er die Natur der Errettung von der psychologischen
Seite her zu verstehen; nicht um die Bedingungen handelt
es sich ihm, die dazu von Seiten Gottes zu erfüllen sind, sondern er
betrachtet das Problem von der Seite der menschlichen Erfahrung
her, wonach Christus — als Gott und Mensch — diese Erlösung beschaffen
mußte, weil die Menschheit von sich aus dieses Ziel nicht
erreichen kann. Den hier gefundenen Schlüssel legt er an das ewige
Problem der Natur und Person Christi an, der auch uns zu einer
Geburt der Göttlichkeit in der Menschlichkeit und damit zur Einheit
unsres Herzens und Willens mit Gott führen will. Eine Fortsetzung
solcher ,,Fleischwerdung" sieht er in der Kirche, die
Christi Leib ist, das „Sakrament seiner beständigen Gegenwart unter
den Menschen". Sie ist das Mittel in Gottes Hand, die ganze
Menschheit zu einer geistigen Erhebung zu führen. Dazu aber
ist die Einheit der Kirche erforderlich, für die der Verfasser eine
geradezu leidenschaftliche Verehrung bezeugt. Einheit muß das

Wenn der Verf. den Wert der Beobachtung der
eigenen Kinder durch die Eltern betont und über das
ganze Buch hin aus dem an seinen eigenen Kindern gewonnenen
Material erweist, so weist er doch mit Recht
auf die Schwierigkeit hin, auf diesem Weg von psychologisch
ungeschttlten Eltern sachlich richtig beobachtet
und unbefangen gedeutetes Material zu erhalten. Ref.
möcht sogar bezweifeln, ob es im Interesse unbefangener
Persönlichkeitsentwicklung läge, wenn derartige eingehende
und lange fortgesetzte Beobachtungen an ihren
Kindern von vielen Eltern durchgeführt würden. Denn
die wenigsten werden die Unbefangenheit und Objektivität
des Sternschen Ehepaars besitzen und ihre Kinder
von dem Wissen um die Beobachtung ganz ausschließen.

Der große Stoff ist in 9 Abschnitten ausführlich
besprochen. Dabei die ersten Abschnitte die sprachlose
Zeit und die Sprachentwicklung, dann die Bildbetrachtung
, das Gedächtnis, der 6. und 7. Abschnitt Phantasie,
Spiel und erste freie Gestaltung. Erst im 8. Abschnitt
werden die intellektuellen Leistungen, Begriffsbildung,
Urteil, Schließen ausführlich abgehandelt. Erzieherisch
von besonderer Bedeutung und besonders eingehend und
liebevoll dargestellt ist der 9. u. 10. Abschnitt über
Trieb-, Gemüts- und Willensleben, wobei namentlich das
kindliche Ich, die persönlichen und sozialen Gefühle des
Kindes, die Bedingungen und Wirkungen der Strafe
glänzend herausgearbeitet sind.

Je mehr man die Bedeutung der frühesten Kindheit
für die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen
erkennt, um so nötiger ist es für alle, die mit Erziehungsaufgaben
zu tun haben, sich mit der Psychologie
dieses Lebensalters vertraut zu machen, ganz abgesehen
von der reichen Quelle von Erkenntnis, welche
aus der Beobachtung dieser Lebensperiode für die
Ethik, nicht zuletzt für die Religionspsychologie fließt.

Chemnitz. Willi. Weber.

Ziehen, Prof. Theodor: Das Seelenleben der Jugendlichen.

Langensalza: H. Beyer & Söhne 1023. (90 S.) 8". = Friedrich
Atanns' Pädagog. Magazin, Heft 916.

Der Verf. will hier nur die wichtigsten Tatsachen
geben, die man aus exakter Beobachtung und wissenschaftlicher
Analyse über das Seelenleben der Pubertätsjugend
erschließen kann, und er wendet sich ausdrücklich
gegen die Veröffentlichungen auf diesem Gebiet
, die mehr einer Feuilletonskizze gleichen und sogar
Romanzitate bringen. Zu einer solchen exakten Tatsachensammlung
ist Ziehen durch seine anerkannte
Stellung als Psychiater und Philosoph wie kein zweiter
befähigt.

Die Einleitung weist darauf hin, daß 3 Momente
die seelische Umwandlung der Pubertät bedingen: die
anatomische Weiterentwicklung des Gehirns, die Reifung
der Geschlechtsdrüsen ,wobei aber nicht in erster

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grundlegende und schöpferische Kennzeichen der Kirche sein. Linie die GeschlechtStlinktlOn, sondern vor allen die

Dortmund h Goetz innere Sekretion dieser Drusen m Wirkung tritt, und

--!---:---:— die durch die Änderung der äußeren Lebensverhältnisse

Stern, William: Psychologie der frühen Kindheit bis zum bedingte Erweiterung der Umwelt.

sechsten Lebensjahre. Mit Benutzung ungedruckter Tagebücher, j In den folgenden Kapiteln, welche die seelischen
3. umgearb. u. erweit. Aufl. Leipzig: Quelle & Meyer 1923. (XVI, , Erscheinungen der Pubertät im Bereich der Empfin-
473 s. m. 7 Taf.) s". Rm. 5.60; geb. 8.40. i dungs- und Denkvorgänge und im Bereich der Gefühls-
Das Buch Sterns ist wohl unbestritten die um- i und Willensvorgänge behandeln, steht der Verf. völlig
fassendste und exakteste Darstellung des Seelenlebens j auf dem Boden der von ihm mitgeschaffenen Asso-
Ü ,v.leinkindes. Mit allen Hilfsmitteln der wissen- I ziationspsychologie, welche z. B. den Willen nicht als
schaftlichen Psychologie arbeitend wird die Darstellung ! eigene primäre Seelenfunktion auffasst, sondern ihn
doch niemals fachmäßig trocken, sondern bleibt in | restlos auf Empfindungs-, Vorstellungs- und Gefühls-
Form wie in Inhalt lebendig, anschaulich und auch dem j prozesse zurückführt. Die Klarheit und Lehrhaftigkeit
Laien verständlich. Durch alle Ausführungen zieht sich ! der Darstellung wird durch diesen Standpunkt erheblich
der grundlegende Gedanke von der Ursprünglichkeit, j erleichtert. Im einzelnen werden dann die Verände-
Eigenheit und Einheit des kindlichen Denkens und gei- j rungen geschildert, die sich in der Pubertät vollziehen bei
stigen Lebens im Gegensatz zu der Auffassung der rei- j den Verstandesleistungen, im Bereich der Gefühls- und
nen Assoziationpsychologie. Dabei wird immer wieder Willensvorgänge, immer an der Hand möglichst exakter
gezeigt, wie alle seelische Entwicklung hervorgeht aus Experimentaluntersuchungen und Vergleiche zwischen
dem Zusammentreffen innerer Veranlagung mit äußerer Kindern und Jugendlichen, so daß hier wirklich objek-
Einwirkung. tive Resultate vorliegen. Auch auf das Gebiet der ethi-