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Ausgabe:

1925 Nr. 14

Spalte:

326-327

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schröder, Alfred (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg, im Auftrag des Historischen Vereins Dillingen hrsg. VI. Bd 1925

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 14.

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und zog sich auf das „Mysterium" zurück (fr. 146).
Und doch konnte er rationale Gründe da geltend
machen, wo sie das Mysterium entleeren! Wenn die
arp&ctQOia, so konnte er schreiben, nicht schon vor der
Auferstehung in Christo war, so konnte er nicht auferstehen
(fr. 121; vgl. S. 189, Anm. 10). Nach alle dem
erscheint mir die Sündenlehre Julians nur wie eine
nachher gezogene Hilfslinie.

Von hier aus rückt m. E. auch die Frage des „Euty-
chianismus" Julians in ein anderes Licht, als das ist, in
dem sie bei D. steht. Die sancta simplicitas des Eutyches
vermochte dem bfioavaiog vti(iv, das man ihm aufzwingen
wollte, nicht zuzustimmen, — das freilich ist Tatsache.
Aber würde er für die Distinktionen Julians, soweit er
sie verstanden hätte, nicht in demselben Maße zugänglich
gewesen sein, wie Cyrill für die des Severus? War
nun die Christologie Severs, obgleich das „developpe-
ment scientifique de la christologie monophysite" (Le-
bon S. 235 ff.) sie von der Cyrills in einigem unterschied
, dennoch „une fidele copie" der Lehrweise des
„illustre Docteur" (Lebon S. 522), dann kann Julian in
demselben Sinne an die Seite des Eutyches gestellt werden
. Doch liegt mir daran nichts; man kann auch mit D.
der Terminologie Lebon's folgen. — Nicht ganz so nachgiebig
bin ich gegenüber dem Vorwurf, ich unterschiede
(Harnack-Ehrung S. 246 f.) nicht die von Leontius (adv.
Nest et Eut. II) ungenau wiedergegebenen Formeln der
von ihm angegriffenen Aphthartodoketen von denen des
genuinen julianismus (S. 217; vgl. Revue d'histoire
ecclesiastique 18, 1922, S. 580 f.). Denn ich spreche
da nur von „orthodoxen", d. h. (vgl. a. a. O. 236) chal-
cedonensisch gesinnten, Aphthartodoketen; und daß deren
Anschauungen denen Julians nicht völlig glichen, nehme
ich heute, wie vor vier Jahren, an. Doch auch das ist
von geringerer Bedeutung. Eines aber scheidet mich
(d. h. mein dogmengeschichtliches Verständnis) wirklich
von Draguet und Lebon. Letzterer hat den Severiani-
schen Monophysitismus zu Ehren gebracht: er ist ihm
nur eine „Nuance" der chalcedonensischen Orthodoxie
(S. 521); Draguet hat nun auch den Julian möglichst
orthodox frisiert. Da liegt, wie Lebon (a.a.O.) richtig
sieht — doch lasse ich mich auf die Formel, das Chal-
cedonense habe „unentschieden gelassen", ob Christus
»ein individueller Mensch" gewesen sei, nicht festnageln
—, eine wissenschaftliche Differenz vor. Denn ich
kann nicht zugeben, was Lebon (S. 522) behauptet, daß
die „Neo-chalcedoniens", (der Zeit Justinians) „n'ont
pas change la christologie du synode". „Die Synode"
hatte überhaupt keine einheitliche Christologie. Aber
ist's nur eine wissenschaftliche Differenz? Ist
es Zufall, daß A. v. Harnack, R. Seeberg und ich hier
übereinstimmen? Ich bitte die Herren Draguet und
Lebon, nicht konfessionellen Eifer darin zu sehen, wenn
ich meine, daß auch die Konfessionsverschiedenheit hier
eine Rolle spielt. Bei denen, die in der orthodoxen
Tradition der allgemeinen Konzile, des fünften wie
des vierten, stehen, ist eine Stellung zum Monophysitismus
, wie sie Lebon, Draguet u. a. einnehmen, begreiflich
, und die weitherzige Beurteilung eines Severus und
selbst eines Julian erklärlich. Denn die orthodoxe
Christologie steht noch heute dem Monophysitismus
viel näher, als ihre Anathematismen vermuten lassen.
Doch die für einen Kenner des Syrischen überaus lockende
Aufrzabe einer Monographie über Theodor v. Mopsu-
este wird auf römisch-katholischer Seite nicht leicht
eine Bearbeitung finden und, wenn doch, keine so weit-
"Jjr2'^» wie die Monophysitenführer sie gefunden haben.
Wir Evangelischen aber haben, da für uns an der
Dogmengeschichte d asjenige am lockendsten ist, was
irgendwie der Erkenntnis des ursprünglichen Christentums
dienen kann, für die Antiochener ein größeres
'uteresse, weil sie in einer älteren Traditionslinie stehen,
als die Alexandriner. Denn daß Jesus Christus nach dem
N.T. „ein individueller Mensch" gewesen ist, wage ich
trotz aller Mißverständnisse, denen die Paulinische und

Johanneische Theologie noch heute ausgesetzt ist,
dennoch als unbestreitbar anzusehen.

Halle a. S. Friedrich Loofs.

Kurfess, A.: Auswahl aus Augusiins Qottesstaat. Leipzig:
B. O. Teubner 1925. (32 S.) 8°. = Eclogae Graecolatinae, fasc. 14.

Rm. —60.

Kurfeß hat aus de civ. Dei 23 Stücke ausgewählt, dazu als Anhang
das Sibyllenorakel auf die Ankunft des Herrn beim Weltgericht
aus de civ. XVIII, 23 nebst dem griechischen Urtext und einer
deutschen Übersetzung in Hexametern von Pfättisch (ebenfalls mit dem
Akrostichon Trjaovs Xpcorbg />coü vibg owrr'p). In der knappen
Einleitung wird noch eine Stelle aus de civ. XV, 1 und Augustins
Rück- und Überblick in Ratract. II, 69 angeführt. In der Literaturangabe
fehlt neben A. v. Harnacks Auswahl aus Augustin die von
Josef Bernhart. K. läßt bei der Wiedergabe der Texte (nach Dombart)
sowohl in Sätzen einzelne Satzteile wie in Kapiteln längere Sätze aus,
ohne dies durch Punkte kenntlich zu machen oder in der Einleitung
davon zu reden, ein Verfahren, das kaum zu billigen ist. S. 7 Z. 30
muß es ,suam' heißen statt ,quam', S. 20 Z. 17 ,dilectione' st.
,delectione', Z. 29 ,necessariarum' st. ,necessarium'. Die Anmerkungen
geben nützliche Fingerzeige über Satzbildungen und Wortbedeutungen.
Doch ist in der Bemerkung zu Nr. 10 (S. 10 Z. 16) der Sinn etwas
verschoben, da es sich nicht um die Verantwortung', sondern um die
,gloria' (vor Gott oder vor den Menschen) handelt, ähnlich zu Nr. 20
(S. 23 Z. 35): der betreffende Staat ist nicht ,nur sich selber verantwortlich
', sondern entzieht sich dem Gehorsam gegen Gott.
S. 13 Z. 24 wird ,stupor' mit .Stumpfsinn' wiedergegeben, was den
Sinn nicht trifft. Vielmehr bedeutet bei dem erklärenden Genetiv
,superbiae Stupor' das Wort Stupor ungefähr soviel wie superbia (vgl.
nachher .superbiae cervice'). So heißt es bei dem die Häufung gleichbedeutender
Wörter liebenden Cyprian in ep. 52, 2 (617, 21 Härtel):
ärrogantia et stuporc superbi tumoris inflatus, vgl. auch ep. 73,3
(780,3), de rebapt. c. 1 (A. 70, 19). S. 23 zu Z. 11 ist aus .Begriff
ein .Angriff geworden. S. 4 zu Z. 3 (bezw. S. 24 zu Z. 12) hätte bemerkt
werden sollen, daß .peregrinari' dem griechischen nupoixetv
entspricht. Anspielungen an Schriftstellen sind, wie bei Dombart,
öfters übersehen. So müßte zu ,ex fide vivens' (S. 4 Z. 3 u.ö.) auf
Rom. 1, 17 (Gal. 2, 11. 20) verwiesen sein; zu S. 9 Z. 14 auf
I. Tim. 2, 5; S. 10 Z. 4 auf Rom. 5, 14; S. 20 Z. 15 auf I. Kor
7, 21 (Diese vielumstrittenc Stelle versteht also Augustin so, daß der
Sklave von der Möglichkeit, frei zu werden, Gebrauch machen soll).
S. 20 zu Z. 2 muß es statt Joh. 8, 14 heißen Joh. 8, 34.

München. Hugo Koch.

Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg, im Auftrag
des Historischen Vereins Dillingen herausg. von Prof. Dr.
Alfred Schröder. VI. Band, 1. H. 2. Lfg. 1921, 3. u. 4. Lfg.
1923. Dillingcn: Selbstverlag des Herausgebers. (432 S. m. e.
Karte.) 8°.

Diese bis jetzt in weiteren wissenschaftlichen Kreisen
wenig bekannte Zeitschrift enthält verschiedene Arbeiten
, welche Beachtung verdienen. Z ö p f 1, der auch
die Geschichte des Augustinerklosters in Mindelheim geschrieben
hat, behandelt das Jesuitenkollegium in Mindelheim
, dem 1617 das in der Reformationszeit eingegangene
Augustinerkloster übergeben wurde, in seinen
Schicksalen bis zu seiner Aufhebung 1773 und dann das
Leben und Tätigkeit der Mindelheimer Jesuiten. Nachdem
das Archidiakonat in verschiedenen Bistümern eine
Untersuchung gefunden hat, wendet sich A. Schröder
dem Archidiakonat im Bistum Augsburg zu und untersucht
das Verhältnis desselben zum Archipresbyterat,
das nach und nach jenem weichen mußte, zeigt, wie es
zeitweilig mehrere Archidiakonate gab, aber im Archidiakonat
des Domdekans, dessen Amtskreis er genau beschreibt
, sich bis in die neuere Zeit erhalten hat.

Eine wichtige Arbeit von Schröder ist das „Kirch-
weihfest und die Patrozinien des Domes". Er untersucht
die Entstehung des Doms bis zurück in die römische
Zeit, wo wohl die Kirche im Tempel des Forums erbaut
wurde, dann an die Stelle der basilica fori kam, als
der Eifer der neubekehrten Alamannen die Mittel zum
Neubau gab. Die Weihe des Doms soll Bischof Simpert
vorgenommen haben. Sie wurde jährlich am 28. September
mit viel Gepränge gefeiert. Schröder nimmt an,
daß die Domweihe mit ihren Gebräuchen ein Ersatz für
die heidnische Herbstfeier war. Eigenartig ist das Fest
der Engelweihe, das mit der Domweihe gefeiert wurde,